Das Fest erinnert an die Geschehnisse aus dem Buch Ester. Im 5. Jh. v. Chr. beschloss Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, wütend über den Juden Mordechai, der sich nicht vor ihm niedergebeugt hatte, die Tötung aller Juden im Perserreich. Den genauen Zeitpunkt der Ermordung, den 14. Tag des Adar, entschied er durch das Ziehen eines Loses – auf Hebräisch פור pur (daher der Name des Festes). Die Vernichtung der Juden vereitelte Ester, Tochter des Mordechai, die beim persischen König eine Änderung dieser tragischen Entscheidung erwirkte.

Das Purimfest wird seit dem 1. Jh. n. Chr. begannen, zu Beginn unter dem Namen „Tag des Mordechai“. Dem Fest geht ein Fasttag voraus, welcher zum Gedenken an Esters Fasten vor dem Besuch beim König abgehalten wird. Eine weitere Pflicht ist die Gabe von Spenden an mindestens zwei bedürftige Personen, aber auch kleinere Geschenksendungen an Freunde und Nachbarn. Meistens handelt sich hierbei um Lebensmittel: Süßigkeiten, Obst oder Alkohol.

Während des Purimfestes wird das Buch Ester zweimal aus einer speziellen Pergamentrolle, der sog. Ester-Rolle, vorgelesen. In orthodoxen Synagogen kommen an dieser Stelle Frauen aus dem Frauengebetsraum hinunter und hören die Rolle gemeinsam mit den Männern. Sobald der Name Haman fällt, versuchen Gläubige diesen mit stampfen, klopfen und schreien zu übertönen. Die Namen der Bösen sollten nämlich ausgelöscht werden. Im Anschluss findet das Purimmahl statt, welches daran erinnern soll, dass die Errettung des jüdischen Volkes während des von Ester abgehaltenen Mahls erfolgte. Die Teilnehmer des Festes essen Hamantaschen, also dreieckiges, gefülltes Kleingebäck mit Mohn oder Pflaumenmus-Füllung. Die Tradition schreibt zudem vor, sich derart zu betrinken, bis man zwischen „gesegnet sei Mordechai“ und „verflucht sei Haman“, folglich also zwischen Gut und Böse, nicht mehr unterscheiden kann.

Die Purimspiele nehmen karnevalistische Züge mit einem charakteristisch festlichen Motiv des auf den Kopfstellens der Weltordnung an. Das Purimmahl wird begleitet von einer Kostümierung, bei der Männer und Frauen die Kleidung des jeweils anderen Geschlechts tragen können.

Jeschiwa-Schüler schreiben Abhandlungen, die Glaubensgrundsätze auf absurde Weise erklären, aber auch Lehrer und Rabbiner kritisieren.

Es entwickelte sich zudem auch eine eigene literarische Gattung, das sog. Purimspiel. Das sind Aufführungen, die eine parodistische Travestie biblischer Geschichten darstellen. Früher gingen Gruppen sog. Purimspieler von Haus zu Haus, gaben kurze Vorführungen und baten um kleine Gaben und Kleinigkeiten zu essen. Diese kurzen Stücke bildeten mit der Zeit den Kern des modernen jüdischen Theaters. 

 

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