Die ersten Juden siedelten sich Anfang des 17. Jahrhunderts in Ostrowiec an, als die Stadt sich erst formte. Bisher wiesen Forscher darauf hin, dass die älteste Information über Juden in der Stadt aus dem Jahre 1631 stammt. Zeitgleich wurde aber auch aus unerklärlichen Gründen betont, dass das älteste Inventar der Stadt aus dem Jahre 1618 keine jüdische Gemeinschaft in dieser Siedlung nennt. Doch in diesem Dokument befindet sich die Information, dass der „Jude ein Haus und Acker“ in der ul. Solecka gehabt haben soll[1.1]. Daher die Schlussfolgerung, dass zumindest ein Jude damals bereits in Ostrowiec lebte, weswegen die erste schriftliche Erwähnung über Juden in dieser Stadt aus dem Jahre 1618 stammt.


Im Jahre 1631 wurde ein jüdischer Bewohner der Stadt erwähnt, dem vorgeworfen wurde, zwei Einwohner aus Ostrowiec überredet zu haben, 12 Hostien und zwei Silberteller aus der Pfarrkirche zu stehlen. Infolgedessen wurden einer der Diebe sowie eine Frau, in deren Wohnung sich das Monstranztuch befand, festgenommen. Das Gericht erklärte beide für schuldig und verurteilte sie zum Tode durch den Scheiterhaufen. Der Jude hingegen wurde freigesprochen. Die Bürger waren der Ansicht, dass der Mann freigesprochen wurde, da die Juden die Richter und die damalige Inhaberin der Stadt, Teofila Ostrogska, bestochen hätten[1.2].


Im Jahre 1657 sollen die Juden aus Ostrowiec auf ihrem Friedhof einen in Bauerntracht gekleideten Menschen bestattet haben. Infolgedessen wurden sie in späteren Jahren der Magie bezichtigt[1.3].


Aus dem Jahre 1682 stammt die erste Information über eine hölzerne Synagoge, neben der ein Gebetshaus stand[1.4]. Die Tatsachen, dass in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Juden über einen eigenen Friedhof sowie eine eigene Synagoge verfügten, lassen darauf schließen, dass es bereits eine gesonderte jüdische Gemeinde in Ostrowiec gab. Zuvor, Anfang des 17. Jahrhunderts, gehörten die Juden aus Ostrowiec der Gemeinde in Opatów an[1.5].


Im Jahre 1765 zählte die jüdische Gemeinde bereits 904 Angehörige, 717 von ihnen wohnten in der Stadt selber. So war die Gemeinde die drittgrößte (nach Opatów und Ożarów) im Landkreis Sandomierz und die fünfzehntgrößte in der Woiwodschaft Sandomierz[1.6]. Im Jahre 1787 gehörten die Städte Ostrowiec, Kunów und Waśniów sowie 59 Dörfer im Landkreis Sandomierz (Boksyce, Boleszyn, Bostów, Broniszowice, Bukówka, Chmielów, Chybice, Czajęcice, Częstocice, Dąbrowa, Denkówek, Dobruchna, Garbacz, Godów, Grabłów, Gromadzice, Jadowniki, Janik, Jeleniów, Kosowice, Kowalkowice, Krynki, Łapiguz, Łomno, Małachów, Michałów, Miłków, Mirkowice, Mirocice, Mirogonowice, Modrzewie, Momina, Mychów, Nagorzyce, Nietulisko, Nosów, Ostrówek, Pawłów, Pękosławice, Pokrzywianka, Pokrzywnica, Prawęcin, Rzepin, Serwis, Skoszyn, Sosnówka, Stryczowice, Styków, Szeligi, Szewna, Szwarszowice, Wałsnów, Wawrzeńczyce, Wieloborowice, Włochy, Wodziradz, Zajączkowice, Zdoły (Doły Biskupie?), Zwola) der Gemeinde an[1.7]. Ostrowiec wurde zu einer der wichtigsten jüdischen Gemeinden im Land um Kielce. Sie hatte zudem einen Vertreter im Sejm der Vier Länder[1.8].


Im Jahre 1689 verordnete der bischöfliche Visitator, das Kreuz zu entfernen, welches sich vorher zwischen katholischen und jüdischen Häusern in Ostrowiec befand. 1713 entfachte in der Stadt ein Feuer, welches nahezu das komplette jüdische Viertel in Schutt und Asche legte.


