Bubis Ignatz

Ignatz Bubis - persönliche Daten
Geburtsdatum: 12th Januar 1927
Geburtsort: Wrocław
Sterbedatum: 13th August 1999
Ort des Todes: Frankfurt nad Menem
Beruf: kupiec; polityk
Related towns: Dęblin, Częstochowa, Tel Awiw-Jafa

Ignatz Bubis wurde am 12. Januar 1927 in Wrocław (Breslau) als der Jüngste unter sieben Geschwistern geboren. Er war ein deutscher Händler, Politiker und Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland. Aus Angst vor antisemitischen Übergriffen verließ die Familie von Ignatz Bubis Wrocław (Breslau) und siedelte in die polnische Kleinstadt Dęblin über. Seine Mutter starb 1940 und er wurde mit seinem Vater ins dortige Ghetto eingewiesen. Er nahm dort die Pflichten eines Botenjungen wahr. Zwei Jahre später wurde sein Vater ins Vernichtungslager Treblinka deportiert und ermordet. Ignatz Bubis selbst wurde Ende 1944 ins Zwangsarbeitslager Tschenstochau deportiert. Das Lager wurde am 16. Januar 1945 von Soldaten der Roten Armee befreit. Nach dem Kriegsende fuhr Bubis nach Deutschland. Am Anfang hielt er sich auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone auf, wo er Handel am Rande der Legalitat betrieb. Immer größere Verfolgungen von Seiten des Besatzers führten zu seiner Flucht in den Westen Deutschlands. 1956 siedelte er zusammen mit seiner Ehefrau nach Frankfurt am Main über. Dort erhielt er das Monopol im Edelmetallhandel, das ihn zu großem Reichtum führte. Die Gewinne investierte er in Immobilien. Zehn Jahre später gehörte er dem Gemeinderat der Jüdischen Gemeinde an, dessen Vorsitzender er dann ab 1983 war. Als Ende der 60-er Jahre der 20. Jahrhunderts in der Stadt geplant wurde, Villen aus dem 19. Jahrhundert im Bezirk Frankfurt-Westend abzureißen, um an deren Stellen neue Bürohäuser zu errichten, erhob der Verein „Aktionsgemeinschaft Westend“ Widerspruch. Es kam zu einer Auseinandersetzung, die später als „Frankfurter Häuserkampf“ bezeichnet wurde. Es wurden damals Wohnhäuser besetzt, die Bubis erworben hatte, und er wurde, wie auch andere Frankfurter Juden, in der Öffentlichkeit als Investor stark kritisiert. Bubis geriet als „skrupelloser Spekulant“ ins Schussfeld der Medien und durch diese Affäre verlor er nicht nur den Großsteil seines Vermögens, sondern auch politische Beziehungen. Trotzdem trat er 1969 in die FDP ein und ab 1978 gehörte er dem Zentralrat der Juden in Deutschland an. 1989 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrates und als dessen Vorsitzender Heinz Galiński gestorben war, nahm er dessen Funktion ein und bekleidete das Amt bis zu seinem Tode. Er war Fürsprecher des friedlichen Zusammenlebens des jüdischen Volkes mit anderen Völkern wie Türken und Kurden, Albanern und Serben, das auf gegenseitiger Toleranz basieren sollte. An der Wende zum Jahr 1993 unterstützte er die Gründung der Liberalen Türkisch-Deutschen Vereinigung. Während der Wahlen 1993 zog man in Erwägung, ihn als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten aufzustellen, aber er lehnte diesen Vorschlag ab und begründete seine Entscheidung damit, dass Deutschland noch nicht dazu bereit sei, einen Präsidenten jüdischer Abstammung zu haben. 1998 gab es eine heftige Kontroverse zwischen Ignatz Bubis und Martin Walser. Bubis kritisierte eine der Reden des Schriftstellers, in deren er zur Beendigung der Holocaust-Debatte aufforderte und warf ihm Antisemitismus und Förderung einer Haltung der Flucht vor diesem Problem vor. Bubis war auch als Schriftsteller engagiert und veröffentlichte zahlreiche Publikationen. Er schrieb unter anderem über das Leben der jüdischen Bevölkerung in Deutschland. Von Bubis stammt der legendär gewordene Satz: „Ich bin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens”. Ignatz Bubis starb am 13. August 1999 in Frankfurt am Main. Er wurde in Israel beigesetzt, übrigens auf eigenen Wunsch, weil er befürchtete, dass sein Grab in Deutschland zu einem leichten Ziel neonazistischer Übergriffe werden könnte. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Unter anderem wurde der Ricarda<i>-Huch</i>-Preis der Stadt Darmstadt an ihn verliehen. Diesen Preis erhalten Personen, die durch ihre unabhängige Denkweise, Mut zum Handeln und die Förderung der Idee der Völkerfreundschaft herausragen. Außerdem verleiht die Stadt Frankfurt am Main seit 2001 alle drei Jahre den Ignatz-Bubis-Preis, der an eine Einzelperson oder eine öffentliche Organisation vergeben wird, deren öffentliches Wirken durch die von Ignatz Bubis verkörperten Werte geprägt ist.

Bearbeitet auf der Basis von:

· Alicke, Klaus-Dieter: „Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum“, 1. Band, Spalten 663-664, München, 2008.

Übersetzung: Aleksandra Kołodziejczyk

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