Tisza be-Aw (hebr. dziewiąty dzień miesiąca Aw)

An diesem Tag findet ein Fest statt, das dem Jahrestag der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels gedenkt. Nach dem jüdischen Kalender fällt dieses Fest auf den Juli oder auf die erste Augusthälfte. Tisha B'Av gehen drei Wochen der Buße voraus, während derer man (ähnlich wie in der Omer-Zeit) keine Tanzveranstaltungen besuchen darf, keine Musik hört und kein Fleisch essen oder Wein trinken soll. Es gilt außerdem das Verbot Haare oder Bärte zu schneiden sowie zu heiraten. Am ersten Tag des Monats Av, also 9 Tage vor dem Fest, nimmt man die Parochen vom Thoraschrein sowie alle mögliche Verzierungen von den Thoraballen ab. Der Sabbat, der ebenfalls in diese Zeit fällt, ist ein Zeichen der Trauer. Es ist eine Tradition, dass man die Hymne „Lecha Dodi“ in Molltonart singt, um den Sabbat willkommen zu heißen und während der Andacht liest man die Klagelieder Jeremias vor. Am Vorabend des Festes wird die Bußstimmung noch verstärkt. Er ist ein Trauertag, während dem ein strenges, 24 Stunden langes Fasten, das von der Abenddämmerung bis zum nächsten Abend dauert, gilt. Ähnlich wie während Jom Kippur darf man weder essen noch trinken. Es ist auch verboten, sich zu waschen, den Mund auszuspülen, Kosmetika zu gebrauchen und neue Kleidung oder Lederschuhe zu tragen. An diesem besonderen Tag sind alle Vergnügungen und Tätigkeiten, die Spaß machen, verboten. Es ist auch verboten, die Thora zu lesen und zu kommentieren, weil dem Glauben nach die Thora die Seele versüßt. Wenn es dunkel wird, serviert man ein letztes Mahl vor Beginn der Fastenzeit, das „Seuda Mafseket“. Der askenasischen Tradition entsprechend isst man ein hartgekochtes Ei, das zum Zeichen der Trauer mit Asche bestreut wird. Später zieht man sich die Schuhe aus und setzt sich auf den Boden. Tag und Nacht benutzt man weder Stühle noch Sessel, man setzt sich entweder auf den Boden oder auf eine unbequeme Sitzgelegenheit - einen niedrigen Schemel, eine Bank, usw. Dem täglichen Gebet „Schmone Esre“ fügt man ein Bußgebet hinzu: „Erhöre uns, Gott, an unserem Fasten- und Bußtag. Wir sind in einer unglücklichen Lage. Verstehe unser Weinen und sei in Deinem Wohlwollen bereit, uns zu trösten  [...]“. Während der Andacht spricht man die Bußgebete „slichot“, eine Passage aus dem Buche Hiob und die Klagelieder Jeremias. Die Männer tragen weder Tallin noch Trefilin, ein Kantor sitzt  auf der Treppe, die zum Toraschrein führt und singt ein Klagelied. Die Synagoge bleibt im Dunkeln - sobald es dunkel wird und es nicht mehr möglich ist Gebete vorzulesen, macht man nur die nötigsten Lampen an. Wenn die Thora in den Thoraschrein gebracht wird, singt man gemeinsam „Kinot“, also Trauer- und Bußgesänge. Die Beendigung dieses Festes trägt die Hoffnung mit sich - man hängt die Parochet und Pultdecken auf, macht die Lampen nacheinander an, die Männer tragen einen Gebetsschal und Trefilin, sie sprechen Gebete, um für den Trost Zions, den Wiederaufbau des Tempels und die Rückkehr nach Jerusalem zu bitten. Der nächste Sabbat nach Tisha B'Avwird  „Sabbat Nacham “ genannt, diese Bezeichnung stammt von der Haftara, die mit den folgenden Worten beginnt: „Tröste dich, mein Volk“, dies wird als Glaube an Gottes Gnade und Seine Barmherzigkeit dem israelischen Volk gegenüber verstanden.

Der Eintrag entstand im Rahmen des Projekts Zapisywanie świata żydowskiego w Polsce [Aufzeichnung der jüdischen Welt in Polen]. Autorin des Projektes ist Anka Grupińska, bekannte polnische Journalistin und Schriftstellerin, die sich in der Neuesten Geschichte der Polnischen Juden spezialisiert. Dieses Projekt, das 2006 vom Museum für die Geschichte der Polnischen Juden initiiert wurde, beruht auf der Aufzeichnung von Gesprächen mit polnischen Juden aller Generationen.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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