Stanisławów wurde 1654 gegründet und entwickelte sich schnell zu einem wichtigen Handelszentrum. Um diese Position zu festigen, brachte der Besitzer der Stadt, Andrzej Potocki, in den Jahren 1663-1664 Armenier und Juden aus Moldawien und Ungarn nach Stanisławów. Es wurden Ihnen persönliche Rechte, das Wohnrecht sowie Steuervergünstigungen gewährt. Außerdem wurden ein eigenständiger Rat gegründet und Land für den Bau zugeteilt. Noch im Jahre 1654 wurde den Neuankömmlingen ein Privileg vergeben, welches ihnen Religionsfreiheit garantierte (Neminem ad exercitum liberum religionis admitendi).

Die jüdische Straße in Stanisławów erstreckte sich in der Nähe des Walls. Es befanden sich dort unter anderem eine Synagoge, drei weitere Gebäude für religiöse Zwecke sowie Häuser, Apotheken und Geschäfte. Juden konnten einer unternehmerischen Tätigkeit im Zusammenhang mit Gold, Silber, Pelzen, Kleidung, Hüten und anderen Gütern nachgehen. Alle Produkte durften in ihren Geschäften und Gebäuden verkauft werden, aber nicht auf dem Markt. Nur jüdische Metzger und Bäcker hatten dieses Privileg inne, obwohl sie dem Besitzer der Stadt hierfür angemessene Gebühren bezahlen mussten. In der Regel beglichen sie ihre Gebühren dadurch, dass sie waren in seinen Palast lieferten. Handel wurde täglich betrieben, außer an christlichen Feiertagen, denn an diesen öffneten die Geschäfte erst nach dem Gottesdienst. Das Privileg erlaubte den Juden auch, eine Brennerei zu eröffnen, die Liköre, Honig und Wodka gegen eine Jahresgebühr von 2-3 Zloty produzieren konnte. Ähnliche Regelungen wurden auch in Bezug auf Mühlenbesitzer erlassen. Die meisten Juden arbeiteten jedoch als Schuhmacher, Schmiede, Metzger, Musiker und Teerbrenner. Am 24. April 1664 verlieh Potocki den Metzgern in Stanisławów ein Privileg, welches ihnen die Gründung einer eigenen Zunft ermöglichte, wobei aber nur ein Katholik zum Vorsitzenden ernannt werden konnte. Zusammen mit der Zunft erhielten jüdische Metzger 12 Schlachtbänke, und im Mai 1722 weitere 12. Eine weitere Regelung sah vor, dass Juden Gebäude kaufen konnten, die Christen gehörten und diese ebenfalls an Christen verkaufen durften, was zu dieser Zeit eine Seltenheit war. Im Falle eines Brandes sollten sie aktiv am Löschen des Feuers teilnehmen.

Ende des 17. Jahrhunderts befand sich das jüdische Viertel am  Trynitarski-Platz, in der Nähe der Stadtmauer. Neben der Stadtmauer errichteten die Juden die erste Synagoge, sowie das Haus der Lernens, das sog. Beth Midrasch und eine Mikwe. Diese älteste, hölzerne Synagoge stellte das Zentrum des jüdischen Viertels dar. Sie wurde 1672 von dem friesischen Wanderer und Diplomaten Ulryk Werdum beschrieben, der sich in Stanisławów aufhielt. Hinter der Stadtmauer, an der Straße nach Tyśmienica, teilte die Stadt ein Grundstück für den jüdischen Friedhof zu. Der Franzose d'Aleyrac, der 1686 durch Stanisławów durchreiste, erinnerte daran, dass sich der Markt unter der Kontrolle reicher Armenier befand. Die Juden waren in Besitz der meisten kleinen Geschäfte und Tavernen.

