Laut einer Volkszählung aus dem Jahre 1808, die von den Behörden des Herzogtums Warschau durchgeführt wurde, gab es unter den 726 Einwohnern von Andrzejewo 28 Juden (was 3,9% der Gesamtbevölkerung Stadt entsprach). In den nächsten Jahren erhöhte sich die Zahl der Juden allmählich. Eine massive Zuwanderung von Juden nach Andrzejewo erfolgte aber erst mit der Entstehung des selbstständigen Synagogenbezirks im Jahr 1826. Von diesem Zeitpunkt an spricht man von einer quantitativen und qualitativen Expansion der jüdischen Bevölkerung von Andrzejewo. 1827 wohnten hier 111 Juden (14,4% der Gesamtbevölkerung), im Jahr 1857 – waren es bereits 220 (26. 3%).

Infolge der Repressionen nach dem Januaraufstand 1863, wurden Andrzejewo im Jahre 1870 die Stadtrechte entzogen. Dieser Umstand hatte aber keinen Einfluss auf die weitere Entwicklung der jüdischen Siedlung. Zum Ende der Dekade hin entsprach der Anteil der jüdischen  Bevölkerung bereits 48,33% der Gesamtbevölkerung (etwa 1200 Einwohner, darunter 580 Juden).

Mit Beginn der Achtziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts zogen vor allem die„Litvaks” (Juden aus Litauen) nach Andrzejewo, die sich besonders um den Marktplatz herum niederließen und dort ihre kleinen Geschäfte und Läden gründeten. Im Jahre 1908 wurde die Kleinstadt von dem Pfarrer Walenty Załuski, in seiner historischen Studie „Andrzejewo und die Kirche von Andrzejewo“, wie folgt beschrieben:

„Zur Zeit hat Andrzejewo 1,500 Einwohner, darunter fast die Hälfte Juden, die sich derart in der Stadt ausgebreitet haben, dass sie die Christen vom Markt fast bis an die Ränder der städtischen Straßen verdrängt haben. Bevor das staatliche Monopol für Wodka eingeführt wurde, war der geräumige Marktplatz von jüdischen Wirtshäusern umringt, von denen man bis zu 20 zählen konnte (…). Heute sind hier noch Einzelhandelsgeschäfte und Rosinenweinhersteller verbleiben, sowie weitere Läden mit jüdischen Spezialitäten“.

Im Jahre 1915 wurde die Stadt während des Ersten Weltkrieges von russischen Soldaten, die vor den Deutschen flohen, komplett niedergebrannt. Zu diesem Zeitpunkt verließ die Mehrheit der Einwohner (darunter auch die Juden) Andrzejewo. Nachdem Polen seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte, wurde die Siedlung wieder aufgebaut. Eine 1921 durchgeführte Volkszählung ergab, dass 277 der 985 Einwohner jüdischer Abstammung waren (28,1%). In der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre wohnten hier etwa 330 Juden.

Die Zahl der jüdischen Einwohner in Andrzejewo zwischen 1808 und 1921

 

Jahr

Einwohnerzahl

Zahl der Juden

Prozentualer Anteil an der Gesamtbevölkerung

1808

726

28

3,9

1827

773

111

14,4

1857

835

220

26,3

1880

circa 1200

580

48,33

1905

2050

697

34

1921

985

277

28,1

 
Print