Zu dieser Zeit wurden auch Fälle verzeichnet, in denen Juden zum römisch-katholischen Glauben übergingen. So wurde 1727 ein Jude aus Ostrowiec in Kunów getauft. Knapp 50 Jahre später, 1772, wurde hingegen ein 11-jähriges jüdisches Mädchen aus Jastków, das in Ostrowiec geboren wurde, in Ćmielów getauft.


Im Umbruch des 18. und 19. Jahrhunderts entwickelte sich in der jüdischen Gemeinde in Opatów der Chassidismus.


An dieser Stelle sollte angefügt werden, dass manchmal die Beziehungen zwischen den Stadtherren und der jüdischen Gemeinde in Ostrowiec angespannt waren. Beispielsweise wurde 1813 der Bürgermeister Jan Dowbór beschuldigt, seine Macht zu missbrauchen und die hiesigen Juden zu schlagen, wofür er seines Amtes enthoben wurde und später eine Haft- und Geldstrafe erhielt[1.9].


Insgesamt war aber das 19. Jahrhundert eine Blütezeit für die jüdische Gemeinde in Ostrowiec - die Stadt wurde zu dieser Zeit sehr dynamisch industrialisiert. Juden gründeten Zement- und Seifenfabriken oder Manufakturen für nichtalkoholische Getränke. Sie engagierten sich auch in der Baubranche (Bau von Garnisonsbaracken für die russische Armee). Andere wiederum eröffneten Wirtshäuser und Restaurants[1.1.8].


Im Jahre 1863 nahm ein Teil der Juden an dem Januaraufstand teil. Am 21. und 22. Juli 1905 hingegen entfachten in der Stadt antijüdische Unruhen. Trotz dessen nahmen sowohl Polen als auch Juden bereits am 10. November an einer antirussischen Kundgebung teil[1.10].


Seit der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelte sich auch das politische Leben in der Gemeinde. Ab 1904 wurden die Zionisten zunehmend aktiver, 1906 hingegen entstanden die Filialen der Parteien Bund und Poale Zion, einige Jahre später auch der Partei Misrachi. Während des Ersten Weltkriegs blühte das gesellschaftliche Leben der jüdischen Gemeinde weiter auf, wenngleich sich ihre wirtschaftliche Lage verschlechterte[1.1.8].


In der Zwischenkriegszeit vereinten sich die Juden aus Ostrowiec in unterschiedlichen Organisationen und gaben ihre eigenen Pressetitel heraus. Sie nahmen am gesellschaftlichen und politischen Leben der Stadt teil, mitunter bei den Wahlen 1928 erhielten sie rund ein drittel der Stimmen im Stadtrat und die Mehrheit im Gemeinderat[1.11]. Im Jahre 1925 zählte die Gemeinde in Ostrowiec 9013 Juden. Ferner verfügte die Gemeinde über fünf Synagogen (vier in der Stadt, eine in Waśniów) sowie 43 andere Gebetshäuser - 42 in Ostrowiec und eine in Denków. Den Angaben von 1939 zufolge, belief sich das bewegliche Vermögen der Gemeinde auf 26 163, das unbewegliche hingegen auf 182 564 Zloty. Die Ausgaben und Einnahmen der Gemeinde betrugen entsprechend 101 508 und 101 389 Zloty[1.12].


Die Deutschen marschierten in die Stadt am 7. September 1939 ein. In der Stadt lebten damals 10 000 Juden.  Im gleichen Monat noch wurde der Judenrat gegründet, die Juden wurden gezwungen in den deutschen Fabriken zu arbeiten, Kontributionen zu zahlen und ferner wurde Vermögen beschlagnahmt[1.1.11]. Im Frühling 1941 wurde in Ostrowiec Świętokrzyski das Ghetto errichtet. Ein Jahr später stieg die Zahl der Juden, aufgrund der Umsiedlung von Juden aus anderen Städten, wie bspw. von 1000 Juden aus Wien (dies geschah 1941), auf ca. 15-16 000. Am 11. und 12. Oktober 1942 wurden ca. 11 000 Juden von hier nach Treblinka, am 16. Januar 1943 hingegen weitere 1150 Personen in die Arbeitslager in Sandomierz und Bliżyn deportiert. Darauf hin wurde ein Lager am Hüttenwerk in Ostrowiec errichtet, in dem die verbliebenen Juden und weitere Neuankömmlingen, hauptsächlich aus der UdSSR und Österreich, arbeiteten. Im August 1944 wurde das Lager liquidiert und die dort arbeitenden Juden nach Auschwitz-Birkenau deportiert.


