Die ersten Bürger jüdischer Herkunft lebten schon 1813 in Morąg (Mohrungen) und ihre Zahl vergrößerte sich in den darauf folgenden Jahren bedeutend. Es wurde ein jüdischer Friedhof angelegt. Die Diasporagemeinde wuchs am stärksten zur Wende der 40er und 50er Jahre des 19. Jahrhunderts – damals wohnten hier mehr als 120 Juden. Die Gemeinde war jedoch nicht reich, und ihre Mitglieder unterhielten sich vor allem durch Kleinhandel und Handwerk. In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden in der Stadt ein Bethaus und eine Mikwe in der heutigen Garnczarska-Str. (Töpferstraße)  notiert.

1849[1.1] erhielt die Gemeinschaft offiziell den Status einer Synagogengemeinde, der ebenso Juden, die in Dörfern aus der Umgebung wohnten, angehörten[1.2]. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde höchstwahrscheinlich in der heutigen Podmurna-Str. 1 (Mauerstr.) eine Synagoge gebaut[1.3]. Trotz vielversprechender Anfänge zeichnete sich schon in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts ein deutlicher Abfall der Anzahl jüdischer Einwohner in Morąg (Mohrungen) ab, da sich viele ihrer Vertreter zur Auswanderung in andere, größere Städte, die bessere berufliche Perspektiven boten, entschieden. Die trotzdem in der Stadt hinterbliebenen Mitglieder der Gemeinde spielten eine entscheidende Rolle im Leben von Morąg (Mohrungen), was die Tatsache bestätigt, dass viele von ihnen wichtige Beamtenstellungen innehatten. Dies zeugt ebenfalls von dem fortgeschrittenen Germanisierungsprozess der Diasporagemeinde. 1917 fiel der in Morąg (Mohrungen) geborene Leopold Jackmus als deutscher Soldat[1.4].

Die antijüdischen Stimmungen verstärkten sich, als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen – damals wohnten in Morąg (Mohrungen) ungefähr 40 Juden. Im April 1933 u.a. kam es zum Boykott jüdischer Geschäfte. Schikanen und die Eingrenzung der Handelstätigkeit verstärkten die Emigration der örtlichen Juden. Während der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 demolierten die Faschisten die Wohnungen der zwei letzten jüdischen Familien, die kurz darauf Morąg (Mohrungen) verließen. Die Synagogen wurden höchstwahrscheinlich nicht verbrannt, sondern gingen in „arische“ Hände über.

Unter den Opfern des Holocaust befinden sich die Namen von 18 Personen, die in Morąg (Mohrungen) geboren wurden bzw. lebten. Sie wurden in die Ghettos von Theresienstadt, Kowno (Kaunas) und Riga deportiert. Sie starben dort, wie auch in den Konzentrationslagern Auschwitz und Treblinka[1.5].

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Fußnoten
  • [1.1] Information: Krzysztof Bielawski. Als Datum wird auch 1859 angegeben (Małgorzata Grzenda).
  • [1.2] Vgl. Kabus, R: Juden in Ostpreussen, Husum 1998, S. 89.
  • [1.3] Archiv Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum” in Berlin, Jüdische Gemeinde, Vorstand. Allgemeines, Sign. 1, 75 A Mo 1, Nr. 1 (Ident.-Nr. 5091).
  • [1.4] http://www.denkmalprojekt.org/Verlustlisten/vl_rjf_berlin_wk1_j.htm [Stand: 25.11.2010].
  • [1.5] Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945,http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html#frmResults[Stand:20.10.2010], Suchergebnisse für: Mohrungen; The Central Database of Shoah Victims' Names, http://www.yadvashem.org/wps/portal/IY_HON_Entrance[Stand: 20.10.2010], Suchergebnisse für: Mohrungen.