Die erste Information über die Anwesenheit von Juden in Mielec stammt aus dem Jahre 1573. Es war das Ehepaar Barbara und Izrael. Wiederum im Jahre 1601 war ein gewisser Mojżesz, Bürger von Mielec, Inhaber eines Stadthauses.


Während der schwedischen Invasion in den Jahren 1655-1660 kamen in Mielec 40 jüdische Familien um. Dem Steuerbestand zufolge zahlten 1662 in Mielec nur 20 jüdische Familien die Kopfsteuer, 1676 waren es nur noch sechs Familien. In dem nahegelegenen Rzochów (heute Stadtteil von Mielec), in dem der Jude in den Dokumenten im Jahre 1631 verzeichnet wurde, lebten zu der Zeit 12 jüdische Familien, 1676 hingegen zahlten bereits 20 Familien die Kopfsteuer.


Es ist wahrscheinlich, dass anfangs die Juden aus Mielec und Rzochów ein kleine Gemeinde bildeten, die an die Gemeinde in Opatów angekoppelt war. Die erste hölzerne Synagoge wurde 1721 errichtet. Sie blieb bis zum Stadtbrand im Jahre 1856 bestehen. Beim selben Brand brannten zudem noch zwei andere Synagogen nieder. Seit dem Jahre 1720 unterhielt die jüdische Gemeinde in Mielec eine Cheder-Schule. Ihr Vorsitzender war zu jener Zeit Abram Markowic. Bereits im Jahre 1741 nahmen die Juden an der Wahl zur Selbstverwaltung der Stadt teil, da diese „mit dem Einvernehmen der Gemeinschaft und der Synagoge“ gewählt worden ist[1.1]. 1765 lebten 914 Juden in der Gemeinde in Mielec, davon 585 in der Stadt selber und 94 in Rzochów. Im Jahre 1777 zahlten sie 914 Zloty Toleranzsteuer pro Jahr, was darauf hindeutet, dass die Gemeinde die neuntgrößte Gemeinde auf dem Gebiet der heutigen Woiwodschaft Podkarpackie war.


Mielec befand sich nach 1772 unter der Herrschaft der Österreicher. Infolgedessen gingen die Kinder in Mielec, ähnlich wie in anderen Ortschaften der Region, ab 1792 neben der Cheder-Schule auch in eine deutschsprachige jüdische Schule, die sog. Jüdisch-Deutsche Schule. Im Jahre 1799 wurden in Mielec eine neue, gemauerte Midrasch-Schule, in Rzochów hingegen eine hölzerne Synagoge erbaut. Zu dieser Zeit lebten 1008 Juden in der Stadt, was 34% der Gesamtbevölkerung ausmachte.


In der jüdischen Gemeinschaft in Mielec überwog der chassidische Teil. Am Anfang des 19. Jahrhunderts übernahm Jakub Horowic das Amt des Rabbiners und ab 1827 auch des Zaddiks. Zuvor war Horowic, Sohn des berühmten Zaddiks Naftali aus Ropczyc, Rabbiner in Kolbuszowa. Im Jahre 1846 zählte die jüdische Gemeinde 1980 Personen, 1870 hingegen bereits 2534 Personen. Die Gemeinde unterhielt zu der Zeit zwei Synagogen und drei Rabbiner, wobei die Funktion des Rabbiners der Gemeinde Juda Horowiz anvertraut wurde.


1872 kam es in der Stadt zu wirtschaftlich motivierten antijüdischen Unruhen. Die städtischen Polizeikräfte waren nicht im Stande, die Lage zu kontrollieren, weswegen die Stadt militärische Unterstützung anforderte. Zu ähnlichen Ausschreitungen kam es ebenfalls im Jahre 1895.


