Die jüdische Gemeinde in Łuck gehört zu den ältesten in ganz Wolhynien. Die erste schriftliche Überlieferung berichtet von Privilegien, die 1388 vom Statthalter Litauens, dem späteren Großherzog Witold, erteilt wurden.

Im Jahre 1432 verlieh Władysław Jagiełło der Stadt das Magdeburger Recht, wenngleich Juden und Armenier ausgeschlossen wurden. Im Jahre 1495 wurden die Juden aus Łuck, ähnlich wie aus ganz Litauen, vertrieben, doch bereits 1504 konnte sich die Gemeinde erneuern. Im Jahre 1507 erhielten die Juden in Łuck von König Sigismund I. ein Privileg, welches ihre Rechte schützte.

Lange Zeit befand sich die Łucker Gemeinde in einer schlechten Wirtschaftslage, weswegen sie oftmals die Machthaber des Großherzogtums um Steuerbegünstigungen bat. Im Jahre 1556 verlieh Sigismund II. den Juden die Gleichberechtigung, da er sich sorgte, sie könnten aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten die Stadt verlassen. Um das Jahr 1569 wurden die Juden aus Łuck im Gefängnis festgesetzt, da sie keine Steuern entrichteten. Die Synagoge und ihre Häuser wurden versiegelt.

Die politisch-wirtschaftliche Bedeutung von Łuck nahm nach der Union von Lublin (1569) zu. Die Veränderung der Position der Stadt brachte auch den Juden Wohlstand, die in der Stadt eine führende Rolle im Handel und im Handwerk einnahmen. Sie konnten Zölle erheben, führten Brauereien und Pottaschefabriken, handelten mit Holz und landwirtschaftlichen Produkten, nahmen aktiv an Jahrmärkten teil, die in verschiedenen Teile des Landes stattfanden und schlossen sich in Handwerkszünften (u. a. Schneider) zusammen. Allerdings kam es aufgrund von Konkurrenz oftmals zu Konflikten zwischen jüdischen und nichtjüdischen Handwerkern. Außerdem gab es Streitigkeiten über die Höhe der städtischen Steuern, die von Juden erhoben wurden.

Nachdem Łuck 1569 Teil Polens wurde, wurden die Gesetze, die zuvor vom litauischen Großherzog an Juden vergeben wurden, nochmals bestätigt. Im Jahre 1580 führte Stefan Batory gleiche Steuern für Juden und Christen ein. Ferner untersagte er, neue Steuern zu erheben ohne die Zustimmung der jüdischen Minderheit. Juden erhielten auch das Recht, finanzielle Berichte über die von ihnen entrichteten Steuern zu kontrollieren.

Im Jahre 1600 erhielt die Gemeinschaft in Łuck von König Sigismund III. das Recht der eigenständigen Verwaltung des jüdischen Viertels. Auf Anordnung des Königs erhielten sie einen Teil der Burg, um ihn in eine Synagoge umzugestalten. Es entstand eine Wehrsynagoge mit Artillerie und einer eigenen Wache.

Obwohl viele Juden während des Chmelnyzkyj-Aufstandes (1648-1657) umkamen und ihre Besitztümer geplündert wurden, konnte die Gemeinde recht schnell wieder an Bedeutung gewinnen. Sie gehörte sogar zu den vier „Hauptgemeinschaften Wolhyniens“ und entsandte Vertreter in den wolhynischen Rat sowie in den Ausschuss der vier Länder (Wa’ad Arba’ Aratzot). Łuck war ein religiöses Zentrum, welches für seine herausragenden Jeschiwa-Schulen bekannt war. Unter den hiesigen gelehrten Rabbinern des 17. und 18. Jahrhunderts wurden vor allem Mosze ben Jehuda ha-Kohen, J. Szor, Joel Galperin (Joel der Große) sowie E. Gecel berühmt.

Die Situation der Juden in der Stadt verschlechterte sich deutlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im Jahre 1764 wurden sie eines rituellen Mordes bezichtigt (der Rabbiner Jehuda Zeew ben Towia starb einen Märtyrer-Tod). Daraufhin wurden sie 1768 Opfer der Pogrome der Hajdamaken. Im Jahre 1765 lebten in der Stadt 1.012 Juden, 1847 – 5.010 (ca. 60% der Gesamtbevölkerung), 1897 – 9.468 (auch 60%).

Im Jahr 1795 wurde Łuck Teil des Russischen Imperiums. Viele Juden ließen sich hier nieder, nachdem das 1804 ein Gesetz in Kraft trat, das Juden aus Dörfern verbannte. Als 1844 ein weiteres Verbot verhängt wurde, demzufolge Juden nicht näher als 50 Werste ander Grenze leben durften, fühlte sich die Gemeinde in Łuck von der Aussiedlung bedroht (obwohl Łuck fälschlicherweise unter diese Bestimmungen fiel). Diese Bedrohung wurde erst 1862 mit der Aufhebung der Grenzregion beseitigt.

Im Jahre 1867 gab es in Łuck 12 Synagogen und verschiedene chassidische Strömungen hatten großen Einfluss. Anfang des 20. Jahrhundert entstanden linke Gruppierungen, allen voran der Bund. Auch verschiedene zionistische Bewegungen fassten in der Stadt Fuß. Im Jahre 1910 gab es in der Stadt bereits 20 Synagogen und Gebetshäuser, mehrere jüdische Schulen für Jungen und Mädchen sowie einen jüdischen Schriftstellerverband. Im Jahre 1914 wurde die Monatszeitschrift „Sabach“ herausgegeben, die sich mit historischen und literarischen Themen befasste.