Stanisławów erlitt im Krieg zwischen der Rzeczpospolita und der Türkei (1683-1699) erhebliche Verluste. Der Befehl zur Verteidigung der Stadt galt für alle Bewohner: Jeder, einschließlich der Juden, musste über eine Rüstung und eine entsprechende Menge Schießpulver verfügen. Überdies erlitt die Stadt Stanisławów auch während des Chmelnyzkyj-Aufstands und des Krieges zwischen August II. und Stanisław Leszczyński Schaden. Nach dem Sieg von August II. kehrte seine Armee in Stanisławów ein und belastete die Einwohner mit der Stellung von Unterkünften. Viele Juden verließen zu dieser Zeit die Stadt, was die Situation weiter verschärfte. Im Jahre 1719 fand ein Pogrom statt, welches zur Folge hatte, dass die örtliche Beerdigungsbruderschaft Chewra Kadischa (seit 1692 existierend) ihren Mitgliedern verbot, Räumlichkeiten für Geschäfte in den Häusern von Christen zu mieten.

Das Wachstum der Stadt und damit einhergehend auch die weitere Entwicklung der jüdischen Gemeinde waren erst möglich, nachdem sich die Situation stabilisiert hatte. Im Jahre 1732 lebten in der hiesigen Kehillah 1.470 Menschen, wogegen die Stadt insgesamt 3.331 Einwohnern (44,3%) umfasste. Am 9. Mai 1736 schrieben die Armenier in Stanisławów eine Beschwerde an den Stadtbesitzer Józef Potocki. Sie beschuldigten die Juden, den Markt, das Gastgewerbe und den Handel illegal übernommen und christliche Kaufleute dazu gezwungen zu haben, ihre Häuser zu verpfänden. Potocki rief einen Rat zusammen, der bestimmen sollte, welchen Tätigkeiten Juden nachgehen konnten. Es war ihnen verboten Tavernen und Gasthäuser in den von Armeniern gemieteten Häusern zu eröffnen. Als Entschädigung erlaubte Potocki auch den Armeniern ein Gotteshaus zu bauen. Mit der Verordnung vom 24. April 1743 verhängte er eine Sondersteuer für Juden in Höhe von 1.000 Zloty jährlich. Die erste Rate sollte am 1. März und die zweite am 1. September gezahlt werden; die Steuer sollte direkt in die Hände des armenischen Priors treffen, sodass die Gelder für den Bau der besagten Kirche verwendet werden sollten. Nach dem Bau des Gotteshauses wurde die jüdische Gemeinde jedoch nicht von der Steuer befreit. Die Besitzer der Stadt beschlossen, dass die Steuer eine Spende für die besagte Kirche sein würde, damit die Geistlichen dort für die Familie Potocki beteten.

Die alte Synagoge, die im Jahre 1665 errichtet wurde, erwies sich bald als zu klein für die große jüdische Gemeinde. Nachdem die Familie Potocki außerhalb der Stadt einen neuen Palast erbaut hatte, begannen sich die Juden nicht nur um die alte Synagoge herum niederzulassen. Gemäß den neuen Privilegien, die ihnen in den Jahren 1717-1721 gewährt wurden, erhielten sie das Recht, am Tyśmienicka-Tor ein neues Viertel und eine neue Synagoge zu errichten. Außerdem ist Józef Potocki für den Bau mit seinem eigenen Holz und Geld aufgekommen. Trotz alledem erwies sich die neue hölzerne Synagoge als zu klein. Leib ben Nissan (Nisonowicz), der 1745 Stanisławów besuchte, stellte fest, dass die Juden eine gemauerte Synagoge bauten.

