Im Juli 1423 unterzeichnete der polnische König Władysław Jagiełło das Gründungsrecht der Stadt mit ihrem heutigen Namen. Łódź (Lodsch) war damals Eigentum der kujawischen Bischöfe. Nach der zweiten Teilung Polens befand sich die Stadt im preußischen Teilungsgebiet. Die Okkupanten nahmen sie den Bischöfen weg und versuchten der Stadt das Stadtrecht abzuerkennen.

In dieser Zeit kamen die ersten deutschen Siedler in die Gegend. Und in die nahe gelegenen Marktsiedlungen kamen jüdische Siedler. Das Jahr 1815 und die Entstehung des Königreiches Polen gaben der Stadt neue Chancen. Die günstige Lage, am Weg Włocławek (Leslau)- Łęczyca (Lenczyca)- Piotrków (Petrikau), vergrößerte zusätzlich die Entwicklungschancen. In der Gegend entstanden Textilsiedlungen, wie z.B. Ozorków und Aleksandrów. Im Jahre 1820 war Łódź (Lodsch) noch immer eine Stadt mit einem landwirtschaftlichen Charakter, aber allmählig verwandelte sie sich unter dem neuen wirtschaftlichen Einfluss der Region.

Bald zählte sie zu den industriellen Siedlungen und wurde miteinbezogen in ein Dekret betreffs der Gründungsregeln, der Kompetenzen der Ämter und des Ausmaßes der staatlichen Kredite. Der Autor dieses Dekretes war Rajmund Rembeliński – Vorsitzender der Kommission der Woiwodschaft Masowien, seit 1820 Vorsitzender des Sejm im Königreich. Rembeliński besuchte ein Dutzend Siedlungen und schuf das Projekt „zum Thema der Einleitung von Tuchfabriken“, das zur Grundlage für eine Erlassung des Dekretes vom 18.09.1820 wurde. Kraft dieses Dekretes wurden einige Zentren in industrielle Städte umgewandelt. Unter anderem waren es: Łódź (Lodsch), Gostynin (Gostynin), Dąbie (Dabie), Łęczyca (Lenczyca), Zgierz und Przedecz.

Dank diesem Dekret konnten in Łódź (Lodsch), südlich der Altstadt, 1820 eine Tuchsiedlung namens Neustadt und 1823 eine Leinen-Baumwolle Siedlung Łódka entstehen. Den alten Piotrkowska-Weg benannte man in die Piotrkowska-Str. um, die die drei Siedlungen verband. Łódź (Lodsch) entwickelte sich in den ersten Jahren langsam. Zgierz, der auf der Strecke Warszawa (Warschau)- Kalisz (Kalisch) lag, und wo die Leinen- und Wolleindustrie zu dominieren begann, überholte Łódź (Lodsch) eindeutig. Łódź (Lodsch) sollte bald zum Zentrum der Baumwolle-Industrie werden. Ihre günstige Lage an den Flüssen Łódka und Bałutka beschleunigte die Entwicklung der Stadt und der Industrie, dessen dynamischer Zuwachs auf die 30er und 40er Jahre des 19. Jahrhunderts datiert wird. In den Jahren 1835-1837 entsteht in der Piotrkowska-Str. 282/284 die „Weiße Fabrik“ von Ludwik Geyers. Das war eine der ersten mechanischen Baumwollspinnereien in der Stadt (dort befindet sich zur Zeit das Museum für Textilindustrie).

Mit der steigenden Zahl von Fabriken und kleineren Betrieben, stieg auch die Zahl der Häuser und Bewohner. Deutsche, Polen, Juden, Russen ließen sich hier nieder. 1851 wurde die Zollgrenze mit Russland aufgehoben. England hat den Verbot des Exports von Spinnmaschinen aufgehoben. 1866 wurde die erste regelmäßige Eisenbahnverbindung hergestellt, was zur schnellen Entwicklung von Łódź (Lodsch) beigetragen hat. 1898 wurde die erste elektrische Straßenbahn im Königreich gestartet<b>.</b> All das eröffnete neue Aussichten für die Lodzer Textilindustrie. Schon in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden in Łódź ((Lodsch)) ein paar große industrielle Betriebe: die Baumwollenweberei von Józef Richter, mechanische Baumwollspinnereien von Dawid Lande, Ludwik Grohman und Abram Prussak. In den 50er Jahren weitere Fabriken wurden gegründet von: Jakub Petters, Szaja Rosenblatt, Franciszek Kinderman und dem Lodzer „König der Baumwolle“ - Karol Scheibler. Mit der Entwicklung der Industrie wuchs die Zahl der Einwohner. Die sich gut entwickelnde Industrie lockte Handwerker aus kleineren Städten und Fabrikanten aus dem ganzen Land, sogar aus dem Ausland an. In den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden Einfamilienhäuser allmählich von drei- und vierstöckigen Häusern und Mietshäusern ersetzt, die meistens Berliner Mietshäuser nachahmten. Ende des 19.Jahrhunderts tauchten, meistens in der Piotrkowska-Str., vier- und fünfstöckige Großstadtmietshäuser mit hohem Wohnstandard auf. Sie wurden in verschiedenen Stilen gebaut:  man beobachtet hier verschiedene Arten von Historismus, Eklektik und Jugendstil. Im Erdgeschoss dieser Gebäude befanden sich elegante Geschäfte, Cafés und Restaurants. Im ersten Stock befanden sich Büros von BekanntenLodzer Unternehmen. Darüber hinaus gab es Banken, Hotels und Einkaufshäuser. Es entstanden auch „Industrielle Königreiche“ in Łódź (Lodsch). Das waren große Industriekomplexe, die meistens einen Eigentümer hatten. Zu den prachtvollsten gehörten: der Industriekomplex von Karol Scheibler, Izrael K. Poznański und Ludwik Groham.

Übersetzung: Witold Milczarek

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