Auch die jüdische Gemeinschaft wurde Opfer des Ersten Weltkriegs. Es kam zu antisemitischen Überfällen, die zur Organisierung einer jüdischen Selbstverteidigung führten.

In der Zwischenkriegszeit war Łuck die Hauptstadt der Woiwodschaft Wolhynien in der Zweiten Polnischen Republik. In dieser Zeit wurde in der Stadt eine große Fabrik des Schuhkonzerns „Bata“ errichtet, was zum Bankrott der kleineren Schuhfabriken führte, wovon in erster Linie Juden betroffen waren. Im Jahre 1921 zählte die jüdische Bevölkerung in Łuck 14.800 Einwohner (70% der Gesamtbevölkerung), 1931 waren es 17.366 (48,5%), 1939 wiederum – 19.000 (46%). Die jüdische Gemeinde in Łuck verfügte über zahlreiche soziale und kulturelle Institutionen, darunter ein Netzwerk an Tarbut-Schulen. In der Stadt wurde die Wochenzeitschrift „Woliner presse“ (1928-1938) in Jiddisch herausgegeben. Es gab 50 Synagogen in der Stadt. Der letzte Rabbiner war Z. Soroczkin. In der Stadt gab außerdem es verschiedene politische Parteien (z.B. Aguda, Bund, Zionisten). Die jüdischen Einwohner wählten ihre Vertreter in den Stadtrat.

Im Jahre 1939 nahmen die sowjetischen Truppen Łuck ein. Die Zahl der jüdischen Einwohner stieg in dieser Zeit an, da viele Juden vor der deutschen Besatzung in die Stadt flohen. Doch die sowjetischen Machthaber erstickten das jüdische gesellschaftliche Leben. Soziale und politische Organisationen wurden verboten, ihre Anführer wiederum in Gefängnissen eingesperrt. Es wurde eine Verstaatlichung privater Unternehmen durchgeführt. Viele Flüchtlinge aus dem Westen wurden in das Innere der Sowjetunion deportiert.

Vor der Einnahme der Stadt am 25. Juni 1941 durch die Deutschen verließen viele junge Juden Łuck zusammen mit der Roten Armee. Kurz nach dem Einmarsch errichteten die Deutschen einen Judenrat, der aus 12 Mitgliedern bestand. In den ersten Tagen der Besatzung töteten die Deutschen 5.000 Juden. Am 19. Oktober 1941 wurde ein jüdisches Arbeitslager errichtet. Im Dezember darauf wurden die Juden in einem Ghetto festgesetzt, wo sie Hunger und Epidemien ausgesetzt waren. Im Frühling 1942 versuchte eine Gruppe Jugendlicher aus dem Ghetto in den Wald zu flüchten, doch die meisten von ihnen wurden gefasst und ermordet. Nur wenigen gelang es, sich den Partisanen unter ihrem Anführer Kowpak anzuschließen. Einer von ihnen, I. Szczerbato, wurde später Anführer eines Bataillons in dieser Formation.

Zwischen dem 19. und 23. August 1942 wurden im Ghetto 17.000 Menschen ermordet. Unter den im Arbeitslager arbeitenden Handwerkern entschieden sich 500 Widerstand zu leisten. Sie versuchten zwar sich mit Waffen zu versorgen, doch hatten davon nur wenige (einige Maschinengewehre, Äxte, Messer). Als am 12. Dezember 1942 die Deutschen die Vernichtung der Juden fortsetzen wollten, begann der Aufstand. Einige der deutschen Angriffe wurden aufgehalten, doch der Aufstand wurde schnell niedergeschlagen und die Aufständischen ermordet. Die deutsche Besatzung endete am 2. Februar 1944.

Nach der Befreiung von den Deutschen kehrte ein Teil der Juden in die Stadt zurück. Im Jahre 1959 lebten in Łuck noch 770 Juden (1,4% der Stadtbevölkerung). 1970 waren es 813 (0,9%), 1979 - 700 (0,5%). Seit den 70er Jahren stieg jedoch die Auswanderung nach Israel, die USA, Deutschland und andere Länder. Bei der ukrainischen Volkszählung aus dem Jahre 2001 war die Zahl der jüdischen Einwohner so gering, dass sie nicht in die Statistik aufgenommen wurde. Nichtsdestotrotz gibt es seit 1991 erneut eine jüdische Gemeinde, die erst von I. Dolinski und ab 2003 von A. Murabi geleitet wird.

Literaturverzeichnis:

  • Luck, [in:] Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, vol. II, New York 2001, S. 758–759.
  • Lutsk, [in:] Encyclopaedia Judaica, red. F. Skolnik, M. Berenbaum, Bd. 13, Detroit 2007, S. 273–274.
  • Łuck, [in:] Eliektronnaja jewriejskaja encikłopiedija, 20.04.2005 [online] http://www.eleven.co.il/?mode=article&id=12517&query=ЛУЦК [Zugriff: 01.09.2014].
  • Łuck, [in:] Encyclopedia of Camps and Ghettos, 1933–1945, Bloomington – Indianapolis 2012, S. 1411–1414.
  • Receptor J., Geven a shtot Lutsk, geven un umgekumen, Paris 1962.
  • Sefer Lutsk, Red. N. Sharon, Tel Awiw 1961.
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