Im Jahre 1761 empfing der Erzbischof von Lemberg die Vertreter der Kehillah von Stanisławów und zwar den Rabbiner Dow Berisz ben Jaakow Awraham, den Vorsitzenden der Gemeinde Chaim ben Jaakow sowie Isroel ben Aharon. Die Delegation bat um Erlaubnis, eine neue gemauerte Synagoge zu bauen. Der nächste Stadtbesitzer, Eustachy Potocki, gab sein Einverständnis und der Erzbischof erteilte ebenfalls eine entsprechende Genehmigung, wobei er jedoch bestimmte Bedingungen festlegte. So war es im Falle eines Brandes nicht möglich, den Wiederaufbau ohne das Einverständnis des Erzbischofs zu beginnen. Außerdem war es verboten, Christen anzustellen, um die Synagoge zu säubern. Der Bau der Synagoge dauerte 16 Jahre und endete im Jahre 1777, als die Stadt bereits unter österreichischer Herrschaft stand.

Die ersten Rabbiner von Stanisławów waren: Josef ben Menasze (verzeichnet im Jahre 1699), Arie Leibisz Mordechaj Auerbach sowie Meir Margolis (in den Jahren 1740–1750). Später wurde die Funktion des Rabbiners von Lewi ben Shlomo Ashkenazi (1680-1752), den Autor der Werke Bet Halewi (1732) und Ateret Shlomo (1735), übernommen. Nach seinem Tod wurde der bereits erwähnte Dow Berisz ben Jaakow Awraham aus Kowel zum neuen Rabbiner. Er war ein Gegner von Frankisten und Sabbatianern. Er nahm an Debatten teil, die vom 17. Juli bis zum 10. September 1759 stattfanden, um gegen die Vorwürfe von katholischen Geistlichen und Frankisten anzukämpfen. Der nächste Rabbiner war Gaon Abraham, der vom Rabbinatsgericht in Posen kam. Im Jahre 1770 wurde er von Joel Katz ersetzt, der zuvor an der Spitze des Rabbinatsgerichts in Otynia stand. Er ertrank in einem Fluss. Als Nachfolger von Katz wurde Jehuda Zelka eingesetzt, der auch als Autor von Rewid Hazahaw bekannt war.

Zusammen mit dem sog. Galizien fiel die Stadt im Jahre 1772 an Österreich. Stanisławów wurde zum Zentrum der österreichischen Verwaltungseinheit, einem sog. Kreis. Während dieser Zeit lebten in der Stadt und ihrer Umgebung 17.500 Juden, die in Besitz von 1577 Häusern waren. Am Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Stanisławów 220 Handwerker, von denen 151 (68,8%) Christen waren, die rund um die Stadt lebten. Andererseits lebten 69, nahezu ausschließlich Juden (31,4%), in der Stadt selbst.

Ein anderes Problem, welches die Situation der Juden in Stanisławów beeinflusste, war der von den österreichischen Behörden geführte Kampf gegen die jüdischen Gastwirte in Galizien. Einer der Statthalter, Baron Levenwald, glaubte, dass die Schließung von jüdischen Tavernen erhebliche Vorteile bringen und Juden dazu zwingen würde, sich mit anderen Berufen, insbesondere der Landwirtschaft, zu befassen. 1782 erließ Kaiser Józef II eine Anordnung in diesem Fall. Als Folge dieser Anordnung kam es zu einem erfolglosen Versuch der Gründung einer jüdischen Bauernkolonie in Nowy Babilon in der Nähe von Bolechów Im Jahre 1791 wurde Juden von den österreichischen Behörden verboten, sich in den Dörfern niederzulassen und Gasthäuser und Tavernen mit alkoholischen Getränken zu eröffnen. Die jüdische Gemeinschaft von Stanisławów schickte eine Delegation, bestehend aus Jakub Landau und Meir Schener, mit der Bitte, das Verbot aufzuheben. Als die Bitte abgelehnt wurde, begann eine bedeutende Emigration von Juden aus Stanisławów nach Moldawien und in die Walachei. Sie nahm solch eine große Dimension an, dass die Regierung in Wien dem österreichischen Konsul in Jassy die Anweisung erteilte, weitere Emigrationsversuche zu unterbinden.

