Die ersten jüdischen Siedler tauchten in Mława im 15. Jahrhundert auf. Im Jahre 1507 wurden die hiesigen Juden aufgrund der Krönung von Sigismund I. mit einer Steuer belegt. Über die Anwesenheit von Juden in der Stadt zeugt auch die Anklage, die das Kapitel in Płock gegen den städtischen Barbier Ambroży Broze erhob[1.1]. Ihm wurde vorgeworfen, „er hätte die Sakramente der Kirche missachtet, an den Sonntagsritualen nicht teilgenommen, dafür aber mit dem Juden den Sabbat begangen und mit ihnen die Zeremonie in der Synagoge gefeiert“ sowie „viele zum Judaismus bekehrt”[1.2].


In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts rollte durch Masowien eine Welle an Anschuldigungen bzgl. der rituellen Morde an christlichen Kindern sowie der Schändung der Hostie. Für diese Taten wurden die Juden aus Mława verantwortlich gemacht[1.3].


1564 waren 5 von 429 Häusern in der Stadt in jüdischem Besitz.


Bis zur Hälfte des 18. Jahrhunderts unterlag die Gemeinschaft der Kehillah in Ciechanów. Die Konflikte zwischen den christlichen und jüdischen Bewohnern der Stadt führten 1776 zu einer Intervention der Kommission der Guten Ordnung, die die Juden aus Mława zur Auswanderung zwang. Doch nicht nur der Druck seitens der Behörden war Grund für das Verlassen der Stadt, sondern auch ein Brand, der einen großen Teil der Bebauung zerstörte[1.4].


Anfang des 19. Jahrhunderts begannen Juden sich erneut in Mława niederzulassen. Noch 1790 wurde ihre Anwesenheit noch nicht registriert, 1808 hingegen waren es bereits 137. Die Siedler kamen meistens aus den umliegenden Ortschaften.


Die ersten in Mława waren die Familien von Aron Boruch, Dawid Majer, Salomon Majer, Abram Szmul und Józef Abram Fadatowicz. Aron Boruch erhielt bereits 1798 die Erlaubnis in die Stadt zu kommen, wenngleich der Widerstand der Bürger bewirkte, dass er gezwungen wurde sie wieder zu verlassen. Seine Waren hingegen wurden von den Behörden beschlagnahmt[1.5].


Ende des 18. Jahrhunderts wurde die erste hölzerne Synagoge in Mława erbaut[1.6].


Zur Zeit des Herzogtums Warschau und Kongresspolens beschlossen die Behörden in den größeren Städten abgesonderte Judenviertel, sog. Revier zu erschaffen[1.7]. Im Jahre 1824 wurde auch in Mława solch ein Viertel bestimmt. Es befand sich in der Nähe der ul. Warszawska, Boźnicza und Ostatnia. Die Umsiedlung der 140 jüdischen Familien erwies sich aber als überaus problematisch, da auf diesem Gebiet sich nur fünf bewohnbare Gebäude befanden. 1828 wurden die Grenzen des Reviers um die ul. Kozia und ul. Szewska erweitert. Trotzdem lebten viele Familien außerhalb dieses Gebiets: Mitte des Jahres 1829 lebten 103 Familien in den Grenzen des Reviers, 124 weitere verblieben in der Stadt. Letztendlich, nach zahlreichen terminlichen Änderungen der Umsiedlung, hörten die Behörden im Jahre 1833 auf, die Juden in die für sie geschaffenen Viertel zu verdrängen[1.8].


Die Juden in Mława trieben vor allem Handel. Im Jahre 1823 waren es 37 jüdische Händler, darunter 20, die mit unterschiedlichen Waren handelten, 7 – mit Salz, 3 – mit Leder, 8 – mit Kleinwaren[1.9]. Die übrigen Juden arbeiteten hauptsächlich im Handwerk, als Schneider, Schuster und Bäcker. In Mława gab es 1855 auch 13 Tagelöhner. Einzelne Personen widmeten sich anderen Berufen, wie bspw. der Verpachtung der Erträge aus der Propination, in deren Besitz ab 1856 Hersz Malowańczyk war[1.10].


