Chasydzi z Kozienic

[jidd. Koznicer chasidim]

Eine chassidische Gruppe, die von Israel ben Szabtaj Hepstein (Hapsztejn, Hofstein, 1733–1814) aus Kozienice gegründet wurde, Magid [hebr. Prediger] genannt, ein Prediger und Zaddik und einer der wichtigsten Vertreter  des Chassidismus. Er war Schüler von Dow-Ber aus Międzyrzecze, sowie von Elimelech aus Leżajsk und von Lewi Icchak aus Berdyczów (Berdytschiw). In seiner Jugend wurde er Melamed im Cheder in Przysucha. Einer Sage zufolge berührte Elimelech aus Leżajsk auf dem Totenbett sein Herz, und übertrug auf diese Art und Weise seine große Güte und Empfindsamkeit auf ihn. Etwa 1765 ließ er sich in Kozienice nieder. Er führte ein asketisches Leben und war für seine Wohltätigkeit bekannt. Er war ein geschätzter Talmudist und Kabbalist, und Autor des posthum veröffentlichten Werkes Awodat Israel [hebr. Israels Arbeit, 1848]. Seine Lehren waren trotz zahlreicher kabbalistischer Einschläge von Transparenz und Klarheit gekennzeichnet. Er hatte enormen Einfluss auf seine Zuhörer und gewann viele Befürworter hinsichtlich der ekstatischen Art und Weise, auf welche er Gebete aufsagte. Er galt als Wundertäter und Heilpraktiker, insbesondere half er Frauen, die unter Unfruchtbarkeit litten.  Seiner Ansicht nach waren die geistige Leitung der Gemeinde und eine Anleitung der Gläubigen, wie sich diese dem Schöpfer nähern konnten, die Hauptaufgaben des Zaddiks. Von vielen Rabbinern, die den Chassidismus ablehnenten kritisiert, bemühte er sich beim Zaren ein Verbot durchzusetzen, antichassidische Schriften zu veröffentlichen. Er engagierte sich im politischen Bereich, u.a. war er Mitglied einer Delegation, die sich bei der Regierung des Herzogtums Warschau um eine Senkung jüdischer Steuern bemühte. Er war außerdem als Bibliophiler und Besitzer einer Sammlung von Frühdrucken und Handschriften bekannt. Seine Nachfolge übernahm sein Sohn Mosze Eljachim Bria (1757–1828), der meinte, dass der Zaddik in der Nähe der Gläubigen leben und sich bemühen sollte, das geistige Niveau der Gemeinde zu steigern. Seine Nachfolger waren der Reihe nach: Eleazar (1806–1862); Jehiel Jaakow (?–1866); Jerachmiel Mosze (1860–1909); Aron Jehiel (1889–1942), der Kozienice verließ und in Łódź [Lodsch], Warszawa [Warschau] und Otwock residierte. Er starb im Warschauer Ghetto an Typhus.

Hanna Węgrzynek

Der Text stammt vom Portal Diapozytyw, früher Eigentum des Adam-Mickiewicz-Instituts.
Der nebenstehende Text stammt aus dem Buch „Historia i kultura Żydów polskich. Słownik“ („Die Geschichte und Kultur der Polnischen Juden. Glossar.“), dessen Autoren Alina Cała, Hanna Węgrzynek und Gabriela Zalewska sind. Das Buch wurde beim Verlag WSiP herausgegeben.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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