Chasydzi z Bobowej

[jidd. Bobower chasidim]

Ein chassidische Gruppe, die von Szlomo (1847–1906), einem der Enkelkinder des Zaddiks Chaim Halberstam aus Nowy Sącz (Neu Sandez) gegründet wurde. Szlomo wuchs im Hause seines Großvaters auf und eignete sich dort auch sein Wissen an. Er füllte in Oświęcim (Auschwitz) und Wisznica die Funktion des Rabbiners aus. Er war Lehrer vieler herrausragender Rabbiner. Als Mitglied einer Delegation an das österreichische Bildungsministerium protestierte er gegen die Ausweitung von weltlichen Lehrinhalten für Juden. Ende des 19. Jh.s ließ er sich im Städtchen Bobowa (Małopolska, dt. Kleinpolen) nieder, das der Familie Długoszewski gehörte. Hier gründete er eine Jeschiwa, die viele Schüler anzog. In der Zwischenkriegszeit war sie eine der einflussreichsten chassidischen Gruppen; zu höheren Feiertagen kamen einige Tausend Chassiden nach Bobowa. Die Dynastie aus Bobowa setzte die Lehren des Zaddiks Chaim Halberstam aus Nowy Sącz fort, indem sie viel Wert auf das Studium des Talmunds und auf ein bescheidenes, beinahe asketisches Leben legte. Der Nachfolger von Szlomo Halberstam wurde sein Sohn Ben-Cion (1874–1941), Gründer von 16 Jeschiwas in ganz Małopolska. Er war für seine musikalische Begabung bekannt und war selbst Autor und Interpret vieler Lieder. Er nahm aktiv am politischen und sozialen Leben teil und organisierte Hilfe für die Juden polnischer Herkunft, die 1938 gezwungen wurden Deutschland zu verlassen, und für diejenigen Juden, die von der polnischen Regierung im Lager Zbąszyn (Bentschen) untergebracht wurden. Seine Wohltätigkeit war legendär. Er wurde auch durch die rauschenden Hochzeiten berühmt, die er für seine Töchter ausrichten ließ. Er wurde nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in die Stadt im Juli 1942 in Lwów (Lemberg) zusammen mit vielen seiner Familienangehörigen ermordet. Der Nachfolger von Ben-Cion wurde sein Sohn Szlomo (geb. 1908), dem es gelang, Polen während des Zweiten Weltkriegs zu verlassen. Er ließ sich in New York nieder und gründete dort eine Jeschiwa. Gebetsgemeinschaften der Chassiden aus Bobowa existieren auch in London, Jerusalem, Antwerpen, Toronto und Montreal.

 

Hanna Węgrzynek

Der Text stammt vom Portal Diapozytyw, früher Eigentum des Adam-Mickiewicz-Instituts.
Der nebenstehende Text stammt aus dem Buch „Historia i kultura Żydów polskich. Słownik“ („Die Geschichte und Kultur der Polnischen Juden. Glossar.“), dessen Autoren Alina Cała, Hanna Węgrzynek und Gabriela Zalewska sind. Das Buch wurde beim Verlag WSiP herausgegeben.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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