Die Nähe der preußischen Grenze bewirkte, dass viele Juden auch Waren schmuggelten. Im Dezember 1856 führte eine Anzeige von Jankiel Rubin Nickin dazu, dass es den Behörden gelang, 50 Pud (816 kg) geschmuggelten Tees sicherzustellen. Die Ware wurde von Abram Icek Wejnberg, Chaim Soldowski, Gedali Richter und Izrael Drezner erworben[1.11].


Der Schmuggel blühte auch in späteren Jahren. In Mława waren die bekanntesten Schmuggler Fajwel Domb, Jankiel Golotzer und Lewek Wagoner. Es wurden goldene Uhren, Diamanten und Seide geschmuggelt. Sehr beliebt waren zudem Pferde. Der Beruf des Pferdediebs wurde in den Familien Wizer, Frajdenberg und Richter vom Vater auf den Sohn übertragen. Auch Josef Tomkiewicz war in diesem Milieu bekannt[1.12].


Die Juden aus dem nördlichen Masowien verdienten ihr Geld auch mit Lieferungen an die dort stationierenden russischen Truppen. Unter ihnen waren auch Kaufleute aus Mława[1.13].


Die Wirtschaft in der Region wurde 1877 durch den Bau einer Eisenbahnlinie, die Mława mit Nasielsk und Ciechanów verbunden hat, belebt. In der Nachbarschaft des Bahnhofs eröffneten Wiur und Tikusler Hotels und Restaurants[1.14].


In der Zwischenkriegszeit waren die meisten Betriebe in jüdischem Besitz. In Mława waren Moszek Czarka, Leder, Mondrzak und Perlmutter Inhaber von Dampfmühlen, I. Bocian hingegen hatte eine Tintenfabrik. In der Stadt war auch eine Hülsen- und Zigarettenschachtelfabrik in Betrieb, die A. Kleiner gehörte. Zudem besaßen A. Rozenberg, Aotke und Krygier Zementwerke[1.15].


Im 19. Jahrhundert differenzierte sich die jüdische Bevölkerung in Kongresspolen im Hinblick auf den religiösen Aspekt immer mehr in den orthodoxen (die sog. Mignatdim) sowie den chassidischen Flügel[1.16]. Solche Konflikte traten auch in Mława auf: Während einer Hochzeitsfeier kam es am 17. April 1858 zu einem Streit zwischen den Anhängern des traditionellen Judaismus und den Chassiden. Es kam zu einer Schlägerei, die erst von Gendarmen beendet wurde[1.17].


Wolf Icek Lipszyc, Enkel des Warschauer Rabbiners Salomon, war zu der Zeit Rabbiner in Mława. Er übernahm das Amt im Jahre 1838, 1860 hingegen wurde er dessen enthoben. Grund hierfür war Unterschlagung, die von Lipszyc angeblich in der Bestattungsbruderschaft, in der er Mitglied war, verübt wurde[1.18]. In den Jahren 1880–1891 stand der Rabbiner Israel Icek Klingier an der Spitze der Gemeinde. Ab 1892 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatte Icek Mojżesz Segałowicz dieses Amt inne[1.19].


Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts existierte in Mława eine Synagoge[1.1.2]. Im 19. Jahrhundert war aber das aus Ziegeln und Lehm errichtete Gebäude mit einem mit Dachziegeln bedeckten Dach in einem sehr schlechten Zustand, weswegen die Behörden am 27. Mai 1817 beschlossen, das Gebäude niederzureißen. Die hiesigen Juden errichteten ohne die Hilfe der Kehillah eine neue Synagoge in der Nähe der ul. Kozia und der ul. Szewska. Dieses Mal hatte der Architekt des Landkreises keine Einwände [1.20].


Während des Zweiten Weltkriegs brannten die Deutschen das Gebäude im September 1939 nieder. Die Ruinen wurden in den Jahren 1942–1943 abgetragen, das Gelände hingegen wurde nach dem Krieg teilweise bebaut[1.21].