Im Jahre 1788 wurde in Stanisławów eine jüdische Schule eröffnet, die auf dem Konzept von Herz Homberg basierte. Normalerweise gab es zwei Lehrer und einen Direktor an der Schule, aber nur ein Lehrer, Jankiel Reinberg, arbeitete in Stanisławów und erhielt hierfür eine Vergütung von 200 österreichischen Gulden.

Im Jahre 1818 gründete der Rabbiner Elijahu ben Szlomo Bursztyn die erste Wohltätigkeitsorganisation in Stanisławów, die sich mit der Vergabe von Krediten an Bedürftige beschäftigte. Die erste Summe, die von Rabbiner Bursztyn gesammelt wurde, betrug 500 Zloty. Jede Person hatte einen Anspruch auf 50 bis 100 Kreuzer an finanzieller Unterstützung. Es war die erste Organisation dieser Art in Galizien. Bald aber entstanden ähnliche Kassen in Wojniłów, Przemyśl, Rudniki, Dolina, Bołszowce, Żydaczów, Tyśmienica, Dobromil und Bóbrka.

Der erste bedeutende Rabbiner unter der Herrschaft der Teilungsmächte war Eliezer Halewi Isz Horowitz, der Nachfolger von Jehuda Zelki, der seine Funktion in den Jahren 1784-1844 ausübte. Er kam vom Rabbinatsgericht in Działoszyce und war der Urenkel von Icchak Hamburger. Er versuchte der Entwicklung des Chassidismus entgegenzuwirken. Diese Bewegung entstand im nahegelegenen Podolien und kam in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts nach Stanisławów. Zunächst hatte der Chassidismus seine Anhänger hauptsächlich in den Dörfern und kleinen Schtetls, aber dann - mit der Unterstützung der Österreicher - begann er sich auch in großen Zentren wie Stanisławów auszubreiten. Der Anführer der Chassidim war Józef Perl (1773-1839) aus Tarnopol. Die Nachfolger von Horowitz beschäftigten sich ebenfalls mit der Bekämpfung des Einflusses des Chassidismus, indem sie sich u. a. gegen die Politisierung der chassidischen Gutshöfe einsetzten. Es waren u. a. Arie Lejbisz, Autor des posthum veröffentlichten Werkes Pnei Arie (1876) und Gaon Abraham (1845-1887), Autor der dreibändigen Bar Liwai. Der Nachfolger von Abraham wurde sein Sohn Icchak Levi (1888-1904), der bereits der neuen Zeit angehörte und ein Anhänger des Zionismus sowie Vertreter des liberalen Kurses war. Er erklärte sich bereit, den Grundstein für die reformierte Synagoge zu legen. Der nächste Rabbiner der Stadt war Arie Leibisz (1904-1909), der Urheber der Jeschiwa in Stanisławów, auch bekannt als einer der wenigen orthodoxen Rabbiner, die bereit waren, sich für den Zionismus zu öffnen. Dawid Halewi Horowitz (1909-1934) war der vorletzte und sein Sohn Mosze Horowitz der letzte Rabbiner. Er wurde von den Deutschen ermordet.

