Die ersten Notizen über die Stadt Kielce stammen bereits aus den Jahren 1081-1084, man behauptet jedoch, dass hier schon wesentlich früher eine Marktsiedlung existierte. Es gab hier auch eine Schutzburg, die als Sitz des Kastellans diente. Zu Besitzern des Vermögens wurden um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert oder Anfang des 12. Jahrhunderts die Krakauer Bischöfe, die in dem einheimischen Schloss ihre Sommerresidenz eingerichtet haben. Um 1081-1101 wurde in der Siedlung die hölzerne Adalbertkirche errichtet, 1135-1137 hingegen, auf dem Heiligen Kreuz, stiftete der König Boleslaw Schiefmund eine Abtei der Benediktiner. Mitte des 12. Jahrhunderts, und dann in der Hälfte des 13. Jahrhunderts war die sich am Bischofsitz entwickelnde Siedlung zweimal wegen der Tatarenüberfälle zerstört und später wideraufgebaut. 1364 erhielt Kielce das Magdeburger Recht. In dem Lokationsdokument wurde deutlich betont, dass diese Stadt zum Krakauer Bistum gehört und Vermögen der Kirche bleibt. Als Bischofsstadt besaß Kielce das Privileg „de non tolerandis Judaeis“, das bis zur Zeit der Reformen von Aleksander Wielopolski aus dem Jahre 1862 galt.

Im 15. und 16. Jahrhundert erlebte Kielce eine ökonomische und demographische Blütezeit, die mit der intensiven Entwicklung des Bergbaus des Eisenerzes und bunter Metalle verbunden war. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt auch als ein Handels- und Handwerkszentrum und war von den weiteren Königen mit vielen Privilegien beschenkt. Man organisierte 3 Märkte pro Jahr, allwöchentliche Ausstellungen und seit 1579 hatten die Stadtbewohner Recht auf freie Produktion von Bier und Wodka. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde auf dem Markt ein gemauertes Rathaus errichtet und in der Nähe von der Stadt –  die Leonardkirche. In dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts wurde auf dem Platz des ehemaligen Hofes ein neuer Palast im Renaissancestil, nach dem Projekt des italienischen Architekten aus Lugano – Giovanni Trevano, erbaut. Hier wurde auch die Dreifaltigkeitskirche und ein Krankenhaus errichtet. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts haben die Kriege, Innenunruhen und Epidemien zur totalen Vernichtung der Stadt und zur Abschwächung ihrer Position beigetragen. 1655, während der „Schwedischen Sinflut“, wurde Kielce fast ganz verbrannt. Die Truppen von Gustav Karol zerstörten die einheimischen Fabriken und belegten die Stadtbewohner mit einer hohen Kontribution. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Entscheidung getroffen, die Stadt wiederaufzubauen. Daraufhin wurde hier ein Priesterseminar, eine Oberschule, die sich seit 1735 unter dem Patronat der Krakauer Akademie befand, ein Theater, eine Brauerei, ein Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern an der Leonardkirche sowie am Markt gemauerte Mietshäuser mit Bogengängen errichtet. Es wurden auch ein Kalkbergwerk auf dem Hügel Kadzielnia und zwei Ziegeleien in Gang gesetzt. Dank der Stiftung des Bischofs Andrzej Zaluski wurde auch in Kielce die erste zinsfreie Darlehenskasse „Mons Pietatis“ gegründet. In Kielce, also in der Bischofsstadt, wurde den Juden verboten, sich anzusiedeln. Dieses Verbot war jedoch mehrmals übertreten und deswegen vertrieb man im Jahre 1761 kraft des Bischofsdekrets alle hier lebenden Anhänger der israelischen Religion. Im Juli 1789 beschloss der Vierjährige Sejm, dass die Güter der Krakauer Bischöfe von der königlichen Verwaltung übernommen werden sollen. Damit begann die Zeit einer dynamischen Entwicklung der Stadt, infolge der vom König erhaltenen Unterstützung für die Entwicklung der Metallindustrie, unter anderem der Kupferverarbeitung. 

Infolge eines großen Brandes wurden am 24. Mai 1800 fast alle Häuser im Zentrum, darunter auch das Rathaus zerstört. Bald wurde aber die Stadt wiederaufgebaut.

Seit 1795 war Kielce unter der österreichischen Besatzung (Westgalizien), seit 1809 dagegen – im Herzogtum Warschau. Nach dem Wiener Kongress, im Jahre 1815, befand sich Kielce im Königreich Polen, das unter der russischen Oberhoheit blieb. Da Kielce die Hauptstadt der Krakauer Woiwodschaft war, funktionierte die Stadt als Verwaltungszentrum der Region. Dank Zuleitung zu Kielce der Bahnlinie, erlebte die Stadt ihre demographische und wirtschaftliche Blütezeit. 1816 wurde Kielce zum Sitz der Hauptbergbaudirektion, die die Aufsicht über die Industrieentwicklung in dieser Region innehatte. In demselben Jahr, dank der Bemühungen von Stanisław Staszic, errichtete man in dem alten Bischofspalast die erste Technische Hochschule in Polen Szkoła Akademiczno-Górnicza. In der Stadt funktionierte auch eine männliche Oberschule (Hochrealschule, philologisches Gymnasium) sowie private weibliche Schulen.

