przestępczość

Die Kriminalität unter Juden hing mit ihren traditionellen Beschäftigungsfeldern und ihrem Wohnort (vor allem Städte) zusammen. Im Laufe der Zeit veränderte sich diese sowohl zusammen mit dem Wandel der jüdischen und polnischen Gesellschaft, als auch mit dem sich ändernden rechtlichen Status der Juden. Die ersten Informationen über Juden, die Kontakte zur Unterwelt hatten, stammen aus dem 14.Jh. In einem Memorandum, das dem König 1367 von Krakauer Bürgern vorgelegt wurde, beschwerte man sich, dass die Juden Diebe verbergen und sich diese somit einer Bestrafung entziehen würden. Im 16. und 17. Jh. waren 65% der Krakauer Hehler Juden (darunter auch Jüdinnen). Die Situation in Poznań [Posen] und Lublin sah ähnlich aus. Die Hehler waren eine wichtige Gruppe in der Verbrecherhierarchie, sie bildeten die Grundlage für Diebe. Jüdische Hehler waren häufig außer ihrer kriminellen Tätigkeit auch legalen tätig – zum Beispiel mit Handel oder Geldverleih und lebten in jüdischen Gemeinden. Als Sz. Hubicki über den Nutzen einer Verbannung der jüdischen Bevölkerung aus Polen schrieb, nannte er die Bekämpfung des Diebstahls als einen wichtigen Grund, da es nach einer Vertreibung der Juden nicht mehr möglich wäre, die gestohlenen Waren zu verkaufen. Die unmittelbare Teilnahme der Juden an Diebstählen und Raubüberfällen war relativ gering. Manchmal initiierten Hehler Beutezüge, indem sie den Dieben reiche Häuser und Läden (auch jüdische) zeigten. Eine hohe Anzahl von Juden, die sich mit Hehlerei befassten hielt sich auch noch im 19.Jh., aber zu dieser Zeit gab es auch andere Arten von Verbrechen, wie Schmuggel, Menschenhandel und Zuhälterei. Von L. Hersch durchgeführte Forschungen zeigen, dass die Kriminalität unter Juden in der Zwischenkriegszeit niedriger war als bei der christlichen Bevölkerung. Nur bestimmte Verbrechen wie Spekulationsgeschäfte, Landstreicherei oder Bettelei, die die damalige Gesetzgebung als Vergehen betrachtete, wurden häufiger von Juden als von den anderen Bevölkerungsgruppen begangen. Viel seltener wurden Verbrechen wie Raubüberfälle, Körperverletzung, Prostitution, Sabotage oder auch Spionage von Juden begangen. Die Zahl der Wirtschaftsverbrechen (Betrug, Wechselfälschung, Verstöße gegen das staatliche Monopol) und der schon seit dem Mittelalter traditionellen Hehlerei war unter Christen und Juden ähnlich hoch. Sowohl die Zeit der großen Wirtschaftskrise und der daraus resultierenden Verarmung der Gesellschaft, als auch rechtliche Diskriminierungen trugen zweifellos zur Zunahme mancher Verbrechensformen, die ausschließlich für Polen charakteristisch waren, bei. Die Kriminalität der Juden hatte eine andere Struktur als z.B. in den USA wo in den 30en Jahren jüdische Gangs aktiv waren. Schwächere gesellschaftliche Barrieren am Rande der beiden Gemeinschaften, der polnischen und der jüdischen, begünstigten Kontakte zur Unterwelt. Es entstanden gemischte jüdisch-christliche Diebes- und Schmuggelbanden, christliche Verbrecher nutzten die Dienstleistungen der jüdischen Hehler usw. Diese Beziehungen hinterließen Spuren in der Diebesmundart – aus den Sprachen jüdischer Herkunft stammen z.B. solche Wörter wie: „melina“ [Jid. malim zajn = verbergen] – ein Versteck für gestohlene Sachen; „trefny“ [unsaubere, verbotene Nahrung] – gestohlen; „mojre“ [Hebr. mora] – Angst, Respekt; „dintojra“ [Hebr. din Tora = religiöses Gericht] – Rache; „chewra“ [Hebr. Gesellschaft, Gruppe, Gang] – Bande usw.

Der Text stammt vom Portal Diapozytyw, früher Eigentum des Adam-Mickiewicz-Instituts.
Der nebenstehende Text stammt aus dem Buch „Historia i kultura Żydów polskich. Słownik“ („Die Geschichte und Kultur der Polnischen Juden. Glossar.“), dessen Autoren Alina Cała, Hanna Węgrzynek und Gabriela Zalewska sind. Das Buch wurde beim Verlag WSiP herausgegeben.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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