Die ersten Juden siedelten sich um 1860 in Sopot an. Es ist bekannt, dass die jüdische Gemeinschaft im Jahre 1869 aus lediglich 5 Personen bestand. In den folgenden Jahren, mit der wachsenden Bedeutung von Sopot als Badeort, begann ihre Zahl zu steigen. Den größten Zustrom von Juden gab es zur Wende vom 19. aufs 20. Jahrhundert.

Anfangs gehörte die kleine Gemeinschaft von Juden aus Sopot zur Gemeinde in Wejherowo. Erst um 1900 gaben die Behörden die Erlaubnis Gebete für jüdische Kurgäste im Kadisz-Nisselbaum-Gästehaus in der Südstraße 35 (heute Grunwaldzka Straße) abhalten zu dürfen. Es gab dort auch eine koschere Küche. Ab 1903 hielt der Prediger Simon Friedländer, der zwischen Puck, Wejherowo und Sopot kursierte, dort Predigten.

1912 beschloss die jüdische Gemeinde in Sopot sich von der Gemeinde in Wejherowo zu trennen. Das Statut der Gemeinde Sopot wurde verabschiedet und im Juli 1913 endgültig bestätigt. Gemäß seiner Bestimmungen wurde das aktive Wahlrecht an nicht straffällige Männer, die ein Haus besaßen oder über Einnahmen von über 420 Mark im Jahr verfügten, vergeben. Wählen konnten all jene, die mindestens ein Jahr in Sopot gelebt hatten. Der Vorstand und die Gruppe von Vertretern wurden für einen Zeitraum von sechs Jahren gewählt, wobei alle drei Jahre ergänzende Nachwahlen durchgeführt wurden.

An der Spitze des ersten Vorstands der Sopoter Gemeinde standen der Arzt Maks Lindemann, Hermann Glückauf (Pensionär) und Georg Lichtenfeld (Besitzer einer Großhandlung). In der Gruppe der Vertreter befanden sich u. a.: Eugen Königsfeld (Besitzer der Apotheke „Pod Orłem”), Alfred Kantrowitsch (Besitzer eines Handelshauses) sowie Leopold Boss und Philip Mendelsohn. Bereits im Herbst 1913 erwarb die Gemeinde Grundstücke für eine Synagoge und einen Friedhof. Im folgenden Jahr wurde der Bau der Synagoge nach einem Entwurf des örtlichen Architekten Adolf Bielefeldt vollendet. Ihre feierliche Eröffnung fand am 26. Mai 1914 statt. Die Predigt wurde von Dr. Kälter, dem Rabbiner der Danziger Gemeinde, abgehalten. 

In der Synagoge befand sich bis 1918 das Büro des Gemeindevorstands. Der nächste Vorstandsvorsitzende – Samuel Simon – verlegte das Büro in die Räume seines Handelshauses „Hohenzollern” in der Seestraße (heute Bohaterów Monte Cassino Straße 5).

Mitte der 1920er Jahre führte die Gemeinde eine Reihe von Investitionen durch. Im Jahre 1922 wurde auf dem Friedhof ein Bestattungshaus errichtet und im Jahre 1928 dem Synagogengebäude ein rituelles Badehaus hinzugefügt.

1920 befand sich Sopot auf dem Territorium der Freien Stadt Danzig. Bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts strömten Gruppen von Juden aus polnischen Gebieten (Großpolen, ehemalige polnische Ostgebiete) sowie den russischen Territorien hierher. Besonders viele von ihnen ließen sich nach dem Ersten Weltkrieg nieder. Die Volkszählung von 1923 zeigt, dass die Zahl der jüdischen Bevölkerung in der Stadt im Vergleich zu der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg um fast das 40-fache gestiegen ist. Man sollte jedoch bedenken, dass ein Teil von ihnen Sopot als Zwischenstation auf dem Weg in die Vereinigten Staaten ansah.

Die Neuankömmlinge unterschieden sich signifikant von den ortsansässigen, germanisierten Juden und wurden als Ostjuden bezeichnet. Die meisten von ihnen waren orthodox und sehr traditionsorientiert. Sie lehnten es ab, sich mit den lokalen, progressiven Juden zu integrieren und gründeten schnell ihre eigenen Organisationen. So entstand bereits im Jahr 1921 die Zionistische Organisation, die der Zentrale in Berlin unterstand. An ihrer Spitze stand Samuel Spytkowski. 1923 wurde der Ostjüdische Verein in der Freien Stadt Danzig mit Sitz in Sopot (poln. Stowarzyszenie Wschodnich Żydów w Wolnym Mieście Gdańsku, z siedzibą w Sopocie) ins Leben gerufen. Ziel der Organisation war es den Neuankömmlingen aus dem Osten zu helfen. Im Jahr 1929 gehörten bereits 398 Personen dem Verein an.

Die Juden aus Sopot beschäftigten sich hauptsächlich mit Dienstleistungen für Feriengäste. Viele gingen dem Handel und Handwerk nach. Juden führten zahlreiche Ferienhäuser, in denen vor allem jüdische Gäste unterkamen. Jedes von ihnen hatte einen eigenen Schlachter. In Sopot gab es auch viele Restaurants, Geschäfte und Werkstätten, die von Juden betrieben wurden. Während der Zwischenkriegszeit entstanden auch Geschäfte mit koscherem Fleisch, u. a. in der Sobieskiego Straße 3 (im selben Haus gab es eine Schlachtbank) und der Monte Cassino Straße 6a.