Während des Novemberaufstands sprachen sich viele Juden in Mława für Russland aus, da - ähnlich wie in anderen Städten Masowiens - sie nicht an den Erfolg des Kampfes um die Unabhängigkeit und den Sieg gegen die Russen glaubten. Ein zusätzlicher Faktor, der sie davon abhielt, den Aufstand zu unterstützen, war das Verhalten einiger Einheiten der polnischen Streitkräfte in Masowien, deren Anführer von Juden Kontributionen forderten und ihre Waren (Schuhe, Wein) plünderten. In Mława, aber auch in Różan und Nasielsk, kam es aus diesem Grund zu einer offenen Revolte, die von polnischen Soldaten niedergeschlagen wurde[1.22].


Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Hälfte der jüdischen Bevölkerung in Masowien in großer Armut, weswegen viele der Juden auch um die Jahrhundertwende sich dazu entschieden, auszuwandern. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts war ihr Hauptziel Ostpreußen, Anfang des 20. Jahrhunderts hingegen die USA. Die einen wanderten auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen aus. Andere wiederum verdienten daran ihr Geld, indem sie Menschen über die grüne Grenze schmuggelten oder als Agenten Menschen dazu anregten, ihre Heimat zu verlassen. So verließen viele Juden aus Mława ihre Heimatstadt[1.23].


Ende des 19. Jahrhundert entstand die zionistische Bewegung, die ihre Anhänger auch in Masowien fand. In Mława wurde der erste zionistische Club im Jahre 1904 durch David Opatowski, Tanhum Alter, Abraham Rybak und Chaim Makowski gegründet[1.24].


Ein aktiver zionistischer Aktivist war Anfang des 20. Jahrhunderts Berisz Perlmutter, Student der Jeschiwa in Mława. Auf seine Initiative hin entstand in der Stadt die literarisch-musikalische Gesellschaft „Ha-Zomir“, deren kulturelle Aktivität Proteste unter einem Teil der jüdischen Gemeinschaft hervorrief. Der Rabbiner hielt u. a. die gemeinsamen Tanzabende von Mädchen und Jungen für anstößig. Er versuchte Perlmutter von seinen Aktivitäten abzuhalten, u. a. mit einem Verbot die Gebetshäuser der Aleksandrower Chassiden zu betreten, jedoch scheiterten diese Bemühungen[1.25].


In Mława war auch eine lokale Filiale der Aguda aktiv. Auf Initiative ihrer Aktivisten wurde in der Stadt 1928 eine Konfessionsschule für Mädchen eröffnet[1.26].


In den Jahren 1926–1927 entstanden in Masowien, auch in Mława, Abteilungen der Trumpeldor-Gesellschaft der jüdischen Jugend in Polen–des Betars. Es war eine zionistische Jugendorganisation, die mit den Revisionisten in Kontakt stand und militärische Schulungen für jüdische Jugendliche aber auch Erwachsene durchführte, um sie für den Kampf um den jüdischen Staat in Palästina vorzubereiten[1.27]. Die Organisation der orthodoxen Zionisten Misrachi hingegen wurde 1929 von Pinchas Mondri gegründet[1.28].


Über die Sympathien für die orthodoxen und zionistischen Kreise in Mława zeugen die Ergebnisse der Wahl zum Gemeindevorstand im Jahre 1924. Die Vertreter der Aguda und die Zionisten erhielten damals sechs Mandate. In den letzten Tagen vor dem Krieg erlangte die Aguda bei den Wahlen 1936 fünf Mandate, der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund, die Misrachi und die Religiösen Handwerker je zwei Mandate, die Zionisten ein Mandat[1.29].


Wie auch in anderen Städten nahmen die Juden in Mława rege am öffentlichen Leben teil. Im Jahre 1916 saßen im 24-köpfigen Stadtrat 11 Vertreter dieser Gemeinschaft: Berek Perlmutter, Moses Grünberg, Chaim Reder, Leo Heinsdorf, Enoch Paca, Loser Kohn, Abraham Rybak, Chaim Perła, Salomon Alter, Jacob Lederberg, Chaim Schwarz[1.30].


