Der jüdische Friedhof in Cieszowa liegt etwa 1,2 km westlich vom Dorfzentrum und ca. 100 m südlich des Weges von Cieszowa nach Wierzbie, auf einem Flurstück mit der Nummer: 240706 2.0002.AR 1.126 und weist eine Rechteckform mit einer Fläche von 3372 m² auf.

Die jüdische Nekropole wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gegründet[1.1].

Im Jahre 1909 verfasste Karol Urban, Pfarrer der Gemeinde Sadów, zugleich Forscher und Chronist, zwei Werke: Oberschlesische Heimat und Der Landbote – Lublinitzer Kreis-Kalender, die unter anderem Informationen über den jüdischen Friedhof enthalten: „Die Synagoge und das Haus des Rabbiners spiegelten über Jahrhunderte hinweg die Geschichte der Juden in Cieszowa wider. Der umzäunte jüdische Friedhof befindet sich auf einer Anhöhe, etwa einen Kilometer vom Dorf entfernt. Er soll weitaus älter sein als die Synagoge. Laut der Überlieferung zählt die Nekropole rund 600 Jahre“[1.2].

Prof. Mark Brann beschrieb in seinem Werk Die juedischen Altertuemer von Cieschowa sowohl die Geschichte als auch die geschichtsträchtigen Vorzüge der jüdischen Synagoge, samt dem örtlichen Friedhof. Zum Letzteren äußerte er sich, dass dieser „das prächtigste und das kostbarste Objekt“ sei, für das „am 20.01.1690 eine Friedhofssteuer in Höhe von 17 schlesischen Talern entrichtet wurde.“ Brann stellte zu diesem Zeitpunkt auch eine genaue Zusammenstellung der Mazewot auf dem Friedhof auf. Er staunte über die im Sandstein eingehauenen Daten. Sein besonderes Augenmerk galt jedoch einer Mazewa aus dem Jahre 1650 sowie einem Gedenkstein vom Oktober 1780, der Eljakim Getzes, dem Sohn des Nathan Natas, gewidmet wurde[1.3].

Branns Einschätzung nach, sind die Grabinschriften, die sich gleichermaßen auf die dort bestatteten Frauen und Männer beziehen, sehr spärlich und kurz gehalten. Gleichzeitig gab er an, dass der jüdische Friedhof noch 1917 viele gut erhaltene Mazewot beherbergt hat. Das Gleiche schrieb Pfarrer Karol Urban in seinen Schriften, der 1907 zum Inhaber der Synagoge und des Rabbiner Hauses wurde. Zudem übernahm er teilweise auch die Verantwortung über den jüdischen Friedhof. Ende des 19. Jahrhunderts haben beinahe alle Juden Cieszowa verlassen, und im Jahre 1905 hat es im Dorf keinen einzigen Jude mehr gegeben. Aus ungeklärten Gründen wurde die Synagoge 1911 abgerissen. Wie aus den Dokumenten des Katasteramtes hervorgeht, ging das Grundstück, auf dem sich diese Objekte befanden, vermutlich 1917 an neue Eigentümer über. Doch der Friedhof existierte weiterhin: Er überstand den Ersten Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit. Während des Zweiten Weltkriegs entging er weitgehend jeglicher Zerstörung und so ist er bis in die Gegenwart nahezu intakt erhalten geblieben. Nicht aber die Mazewot, die im Laufe der Zeit ihre Schönheit verloren haben und Opfer von Erosion wurden.

Im Jahre 2002 haben Einwohner aus Cieszowa sowie Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr das Friedhofsgelände aufgeräumt. Während der Aufräumarbeiten unterzog Jan Myricik, Historiker aus Koszęcin, fünf der Mazewot vom Friedhof konservatorischen Arbeiten.

Als Mitte August 2008 ein gewaltiger Wirbelsturm wütete, wurde die Nekropole ernsthaft beschädigt. Mehr als die Hälfte der Bäume stürzte um. Auch einige Mazewot wurden in Mitleidenschaft gezogen, denn die umgefallenen Bäume, die zusammen mit den Wurzeln aus dem Boden gerissen wurden, haben dutzende Gräber beschädigt[1.4]. Nach diesen Ereignissen wurde das Gelände zum Teil aufgeräumt und ein Holzzaun aufgestellt, es wurden auch junge Nadelbäume gepflanzt. 

Auf einer Fläche von 0,5 ha sind 131 Grabsteine, welche aus dem 18. bis 19. Jahrhundert stammen, erhalten geblieben. Die älteste Mazewa [...] ist der Tochter des Menachem Menla, Ehefrau des Jechiel, die am 9. Juni 1780 verstorben ist, gewidmet[1.5].

Die Grabsteine wurden aus Sand- und Kalkstein gefertigt. Flache Grabsteintafeln beinhalten typische Verzierungen und Inskriptionen auf Hebräisch und Deutsch. Das Gelände ist mit einem Holzzaun umzäunt. Die Friedhofsgrenzen sind sichtbar und entsprechen der Markierung aus dem Jahre 1939. Der Eingang zum Friedhof führt von der Nordseite aus durch ein erhaltenes Tor mit hölzerner Pforte. Die Nekropole wird nur sporadisch besucht. Dennoch stellt Vandalismus auf dem Gelände kaum eine Gefahr dar. Das Gelände ist teils aufgeräumt, obgleich Schäden nach dem Wirbelsturm aus dem Jahr 2008 noch gut sichtbar sind.

Im Jahre 2016 hat Renata Uszyńska-Gwoźdź im Auftrag des Museums für die Geschichte der polnischen Juden POLIN und dank der Förderung von Volkmar Schiewe eine Auflistung der erhalten gebliebenen Grabsteine vorgenommen. Die Dokumentation kann eingesehen werden unter: http://www.sztetl.org.pl/gfx/cieszowa_jewish_cemetery.pdf.

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Fußnoten