Die ersten Erwähnungen von vereinzelten Juden in Pless stammen aus dem Jahre 1505[1.1]. Die sich in Pless ansiedelnden Juden stammten aus Westeuropa.

Nach dem Übergang Schlesiens unter die deutsche Herrschaft im Jahre 1526 schränkten alle folgenden deutschen Herrscher die Rechte für Juden, sich in diesem Gebiet niederzulassen, ein. Kaiser Ferdinand I. erließ am 14. September 1559 ein Edikt über die Vertreibung der Juden aus den Erbgebieten der Habsburger, u. a. aus Tschechien, Mähren und Schlesien[1.2].

Infolge des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) kam es zur Entvölkerung vieler schlesischer Städte, was Kaiser Ferdinand II. dazu bewegte, die Gesetze für die Juden zu mildern. Im Jahre 1627 erließ er ein Edikt, welches die erneute Ansiedlung von Juden nach der Entrichtung einer Sondergebühr in Höhe von 40 000 Gulden zuließ[1.3]. Die Juden nutzten diese Wandlung und begannen ab 1634 sich wieder in Pless niederzulassen. Trotz weiterer Gesetze, die an das Verbot der Ansiedlung von Juden in Schlesien erinnerten und die mit hohen Strafen für die Missachtung drohten, werden Juden in Pless in der 1691 durchgeführten Zählung der Juden in Schlesien aufgelistet.

Die  Folgejahre brachten neue Einschränkungen und rechtliche Regelungen, die Juden in Schlesien, damit auch Pless, betrafen. Während des Ersten Schlesischen Krieges im Jahre 1742 befand sich die Stadt unter der Herrschaft des Königreichs Preußen[1.4]. Kaiser Ferdinand II begann ebenfalls, die Einschränkung der Freiheit und des jüdischen Siedlungswesens in Schlesien anzustreben. Das wichtigste Gesetz, welches den Status der Juden in Schlesien regelte (mit Ausnahme von Breslau und Głogów), war das am 2. Dezember 1751 erlassene sog. „Juden Reglement“, welches den Großgrundbesitzern und den Magistraten die Pflicht auferlegte, den Landräten und dem königlichen Juden-Toleranz-Amt jeden einzelnen Fall einer jüdischen Besiedlung innerhalb von 14 Tagen zu melden[1.5]. Im Jahre 1787 zog die preußische Regierung, aufgrund wirtschaftlicher Umstände, die Regelung über die Umsiedlung von Juden in eigens ausgewählte Städte zurück. Die preußische General-Tabelle aus dem Jahre 1787 spricht über 85 Juden, die in diesem Jahr in Pless lebten. Zu dieser Zeit gab es eine Synagoge in Żory, in die Juden aus Rybnik, Wodzisław und Pless gingen[1.6].

Im Februar 1808 setzte die preußische Regierung alle Privilegien der feudalen Zünfte und Städte, darunter auch die Privilegien de non tolerandis Judaeis außer Kraft. Ab diesem Augenblick konnten Juden im Einvernehmen mit den lokalen Behörden sich in allen schlesischen Städten niederlassen und Immobilien erwerben.

Am 11. März 1812 erließ König Friedrich Wilhelm ein Edikt über die Bürgerlichen Verhältnisse der Juden, welches als Emanzipationsedikt in die Geschichte einging. Dieses Edikt stellte Juden als vollberechtigte Bürger des Königreichs Preußen mit allen anderen Bürgern gleich. Im gleichen Jahr entstand eine eigenständige jüdische Gemeinde, die über eine Cheder-Schule verfügte. Die jüdische Gemeinschaft in der Stadt begann sich zu entwickeln. Das erste jüdische Gebetshaus entstand im Jahre 1816, davor traf man sich zum Gebet in privaten Häusern[1.7].

Im Jahre 1814 fand in Gleiwitz eine Versammlung der jüdischen Gemeinden Oberschlesiens statt. Die Versammlung wurde vom Plesser Ratsmitglied, Abraham Muhr (1780-1874), geleitet. Es wurde beschlossen, die jüdischen Gemeinden bei ihrer religiösen Tätigkeit zu vereinigen sowie sich gegenseitig zu helfen[1.8].

In demselben Jahr wurde auch ein jüdischer Friedhof in Pless errichtet. Im Jahre 1820 erhielt die jüdische Gemeinschaft die Einwilligung, ihre Kinder in die evangelische Schule zu schicken. Es gab auch die Möglichkeit, die katholische Schule zu wählen, wenngleich die Juden die evangelische vorzogen. Im Jahre 1835 wurde in der Stadt eine hölzerne Synagoge erbaut. In dieser Zeit lebten 210 Juden in der Gemeinde. Die stetig steigende wachsende Gemeinschaft zwang die Gemeinde 1852 eine neue, gemauerte Synagoge zu errichten. Im Jahre 1861 lebten in der Stadt 331, 1885 - 340 Juden.

1872 wurde der Verband der Oberschlesischen Synagogen-Gemeinden gegründet, dem auch die Gemeinde in Pless beitrat.