Zwölf Jahre später waren es acht Vertreter der Kehillah. Drei Mandate erhielt die Aguda, je ein Mandat die Vertreter der Poale Zion, des Bundes, der Zionistischen Organisation, der Misrachi sowie der kaufmännischen und Handwerkerverbände[1.31]. 1934 waren es aber nur noch drei Juden, die in den Rat gewählt wurden[1.32].


Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die bereits erwähnte Gesellschaft „Ha-Zomir“ großen Einfluss auf das kulturelle Leben der Gemeinde. Ihre Mitglieder leiteten einen Chor, gründeten eine Mandolinen-Musikgruppe sowie eine Amateur-Theatergruppe, die von Rachel Golomb geleitet wurde[1.33].


Am Sitz der Gesellschaft entstand eine Bibliothek, in deren Beständen sich Bücher auf Jiddisch, Hebräisch und Russisch befanden. Vorlesungen hielten u. a. Icchok Lejb Perec, Hillel Zeitlin, Dr. Aleksander Mukdoni, Dr. Meir Klumel, Szlomo Zemah und Szalom Asz ab. Diskussionen führten dort auch die lokalen Aktivisten: Berisz Perlmutter, Mosze Merker, Binem Warszawski und Fajwel Opatowski[1.34]


Die jüdischen Kinder in Mława besuchten unterschiedliche Cheder-Schulen, u. a. die von Baruch Melamed, Dawid Gordon, Rafael Gutman. Diese Institutionen unterschieden sich sowohl in der Größe als auch dem Komfort sowie den Unterrichtsmethoden, den Fächern und der Länge der Schulstunden. Die modernste Schule war die von Rafael Gutman, der aber nach einiger Zeit die Stadt verließ. Er zog nach Warschau um, wo er ein bekannter und geschätzter Pädagoge war. Dawid Gordon sowie Baruch Melamed hingegen riefen bei den Chassiden Abneigung hervor, da sie der Meinung waren, dass der Besuch dieser Schule die Abkehr vom Glauben bedeuten würde[1.35].


Die älteren Jugendlichen konnten ab 1917 das koedukative jüdische Gymnasium besuchen, welches von den Zionisten Berisz Perlmutter, Chaim Elijahu Perl, Motteh Greenberg, Aks Mendl und Koppel Pizicz gegründet wurde. Zehn Jahre später gründeten die Mitglieder der religiösen Bewegung Beit Josef eine Jeschiwa-Schule in Mława. Leider musste diese nach einigen Jahren wegen fehlender Mittel geschlossen werden[1.36].


In Mława wurden in den Zwischenkriegsjahren Pressetitel auf Jiddisch herausgegeben, wenngleich die Titel sich nicht lange auf dem Markt halten konnten. Es erschienen: „Mlawer Najes“, „Unzer Echo“, „Unzer Tribune“, „Unzer Kampf“, „Unzer Krajer“[1.37].


„Unzer Tribune” war eine Zeitschrift der Aguda. An ihrer Entstehung arbeiteten Zeew Ajronowicz, Aleksandrowicz, Mosze Dawid Frenkiel, Jakob Gebreter, Arie Grosbard, Margulis, Abraham Mundri, Hersz Mundri, Pinchas Mundri, Aron Perlmuter, Gerszon Rajngwircz und Wolarski[1.38].


In der Stadt waren vier jüdische Bibliotheken in Betrieb: der Zionistischen Organisation (gegründet 1917), Hashomer Hatzair (gegründet 1926), der Organisation für Kultur und Bildung (gegründet 1930) sowie die I. L. Perec-Bibliothek „Frajhajt“ (gegründet 1926)[1.39].


Am Vortag des Zweiten Weltkriegs arbeiteten die Bürger der Stadt, darunter auch einige Dutzend jüdische Soldaten, am Bau der Verteidigungsanlagen vor der Stadt. Viele von ihnen ließen ihr Leben während der Schlacht, die sich hier abspielte[1.40].


