Talmud

[hebräisch: das Lernen]

Neben der Bibel das wichtigste Buch des Judentums. Es enthält Erläuterungen zur Heiligen Schrift, rabbinische Diskussionen, sowie moralische Anweisungen und Gleichnisse. Es handelt von Themen, wie das Wesen Gottes, die Kosmologie, das Leben nach dem Tod, die Auferstehung, das Jüngste Gericht, der Messias, das Wesen des Menschen, die menschliche Seele, Sünde und Reue, Belohnung und Strafe, Glaube und Gebet, Zivil- und Strafrecht, das Familienleben, die Rolle der Frau, Kindererziehung, das Individuum und die Gemeinschaft, moralische Prinzipien (Gott, anderen Menschen und Tieren gegenüber), Anweisungen zu einem frommen Leben, Ernährungshinweise, die Sorge um Körper und Gesundheit sowie Dämonologie. Der Talmud entstand schrittweise, seine grundlegenden Teile wurde im 4. Jahrhundert verfasst, einige Abschnitte sind erst später entstanden. Er besteht aus zwei Teilen: Der erste, Mischna, ist die von den Tannaim angefertigte Niederschrift des mündlichen Rechts. Der zweite, Gemara, erläutert die Mischna. Die Gemara entstand in zwei Varianten, einer palästinischen und einer babylonischen. Die beiden Versionen sind im Judentum bis heute von Gültigkeit. Der Jerusalemer Talmud (hebräisch: Talmud Jeruschalmi, 4. Jahrhundert) wurde nicht weiterentwickelt, während dem Babylonischen Talmud (hebräisch: Talmud Bavli, ungefähr 500 u. Z.) laufend neue Erläuterungen (hebräisch: Tosefta) und rabbinische Entscheide über religiöse Probleme (Raschi) beigefügt wurden. Er blieb durch die sich ändernden Bedingungen stets eine lebendige Interpretation der Religion. Die im Talmud angesprochenen Themen, die das religiöse Recht betreffen, nennt man Halacha. Die in ihm angesprochenen Legenden, moralischen Weisungen und folkloristischen Motive hingegen werden Agada (aramäisch: Erzählung) genannt. Der bis heute von Juden gebrauchte Talmud ist ein mehrbändiges Werk. Das Studium des Talmuds ist eine der grundlegenden Pflichten eines orthodoxen Juden.

Alina Cała

Der Text stammt vom Portal Diapozytyw, früher Eigentum des Adam-Mickiewicz-Instituts.
Der nebenstehende Text stammt aus dem Buch „Historia i kultura Żydów polskich. Słownik“ („Die Geschichte und Kultur der Polnischen Juden. Glossar.“), dessen Autoren Alina Cała, Hanna Węgrzynek und Gabriela Zalewska sind. Das Buch wurde beim Verlag WSiP herausgegeben.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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