Ein Jahr später wurde in Pless eine jüdisch-evangelische Schule gegründet, die 1893 in eine kommunale Schule umgewandelt wurde. In Pless war der berühmte Rabbiner Markus Brann tätig, der u. a. der Gründer des Jüdischen Theologischen Seminars in Breslau war.

Im Jahre 1916 gründete der aus Gleiwitz stammende Unternehmer Fritz Friedlaender die Produktionsstätte für Karbid am Bergwerk „Prinz“ in Pless[1.9].

Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte große Veränderungen in Schlesien mit sich. Die Wiedergeburt des polnischen Staates am 11. November 1918 (Die Zweite Republik, II Rzeczpospolita Polska) ging mit einem Anstieg der propolnischen Stimmung in der schlesischen Bevölkerung einher. Die Mehrheit der Juden hingegen war für Deutschland. In dieser Zeit entschieden sich viele Juden für die Auswanderung in den Westen, vorwiegend nach Deutschland. Dieses Phänomen war ebenfalls in Pless sichtbar.

Am 20. März 1921 wurde in Oberschlesien eine Volksabstimmung durchgeführt. Bei der Wahl in Pless wurden 3759 (75,5%) Stimmen für den Verbleib in Deutschland abgegeben. Als sich 1922 die Stadt in den Grenzen Polens befand, entschieden sich die Plesser Juden für die Auswanderung nach Deutschland. In der Stadt blieben nur 60 von ihnen.

Nach 1922 begangen wieder Juden die polnischen Gebiete Oberschlesiens zu besiedeln. Nach Pless begannen Juden aus Galizien zu kommen, die in der Stadt Arbeit suchten. Im Jahre 1931 lebten in der Stadt 83, 1939 - 91 Juden.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs deportierten die Deutschen am 10. Mai 1940 alle Juden aus der Stadt nach Chrzanów. Im Jahre 1943 wurden daraufhin jene Juden aus Chrzanów in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gebracht.

Nach dem Krieg siedelten sich erneute viele Juden in Pless nieder, hauptsächlich die Überlebenden aus der UdSSR. Ein Teil der Plesser Juden konnte den Krieg in den umliegenden Dörfern mithilfe der Unterstützung der polnischen Bauern bzw. sog. arischer Papiere überleben. In der ersten Hälfte der 1950er Jahre Lebten ca. 200 Juden in Pless. Ein Großteil von ihnen verließen die Stadt nach 1957.

Bis Ende der 50er Jahre funktionierten hier noch jüdische Organisationen. Es gab ein Gebetshaus, welches sich in einem kleinen Zimmer in einer Privatwohnung in der ul. Rymska 5 befand.

Mitte der 80er Jahre lebten nur noch ca. 35 Juden in Pless. Heute (Stand 2010) sind es nur noch 15 Bekenner des Judaismus, von denen ein Teil Mitglieder der jüdischen Organisationen in Bielsko-Biała, Kattowitz und Krakau sind. Vier von ihnen wurden noch vor dem Krieg geboren.

 

 

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Fußnoten
  • [1.1] Walerjański D., Z dziejów Żydów na Górnym Śląsku do 1812 roku, „Pismo Muzealno-Humanistyczne Orbis” 2005, Bd. 5, S. 31.
  • [1.2] Orzechowski K., Sprawy ludności żydowskiej w śląskich drukowanych zbiorach prawnych, „Śląski Kwartalnik Historyczny Sobótka” 1989, Nr. 1, S. 46; Walerjański D., Z dziejów Żydów na Górnym Śląsku do 1812 roku, „Pismo Muzealno-Humanistyczne Orbis” 2005, Bd. 5, S. 32.
  • [1.3] Steinert A., Geschichte der Juden in Oppeln, Oppeln 1922, S. 23; Walerjański D., Z dziejów Żydów na Górnym Śląsku do 1812 roku, „Pismo Muzealno-Humanistyczne Orbis”, 2005, Bd. 5, S. 33.
  • [1.4] Heitmann M., Lordick H., Przyczynek do historii Żydów na Śląsku, [in:] Przebudź się serce moje i pomyśl, Berlin–Opole 1995, S. 52.
  • [1.5] Walerjański D., Z dziejów Żydów na Górnym Śląsku do 1812 roku, „Pismo Muzealno-Humanistyczne Orbis”  2005, Bd. 5, S. 35.
  • [1.6] Janczak J., Śląsk w końcu XVIII w., Teil 2, Wrocław 1984, S. 83.
  • [1.7] Piluk P., Odnalezione miejsce. Cmentarz żydowsi w Pszczynie, Pszczyna o. D., S. 3.
  • [1.8] Walerjański D., Z dziejów Żydów na Górnym Śląsku do 1812 roku, „Pismo Muzealno-Humanistyczne Orbis” 2005, Bd. 5, S. 38.
  • [1.9] Małusecki B., Rodziny gliwickich przemysłowców pochodzenia żydowskiego – ich udział w życiu i rozwoju miasta, [in:] Żydzi gliwiccy, Red. B. Kubit, Gliwice 2006, S. 69–71.