In Pabradė (Podbrodzie) tauchten Juden Anfang des 19. Jahrhunderts auf. Bis sie 1903 eine offizielle Zulassung bekamen, sich in der Kleinstadt niederzulassen, war ihre Anzahl gering - nach der Volkszählung im Jahre 1866. In Pabradė (Podbrodzie) in der Rajongemeinde Švenčionys (Święciany) lebten 59 Juden. Damals gab es im Stadtteil, das zur Staatskasse gehörte, zwei jüdische Kolonialgeschäfte. Im Teil Lappy, am Fluss Dubinka, stand eine Synagoge[1.1].

Noch vor dem Ersten Weltkrieg engagierten sich die jüdischen Jugendlichen in die politische Tätigkeit des Bunds. In der Zwischenkriegszeit funktionierten in der Stadt: die Jüdische Volksbank, das Jüdische Wohltätigkeits Haus, die Jüdische Sozialbibliothek. Die jungen Zionisten waren engagiert, die hiesigen Juden nach Palästina zu schicken.

Vor dem Zweiten Weltkrieg bewohnte Pabradė (Podbrodzie) eine zahlreiche Judengemeinde - ca. 900 Personen, die ein Drittel aller Stadteinwohner waren. Zu Beginn des Kriegs versuchten die Juden nach Russland zu drängen, aber vielen gelang es nicht. An den ersten Tagen der deutschen Okkupation wurden die Juden auf die zwei Straßen: Arnionių- und Bajorėlio-Straße zusammengedrängt - und ausgerechnet hier entstanden zwei Ghettos, die voneinander mit einem Platz abgetrennt waren. An der Ausrottung der ortsansässigen Juden nahmen die einheimischen Weißrussen teil. An den ersten Tagen im Juli 1941 nahmen sie die erste Gruppe der kommunistischen Funktionäre und Juden fest und erschossen sie. Dasselbe wiederholte sich am 15. Juli 1941 - in der Nacht nahmen sie 67 Juden (Frauen und Männer) fest und überführten sie, um sie in der Nähe von der Mühle zu erschießen. Während dieses Festnehmens versuchten die Männer die Wächter aufzuhalten und griffen sie an, aber nur einem von ihnen gelang es zu fliehen.

Nur 100 Juden aus Pabradė (Podbrodzie) überlebten den Krieg. Die endgültige Vernichtung der ortsansässigen Gemeinde fand um die Wende vom September und Oktober 1941 statt. Dann überführten die nationalsozialistischen Polizisten mit Hilfe der Weißrussen die Alten und Kinder (die jungen und gesunden Personen mussten zu Fuß kommen) auf das Übungsgelände in Švenčionėliai (Nowe Święciany) - insgesamt 100-250 Personen. Einigen ortsansässigen Juden gelang es sich in den umliegenden Dörfern vor der Überführung nach Švenčionėliai (Nowe Święciany) zu schützen. Am 9. Oktober wurden alle Überführten zusammen mit den Juden aus den umliegenden Kleinstädten der Rajongemeinde Švenčionys (Święciany) erschossen.

Im Mai 1942 entstand in Pabradė (Podbrodzie) ein Arbeitslager, in dem 190 Juden aus dem Ghetto in Vilnius platziert und  eingestellt wurden (Frauen und Männer), um bei der Bahn für die deutsche Fabrik "Giesler" zu arbeiten[1.2].

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Fußnoten
  • [1.1] Podbrodzie [in:] Słownik geograficzny Królestwa Polskiego [Geographisches Wörterbuch des Polnischen Königreichs], Red. Chlebowski, B.; Walewski, Wł.; Warszawa, 1887, Bd. 8.
  • [1.2] Ašmenos, Svierių, Švenčionių apskričių getai: kalinių sąrašai, Gruppenarbeit, Vilnius, 2009, S. 28–29.