Juden begangen sich Ende des 18. Jahrhunderts, nach der dritten Teilung Polens, in Brok anzusiedeln. Die ersten jüdischen Siedler kamen aus Płock [1.1]. Im 19. Jahrhundert wurden die hiesigen jüdischen Bäcker für ihre Matzen geschätzt, die sie bis nach Warschau und Lodz lieferten [1.2].

Die Entwicklung von Brok zu einem Urlaubsort schuf für Juden die entsprechenden wirtschaftlichen Voraussetzungen. Sie betrieben koschere Restaurants für die Urlaubsgäste und beschäftigten sich zudem mit dem Handel und dem Handwerk. Darüber hinaus verpachteten sie Apfelgärten [1.3].

Lechosław Herz schreibt in seinem Reiseführer über den Kamieniecka- und Biała-Urwald folgendes über die Juden aus Brok:

Zweifelsfrei verlieh allein die Existenz der Juden der Ortschaft an Farbe. Für die ersten Urlauber waren die jüdischen Sitten eine Art Attraktion. Sie schauten gerne mit Neugier den Juden zu, wie sie am Ufer ihre Sünden auf das fließende Wasser abschüttelten. Dies war eines der Rituale am jüdischen Neujahrstag, dem Rosch ha-Schana, welcher auf die ersten zwei Tage des Monats Tischri fällt, also üblicherweise auf den September. Der erste Tag dieses Festes wurde auch Tag des Schofar genannt. An diesem Tag wurde nämlich das Schofar geblasen, die streng gläubigen Juden hingegen widmeten sich der symbolischen Säuberung von den Sünden [1.4].

In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden in Brok an der Kreuzung der heutigen Straßen Pułtuska und Strażacka eine hölzerne Synagoge und eine Mikwe. Der erste Rabbiner der Gemeinschaft war Abraham Jehuda Lejb Kozak aus Wyszogród, der zu den Chassiden aus Kock gehörte. Im Jahre 1852 erhielten die Juden ein Grundstück für ihren Friedhof, auf dem bis heute einige Dutzend Mazewot erhalten geblieben sind [1.5]. In der Stadt gab es zudem auch drei Lehrhäuser (Beit Midrasch). Weitere darauf folgende Rabbiner waren: Nachman Szmuel Jakob (1908), Szmuel Icchak Miadasar (1925) sowie der letzte Jakob Meir Pomeranz (wanderte aus ins Heilige Land) [1.1.1].

Im Juni 1855 wandte sich die Verwaltung des Gouvernements Płock an die Regierungskommission für innere Angelegenheiten und Glaubensfragen um die Erlaubnis, eine jüdische Gemeinde zu etablieren. Bei dieser Gelegenheit wurden viele interessante Informationen zu Papier gebracht:

Die Regierungsstadt Brok im Kreis Ostrołęka, die 687 Bekenner des mosaischen Glaubens zählt sowie die Regierungsgemeinde Brok, in deren 8 Dörfern insgesamt 56 Bekenner dieses Glaubens leben, gehört zur jüdischen Gemeinde in Ostrów Mazowiecka, 1,5 Meilen von Brok und 2,5 Meilen von einigen vergessenen Dörfern entfernt [...] erfüllten mit freiwilligen Spenden folgendes: 1/ Sie erwarben einen Platz und errichteten auf ihm eine Synagoge mitsamt einer Unterkunft für den Rabbiner, 2/ Auf dem Platz erbauten sie zudem ein Haus, in dem sich das rituelle Tauchbad für Männer und Frauen mit allen Utensilien und Apparaturen aus Kupfer befindet [...] 3/ Auf dem erworbenen Platz errichteten sie einen Friedhof mit 900 Quadratklafter [...] 4/ Sie beabsichtigen ein Wohnhaus zu erwerben oder zu bauen, um dort einen Raum für den Kantor und Schuldiener sowie arme Mitbekenner zu errichten (...).

