Die Anfänge der jüdischen Siedlung in Brieg lassen sich auf die erste jüdische Einwanderungswelle nach Schlesien an der Wende des 13. Jahrhunderts zurückführen. Das älteste Grabmal wird auf das Jahr 1384 datiert.

Im 14. Jahrhundert wurde den Juden aus Brieg Wucher vorgeworfen und sie wurden schikaniert. 1392 wurden alle Schulden des Herzogs von Jakub, Sohn des Moses, einem Juden aus Brieg abbezahlt. Im Jahr 1398 wiederum erkaufte sich die jüdische Bevölkerung vom Herzog einen Schutzbrief, der ihnen ein friedvolles Leben in der Stadt sowie die Ausübung ihres Berufs garantierte. Unter anderem erhielt der Jude Muscho, der Zinsgeschäfte betrieb, von Herzog Heinrich VII. das Privileg, sich in Brieg zusammen mit seiner Frau, seinen Kindern und seinen Bediensteten niederzulassen. Dennoch wurde die jüdische Bevölkerung 1401 aus der Stadt verbannt. Nur für Jacob und Seman von Reichenbach wurde eine Ausnahme gemacht. Beide erhielten am 1. Mai 1399 vom Herzog ein Schutzpatent für sechs Jahre.

Im 14. Jahrhundert brach in Schlesien der sog. „schwarze Tod“ aus, mit dem eine Hungerkatastrophe einher ging. An vielen Orten wurden daraufhin Juden beschuldigt, die Brunnen vergiftet zu haben, was vielerorts und auch in Brieg 1363 zu einem Pogrom führte.

Aus dem Jahr 1420 stammt ein Dokument, welches den Juden Salomon aus Brieg und seinem Sohn Mosze aus Glogau Sicherheit garantierte. Salomon lieh den königlichen Höfen große Geldsummen, weswegen er großen Einfluss hatte und daher auch in Brieg leben durfte.

Die Pogrom-Welle und die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung in Schlesien 1453, hervorgerufen durch die antijüdischen Predigten von Johannes Capistranus (1386-1456), führten zum vorläufigen Ende der jüdischen Siedlung in Brieg.

Aus dem Jahre 1507 stammt eine Notiz über eine Cheder-Schule in Brieg. Vermutungen zufolge war sie bis zur erneuten Vertreibung der Juden 1582 und der Verbrennung der Synagoge in Betrieb.

Als 1526 Schlesien unter die Herrschaft der deutschen Kaiser fiel, kam auch die jüdische Bevölkerung unter die kaiserliche Jurisdiktion. In den Jahren 1582–1584 bestätigte Kaiser Rudolf II. das frühere kaiserliche Edikt, nach dem jüdische Menschen das Erbland der Habsburger 1582 verlassen sollten.

Der Westfälische Frieden, der am 24. Oktober 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete, machte die Ansiedlung jüdischer Menschen von der Entscheidung der Landgutsbesitzer abhängig. Die Bestimmungen des Traktates betrafen auch die Gebiete Oberschlesiens. Die erste Gruppe jüdischer Personen aus Zülz nutzte diese Veränderung und siedelte 1650 nach Brieg um. Im Jahre 1660 entstand in der Stadt eine eigenständige jüdische Gemeinde, die wahrscheinlich über eine eigene Synagoge verfügte.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts pflegten die jüdischen Menschen aus Polen Handelskontakte mit der jüdischen Bevölkerung Schlesiens. Die HändlerInnen aus Polen kamen zu Jahrmärkten nach Breslau, Brieg, Neiße und Oppeln. Gehandelt wurde mit Metallerzeugnissen aus Bronze, Kupfer, Zinn und Silber, mit Getreide, Lederwaren, Gewürzen, tropischen Früchten, Ochsen, Wachs, Wolle und Büchern.

Während des ersten Schlesischen Krieges im Jahre 1742 kam der größte Teil Schlesiens unter die Herrschaft des Königreichs Preußen (mit Ausnahme des Teschener Schlesiens und des Herzogtums Troppau). Im September 1768 verboten die preußischen Behörden die Gründung neuer jüdischer Friedhöfe und Synagogen, sofern vorher nicht eine spezielle Genehmigung eingeholt worden war. Weitere preußische Verordnungen erlaubten jüdischen Menschen Schankwirtschaften, Werkstätten und Bäckereien nur in Dörfern zu betreiben, was auch für das Verpachten der Hofbrauereien galt. In dieser Zeit siedelten sich jüdische Personen erneut in Brieg an. Im Jahre 1782 lebten 140 Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt (3% der Gesamtbevölkerung). In den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts leitete der Jude Zadeck Löbel die Zunft der Strumpffabrikanten, was von der Emanzipation der jüdischen Bevölkerung in Brieg zeugt. Im Jahre 1798 wurde in der Stadt ein jüdischer Friedhof gegründet, 1799 wiederum eine neue Synagoge erbaut.

Der erste Rabbiner wurde im Jahr 1816 angestellt. Den Quellen zufolge wurde 1821 die Piasten-Burg in Brieg von einem Juden als Lager für Getreide angemietet. Im September 1824 wurden an diesem Ort eine allgemeinbildende jüdische Schule mit zwei Klassen eröffnet. Im 19. Jahrhundert war ferner eine jüdische Druckerei in Betrieb, die Kalender und Jahrbücher herausgab. Der Umbruch vom 19. zum 20. Jahrhundert war gekennzeichnet durch eine große Auswanderungswelle der jüdischen Bevölkerung nach Westen.

Im Jahr 1902 lebten in Brieg 310 Juden, von denen 55 ein Haus besaßen. In der Stadt existierten drei jüdische wohltätige Verbände (ein Wohlfahrtsverband, eine Beerdigungsgesellschaft sowie die Frauen-Liga). Die wachsende Auswanderung führte jedoch zu einer immer kleineren Zahl jüdischer BewohnerInnen. 1910 betrug der Anteil Juden nur noch 0,9% der Gesamtbevölkerung der Stadt nur noch 0,9%. Fünf Jahre später erhielt die jüdische Schule in der Stadt ein neues Gebäude. Diese Schule existierte bis zum Ende der 1930er Jahre.

Die antijüdische Boykottkampagne in Brieg wurde wie in ganz Deutschland am Samstag, den 1. April 1933 durchgeführt. Während den Novemberpogromen der sog. „Reichskristallnacht“  am 9. und 10. November 1938 brannten die Nationalsozialisten die Synagoge mitsamt den Thorarollen nieder. Nach diesen Ereignissen verließen viele Juden die Stadt.

Um das Jahr 1940 wurden die jüdischen Menschen aus Brieg, dem Generalplan Ost entsprechend, von den Deutschen in die Ghettos im Generalgouvernement oder in das Dombrowaer Kohlenbecken deportiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es der jüdischen Gemeinde in Brieg nicht, sich wieder zu erneuern.

Literaturverzeichnis:

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