Im 16. Jahrhundert fingen die ersten Juden an, sich hinter den Stadtmauern von Vilnius anzusiedeln. Sie mussten aber dazu eine persönliche Genehmigung des Königs erhalten. Im Jahr 1551 erhielten zwei Juden die Erlaubnis von Sigismund II. August, sich in Vilnius niederzulassen und Handel zu treiben. Die ersten Informationen über die organisierte Gemeinschaft stammen aus dem Jahr 1568. In der Mitte des 17. Jahrhunderts betrug die in Vilnius wohnhafte Bevölkerungszahl der Juden mindestens 3000, denn so viele Juden sind im Jahr 1655 dem Überfall der Russen entflohen.

Im Jahr 1690 wohnten 227 jüdische Familien hinter den Stadtmauern. Eine ähnliche Anzahl lebte jenseits der Stadtmauern, nämlich in den anderen Stadtvierteln, die Privateigentum einzelner Magnaten waren. Ein Hundert Jahre später – wie die Volkszählung aus dem Jahr 1795 erwies – gab es in der Stadt ungefähr 3600 jüdische Steuerpflichtige. Da damals die Gesamtzahl der Bevölkerung bei ungefähr 17500 Personen lag, bildeten die Juden 20% der Bewohner von Vilnius.

In den nächsten Jahrzehnten vergrößerte sich die Anzahl der Juden. Den Schätzungen von Chodźko nach wohnten in der Hauptstadt 50000 Bewohner, darunter 30000 Juden. Im Laufe der nächsten 60 Jahre verdoppelte sich die Bevölkerungszahl der Juden. In der Volkszählung aus dem Jahr 1897 wurden 63831 Anhänger des Judaismus verzeichnet, die 41% der Bewohner von Vilnius ausmachten (die Gesamtzahl betrug ungefähr 154500 Personen).

Während des Ersten Weltkrieges verringerte sich die Anzahl der Stadtbewohner. Die von den Deutschen durchgeführte Volkszählung aus dem Jahr 1916 ergab, dass in Vilnius 74 466 (53,7%) Polen, 57 516 (41,5%) Juden, 2 909 (2%) Litauer, 2 219 (1,5%) Russen, 611 (0,5%) Weißrussen, 880 (0,5%) Deutsche und 193 (0,1%) Personen anderer Nationalität wohnten. Die Gesamtzahl betrug damals 138794 Personen. Andere Volkszählungen, die wiederum polnische Behörden in der Zwischenkriegszeit durchgeführt  haben, bewiesen, dass im Jahr 1921 – 46559 Personen (36%) und im Jahr 1931 – 54596 Personen (28%) die jüdische Bevölkerung ausmachten. In den Jahren 1941-1944 wurde die Mehrheit der Juden aus Vilnius von den Nationalsozialisten ermordet. Unter den in Ponary Ermordeten gab es mehr als 50000 Juden aus Vilnius. Nach dem Krieg kamen nur 6000 Personen in die Stadt zurück. Dann wanderte ein Teil von ihnen nach Polen, Israel oder in die Vereinigten Staaten aus. Der Volkszählung aus dem Jahr 1951 nach gab es 5500 Juden, die nur 3% der Bewohner von Vilnius bildeten. Die heutige Bevölkerung der Juden in Vilnius beträgt auch ungefähr 5000 Personen.   

Jahr

Gesamtzahl der Einwohner

Jüdische Bevölkerung

Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung

1796

17 500

3 500

20%

1890

109 808

63 698

58%

1916

138 794

57 516

41,5%

1921

129 330

46 559

36%

1931

195 071

54 596

28%

1951

179 300

5 500

3%

1970

372 100

16 491

4%

2010

546 733

5 000*

0,1%

*Schätzungsangaben

Bibliografie:

  • Die Zweite Volkszählung vom 9.12.1931: Wohnungen und Haushalte, Bevölkerung, Arbeitsverhältnisse: die Stadt Vilnius, Warszawa (Warschau) ,1937
  • Red. Skolnik, Fred: Encyclopaedia Judaica, zweite Auflage, Bd. 20, 2007, S. 528-533
  • Geographisches Wörterbuch des Königreichs Polen und anderer slawischer Staaten, Bd. 13, S. 492-522
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