Die Regierungskommission für innere Angelegenheiten und Glaubensfragen willigte der Schaffung einer neuen jüdischen Gemeinde ein. Am 1. Januar 1856 begann das erste Haushaltsjahr der Gemeinde. In den Jahren 1856–1860 setzte es sich folgendermaßen zusammen: „Einnahmen: I. ständige Einnahmen: A. Aus zeitlicher Pacht: 1. Aus der Verpachtung des Hauses – 10 Silber-Rubel; 2. Einnahmen aus den Lesungen der Thora – 20 Silber-Rubel. B. Beiträge: Beiträge der Einwohner – 120 Silber-Rubel 50 Kopeken. II. Unsichere Einnahmen: Grabkosten pro Verstorbenen– 3 Silber-Rubel 45 Kopeken. Summe: 153 Silber-Rubel 95 Kopeken. Ausgaben: I. Löhne: 1. Vertreter des Rabbiners – 75 Silber-Rubel. 2. Schuldiener– 7 Silber-Rubel 50 Kopeken. 3. Kantor– 15 Silber-Rubel. 4. Buchhalter– 7 Silber-Rubel 69 Kopeken. 5. Für den Assessor der Abteilung für Glaubensangelegenheiten – 1 Silber-Rubel 80 Kopeken. II. Für Schreibutensilien: 1. Für den Bürgermeister – 3 Silber-Rubel. 2. Für die Synagogenaufsicht – 3 Silber-Rubel. III. Für Steuern – 14 Silber-Rubel 62 Kopeken. IV. Für verschiedene Ausgaben: 1. Für den Erwerb von Holz für den Bau der Synagoge und des Krankenhauses, für die Beleuchtung der Synagoge, für den Erwerb von Paradiesäpfeln – 7 Silber-Rubel 50 Kopeken. 2. Bedienstete bei Totenbestattungen – 7 Silber-Rubel 50 Kopeken. 3. Der Regierung des Gouvernements zur Verfügung gestellte Mittel – 3 Silber-Rubel 89 Kopeken. Summe: 153 Silber-Rubel 95 Kopeken”.[1.6].

In der Ortschaft agierten religiöse Verbände: Linas Ha-Cedek (Fürsorge für Arme und Kranke), Hachnasat Orchim (Fürsorge für Waisen), Kupat Gemilut Chasadim (zinsfreie Kredite) [1.7].

Im Jahre 1921 lebten in Brok 873 Juden. In der Zwischenkriegszeit erlebte die zionistische Bewegung in der Stadt eine rasante Entwicklung – hier agierte die Filiale der Misrachi sowie einige Jugendgruppen: die linksgerichtete Hashomer Hatzair, die religiöse Hashomer Hadati sowie die revisionistische Betar. Im Jahre 1938 entstand in Brok ein Zentrum der Hachschara (landwirtschaftliche Vorbereitung zur Ausreise nach Palästina). Eine kleine Gruppe Jugendlicher gehörte zum Bund sowie zur illegalen Kommunistischen Partei Polens [1.1.7].

Die Mehrheit der jüdischen Kinder besuchte die Chadarim, die Mädchen hingegen gingen in die Beit Jakow-Schule. In der Zwischenkriegszeit besuchten aber auch viele Juden die polnischen Schulen[1.1.7].

Die Deutschen marschierten in die Stadt am 8. September 1939 ein. Die Bebauung, überwiegend aus Holz (darunter auch die Synagoge), wurde niedergebrannt. Viele Menschen kamen in den Flammen um, darunter 40 Juden. Ein Teil der Juden, die versuchten zu fliehen, wurde gefangen genommen und bis nach Ostrów Mazowiecka und Komorów gejagt, woher sie erst nach zwei Wochen zurückkamen. In Brok standen Verfolgung und Morde an der jüdischen Bevölkerung auf der Tagesordnung. Knapp ein Drittel der jüdischen Einwohner floh in die von der UdSSR besetzten Gebiete, wo sie nach dem Einmarsch der deutschen Truppen ermordet wurden[1.1.7]. Im Jahre 1942 deportierten die Deutschen die übrigen Juden aus Brok in das Vernichtungslager Treblinka.

Schätzungen zufolge haben ca. 30 Juden aus Brok den Krieg überlebt[1.8].