Im September 1939 flohen die Juden aus Mława und anderen Ortschaften Masowien nach Osten und nach Warschau. Im Oktober und November, bereits nach der Besetzung der Stadt durch die Deutschen, flüchteten noch mehr Juden in die UdSSR[1.41].


Am 8. Oktober wurde Mława (mitsamt dem nördlichen Teil Masowiens) an das Reich angeschlossen. Diese Gebiete sollten „frei von Juden“ sein, weswegen die Deutschen auch sofort mit Deportationen begannen[1.42]. Im Dezember wurde ein Teil der jüdischen Bewohner der Stadt vertrieben, ihren Platz hingegen nahmen Umsiedler aus anderen Städten ein[1.43].


Am Jom Kippur 1939 brannte die Synagoge in Mława nieder. Die Deutschen hetzten die jüdische Bevölkerung zum Brand und befahlen ihnen zuzugucken[1.44].


Im Dezember 1939 wurden 3000 Juden aus Mława in das Lager in Działdowo deportiert[1.1.41]. Ein Jahr darauf wurden wiederum ca. 4000 Juden nach Biała Podlaska, Kosow Lackie, Winnica und Michałów Lubelski umgesiedelt[1.45]. Psychisch kranke Menschen und Behinderte wurde an Ort und Stelle ermordet[1.1.41].


Im Dezember 1940 errichteten die Deutschen ein Ghetto in der Stadt. Es umfasste die Straßen ul. Warszawska, Długa, Płocka und Szewska und nahm eine Fläche von ca. 30 ha ein. Anfangs geöffnet wurde es aber 1940 von einer Ziegelmauer mitsamt einem Stacheldrahtzaun umringt. Im Ghetto wurden vor allem Juden aus anderen Ortschaften gefangen gehalten: Szreńsk, Drobin, Radzanów, Zieluń, Maków Mazowiecki, Przasnysz, Kuczbork, Bieżuń sowie Lidzbark, Rypin und Lipno. Insgesamt hielten sich dort im Zeitraum 1940–1941 ca. 5000–6000 Personen auf[1.46].


In Mława wurde auch ein Arbeitslager errichtet. Die Deutschen nutzten hierfür das rituelle Tauchbad in der ul. Narutowicza, in der sie ca. 300 Juden und Polen, später auch Russen festhielten. Die Häftlinge mussten gemeinnützige Arbeiten in der Stadt verrichten und wurden zum Bau des Militärlagers im nahegelegenen Nosarzewo geschickt[1.47]. Ein Teil der Juden aus Mława kam auch in das Lager und Gefängnis in Pomiechówek, wo die Häftlinge besonders bestialisch behandelt wurden[1.48].


Zum ersten Vorsitzenden des Judenrates wurde Eliezer Perlmuter, der im Januar 1942 von den Deutschen verhaftet und während der Vernehmung ermordet wurde. Nach ihm war Paltiel Ceglo der Vorsitzende. Als dieser hingegen verhaftet wurde, übernahm Mendel Czarka das Amt. Herman Mordowicz higegen war der Vorsitzende des jüdischen Gerichts, Menache Dawidson –  Hauptkomandant der jüdischen Polizei[1.49].


Dank Schmiergeldern des Judenrates haben die Deutschen über einige Zeit ein Auge auf den Kohleschmuggel zugedrückt. Dawid Krystal leitete eine Bibliothek. Ferner befand sich im Ghetto ein illegaler Radioempfänger. Über die Gesundheit der Häftlinge wachte Dr. Tiefenbrun, der sich darum sorgte, dass alle die Impfung gegen Typhus erhielten. Nach seinem Tod war der polnische Arzt Józef Witwicki sein Nachfolger[1.1.49].


Der endgültigen Liquidation des Ghettos gingen einzelne Morde voraus, wie bspw. am 18. April 1942, als vier Personen umgebracht wurden (Mojżesz Bojman, Dawid Cymerman, Abram Ickowicz und Kalman Lipski)[1.50].