Die am 25. April 1848 vom Kaiser ausgerufene Verfassung garantierte die Religionsfreiheit in Österreich. Sie trug zur Stärkung der Position der Juden aus Stanisławów bei. Eine der führenden Persönlichkeiten der 30ger Jahre des 19. Jahrhunderts war Joel Halpern, der aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnahm, indem er Wohltätigkeitseinrichtungen und Zentren für Religionswissenschaft gründete. Sein Sohn, Abraham Halpern, erhielt das Monopol für den Verkauf von Salz in Galizien, er gründete auch seine eigene Bank. Während der Revolution von 1848 gründete Abraham Halpern eine Jüdische Untereinheit der Nationalgarde in Stanisławów, die von Leon Zaks geleitet wurde. Die Ereignisse des "Völkerfrühlings" stießen bei den Juden auf großen positiven Widerhall. Der Sekretär des jüdischen Klubs in Stanisławów, Dr. Hirshman, trat in der Synagoge wegen der Revolution und Krönung von Kaiser Franz Joseph II. auf. Während dieser Zeit nahm die polnische Zeitung „Dziennik Stanisławowski” eine projüdische Position ein. Allerdings unterstützte nur ein kleiner Teil der jüdischen Elite die polnische Sache; die überwiegende Mehrheit der Intelligenz sprach sich für die deutschsprachige Kultur aus. Als noch im Jahre 1848 27 Juden und nur 15 Christen in den Stadtrat gewählt wurden, gerieten die Polen in Aufruhr. Es ist erwähnenswert, dass die lokale jüdische Elite mit der Familie Halpern verwandt war. Bei den Wahlen zum Stadtrat in Stanisławów im Jahre 1887 waren unter den 18 Mitgliedern des Stadtrats drei Brüder von Abraham Halpern, fünf Familienmitglieder, zwei entfernte Verwandte und ein Schwiegersohn.

In Stanisławów blühte die jüdische Kultur. Sekretär der jüdischen Gemeinschaft war über Jahre hinweg der bekannte Dichter Abraham Jaakow Bibering (1818–1882). Eine Sammlung seiner Werke unter dem Titel Agudat Schoschanim erschien 1876 in Wien. Er gehörte zu den ersten Förderern der hebräischen Sprache.

Während des polnisch-ukrainischen Konflikts um Ostgalizien, stellte am 25. Dezember 1918 der Jüdische Nationalrat von Stanisławów der Regierung der Westukrainischen Volksrepublik einen Brief mit dem Vorschlag vor, den Juden nationale und kulturelle Autonomie einzuräumen. Am 6. Januar 1919 statteten die Vorsitzenden des Jüdischen Nationalrats, Dr. Karol Halpern sowie Dr. Reuben Jonas, dem Premierminister der Westukrainischen Volksrepublik einen Besuch ab. Dieser sollte die Bereitschaft der Juden an der Beteiligung an der Staatsführung, im Sinne der Erklärung über die Gleichstellung von Rechten aller nationalen Minderheiten, welche am 19. Oktober 1918 von der Westukrainischen Volksrepublik verkündet wurde, signalisieren. Trotzdem wurden die Juden, die im Konflikt neutral bleiben wollten, an den Rand gedrängt, und in den westukrainischen Regierungskreisen begannen gegen sie feindselige Stimmungen aufzukommen. Zwischen dem 23. und 24. März 1919 kam es in Stanisławów zu Unruhen, die mit der Plünderung jüdischer Geschäfte einhergingen. Im April 1919 versuchte man die Pläne der national-kulturellen Autonomie der Juden in die Tat umzusetzen. Auch Frauen wurden als Vertreterinnen zugelassen. Insgesamt wurden 50 Vertreter der jüdischen Gemeinschaft, darunter 6 Frauen, gewählt. Im Mai 1919 kam die polnische Armee unter der Führung von General Haller nach Stanisławów. Am 25. Mai floh die Regierung der Westukrainischen Volksrepublik von Stanisławów nach Czortków.

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden zwei Strömungen in der lokalen Gemeinschaft. Eine davon war propolnisch und mit der Zeitung „Rozwój“ verbunden. Die andere hatte einen orthodoxen Charakter. In den ersten Wahlen zum Stadtrat waren von den 36 neuen Mitgliedern 12 Juden. Insgesamt gab es 1921 in Stanisławów 730 jüdische Unternehmen, 726 jüdische Geschäfte sowie 130 jüdische Rechtsanwälte. Von den 730 Unternehmen stellten jedoch nur 490 Arbeiter ein; der Rest der Betriebe wurde von der Familie betrieben. Es hoben sich 10 Lederindustriebetriebe hervor, insbesondere die Fabrik der Familie Margosch, in der 380 Personen eingestellt waren. Juden waren ebenfalls aktiv in der Holzindustrie, Müllerei, Ziegelherstellung sowie der Lebensmittelindustrie (u. a. 20 Bäcker mit 120 Arbeitern). Im Handwerk dominierte die Schneiderei.

