Etwa 200 Personen gingen am Sonntag auf die Strassen, um der Opfer des Pogroms in Kielce von 1946 zu gedenken. Die Gebete wurden von Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen gesprochen.

Während der Zeremonie wurde ein Brief von der Ministerpräsidentin Beata Szydło vorgelesen, in dem sie betonte: „Es gibt in Polen keine Zustimmung für die Stigmatisierung von Menschen aufgrund ihres Glaubens und es gibt auch keinen Platz für Rassismus. Das Gedenken an das Verbrechen in Kielce ist unsere moralische Pflicht sowie ein wichtiges Bindeglied im Versöhnungsprozess”.

Die Feierlichkeiten leitete Bogdan Białek - Psychologe, Journalist und Vorsitzender der Jan-Karski-Stiftung. Es ist vor allem seinen Bemühungen zu verdanken, dass in Kielce die Mauer des Schweigens bzgl. des Pogroms gebrochen wurde.

Bogdan Białek erinnerte daran, dass nachdem er im Jahre 2000 die Feierlichkeiten organisierte, nur ein Dutzend Menschen kamen, die meisten von ihnen von außerhalb von Kielce.

– Heute sind wir Zweihundert, vielleicht mehr. Heute gibt es sogar zwei Märsche – sagte Bogdan Białek – Der Jahrestag wird durch zahlreiche Konferenzen in Ehren gehalten. Die erste fand bereits im Januar statt, zwei weitere im April und im Mai. Morgen wird es noch zwei weitere Konferenzen geben.

Der Oberrabbiner von Polen Michael Schudrich pflichtete im bei, indem er sich auf den Besuch von Elie Wiesel in Kielce berief.

– Elie Wiesel fragte, ob das heutige Kielce bereit sei dem alten Kielce zu gedenken. Dank Euch, kann ich heute diese Frage bejahen – stellte der Rabbiner Michael Schudrich fest – Vielleicht sind nicht alle hier versammelt, aber es sind viel mehr Menschen als noch vor 20 Jahren. Dies haben wir Bogdan Białek und anderen zu verdanken.

Bogdan Białek hat in einer sehr emotionalen Rede das Problem der in Polen und in anderen europäischen Ländern aufsteigenden nationalistischen Stimmungen angesprochen.

– Könnte sich das Verbrechen von 1946 wiederholen? Ich befürchte ja – sagt Bogdan Białek – Es bereitet mir Kopfzerbrechen, wer diese jungen Polen, die Patrioten, die ihre Verbundenheit mit der Kirche und ihrem Vaterland manifestieren, dazu inspiriert und provoziert den Hitlergruß, d.h. die abscheulichste Geste, auszuüben? Wer inspiriert, wer provoziert die Täter zu Schlägereien bzw. zur Beleidigung von Ausländern oder in Polen lebender Immigranten und Flüchtlinge?

Es sprach zu den Versammelten der aus Jedwabne stammende Kamil Mrozowicz.

– Ich bin hier aus dem Bedürfnis des Gedenkens derjenigen, deren Leben auf solch brutale Art und Weise frühzeitig beendet wurde – sagte Kamil Mrozowicz bewegt – Ich bin hier, da ihr hier seid. Wenn ich bei mir bin in Jedwabne, bin ich sehr oft bei euch. Wenn ich ohne euch bei mir bin, bin ich sehr häufig allein und einige Personen, die genauso denken wie ich, werden blockiert von der Schule, der Regierung und von anderen Einwohnern.

Vor dem Gebäude, in welchem sich 1946 das Pogrom ereignet hat, sprach auch Miriam Michalska.

– Ich bin Jüdin, ich bin Polin. Ich lebe in Kielce – sagte Miriam Michalska – Ich bin nicht hier um zu urteilen, sondern um zu gedenken. Denn die Erinnerung bedarf der Verantwortung. Ich möchte, dass die Erinnerung hilft gegenseitige Beziehungen und ein besseres Morgen aufzubauen.

Quelle: Eigene Informationen

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