Betonenswert ist die Tatsache, dass die Juden aus Ostrowiec beim Aufstand im Warschauer Ghetto im Jahre 1943 kämpften sowie zu den Partisanen während des Krieges gehörten. Ein Teil der Polen versteckte Juden, darunter die Schwestern des Franziskanerordens der Heiligen Familie[1.13].


Bereits nach dem Rückzug der deutschen Truppen und dem Einmarsch der Roten Armee am 19. März 1945 wurden in der Stadt vier Bekenner des jüdischen Glaubens getötet, weitere vier verletzt. Laut anderen Forschern fand dieses Ereignis am 12. März 1945 statt und es wurden fünf Juden umgebracht. Der Urheber dieser Tat soll eine kleine Einheit des Untergrunds, welche sich aus der Landesarmee formte, gewesen sein. Bereits im April desselben Jahres wurden in diesem Zusammenhang zwei ehemalige Angehörige der Landesarmee festgenommen. 1946 wurden beide vom Bezirksgericht in Kielce zum Tode verurteilt[1.14].


Im Mai 1945 lebten in Ostrowiec nur 193 Juden. Ein Teil von ihnen zog ins Ausland um, ein anderer Teil blieb noch bis 1968[1.15].


Bibliographie:


  • 400 lat Ostrowca Świętokrzyskiego, 15971997, Ostrowiec Świętokrzyski 1994.
  • Brociek W. R., Penkalla A., Renz R., Żydzi ostrowieccy. Zarys dziejów, Ostrowiec Świętokrzyski 1996.
  • Guldon Z., Krzystanek K., Ludność żydowska w miastach lewobrzeżnej części województwa sandomierskiego w XVIXVIII wieku. Studium osadniczo-demograficzne, Kielce 1990.
  • Ostrowiec, [in:] Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Volume II, Red. Sh. Spector, New York 2001, S. 953.
  • Ostrowiec. A Monument on the Ruins of an Annihilated Jewish Community, Red. G. Silberberg, M. S. Geshuri, Tel Aviv [1971].
  • Ostrowiec Świętokrzyski. Monografia historyczna miasta, Red. W. Kotasiak et. al., Ostrowiec Świętokrzyski 1997.
  • Penkalla A., Ostrowiec Świętokrzyski, [in:] Żydzi w Polsce. Dzieje i kultura. Leksykon, Red. J. Tomaszewski, i A. Żbikowski, Warszawa 2001, S. 375.
  • Penkalla A., Żydowskie ślady w województwie kieleckim i radomskim, Radom 1992.


 


 

