Die Juden begannen im 19. Jahrhundert sich in Bełżec anzusiedeln. Die meisten von ihnen stammten aus Rawa-Ruska und Jarosław (Jaroslawl). Der Zustrom der jüdischen Bevölkerung hing u.a. mit der günstigen Lage des Dorfes an der Grenze von Galizien und dem Polnischen Königreich zusammen. Anfang des 20. Jahrhunderts wohnten hier über 100 jüdische Familien, die vor allem vom Grenzhandel lebten. In Bełżec gab es ein Bethaus und einen Cheder, jedoch keine selbstständige Gemeinde, und die Juden aus Bełżec gehörten den Kehillas (jüdischen Gemeinden) in Lubycza Królewska und Narol an. Während des Ersten Weltkrieges verließ die Mehrheit der Juden Bełżec, sodass in der Zwischenkriegszeit nur noch ein Dutzend jüdische Familien hier lebte [[Quelle:|Kuwałek, R.: Z Lublina do Bełżca. Ślady obecności i zagłady Żydów na południowo-wschodniej Lubelszczyźnie, Lublin, 2007, S. 29-30.]].

Besatzungszeit

Seit 1939 befand sich Bełżec unter deutschen Besatzung und im Jahr 1940 errichteten die Deutschen hier ein Arbeitslager, in das einige tausend Juden aus dem Generalgouvernement und Roma aus Polen und Deutschland deportiert wurden. Die Lagerinsassen mussten Panzergräben ausheben, deren Überreste bis heute erhalten sind.

Im November 1941 begannen die Nazis mit dem Bau eines ersten provisorischen Vernichtungslagers. Über die Wahl des Ortes entschied vor allem die Lage des Dorfes an der Kreuzung der Bahnlinien von Westen, Osten und Süden.

Von März bis Dezember 1942 wurden 500.000 Juden aus Polen (aus den Distrikten Krakau, Lublin, Radom und Galizien (u.a. aus Lwiw (Lemberg)) und dem Ausland (darunter u.a. aus Österreich, Tschechien, der Slowakei und Deutschland) nach Bełżec deportiert und ermordet. Sie gelangten über die Ghettos im Distrikt Lublin und Kraków (Krakau) und Lwiw hierher. In Bełżec wurden auch kleine Gruppen von Roma und Polen aus Lwiw und umliegenden Ortschaften ermordet, die wegen ihrer Hilfe für Juden oder der Zugehörigkeit zu polnischen Untergrundorganisationen angeklagt waren.

Oft wurden die Juden in primitiven Gaskammern ermordet und ihre Leichen in Massengräbern verscharrt. In der Zeit von Januar bis April 1943 wurden diese Gräber ausgehoben und die Leichen auf großen Scheiterhaufen verbrannt, die auf alten Bahnschienen zusammengetragen wurden. Innerhalb der nächsten Monate lösten die Deutschen das Lager auf und planierten und bewaldeten das Gebiet, Die letzten Gefangenen wurden nach Sobibór geschickt.

Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass Bełżec – hinsichtlich der Anzahl der hier Ermordeten - das drittgrößte Vernichtungslager nach Auschwitz-Birkenau und Treblinka war. Trotzdem geriet es in Vergessenheit und erst 1963 wurde hier ein erstes Denkmal für die Opfer enthüllt. In den Jahren 1993-2004 wurde am Ort des ehemaligen Lagers eine Gedenkstätte mit Museum als Unterabteilung des staatlichen Museums Majdanek in Lublin gegründet. Den zentralen Teil bildet ein Friedhof mir einem Denkmal mit markierten Stellen der Massengräber und den Namen der 200 Gemeinden, aus denen die nach Bełżec deportierten Juden stammten. Im Museum gibt es außerdem eine Multimediaausstellung [[Quelle:|Kuwałek, R.: Z Lublina do Bełżca. Ślady obecności i zagłady Żydów na południowo-wschodniej Lubelszczyźnie, Lublin, 2007, S. 30-31.]].

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