Es gibt nur sehr wenige Quellen, die dabei behilflich sein können, die Geburten-und Sterberate zu schätzen. Nur die Statistik der Bevölkerungsentwicklung des Pfarramts in Bodzentyn erlaubt einen gewissen Einblick zu gewinnen. Sie enthält u.a. ein Personenstandsbuch, das von einem Standesbeamten für nichtchristliche Konfessionen für die Jahre 1927 - 1931 und 1932 – 1935 geführt wurde. (REF). Auf dieser Grundlage ist Tabelle 8 entstanden. Die darin enthaltenen Daten beziehen sich allerdings nicht auf die Siedlung Bodzentyn selbst, sondern auf die gesamte Pfarrgemeinde, zu der die folgenden Dörfer gehörten: Psary, Podgórze, Sieradowice, Dąbrowa, Leśna, Święta Katarzyna, Wilków, Grabowa, Wzorki und die Siedlung Bodzentyn. (REF). Den erhalten gebliebenen Quellen ist zu entnehmen, dass im Jahre 1921 fünf Juden in dem Dorf Leśna wohnten. Leider gibt es keine Informationen über die übrigen Dörfer. (REF).

 

Tabelle 8. Geburten -und Sterberate der jüdischen Bevölkerung in der Pfarrgemeinde Bodzentyn in den Jahren 1927-1935.

 

Jahr

Zahl der Geburten

Zahl der Sterbefälle

1927a

11

1

1928b

4

0

1929c

11

5

1930

20

3

1931

25

3

1932

20

8

1933d

20

1

1934e

97

0

1935f

249

1

Insgesamt

457

22

a)       im Jahr 1927 wurden nur drei Quartale berücksichtigt; b) im Jahr 1928 wurden nur zwei Quartale berücksichtigt; c) im Jahr 1929 wurden nur drei Quartale berücksichtigt; d) im Jahr 1933 wurden nur drei Quartale berücksichtigt; e) im Jahr 1934 wurden nur drei Quartale berücksichtigt; f) im Jahr 1935 wurden nur drei Quartale berücksichtigt.

Quelle: APK (Archiwum Państwowe w Kielcach/ Staatsarchiv in Kielce), SPK I (Starostwo Powiatowe Kieleckie I/ Landkreis Kielce), Signatur 1609,1613 b.p.

In der Statistik der Entwicklung der jüdischen Bevölkerung, die in dem Archiv erhältlich ist, wurde die geschlechtspezifische Verteilung nicht berücksichtigt. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, eine Analyse des Verhältnisses von Frauen und Männern durchzuführen. Die Geburtenrate der jüdischen Bevölkerung lag wesentlich höher als die Geburtenrate der christlichen Population. In den Jahren 1927-1935 war die Geburtenrate unter den Juden 435 Mal höher als die Sterberate, es ist aber schwer, eindeutig zu sagen, ob dies wirklich der Fall war. Die Zahlen aus der Tabelle scheinen zu unwahrscheinlich zu sein. Für Bodzentyn selbst betrug die Rate für die erwähnte Periode 342 Personen in Bezug auf die polnische Bevölkerung. Der im Allgemeinen wesentliche Unterschied in der Geburten-und Sterberate von Christen und Juden war durch einen besseren Gesundheitszustand der jüdischen Bevölkerung determiniert, was zur Folge hatte, dass auch die Lebenserwartung höher war. Darüber hinaus zeichnete sich die jüdische Minderheit durch eine höhere Fortpflanzungsfähigkeit aus. Junge Jüdinnen gingen relativ früh eine Ehe ein und, was daraus folgte, sie brachten früher Nachkommen zur Welt. Jüdische Familien bestanden aus zahlreichen Mitgliedern, wobei die meisten von ihnen früh heirateten und selbständig wurden. (REF).

 

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