Im Jahre 1881 wurde in der Stadt aus der Stiftung von Pinkas Kranz ein Heim für arme Juden und Christen errichtet. Vier Jahre später wurde der Credit-Verein gegründet, an dessen Spitze N. Schmirer stand. 1892 hingegen wurde die Kredit-Gesellschaft gegründet, deren Vorsitzender Nata Gross war. Im Stadtrat waren 13 von 24 Ratsmitgliedern Juden. Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine neue, gemauerte Synagoge anstelle der alten errichtet. Sie hatte zwei Türme. Ferner befanden sich daneben ein Badehaus und eine rituelle Schlachterei. In der Stadt waren 41 von 45 Geschäften in jüdischem Besitz. 1899 nahm die erste Druckerei in der Stadt von Abraham Juda Kurz ihren Betrieb auf. Im Jahre 1900 lebten 3992 Juden in der Gemeinde, davon 2817 in der Stadt selber. Die jüdische Gemeinde erhielt eine religiöse Schule. Zudem gab es auch eine Schule der Stiftung des Barons Maurycy Hirsch. Naftali Horowic war zu der Zeit der Rabbiner. Im Jahre 1905 lebten in der Stadt 4017 Juden, was 62% der Stadtbevölkerung ausmachte. In diesem Jahr wurde auch die erste jüdische Buchhandlung eröffnet, die Rachel Grau führte. Im Jahre 1918 gründete Salomon Weisser eine Stiftung für arme Juden.


Während des Ersten Weltkrieges wurde die Stadt von den Russen besetzt, woraufhin am 21.09.1914 Kosaken jüdische Geschäfte und Häuser plünderten. Am 4. und 7. November 1918 kam es hingegen zur Plünderung jüdischer Geschäfte durch die Einwohner umliegender Dörfer. Ein Polizist kam bei diesem Vorfall ums Leben. Am 1.05.1919 kam es erneut zu antijüdischen Ausschreitungen, an denen ca. 4 Tsd. Menschen aus den umliegenden Dörfern und der Stadt teilnahmen. 14 jüdische Geschäfte und fünf Wohnungen wurden geplündert. Zudem wurden acht Juden, die ihr Hab und Gut verteidigten, verletzt. Ein Versuch, ähnliche Unruhen herbeizuführen, wurde auch am 8. und 15. Mai unternommen. Dank der entschlossenen Reaktion der Gendarmerie und des Militärs kam es dazu aber nicht.


Im Jahre 1923 lebten in der Stadt 3020 Juden und 2415 Polen. Den Gemeindevorsitz hatte in der Zwischenkriegszeit Chaim Friedman inne. Die Juden aus Mielec engagierten sich in propolnische und patriotische Initiativen. Sicher ist, dass ein gewisser Strauss, jüdischer Bewohner der Stadt, in den Legionen von Józef Piłsudski kämpfte. Lejzor Salpeter hingegen war Mitglied des Bürgerkomitees der Legionen. In der Stadt waren zudem folgende Parteien und Jugendorganisationen tätig: Misrachi, Agudas Israel, Poale Zion, Histadrut, Hashomer Hatzair, He-Chaluc, Gordonia, Betar und Bnej Akiba sowie der Sportclub Makabi. Im Jahre 1927 eröffnete Chana Hermelowa die erste private Bücherei in der Stadt.


In den 30er Jahren nahm die Zahl der Auswanderer aus Mielec zu. In den Jahren 1937-1938 wanderten 691 Juden aus dem Landkreis Mielec nach Palästina aus, weitere 1555 hingegen nach Westeuropa und in die USA.


Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebten in Mielec 5420 Juden, darunter auch Flüchtlinge aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei und der Freien Stadt Danzig. In Rzochów waren es 1922 Personen.


Am 13.09.1939, dem Vortag des Rosch ha-Schana, nahmen die Deutschen Mielec ein. Sofort nach dem Einmarsch verbrannten sie 80 Personen in der Synagoge und in der rituellen Schlachterei bei lebendigem Leibe. 22 weitere Juden wurden auf dem Flughafen in Berdechów erschossen. Die Opfer waren Flüchtlinge aus Dąbrowa Tarnowska, Tarnów und Żabno. Am gleichen Tag brannten sie auch zwei weitere Gebetshäuser nieder. An der Stelle, wo einst die Synagoge stand, steht heute ein Obelisk zu ihrem Gedenken. Am 10. November 1939 befanden sich unter den aus der Stadt ausgesiedelten Menschen rund 3 Tsd. Juden. Im gleichen Monat gründeten die Deutschen den Judenrat in Mielec und setzten den Rechtsanwalt Fink als Vorsitzenden ein.