Print
Fußnoten
  • [1.1] Archiwum Państwowe w Krakowie, Archiwum Gumniskie Sanguszków, Hrabstwo Tarnowskie, Sign. 157, S. 21; Kubicki R., Inwentarz Opatowa i Ostrowca w 1618 roku, „Między Wisłą a Pilicą” 2005, Bd. 6, S. 178.
  • [1.2] Kowalski W., Dzieje kościelne Ostrowca Świętokrzyskiego do końca XVII wieku, [in:] 400 lat Ostrowca Świętokrzyskiego, 15971997, Ostrowiec Świętokrzyski 1994, S. 38.
  • [1.3] Żuchowski S., Proces kryminalny o niewinne dziecię Jerzego Krasnowskiego; już to trzecie roku 1710 dnia 18 sierpnia w Sendomierzu okrutnie od Żydów zamordowane, [Sandomierz] 1713, S. 38.
  • [1.4] Brociek W. R., Penkalla A., Okres przedrozbiorowy, [in:] Brociek W. R., Penkalla A., Renz R., Żydzi ostrowieccy. Zarys dziejów, Ostrowiec Świętokrzyski 1996, S. 10–11.
  • [1.5] Bursztyn J., Żydzi opatowscy na przełomie XVII i XVIII w., [in:] Opatów. Materiały z sesji 700-lecia miasta, red. F. Kiryk, Sandomierz 1985, S. 140; Kubicki R., Żydzi opatowscy od XVI do początku XIX wieku, [in:] Z przeszłości Żydów polskich. Polityka – gospodarka – kultura społeczeństwo, Red. J. Wijaczka, G. Miernik, Kraków 2005, S. 73.
  • [1.6] Liczba głów żydowskich w Koronie z taryf roku 1765, Red. J. Kleczyński, F. Kluczycki, Kraków 1898, S. 8–9; Stampfer S., The 1764 Census of Polish Jewry, „Bar-Ilan – Annual of Bar-Ilan University. Studies in Judaica and the Humanites” 1989, Bd. 24–25, S. 82–84; Guldon Z., Krzystanek K., Ludność żydowska w miastach lewobrzeżnej części województwa sandomierskiego w XVI-XVIII wieku. Studium osadniczo-demograficzne, Kielce 1990, S. 208–209.
  • [1.7] Pracownia Słownika Historyczno-Geograficznego Ziem Polskich w Średniowieczu Instytutu Historii Polskiej Akademii Nauk w Krakowie, kartoteka materiałów do słownika historyczno-geograficznego województwa sandomierskiego w dobie Sejmu Czteroletniego, Ostrowiec; por. Guldon Z., Krzystanek K., Ludność żydowska w miastach lewobrzeżnej części województwa sandomierskiego w XVIXVIII wieku. Studium osadniczo-demograficzne, Kielce 1990, S. 184.
  • [1.8] Ostrowiec, [in:] Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Volume II, Red. Sh. Spector, New York 2001, S. 952.
  • [1.9] Brociek W. R., Penkalla A., Czasy rozbiorów, [in:] Brociek W. R., Penkalla A., Renz R., Żydzi ostrowieccy. Zarys dziejów, Ostrowiec Świętokrzyski 1996, S. 23.
  • [1.1.8] [a] [b] Ostrowiec, [in:] Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Volume II, Red. Sh. Spector, New York 2001, S. 952.
  • [1.10] Penkalla A., Ostrowiec Świętokrzyski, [in:] Żydzi w Polsce. Dzieje i kultura. Leksykon, red. J. Tomaszewski, i A. Żbikowski, Warszawa 2001, S. 375.
  • [1.11] Ostrowiec, [in:] Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Volume II, Red. Sh. Spector, New York 2001, S. 953.
  • [1.12] Archiwum Państwowe w Kielcach, Urząd Wojewódzki Kielecki I, Sign. 1763, k. 166; Archiwum Państwowe w Kielcach, Urząd Wojewódzki Kielecki I, Sign. 1765; zum Thema der Juden aus Ostrowiec siehe auch: Renz R., Żydzi w Ostrowcu w Polsce odrodzonej, [in:] Żydzi ostrowieccy. Zarys dziejów, Ostrowiec Świętokrzyski 1996, S. 53–98.
  • [1.1.11] Ostrowiec, [in:] Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Volume II, Red. Sh. Spector, New York 2001, S. 953.
  • [1.13] Milstein L., The Annihilation of a Jewish Community, [in:] Ostrowiec. A Monument on the Ruins of an Annihilated Jewish Community, Red. G. Silberberg, M. S. Geshuri, Tel Aviv [1971], S. 47–97; Penkalla A., Żydowskie ślady w województwie kieleckim i radomskim, Radom 1992, S. 67–68; Renz R., Żydzi w okresie okupacji i w pierwszych latach po wyzwoleniu, [in:] Żydzi ostrowieccy. Zarys dziejów, Ostrowiec Świętokrzyski 1996, S. 99–125; Brociek W. R., Okres II wojny światowej, [in:] Ostrowiec Świętokrzyski. Monografia historyczna miasta, Red. W. Kotasiak i in., Ostrowiec Świętokrzyski 1997, S. 213–215; Kurek E., Dzieci żydowskie w klasztorach. Udział żeńskich zgromadzeń zakonnych w akcji ratowania dzieci żydowskich w Polsce w latach 19391945, Lublin 2012, S. 243–244, 252; Wijaczka J., Miernik G., Żydowscy robotnicy przymusowi w zakładach zbrojeniowych HASAG w Generalnym Gubernatorstwie w czasie II wojny światowej, [in:] Z przeszłości Żydów polskich, Kraków 2005, S. 188.
  • [1.14] Chodakiewicz M.J., Żydzi i Polacy 19181955: współistnienie, zagłada, komunizm, Warszawa 2000, S. 481; Śmietanka-Kruszelnicki R., Podziemie antykomunistyczne wobec Żydów po 1945 roku – wstęp do problematyki (na przykładzie województwa kieleckiego), [in:] Z przeszłości Żydów polskich, Red. J. Wijaczka, G. Miernik, Kraków 2005, S. 253–254.
  • [1.15] Eisler J., Rok 1968: Żydzi, antysemityzm, emigracja, [in:] Z przeszłości Żydów polskich, Red. J. Wijaczka, G. Miernik, Kraków 2005, S. 356.