Jüdische Kampforganisation (ŻOB)

Eine konspirative militärische Organisation im Warschauer Ghetto, gegründet am 28. Juli 1942, in der ersten Woche der großen Deportationen aus dem Ghetto. Gründer der ŻOB waren unter anderem I. Zukierman, C. Lubetkin, M. Tenenbaum und J. Kapłan, Aktivisten der drei Jugendorganisationen Hashomer Hatzair, Dror, Ha-noar Ha-iwri „Akiba“. Zudem wurden auch Organisationen in Białystok (Tenenbaum), Krakau (Zukierman), Sosnowiec (Sosnowitz) und Będzin (Bendzin; M. Anielewicz) gebildet.

Eine der ersten Aktionen des ŻOB war das Attentat auf den Kommissar der Judenpolizei, J. Szeryński, das I. Kanał am 20. August noch während der Deportation durchführte. Es wurden auch Brandstiftungsaktionen auf szopy [Schopen] Produktionsbetriebe durchgeführt und Menschen aus dem Ghetto zu Partisanenabteilungen geführt. Um Waffen zu erhalten, wurde mit der Polnischen Heimatarmee (AK) Kontakt aufgenommen. Unter dem Einfluss von H. Woliński (Jüdisches Referat im Büro für Information und Propaganda der Hauptkommandantur der AK), der Gespräche mit Vertretern der gesamten jüdischen Gesellschaft forderte, wurde das Jüdische Nationalkomitee (poln.: Żydowski Komiet Narodowy (ŻKN)) einberufen. Außer den oben genannten Organisationen gehörten ihm Poalei Zion, die Zionistische Organisation und die Polnische Arbeiterpartei an. Die Partei Bund erklärte, nicht dem ŻKN beizutreten, da sie mit der politischen Linie der Zionisten nicht einverstanden war. Um Programmunterschiede in Einklang zu bringen, wurde das Jüdische Koordinationskomitee (poln.: Żydowski Komitet Koordynacyjny (ŻKK)) einberufen, das ŻKN und Bund verband. Die ŻOB unterstand direkt dem ŻKK. Gegenüber den polnischen Behörden vertraten sie A. Berman (Poalei Zion – Linke) und L. Feiner (Bund).

An der Spitze der erweiterten ŻOB stand Anielewicz (Hashomer Hatzair), sein Stellvertreter wurde M. Edelman (Bund). Die Organisatorischen Abteilung leitete Zukierman, den Nachrichtendienst dagegen J. Morgenstern (Poalei Zion –Rechte). Im November begann man mit der Erweiterung der Kampfstrukturen nach dem Modell der AK (der sog. Fünfer). Insgesamt wurden 22 Kampftruppen gebildet. Man begann, Schulungen durchzuführen. Im Zusammenhang damit, dass die AK ihr Versprechen, Waffen zu liefern, nicht hielt (bis Januar 1943 übergab man nur 10 Pistolen), wurde eigenständig eine Waffenproduktion begonnen.

Es wurden Attentate auf Kollaborateure und Spione organisiert, u. a. auf die jüdischen Polizisten J. Lejkin (28.10.1942), I. First (29.11.1942) und auf den im Verdacht auf Denunziantentum stehenden A. Nossig (23 II 1943). Zum ersten Gefecht kam es im Januar 1943, es führte zum Rückzug der deutschen Truppen aus dem Ghetto. Am 19. April 1943 brach der Aufstand im Warschauer Ghetto aus, die erste bewaffnete Auflehnung im besetzten Europa. Trotz der enormen Überlegenheit des Feindes dauerten die Kämpfe über einen Monat an. Die Mehrheit der Kommandeure und ŻOB-Soldaten kam um. Einige jedoch gelang es, durch die Kanäle aus dem Ghetto zu entkommen. Sie wurden von Partisanenabteilungen, hauptsächlich der Armia Ludowa (dt. Volksarmee) rekrutiert. Eine Kampfgruppe unter der Führung von Zukierman kämpfte im Warschauer Aufstand 1944.

Gabriela Zalewska

Der Text stammt vom Portal Diapozytyw, früher Eigentum des Adam-Mickiewicz-Instituts. Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:
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