In der Zwischenkriegszeit verloren die Juden langsam ihre herausragende Stellung in Stanisławów an Polen und Ukrainer. Die polnische Bevölkerung wurde von den hier operierenden Woiwodschaftsämtern sowie dem Militärgarnison angezogen, während die Zahl der Ukrainer mit dem Anschluss des 10 Tsd. Einwohner zählenden Knihinin anstieg. Bis 1937 wurde in der Stadt kein einziges neues Unternehmen gegründet. Die Krise der Jahre 1929-1930 führte jedoch zu einem Anstieg der Konkurse um 150% und der Arbeitslosenquote auf bis zu 30%.

Zu den wichtigsten jüdischen Organisationen der Zwischenkriegszeit in Stanisławów gehörte zweifellos die Vereinigung der Kaufleute, die im Jahre 1923 ca. 1 Tsd. Mitglieder zählte. Die Handwerker gehörten wiederum dem Jad Charuzim an, der seit den galizischen Zeiten bestand und 1924 eine Zahl von 600 Mitgliedern aufwies. Der Finanzsektor, der u. a. jüdische Banken umfasste, befand sich dagegen in einer anhaltenden Krise. Es gab spektakuläre Konkurse, die die Reihen von Anlegern all ihre Ersparnisse kosteten, u. a. den Bankier Izaak Chaim Grifel im Jahre 1924 oder aber 1935 die sog. Genossenschaftliche Volksbank (poln. Ludowy Bank Spółdzielczy) von Eister, Keler und Witzenfeld.

Bei den Wahlen zum Stadtrat wurden im Jahre 1927 vier Polen, drei Juden und ein Ukrainer auserwählt und der Zionist Dr. Aleksander Biterman übernahm die Posten des stellvertretenden Bürgermeisters. Im Jahre 1933 wurden 23 Polen, 17 Juden und drei Ukrainer gewählt, wobei die Vertretung zu dieser Zeit an die Zionisten, die Vereinigung von Kleinhändlern, die Aguda und Jad Charuzim ging. Dagegen wurden 1939 ausschließlich zionistische Vertreter ausgewählt, darunter allgemeine (5 Sitze) und linksgerichtete (3 Sitze). Die in den Jahren 1922, 1928 und 1930 gewählten jüdischen Abgeordneten für den Sejm waren der Zionist Reuwen Jonas und Henryk Rozmarin, Leiter des polnischen „Makabi“, der zweifach gewählt wurde. In der Stadt waren zudem zahlreiche jüdische Wohltätigkeitsorganisationen, ein Waisenhaus, eine Küche für Arme, ein Krankenhaus sowie zwei Internate tätig. Es gab traditionelle Bruderschaften, wie z.B.: Linas ha-Tzedek, Hachnasat Orchim, Bikur Cholim, Tomchei Nistarim, etc. Die Organisation Taaz veranstaltete seit 1924 Ferienfreizeiten für Kinder.

In Bezug auf Bildungseinrichtungen sollten die nachfolgenden Institutionen Erwähnung finden: Talmud-Tora, agierte unter der Schirmherrschaft der Aguda; die seit 1924 existierende Mädchenschule Bet Jaakow; die Jeschiwa Or Tora, die noch zu galizischen Zeiten gegründet und im Jahre 1924 wiedereröffnet wurde und an deren Spitze in den Jahren 1927-1937 Szymon Kraut stand; die Schule Safa Berura in der Hebräisch unterrichtet wurde. Es gab mindestens zwei Kindergärten. Juden besuchten öffentliche Schulen. Anfangs war es hauptsächlich das deutsche Gymnasium an dem Juden über 90% der Schüler ausmachten und nach 1924 das jüdische Gymnasium, welches in den 1930er Jahren fast 500 Schüler zählte. Im Jahre 1937 wurde am jüdischen Gymnasium in Stanisławów das staatliche Bildungswesen eingeführt. Dies war ein der einzige derartige Fall bei insgesamt 13 jüdischen Gymnasien in ganz Polen. Erwähnenswert ist zudem die 1920 gegründete Landwirtschaftsschule für Mädchen, die sog. Zofiówka, die von Zofia Halpern gegründet wurde; aber auch die Schlosserschule, die seit 1922 existierte und die ihr Profil nach vier Jahren zu einem Gießereitechnik und elektrotechnischen Profil erweiterte. Die Berufsschulen in Stanisławów entsandten viele ausgebildete Spezialisten nach Palästina.

