Die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Cieszowa reichen bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts zurück. Wahrscheinlich gab es bereits im 14. Jahrhundert eine Schule und einen jüdischen Friedhof[1.1].  Marcin Wodziński hingegen behauptet, dass der älteste jüdische Friedhof erst im 17. Jahrhundert entstanden sei. Wodziński und Marcus Brann sind der Ansicht, dass andere Theorien sich nur auf der Tradition stützen[1.2].


Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) entvölkerten sich viele schlesische Städte. Im Rahmen der Verbesserung der staatlichen Finanzen milderten die Habsburger die Politik gegenüber Juden und erlaubten ihnen, sich nach Entrichtung einer Gebühr, in den Städten Schlesiens niederzulassen. Um das Jahr 1741 wurde in Cieszowa eine hölzerne Synagoge erbaut. Neben dem Gotteshaus stand das Haus des Rabbiners, in dem sich auch die jüdische Schule befand[1.3].


Während des ersten Schlesischen Krieges im Jahre 1742 befand sich der Großteil Schlesiens unter preußischer Herrschaft. Die preußischen Behörden waren anfangs eher gleichgültig gegenüber Juden, doch mit der Zeit verschärfte sich die Politik Friedrich II. Es wurden unterschiedliche Steuern eingeführt, dank denen der Staat finanzielle Erträge verzeichnete. Während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) befand sich Preußen in einer sehr kritischen Wirtschaftslage. Um die Konsequenzen der Wirtschaftskrise zu mildern, verliehen die preußischen Behörden den reichsten jüdischen Fabrikanten und Unternehmern besondere Privilegien. Sie erhielten das Recht auf Naturalisierung, wenngleich diese Privilegien nur einen ganz kleinen Kreis betrafen. Sicher ist, dass die in Cieszowa lebenden Juden 6 Gulden Toleranzsteuer entrichtet haben[1.4].


Am 8. August 1781 exmittierte Friedrich II. die Juden aus den oberschlesischen Dörfern und befahl ihnen sich in der Stadt niederzulassen[1.5]. Ausgenommen wurden vier Dörfer: Langendorf (Wielowieś), Czieschowa (Cieszowa), Kraskau (Krasków) sowie Städtel, welches irrtümlich als Sośnicowice bezeichnet wurde (tatsächlich handelt es sich um das Dorf Miejsce). Im Jahre 1787 zog die preußische Regierung die Verordnung über die Umsiedlung der Juden in eigens ausgewählte Städte zurück, da die von ihnen verlassenen Städte zu große wirtschaftliche Verluste einbüßten. Zudem wurde 1791 Juden erlaubt, Handwerkszünfte zu gründen.


Im Februar 1808 setzte die preußische Regierung alle feudalen Privilegien der Zünfte und Städte außer Kraft. Darunter befand sich auch das Privileg De non tolerandis Judaeis. Seitdem konnten Juden sich mit der Zustimmung der Behörden in allen schlesischen Städten niederlassen und Immobilien erwerben. Eine Folge der Erlangung der Bürgerrechte sowie der Freiheit, den Wohnsitz zu wählen, war die Abwanderung der jüdischen Bevölkerung aus Cieszowa. Die hiesigen Juden wanderten vor allem in die industrialisierten Großstädte in Deutschland aus. Im Jahre 1830 lebten in dem Dorf 45 Juden, 1845 waren es nur noch 28[1.6].


Im Jahre 1885 lebten hier hingegen 18 Juden, was 3,8% der Gesamtbevölkerung darstellte[1.7]. Der letzte Rabbiner war der 1871 verstorbene Samuel Schloshof. Als im Jahre 1872 der Oberschlesische Synagogengemeinden-Verband gegründet wurde, hatte Cieszowa bereits keinen Vertreter dort. Im Jahre 1894 lebten nur noch 4 Juden, die das Dorf Anfang des 20. Jahrhundert verließen. Dagegen gab es im Jahre 1905 in Cieszowa bereits keinen einzigen Juden mehr. Das Gebäude der Synagoge wurde 1908 an den Pfarrer der Teschener Gemeinde, Karol Urban, verkauft. Im Jahre 1911 wurde das hölzerne Gebäude mitsamt dem Haus des Rabbiners abgerissen.


Bibliographie:


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Fußnoten