Im Jahre 1942 wurde Menache Dawidson in das deutsche Vernichtungslager Auschwitz deportiert, 12 jüdische Polizisten hingegen wurden erhängt. Nach Dawidson übernahm der Kriminelle Szolem Gutman die Funktion des Kommandanten. Die Namen der erhängten Polizisten lauteten: Mojsze Romaner, Lejb Romaner, Hern Baumgold, Gdajla Lichtensztajn, Chaim Bursztyn, Mordka Wolarski, Chaim Soldański, Symcha Cwajgaft, Szmul Korzenny, Chaim Solarski, Wytenberg, Chaim Perelmuter, Izrael Gutman[1.51].


Im deutschen „Verzeichnis der Sonderaktionen“ aus dem Jahre 1942 befindet sich eine Notiz über den und einen weiteren Mord: „Während der Hinrichtung verhielten sich Bewohner des Ghettos arrogant und provokativ, weswegen eine zweite Hinrichtung am 17. Juni 1942 zur Wahrung der Ordnung erfolgte, bei der 50 Juden erschossen wurden“[1.52]. Unter den Ermordeten bei dieser Exekution waren: Wolf Abramowicz, Wolf Artensztejn, Lejb Borko, Lejb Cegla, Mordka Cegla, Duczyminer, Dragon, Gedale Fefer, Abram Feldhajn, Noach Flajszer, Iser Gibarski, Jakub Goldberg, Hersz Goldwaser, Matys Grinberg, Chaim Igłowicz, Boruch Jul, Wolf Jabłonowski, Jakób Kaczor, Izrael Kohn, Menachem Kołnierz, Rubin Kosobucki, Jakub Malowańczyk, Fiszel Minc, Josek Mitgang, Iser Niborski, Oblozyner, Ostaszewer, Icchak Purzycki, Rajchgold, Dawid Rozenberg, Jechil Josef Szczepkowski, Lejb Szczepkowski, Mojsze Szpiro, Szulmirski, Izrael Warszawiak, Lejb Warszawiak, Rubin Wolarski, der Schwiegersohn des Kantors von Mława”[1.53].


Ende 1942 hörte das Ghetto auf zu existieren: ca. 6000–7000 Personen wurden in Vernichtungslager deportiert. Am 10. November 1942 wurden die Alten und Kranken nach Treblinka, die Verbliebenen hingegen am 13. und 17. November sowie am 10. Dezember nach Auschwitz deportiert[1.54].


Viele der polnischen Einwohner von Mława halfen den Juden. Unter ihnen waren sowohl Vertreter von Organisationen als auch gewöhnliche Bürger. Diese Menschen waren: Dr. Józef Witwicki (Heimatarmee), der die 3-köpfige Familie Rosenberg versteckte, Dr. Michał Łojewski (Kommandant der Heimatarmee in Mława), Dr. Adrian Laskowski (Heimatarmee), Ignacy Nowicki (Nationale Streitkräfte), der Wachtmann Helmut Hinz, die Gendarme Antoni Nehryng und Naguszewski sowie Maria Wróblewska - Spitzel der Heimatarmee im Ghetto und im Gefängnis[1.55]. Jerzy Piotr Śliwczyński half seinen Schulfreunden Ella Perkel, Celina Czech, Bieżuńska, Jakub Kleńc mit Frau und Tochter Rut, Dr. Józef Makowski mit Frau Gucia und Tochter. Artur Pieńkiewicz, der Direktor der Bank vor dem Krieg, wurde für die Hilfestellung in ein Konzentrationslager deportiert, wo er sein Leben ließ. Juden wurden auch von folgenden Familien unterstützt: Knapiński, Lanckowski, Męzik und Jankowski, Tański, Pogorzelski, Miłobędzki, Cytowski, Dobrzyński, Hausman und Falczak; Lebensmittel gaben hingegen folgende Personen ab: Stanisława Zajcowa, Inhaberin eines Lebensmittelladens sowiez Maria Szubertowa und ihre Mitarbeiter[1.56]. Auch Geistliche versuchten, Juden zu helfen: Dekan Władysław Maron, Pfarrer Władysław Celmerowski, Pfarrer Tadeusz Trzciński, Pfarrer Leonard Perkowski. Sie halfen jüdischen Kindern, indem sie ihnen ein Taufzeugnis ausstellten[1.57].