Nach dem deutschen Überfall auf die UdSSR wurden über 300 Juden aus Mielec in das Arbeitslager in Biesiadka deportiert. Dort arbeiteten über 200 von ihnen in den deutschen Firmen „Fischer“ und „Müller“ beim Holzfällen in den umliegenden Wäldern. In Unterlagern, die sich in Przyłęk Staszkówka befanden, wurden 40 Juden inhaftiert, weitere 30 Jüdinnen erlitten das gleiche Schicksal in Smocze unweit von Mielec. Sporadisch kam es dazu, dass Juden erschossen wurden. Im Winter 1943 wurde das Hauptlager mit allen Unterlagern liquidiert. Die jüdischen Häftlinge wurden in unbestimmter Richtung weggebracht.


In einem anderen Arbeitslager, in Cyranka (heute Stadtteil von Mielec), arbeiteten ca. 40 Juden beim Holzfällen und beim Straßenbau. Anfang 1944 wurden sie bei ihrer Arbeit mitsamt den über sie wachenden jüdischen Polizisten erschossen.


Rund 100 Juden aus Mielec wurden im Arbeitslager in Dębiaki einquartiert. Sie arbeiteten beim Bau von Straßen sowie der Bahnlinie, die Mielec und Nowa Dęba verbinden sollte. Im Frühling 1944 wurden sie nach Mielec gebracht, wo sie höchstwahrscheinlich erschossen wurden.


In den Flugzeugwerken in Mielec wurde im Frühling 1942 ein Arbeitslager errichtet, welches eine Zweigstelle des Lagers in Płaszów war. Im März 1942 waren dort ca. 250 Juden inhaftiert, davon ca. 170 aus Wielopole Skrzyńskie und anderen Ortschaften. Im Winter 1942, nachdem weitere Transporte aus Mielec und Umgebung eingetroffen waren, stieg die Zahl der Häftlinge auf über 2 Tsd. Menschen. Im Juli 1944 wurden ca. 2000 Männer und 300 Frauen aus dem Lager nach Wieliczka und später nach Flossenburg im Reich deportiert. Die Kranken wurden an Ort und Stelle erschossen.


Die Liquidierung der jüdischen Bevölkerung im Ghetto in Mielec begann am 9. März 1942. Die Gestapo ermordete damals 300 Personen in Borek, einem Stadtteil von Mielec. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Obelisk zum Gedenken an die Opfer. Bei allen Hinrichtungen zu dieser Zeit wurden insgesamt ca. 1000 Personen ermordet. Am 13. März begann die Deportation der restlichen Juden, die insgesamt 5 Tage dauerte. Die jungen unter ihnen wurden in das Arbeitslager in Pustków gebracht, ca. 500 andere Personen aus dem Ghetto hingegen, wurden nach Belzec, Biała Podlaska, Dubienka, Włodawa, Krasnystaw, Międzyrzecze und Parczew deportiert. Alle wurden schließlich im Vernichtungslager Belzec inhaftiert. Mielec war die erste Stadt im Generalgouvernement, die die Deutschen als „judenrein“ bezeichneten[1.2].


Den Holocaust haben angeblich über 300 Juden aus Mielec überlebt. Nach dem Krieg kehrte ein Teil der Überlebenden (183 Personen) nach Mielec zurück. Im Jahre 1944 wurde Cezar Monderer-Lamensdorf alias Jan Garliński zum Vorsitzenden der Kreisabteilung des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit gewählt. Laut den Meldedokumenten vom 15.08.1945 lebten in der Stadt 106 Juden. Ende des Jahres waren es aber nur noch 20. Dieser Rückgang resultiert aus einem Pogrom, welches am 25.10.1946 in der Stadt wütete.


 


Bibliographie:


  • < >, [in:] Encyclopaedia Judaica, red. M. Berenbaum, F. Skolnik, Bd. 14, Detroit 2007, S. 205.


    Potocki A., Żydzi w Podkarpackiem, Rzeszów 2004.

  • Wanatowicz S., Ludność żydowska w regionie mieleckim do 1939 r., [in:] Mielec, Studia i materiały z dziejów miasta i regionu, Bd. 3, Mielec 1994, S. 34-61.


     

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Fußnoten
  • [1.1] Wanatowicz S., Ludność żydowska w regionie mieleckim do 1939 r., [in:] Mielec, Studia i materiały z dziejów miasta i regionu, Bd. 3, Mielec 1994, S. 40.
  • [1.2] Mielec, [in:] Encyclopaedia Judaica, Red. M. Berenbaum, F. Skolnik, Bd. 14, Detroit 2007, S. 205.