Der jüdische Friedhof in Biała Rawska entstand wahrscheinlich im 18. Jahrhundert. Die Nekropole liegt auf einem leicht abfallenden Hang eines niedrigen, weiten Hügels außerhalb der Stadt, in der heutigen Polna-Str. Die Nekropole befindet sich auf einem trapezförmigen Grundstück mit einer ungefähren Größe von 170/90 Meter. Die Grenzen der Nekropole sind dank der Beibehaltung der Eindämmung sichtbar. Dank der Archivfotos aus dem „Gedenkbuch von Biała Rawska” weiß man, wie der Friedhof vor dem Krieg aussah. Auf den Fotos sind in Reihen aufgestellte, mit Polychromien geschmückte Grabsteine aus Sandstein zu sehen. Auf dem Friedhof befanden sich auch Gräber von einheimischen Zaddikim, zu denen fromme Juden pilgerten.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Friedhof zerstört. In Internet-Ressourcen kann man Informationen finden, dass die Deutschen für die Verwüstung verantwortlich waren. Aber Einheimische spielten sicher eine bedeutende Rolle in diesem Prozess. Sie stahlen Denkmäler und nutzten sie zu Bauzwecken und zur Befestigung von Höfen. Noch am Ende der 50er Jahren gab es viele Grabmale auf dem Friedhof.

Bis zum heutigen Tag haben nur einige Gräber auf dem Friedhof überdauert, wobei untere Teile von abgebrochenen Grabsteinen aus Sandstein die überwiegende Mehrheit darstellen. Sichtbare, letzte Verse der Grabinschrift lassen den Schluss zu, dass es sich vor allem um Gräber von Personen, die um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert starben, handelt. Nur einzelne Grabsteine blieben komplett erhalten. Im Rasen kann man Betoneinfassungen der zerstörten Gräber finden. Am Ende der 80er Jahre fanden Mitarbeiter des Jüdischen Historischen Instituts in Warszawa (Warschau) ein Fragment eines Grabsteins aus dem Jahr 1791 auf dem Friedhof. Er stellt eins der ältesten erhaltenen jüdischen Gräber in Masowien dar. Während des Besuches im Dezember 2009 auf dem Friedhof gelang es leider nicht, das Denkmal zu finden.

Im südlichen Teil der Nekropole, an der Stelle des früheren Ohels, errichtete der chassidische Verein „Ohele Cadyków” („Ohels der Zaddikim“) in den letzten Jahren das Grab vom Zaddik Abrahama Mojżesz, der Sohn von Symcha Bunem aus Przysucha. Der Beerdigungsort vom Zaddik wurde mit einem Betonfundament abgesichert. Der größere Teil des Geländes war von dichten, dornigen Sträuchern überwuchert, die sehr oft den Zugang zu vielen Teilen der Nekropole verhinderten. Die Verunreinigung des Friedhofes stellt ein wesentliches Problem dar. Der Friedhof wurde zur inoffiziellen Mülldeponie für manche Einwohner von Biała Rawska. Die Durchführung von regelmäßigen Aufräumungsarbeiten, vor allem der Rodung von Pflanzen, ist notwendig.

Übersetzung: Agnieszka Dałek
 

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