Nach dem Krieg kehrten nur wenige zurück in die Stadt. Das Jüdische Komitee wurde gegründet, in dem ca. 20 Personen registriert waren[1.58]. Die meisten der Juden in Mława wanderten aber kurze Zeit später aus. Es blieben nur vereinzelte Personen. Einer der letzten war der 1956 verstorbene Józef Poznański[1.1.50].


 


Bibliographie:


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  • Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005.


     

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Fußnoten
  • [1.1] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 16.
  • [1.2] Fijałkowski P., Żydzi w miastach Mazowsza w XIIIXVIII w., [in:] Mazowieckie miasteczka na przestrzeni wieków, Red. A. Stawarz, Warszawa 1999, S. 63.
  • [1.3] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 17.
  • [1.4] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 26.
  • [1.5] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 35.
  • [1.6] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 37.
  • [1.7] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 52.
  • [1.8] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 56–57.
  • [1.9] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 68.
  • [1.10] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 72–75.
  • [1.11] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 79.
  • [1.12] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 153; Weiter: The Border, [in:] Jewish Mlawa; Its History, Development, Destruction (Mława, Poland), Mlawa Ha-Yehudit; Koroteha, HitpatKhuta, Kilyona, Di Yidishe Mlawe; Geshikte, Oyfshtand, Unkum, Red. D. Shtokfish, Tel Aviv 1984 [online] https://www.jewishgen.org/yizkor/mlawa/mla465.html [Zugriff: 11.09.2014].
  • [1.13] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 144.
  • [1.14] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, s. 140.
  • [1.15] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 331.
  • [1.16] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 159.
  • [1.17] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 91.
  • [1.18] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 95–96.
  • [1.19] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 163.
  • [1.1.2] Fijałkowski P., Żydzi w miastach Mazowsza w XIIIXVIII w., [in:] Mazowieckie miasteczka na przestrzeni wieków, Red. A. Stawarz, Warszawa 1999, S. 63.
  • [1.20] Archiwum Główne Akt Dawnych, Centralne Władze Wyznaniowe Królestwa Polskiego, Sign. 1441, S. 91.
  • [1.21] Archiwum Akt Nowych, Urząd ds. Wyznań w Warszawie, Sign. 132/282, k. 15, 18.
  • [1.22] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 120–121.
  • [1.23] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 150–152.
  • [1.24] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 180; Weiter: Jonis Z., The Old Home Town, [in:] Jewish Mlawa; Its History, Development, Destruction (Mława, Poland), Mlawa Ha-Yehudit; Koroteha, HitpatKhuta, Kilyona, Di Yidishe Mlawe; Geshikte, Oyfshtand, Unkum, Red. D. Shtokfish, Tel Awiw 1984 [online] https://www.jewishgen.org/yizkor/mlawa/mla449.html [Zugriff: 11.09.2014].
  • [1.25] Jonis Z., The Old Home Town, [in:] Jewish Mlawa; Its History, Development, Destruction (Mława, Poland), Mlawa Ha-Yehudit; Koroteha, HitpatKhuta, Kilyona, Di Yidishe Mlawe; Geshikte, Oyfshtand, Unkum, Red. D. Shtokfish D., Tel Awiw 1984 [online] https://www.jewishgen.org/yizkor/mlawa/mla449.html [Zugriff: 11.09.2014].
  • [1.26] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 254.
  • [1.27] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 265.
  • [1.28] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 255.
