Die offizielle Eröffnung des jüdischen Friedhofs in Białogard (Belgard) fand 1823 statt. Er befand sich 2 Kilometer südlich der Stadt, etwas abseits der Polziner Chaussee (Połczyńska-Straße) [[refr:"nazwa"|Barran, Fritz R.: Städte-Atlas Pommern, zweite verbesserte Auflage, Leer, 1993, S. 32-33.]]. Nördlich des Friedhofs befand sich ein Pferdemarkt und in seiner Nähe eine Kaserne. Im Zeitraum 1815 – 1823 verzeichnete man in der Gemeinde 10 Tode, man weiß jedoch nicht, ob diese Verstorbenen auf diesem Friedhof begraben wurden, weil er damals offiziell noch nicht existierte, oder ob sie auf Friedhöfen in Nachbarstädten beerdigt wurden. Im Falle der zweiten Version, könnte man vermuten, dass diese Personen auf dem Friedhof in Płotki (Plathe) begraben wurden. Es sind zwei Urkunden erhalten geblieben, die die Verleihung des Gebiets unter dem Friedhof an die jüdische Gemeinde bestätigen. Aus ihnen folgt, dass dieses Gebiet am 21. Mai 1823 für 18 Taler vom Kürschner Johann Friedrich Stoedtcke gekauft wurde. Der Inhalt dieser Urkunden wurde im Buch [[refr:"nazwa"|Salinger, Gerhard: Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns, Bd. II, New York, 2006, S. 333-334.]] zitiert. Die Gebühr für den Eintrag des Friedhofs ins Stadtbuch wurde auf 2 Taler und 18 Groschen festgelegt, seine Fläche wurde auf „67 Ar 44 m²“ errechnet. 1862 übergab die Stadt der Gemeinde kostenlos ein 2 Morgen und 113 Ar großes Grundstück, das sich neben dem Friedhof befand, für die Vergrößerung der Begräbnisstätte. Um den Friedhof noch mehr zu vergrößern, kaufte die Gemeinde für 8 Taler ein 1,9 Rute² (ungefähr 48 m²) großes Grundstück von Johann und Louise Ristow. Das Geschäft wurde am 19. Februar 1869 abgeschlossen. In der ganzen Periode des Bestehens des Friedhofs wurden auf ihm vermutlich 350 – 375 Personen begraben. Der Friedhof wurde 1938 zerstört, man weiß jedoch nicht, wie groß die Zerstörung war und wann die Grabmäler entfernt wurden und was mit ihnen passierte. Dr. Rita Scheller, die 1995 den Friedhof besuchte, beschrieb ihn, als ein geschlossenes und durch einen Zaun abgegrenztes Gebiet. Damals konnte man dort noch die zerstörten Reste der Grabmäler finden. Höhstwahrscheinlich hatte man die Absicht, das Gebiet abzusichern und das einzige was unternommen wurde, war die Entfernung der Kaninchenkäfige. An den erhaltenen Überresten der Sockel ließen sich keine jüdische Inschriften mehr lesen. [[refr:"nazwa"|Salinger, Gerhard: Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns, Bd. II, New York, 2006, S. 333-334.]]. Zurzeit beträgt die Fläche des ehemaligen Friedhofs 40 x 120 m² (ca. 0,28 ha) und es ist ein unebenes, mit Gras bewachsenes Grundstück ohne Zaun. Zu dem anliegenden Gelände gehören Anbau- und Wohnflächen. [[refr:"nazwa"|http://www.jewishgen.org/cemetery/e-europe/pol-a-b.html, [Stand: 29.04.2008], http://fodz.pl/?d=10&id=326&l=pl, [Stand: 19.10.2008].]].

Aus einer anderen Quelle kann man erfahren, dass der jüdische Friedhof in Białogard (Belgard) an der Szosa Połczyńska-Straße in einem Hinterzimmer des Anwesens Nr. 24 – 42 (Fläche: 0,28 ha) gelegen war. [[refr:"nazwa"|Regionales Zentrum für Denkmalforschung und Dokumentation in Szczecin (Stettin): „Studium über den Denkmalschutz der Stadt Białogard (Belgard)”, Friedhöfe und ehemalige Friedhofsgelände in den administrativen Grenzen der Stadt Białogard (Belgard), Tabelle Nr. 4, S. 72 ]].