Im Hinblick auf Kulturprojekte sollte die 1927 in jiddischer Sprache herausgegebene Tageszeitung „Der Morgen” erwähnt werden, die landesweit erscheinen sollte und von Adolf Barser herausgegeben wurde sowie die 1932-1939 erschienene literarisch-künstlerische Monatszeitschrift „Schtagen”, deren Redakteur Max Tabak die Autoren Horacy Safrin und Leon Streit waren. Es gab auch die zionistische Wochenzeitschrift „Di Woch” (1934–1939), die Schulzeitung „Schoyt” (1933–1939) sowie das kurzlebige Blatt „Głos Stanisławowski” (1927–1928), welches sich an Kaufleute und Handwerker richtete. Es gab mehrere jüdische Bibliotheken, darunter die städtische Bibliothek ab 1926. Von den Sportorganisationen hatte Ha-Koach die stärkste Position.

Am 26. Juli 1941, nach dem Einmarsch der Deutschen in Stanisławów, wurde in der Stadt ein Judenrat gegründet. Anfang August 1941 wurden mehrere hundert Juden, überwiegend Vertreter freier Berufe, erschossen. Es wurden 10 jüdische Ärzte und 13 Ingenieure am Leben gelassen. Im Herbst 1941 wurde ein Ghetto errichtet, welches im Jahre 1943 endgültig liquidiert wurde. Am 31. März 1942 wurden ca. 5 Tsd. Juden erschossen. Im April desselben Jahres wurden weitere mehrere Tausend Juden erschossen. Im April, September und Oktober 1942 wurden Juden in das Vernichtungslager in Bełżec deportiert. Weitere Völkermordverbrechen, jedes von ihnen zählte einige Tausend Opfer, fanden im Sommer 1942 sowie am 12. Dezember 1942 statt. Im Februar 1943 wurde das Ghetto liquidiert. Am 25. April 1943 sowie am 25. Juni 1943 wurden Juden, die sich im Arbeitslager befanden, ebenfalls ermordet. Dutzend Fachleute wurden bis zum Frühjahr 1944 im hiesigen Gefängnis gefangen gehalten. Nach der Besetzung der Stadt durch Sowjets im Juli 1944 kamen etwa 1.500 Juden, die den Krieg im Osten überdauert hatten, nach Stanisławów zurück.

Noch im Jahre 1999 lebten in der Stadt, die sich nun Iwano-Frankiwsk nennt, ca. 1 Tsd. Juden.

 

Literaturverzeichnis:

  • Sefer Stanislav, [in:] Arim ve-Immahot be-Yisrael, vol. 5, Red. D. Sadan, M. Gelehrter, Tel Awiw 1952.
  • Stanislaw, [in:] Encyclopaedia Judaica, Red. F. Skolnik, M. Berenbaum, vol. 19, Detroit 2007, S. 162–163.
  • Stanislawow (I), [in:] Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Vol. 2, New York 2001, S. 1233–1235.
  • Stanisławów, [in:] Encyclopedia of Camps and Ghettos, 1933–1945, Bloomington – Indianapolis 2012, S. 831–834.
  • Wozniak T., Hebrejśkyj use-swit Hałyczyny, Lwiw 2007.
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