Im Rahmen der Repression gegen die Befürwortung des Novemberaufstandes der Bewohner von Kielce wurde anstelle der Krakauer Woiwodschaft ein Gouvernement geschaffen, in dem die Macht der Militärleiter ausübte. Es wurde auch das Kielcer Gymnasium geschlossen. 1845, infolge der Verwaltungsreform, wurde das Kielcer Gouvernement beseitigt und Kielce wurde hingegen zu einer der Kreisstädte in dem Radomer Gouvernement. Für die Unterstützung der Staatsauflehnung in den Jahren 1863-1864 wurde die Stadt mit zahlreichen Kontributionen bestraft. Viele von den Bewohnern wurden ihres Vermögens beraubt und nach Sibirien oder in Gefängnisse deportiert. Im November 1864 wurde das Kloster auf dem Karczówka-Hügel beseitigt und etwas später beschlagnahmte man auch ein Teil der Güter, die zum Priesterseminar gehörten. 1867 wurde der umgebaute Bischofspalast zum Sitz des russischen Staathalters. 1865 errichteten die Besatzungsmächte eine orthodoxe Christi-Himmelfahrtskirche, die an die Soldaten der hier gestützten russischen Garnison gerichtet war. Für die Bewohner war sie auch ein Symbol der Erlösung.

Kraft des Zarenerlasses, der 1862 verabschiedet wurde, erhielten die Juden das Recht zur Ansiedlung in der Stadt. Seit diesem Moment begann die Zeit der raschen Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Kielce. Seit den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts folgte trotz des russischen Terrors und der Verfolgung eine allmähliche Erneuerung der Stadt auf der wirtschaftlichen und demographischen Ebene. Seit 1870  begann man in Kielce, das den Gouvernementsstatus wiederbekommen hat, die Zeitung „Gazeta Kielecka“ herauszugeben. 1871 wurde ein Markt errichtet, 1873 entstand die Freiwillige Feuerwehr. Man hat auch das Alexanderkrankenhaus sowie das Hotel Lardellego mit einem Theatersaal gebaut. Allmählich stieg auch die Bevölkerungszahl – während 1875 in Kielce nur 8.082 Menschen gewohnt haben, wohnten 1897 – schon 13.456, darunter ungefähr 25% Juden. Etwas später wurde in der Warszawska-Straße eine Synagoge erbaut. 1900 funktionierte in der Stadt eine Marmorfabrik, zwei Färbereien, eine Sägemühle, drei Kachelfabriken, zwei Metsiedereien, eine Dampfmühle, zwei Ziegeleien, Steinbrüche und Kalkbrennöfen „Kadzielnia“ und „Wietrznia“ sowie die Fabrik „Superfosfaty“, die Fabrik des Portlandzements „Kielce“, der Rektifikationsbetrieb des Spiritus „Etyl“ und 1897 gegründete man die Glashütte „Leonów“. 1904 begann man in Kielce die ersten Fernsprechapparate anzuschließen und kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde hier ein Kraftwerk, ein Kino sowie eine Technische Schule erbaut. Am 3. Februar 1905 fand in Kielce der berühmte Streik der Schuljugend statt, die den Unterricht in polnischer Sprache forderte.

Anfang des Ersten Weltkrieges, im Jahre 1914, trat in Kielce die Schützenkompanie mit Józef Piłsudski an der Spitze ein. Im September fand hier Piłsudskis Vereidigung des ersten Regiments der „Polnischen Legion“ statt, dank der man Kielce als eine „Marschallstadt“ bezeichnete. Bald wurde die Stadt wieder von den Russen besetzt, die hier bis Mai 1915 stationierten. In der Stadt organisierte man zahlreiche patriotische Kundgebungen, es wurde hier auch eine Polnische Militärorganisation berufen, die sich für Piłsudski einsetzte und bewaffnete Angriffe gegen die Besatzer vorbereitete. Nach der Rückgewinnung der Unabhängigkeit im Jahre 1918 erhielt Kielce den Status der Hauptstadt der Woiwodschaft. 1921 lebten hier 41.346 Bewohner, darunter: 25.549 Katholiken (61,9%), 145 Protestanten (0,4%) und 15.530 Juden (37,7%). %)[1.1]. In der Stadt gründete man neue Unternehmen und Fabriken, man baute Wohnsiedlungen. 1926 entstand ein neues Kraftwerk, 1927 gab man ein Kanalisationsnetz zur Nutzung frei und gerade zwei Jahre später – ein Wasserleitungsnetz. Es wurde auch ein prachtvolles Sportstadion und ein Gebäude der Militär- und Sportausbildung erbaut.