1994 fanden während einer Feldforschung in Białogard (Belgard) Archäologen R. Lachowicz aus dem Staatsdienst des Denkmalchutzes (PSOZ) und I. Skrzypka aus der Archäologischen Abteilung des Bezirksmuseum in Koszalin (Köslin) ein Stück eines Abel - Grabsteines und ein jüdisches Grabmal von Benjamin Josua Bendito aus Białogard (Belgard).

Der Abel – Grabstein, oder eigentlich sein mittlerer Teil (Oberteil und Unterteil wurden abgeschlagen) wurde aus einem maschinell bearbeiteten Granitstein hergestellt. Seine Abmessungen betragen: eine Höhe von 45-49 cm, eine Breite von 63 cm und eine Tiefe von 11,5 cm. Er hat die Form eines Rechtecks. An dem Grabmal sind handgeschlagene, deutsche und hebräische Inschriften zu sehen. Die Inschrift auf Deutsch lautet: "geb. Abel, sie ging zur ewigen Ruhe ein". Auf beiden Seiten und in der Mitte sind senkrechte Ritzen zu sehen, die den Umkreis und die Mitte des Grabsteins hervorheben. [1.1]

Der Grabstein von Benjamin Jasua Bendito, eines Kindes aus Białogard (Belgard), wurde aus rotem Granit hergestellt und wurde maschinell bearbeitet. Seine Abmessungen sind: eine Höhe von 55 - 58 cm, eine Breite von 25 cm und eine Tiefe von 5 - 7 cm. Das jüdische Grabmal ist aus Stein und ohne Unterteil. Es enthält eine teilweise erhaltene hebräische Inschrift. Der Oberteil der Platte ist auf beiden Seiten mit zwei Fialen in Form von Viertelkreisen verziert und in der Mitte mit einem Halbkreis mit Blumenmotiven beendet. Auf beiden Seiten der Platte sind Ritzen zu sehen, die den Umkreis und die Mitte des Grabsteins hervorheben. Die Inschriften wurden handgeschlagen. Die lesbare Inschrift auf Deutsch lautet: "Benjamin Josua Bendit. geb. 12. Sinvan 5624/ 1864 r.gest. 18 Tischri 5627/ 1867 r. (die Umrechnung vom jüdischen Kalender nach Jan Woronczak).[1.2] 1998 befanden sich beide Grabsteine in einem Lagerraum des Bezirkmuseums in Koszalin (Köslin) in der Piłsudskiego-Straße 3.

* In der Sammlung von Jan Jegielski im Jüdischen Historischen Institut befinden sich auch Fotografien der beiden Grabsteine. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass auf dem Gelände des Friedhofs in Białogard (Belgard) mehr Grabmäler entdeckt wurden, und dass sich ihre Karten in der Abteilung der Pommern- und Stadtgeschichte des Bezirkmuseums in Koszalin (Köslin) befinden.

Im November 2009 erschien auf dem Gelände des Friedhofs eine Informationstafel mit der Aufschrift: „ Jüdischer Friedhof (1823 – 1938). Zum Andenken der Juden aus Białogard (Belgard), die auf diesem Friedhof ruhen. Mögen Ihre Seelen im Knoten der Lebenden gebunden sein. Passanten, respektiert die Ruhestätte der Verstorbenen. August 2009“

Stücke der Grabsteine aus dem Friedhof in Białogard (Belgard) sind heute in einer Mauer an der Batalionów Chłopskich- und Nadbrzeżna-Straße und an der Leitznitz zu fnden. Auf manchen sind hebräische Inschriften sowie Sockel der Grabmäler zu sehen.

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Fußnoten

  • [1.1] Katalogkarte der künstlerischen Museumssammlung des Bezirksmuseums in Koszalin (Köslin), Verzeichnisnummer MK/HM/72/Rz/P, ŻIH, Sammlung von Jan Jagielski
  • [1.2] Katalogkarte der künstlerischen Museumssammlung des Bezirksmuseums in Koszalin (Köslin), Verzeichnisnummer MK/HM/73/Rz/P, ŻIH, Sammlung von Jan Jagielski