Im Jahr 1930 wurden die letzten Wahlen zum Vorstand der jüdischen Gemeinde abgehalten. Zu ihren Mitgliedern wurden abermals Juden gewählt, die sich erst kürzlich in Sopot niedergelassen hatten. Unter ihnen befanden sich u. a. der Direktor der Danziger Firma „Oleo” Abraham Kornmann, der Inhaber von „Bloomfield Overseas” – Benno Friedmann sowie der Fabrikat Abraham Turbowitz. Vorsitzender war Siegmund Seeling, Kolonialhändler und Besitzer einiger Mietshäuser in Sopot. Um 1930 wurde der Sitz des Gemeindevorstands in das Mietshaus in der Niepodległości Straße 809 verlegt.

Die jüdische Gemeinde in Sopot hatte keinen eigenen Rabbiner, deshalb wurde die religiöse Fürsorge von Danziger Rabbinern ausgeübt. In Sopot hielten sich Prediger wie z.B. Moritz Hofmann auf, der sowohl Lehrer war als auch ein Gabbai, der für die Pflege der Synagoge verantwortlich war. Erst 1937 wurde Meir Bieler zum Rabbiner von Sopot (nach mündlicher Überlieferung hatte er seinen Posten ab 1930 inne) ernannt.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahre 1933 verstärkte sich der Antisemitismus. Sopot war kein beliebtes Urlaubsziel mehr. Jüdische Einwohner und Kurgäste begannen die Stadt zu verlassen. Im Jahre 1935 fanden am Strand antijüdische Demonstrationen statt. Allmählich begann sich die antijüdische Stimmung zu verstärken. Es kam zu gezielten Angriffen auf jüdische Geschäfte und es wurde Juden untersagt auf dem Markt der Stadt zu handeln. In der zweiten Hälfte des Jahres 1938 kam es zu Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung sowie auf jüdische Geschäfte und Wohnungen. Es wurde Juden verboten Kinos oder Theater zu besuchen. Ferner war es Juden nicht mehr möglich in staatlichen Institutionen zu arbeiten. So begannen die jüdischen Einwohner von Sopot die Stadt zu verlassen.

Nachdem die Sopoter Synagoge in der Nacht vom 12. auf den 13. November 1938 niedergebrannt worden war, begann die Liquidierung der jüdischen Glaubensgemeinde. Einen Monat nach den Ereignissen der „Reichskristallnacht“ unterzeichneten der Vorstand der jüdischen Gemeinde und der von den Nationalsozialisten dominierte Senat der Freien Stadt Danzig eine Übereinkunft, wonach die Gemeinde dafür Sorge zu tragen hatte, dass die Juden die Stadt schnellstmöglich verließen, während der Senat zu dieser Zeit dafür sorgte, dass es zu keinen antijüdischen Exzessen kam. Die Grundstücke der jüdischen Gemeinde wurden von den Stadtbehörden für 16 000 Gulden zurückgekauft. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Siegmund Seeling, leitete rechtliche Schritte ein, um von dem Versicherungsunternehmen „Commercial Union Assurance Limited London”, welches die Synagoge für den Fall eines Feuers versichert hatte, eine Entschädigung in Höhe von 116 000 Gulden zu erhalten. Der Fall kam vor das Danziger Gericht und Herbert Lewy wurde zum Verteidiger der jüdischen Gemeinde. Allerdings wurde der Fall nach Entscheidung des Beauftragten des Senats für jüdische Angelegenheiten Rudolph Bittner abgewiesen.

Zu Beginn des Jahres 1939 gab es in Sopot und Danzig insgesamt noch ca. 4 000 Juden. Die meisten von ihnen warteten auf Ausreisevisa und den Verkauf ihrer Immobilien. Es ist bekannt, dass sich im August 1939 noch immer 140 Juden in Sopot aufhielten. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden sie in Konzentrationslager auf dem Gebiet des Generalgouvernements deportiert. Der letzte Transport der Juden aus Sopot und Danzig verließ Danzig im Sommer 1940.

Nach dem Krieg siedelten sich Juden erneut in Sopot an. Im Jahre 1945 lebten dort 454 Personen jüdischer Herkunft. Die Vereinigung Zionistischer Demokraten „Ichud” errichtete sogar einen Kibbuz, den „Kineret“, im Gebäude in der Helskiej Straße 11. Leider fand Mitte 1947 eine weitere Ausreisewelle statt, die bis 1950 andauerte. Die meisten der in Sopot lebenden Juden verließen Polen.

Derzeit wird geschätzt, dass in Sopot ca. 100 Juden leben. Treffpunkt für sie ist die Jüdische Glaubensgemeinde in Danzig oder die reformierte Gemeinde Beit Trójmiasto. In Danzig befindet sich ebenfalls eine Abteilung der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Juden in Polen.

 

Literaturverzeichnis

  • Domańska H., Zapomniani byli w mieście. Dzieje sopockich Żydów w XIX i XX w., Warszawa 2001.
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