In den Jahren 1927-1930 wurden die Kielcer Verwaltungsgrenzen verbreitet, indem man an das Stadtgebiet umliegende Ortschaften und Vorwerke anschloss. So stieg die Einwohnerzahl bis 1939 um über 71.000 Personen. [1.2]. In den 30-er Jahren wurde die Stadt zum wichtigen Element des Industriellen Zentralgebiets, das die Teile der Woiwodschaften Kielce, Lublin, Kraków (Krakau) und Lwów (Lemberg) umfasste.

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden Anfang September aufgrund der Bombardements, die von dem deutschen Flugwesen durchgeführt wurden, Kasernen im Statdtteil Bukówka, ein Kraftwerk, der Bahnhof sowie ein Wasserleitungsnetz zerstört. Die nur von provisorisch organisierten Soldatengruppen geschützte Stadt, wurde von den deutschen Truppen am 6. September besetzt. Bereits am nächsten Tag wurden hier die Übergangslager für Kriegsgefangene geschaffen. Nach der Gründung des Generalgouvernements wurde Kielce zur Kreishauptstadt in dem Distrikt Radom degradiert. Während der Besatzung arbeiteten die sich in Kielce befindenden Industriebetriebe für den Bedarf der deutschen Armee. In der Hütte „Ludwików“ stellte man die Landmaschinen und Fuhrwerk für die Wehrmacht her, in der Fabrik „Granat" - Elemente der Ausrüstung, u.ä.

Im April 1941 gründeten die Nazis in Kielce ein Ghetto, in dem ca. 27.000 Juden aus der Stadt und den umliegenden Ortschaften versammelt wurden. Wegen der schweren Bedingungen kamen im Ghetto von April 1941 bis August 1942 ungefähr 5.000 Menschen ums Leben. Ca. 20.000 Personen – vor allem Frauen, Greise und Kinder – wurden im August 1942 ins Vernichtungslager Treblinka deportiert. Ca. 2.000 Personen aus dem Ghetto in Kielce – vor allem qualifizierte Facharbeiter – gerieten ins Zwangsarbeitslager in Skarżysko-Kamienna und Pionki, woher sie im August 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden. Seit 1941 funktionierte am Fuß des Telegrafberges ein Lager für Soldaten und Offiziere der Roten Armee, in dem infolge des Hungers und der Epidemie über 11.000 Russen ums Leben kamen. In den Jahren 1942-1943 fanden zahlreiche Exekutionen an der polnischen und jüdischen Bevölkerung statt, die unter anderem im Stadion und auf dem jüdischen Friedhof vollzogen wurden. Dort starben insgesamt mehrere Tausende Menschen. In den Jahren 1943-1944 fanden die öffentlichen Exekutionen auch im Gefängnis in der Zamkowa-Straße statt. Im Juli 1944, aus Rücksicht auf die schwere Situation der deutschen Arme an der Ostfront, depor tierten die Okkupanten die Mehrheit von den einheimischen Fabriken und Industriebetriebentief ins Dritte Reich. Im August 1944 evakuierte man aus der Stadt, die sich an der Frontgrenze befand, die deutschen Beamten und Volksdeutschen. Nach unheimlich schweren Kämpfen wurde die Stadt am 15. Januar 1945 von den sowjetischen Truppen befreit. Nach der Befreiung kamen nach Kielce ca. 150-200 Juden zurück. Am 4. Juli 1945 fand in Kielce ein Pogrom gegen die Juden statt, infolge dessen 37 Personen der jüdischen Nationalität und 3 Polen ums Leben kamen und 35 Menschen verletzt wurden[1.3].

 

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Fußnoten
  • [1.1] Anhand: Demografische Entwicklung von Kielce (polnische Wikipedia) http://pl.wikipedia.org/wiki/Rozwój_demograficzny_Kielc#cite_note-16 [Stand: 02.02.2009].
  • [1.2] Anhand:  Sobieszczański, F. M.: Wycieczka archeologiczna w niektóre strony guberni radomskiej, Warszawa, 1852, anhand: http://pl.wikipedia.org/wiki/Rozwój_demograficzny_Kielc#cite_note-16 [Stand: 02.02.2009].
  • [1.3] Anhand: Marcinkowski, S.: Miasta Kielecczyzny, Przemiany społeczno-gospodarcze 1815-1869, Warszawa-Kraków, 1980, [in:] http://pl.wikipedia.org/wiki/Rozwój_demograficzny_Kielc#cite_note-16 [Stand: 02.02.2009].