  • [1.29] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 308.
  • [1.30] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 212.
  • [1.31] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 298.
  • [1.32] J. Szczepański, Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 300.
  • [1.33] Jonis Z., The Old Home Town, [in:] Jewish Mlawa; Its History, Development, Destruction (Mława, Poland), Mlawa Ha-Yehudit; Koroteha, HitpatKhuta, Kilyona, Di Yidishe Mlawe; Geshikte, Oyfshtand, Unkum, Red. D. Shtokfish, Tel Awiw 1984 [online] https://www.jewishgen.org/yizkor/mlawa/mla449.html [Zugriff: 11.09.2014].
  • [1.34] Jonis Z., The Old Home Town, [in:] Jewish Mlawa; Its History, Development, Destruction (Mława, Poland), Mlawa Ha-Yehudit; Koroteha, HitpatKhuta, Kilyona, Di Yidishe Mlawe; Geshikte, Oyfshtand, Unkum, Red. D. Shtokfish, Tel Awiw 1984 [online] https://www.jewishgen.org/yizkor/mlawa/mla449.html [Zugriff: 11.09.2014].
  • [1.35] Jonis Z., The Old Home Town, [w:] Jewish Mlawa; Its History, Development, Destruction (Mława, Poland), Mlawa Ha-Yehudit; Koroteha, HitpatKhuta, Kilyona, Di Yidishe Mlawe; Geshikte, Oyfshtand, Unkum, Red. D. Shtokfish, Tel Awiw 1984; https://www.jewishgen.org/yizkor/mlawa/mla479.html [Zugriff: 11.09.2014].
  • [1.36] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 362.
  • [1.37] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 349.
  • [1.38] Jonis Z., The Old Home Town, [in:] Jewish Mlawa; Its History, Development, Destruction (Mława, Poland), Mlawa Ha-Yehudit; Koroteha, HitpatKhuta, Kilyona, Di Yidishe Mlawe; Geshikte, Oyfshtand, Unkum, Red. D. Shtokfish, Tel Awiw 1984 [online] https://www.jewishgen.org/yizkor/mlawa/mla532.html [Zugriff: 11.09.2014].
  • [1.39] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 347.
  • [1.40] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 390.
  • [1.41] Jakubowski K., Menora, „Wspólnota” 1999, Nr. 45 (504), S. 29.
  • [1.42] Grynberg M., Żydzi w rejencji ciechanowskiej 19391942, Warszawa 1984, S. 87.
  • [1.43] Grynberg M., Żydzi w rejencji ciechanowskiej 19391942, Warszawa 1984, S. 57–58.
  • [1.44] Jakubowski K., Menora, „Wspólnota” 1999, Nr. 45 (504), S. 29; Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 401.
  • [1.1.41] [a] [b] Jakubowski K., Menora, „Wspólnota” 1999, Nr. 45 (504), S. 29.
  • [1.45] Grynberg M., Żydzi w rejencji ciechanowskiej 19391942, Warszawa 1984, S. 95–96.
  • [1.46] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 429–430.
  • [1.47] Grynberg M., Żydzi w rejencji ciechanowskiej 19391942, Warszawa 1984, S. 78.
  • [1.48] Weiter: Grynberg M., Żydzi w rejencji ciechanowskiej 19391942, Warszawa 1984, S. 79–88.
  • [1.49] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 430.
  • [1.1.49] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 430.
  • [1.50] Jakubowski K., Menora, „Wspólnota” 1999, Nr. 45 (504), S. 29.
  • [1.51] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 430–431.
  • [1.52] Grynberg M., Żydzi w rejencji ciechanowskiej 19391942, Warszawa 1984, S. 72.
  • [1.53] Grynberg M., Żydzi w rejencji ciechanowskiej 19391942, Warszawa 1984, S. 72, 155–156.
  • [1.54] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 432.
  • [1.55] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 488–490.
  • [1.56] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 488–489.
  • [1.57] Szczepański J., Społeczność żydowska Mazowsza w XIXXX wieku, Pułtusk 2005, S. 491.
  • [1.58] Skibińska A., Powroty ocalałych, [in:] Prowincja noc. Życie i zagłada Żydów w dystrykcie warszawskim, Red. B. Engelking, J. Leociak, D. Libionka, Warszawa 2007, S. 592.
  • [1.1.50] Jakubowski K., Menora, „Wspólnota” 1999, Nr. 45 (504), S. 29.