Im Jahre 1945 kam es in einigen polnischen Städten zu Überfällen und Morden an Personen jüdischer Herkunft. Einer dieser Überfälle geschah in Brok. Laut des Augenzeugenberichtes von Welwel Szczuczyner wurde er in der Nacht vom 18. auf den 19. Juni 1945 zusammen mit seinem Mitbewohner, Zarember, von bewaffneten Männern überfallen. Die Opfer hatten ein Parabellum und konnten den Überfall abwehren. Einer der Angreifer starb noch am Tatort, der andere verstarb infolge seiner Verletzungen am nächsten Tag. Laut Szczuczyner waren die Angreifer Mitglieder der Nationalen Streitkräfte (Narodowe Siły Zbrojne, NSZ)[1.9].

Bibliographie:

  • Brok, [in:] Encyclopedia of Jewish Communities, Vol. IV [online] http://www.jewishgen.org/yizkor/pinkas_poland/pol4_00151.html [Zugriff: 21.10.2014].
  • Brok, [in:] The Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Red. S. Spector, New York 2001, S. 202.
  • Herz L., Puszcze Kamieniecka i Biała. Przewodnik krajoznawczy w formie opowieści napisany, a po magicznych i egzotycznych miejscach znanych i nieznanych prowadzący, Pruszków 2005.
  • Mironczuk J., Żydzi w powiecie ostrołęckim do I wojny światowej, Ostrołęka 2011.
  • Młynarczuk E., Brokowscy Żydzi wpisani w dzieje miasta historia [online] 22.08.2014, http://www.brok.pl/index.php?option=com_content&view=article&id=782:brokowscy-ydzi-wpisani-w-dzieje-miasta-historia&catid=1:urzdowe&Itemid=4 [Zugriff: 21.10.2014].

 

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Fußnoten
  • [1.1] Brok, [in:] Encyclopedia of Jewish Communities, Vol. IV [online] http://www.jewishgen.org/yizkor/pinkas_poland/pol4_00151.html [Zugriff: 21.10.2014].
  • [1.2] Brok, [in:] The Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Vol.1, Red. S. Spector, New York 2001, S. 202.
  • [1.3] Brok, [in:]Encyclopedia of Jewish Communities, Vol. IV [online] http://www.jewishgen.org/yizkor/pinkas_poland/pol4_00151.html [Zugriff: 21.10.2014].
  • [1.4] Mehr unter: Herz L., Puszcze Kamieniecka i Biała. Przewodnik krajoznawczy w formie opowieści napisany, a po magicznych i egzotycznych miejscach znanych i nieznanych prowadzący, Pruszków 2005.
  • [1.5] Młynarczuk E., Brokowscy Żydzi wpisani w dzieje miasta historia [online] 22.08.2014, http://www.brok.pl/index.php?option=com_content&view=article&id=782:brokowscy-ydzi-wpisani-w-dzieje-miasta-historia&catid=1:urzdowe&Itemid=4 [Zugriff: 21.10.2014].
  • [1.1.1] Brok, [in:] Encyclopedia of Jewish Communities, Vol. IV [online] http://www.jewishgen.org/yizkor/pinkas_poland/pol4_00151.html [Zugriff: 21.10.2014].
  • [1.6] Mironczuk J., Żydzi w powiecie ostrołęckim do I wojny światowej, Ostrołęka 2011.
  • [1.7] Brok, [in:] Encyclopedia of Jewish Communities, Vol. IV [online] http://www.jewishgen.org/yizkor/pinkas_poland/pol4_00151.html [Zugriff: 21.10.2014].
  • [1.1.7] [a] [b] [c] Brok, [in:] Encyclopedia of Jewish Communities, Vol. IV [online] http://www.jewishgen.org/yizkor/pinkas_poland/pol4_00151.html [Zugriff: 21.10.2014].
  • [1.8] Brok, [in:] The Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Red. S. Spector, New York 2001, S. 202.
  • [1.9] Archiwum Żydowskiego Instytutu Historycznego, Relacje. Zeznania ocalałych Żydów, Sign. 301/741, Relacja W. Szczuczynera.