Die erste schriftliche Erwähnung über Kutno stammt aus dem Jahre 1386. Es ist ein Marktprivileg, welches vom masowischen Herzog Siemowit IV. dem damaligen Inhaber der Stadt Andrzej aus Radzików verliehen wurde. Kutno war eine private Stadt. Das Privileg de non tolerandis Judaeis war hier nicht gültig, weswegen der Inhaber über die jüdische Ansiedlung entschied. Es ist unmöglich festzustellen, wann die ersten Juden die Stadt erreichten. Es kann noch im 14. oder bereits im 15. Jahrhundert gewesen sein.
Das erste Dokument, in dem Juden in Kutno registriert wurden, stammt aus dem Jahre 1513. Es ist eine Schrift von Sigismund I., in dem der König die jüdischen Kaufleute Salomon, Lewko und Moszek auflistet. Im Grunde genommen war es ein Eiserner Brief, welcher die Stundung ihrer Schulden bestätigte. Im Dokument wurde auch das jüdische Viertel erwähnt - eine Siedlung mit dem Namen Żydowo. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um den heutigen östlichen Teil der Stadt, Józefów, handelt.
Die Stadt verfügte bereits damals über ein gut entwickeltes Handwerks- und Handelswesen, in denen die jüdischen Bewohner dominierten. Doch kann man nur schwierig von einer strukturierten oder gar dynamischen Ansiedlung dieser Gruppe sprechen. In Kutno lebten womöglich einige jüdische Familien zu der Zeit, die aber keine eigene Gemeinde bildeten.
Im Jahre 1538 beschloss der polnische Adel, der die Gunst der Juden erlangen wollte, auf dem Sejm in Piotrków Trybunalski, dass die in privaten Dörfern und Städten lebenden Juden von der rechtlichen Aufsicht des Königs ausgeschlossen werden sollten. Seit dieser Zeit unterlagen die Juden in privaten Ortschaften den Stadtherren. Die rechtliche und wirtschaftliche Grundlage der jüdischen Bevölkerung in Dörfern und Städten des Adels war das Gesetz aus dem Jahre 1539, laut dem diese Einwohner nicht der königlichen Jurisdiktion unterstellt waren, da sie vom lokalen Gutsherren regiert wurden und dieser auch das Recht hatte, interne Angelegenheiten der Gemeinde zu regeln. Somit war die Entrichtung der Kopfsteuer in der Praxis die einzige Verbindung mit der staatlichen Verwaltung. Trotz dieser Regulierungen war das Leben der Juden in Masowien kompliziert. Die masowischen Bürger versuchten konsequent das o. g. Privileg de non tolerandis Judaeis einzuführen. Die Sanktionierung dieses Rechts fand oftmals statt, nachdem angenommen wurde, dass es ein Gewohnheitsrecht sei, welches in diesem Teil Polens angewandt wurde. Dies hatte großen Einfluss auf die Einschränkungen, mit denen die jüdischen Siedler vom 16. bis zum 18. Jahrhundert kämpfen mussten. Die jüdischen Gemeinden in königlichen Städten charakterisierten sich durch Eigenständigkeit und eine gewisse Autonomie von den lokalen Behörden und dem Bürgertum, welches mit den jüdischen Gemeinschaften um Privilegien und Einflüsse rivalisierte. Der Garant der Autonomie und der königlichen Fürsorge für Juden war der ansässige Woiwode. Trotz dessen bewirkten die zahlreichen Bittgesuche der Bürger, dass ihnen Privilegien anerkannt wurden und in Konsequenz die jüdische Bevölkerung vertrieben wurde. In adeligen Städten wie Kutno hing die Autonomie der jüdischen Gemeinde vom Willen der Inhaber ab. Diese griffen in das interne Leben der Gemeinden und die Beziehungen zwischen Bürgern und Juden ein. Normalerweise ließen sie keine Eskalationen der Konflikte mit wirtschaftlichem oder religiösem Hintergrund zu. Dies lag daran, dass infolge solcher Ausschreitungen die Bürger Juden vertrieben hätten, was zu einem Rückgang der Einnahmen geführt hätte. Es kam nämlich oftmals vor, dass gerade die Stadtherren jüdische Siedler in ihre Städte einluden und sie in gewisser Hinsicht auch schützten.
Im 16. Jahrhundert gab es in Masowien und Großpolen sogenannte jüdische Versammlungen, die über der Gemeindeebene standen und eine gewisse Autonomie hatten. Diese Versammlungen bildeten die sog. jüdische Landstandsvertretung. Die Vertreter des „jüdischen Landstands“ versammelten sich in Landstands-Sejmiks, in denen für die lokale Gemeinschaft wichtige Gesetze verabschiedet wurden. In der Rzeczpospolita wurden anfangs vier solcher Landschaftsvertretungen gegründet. Es waren die Gemeinden Wielkopolska, Masowien und später auch Rotruthenien und Litauen. An der Spitze einer jeden Landstandsvertretung stand der Ältestenrat, der u. a. die judikativen Organe, den Richter sowie den Rabbiner des Landstands, den sog. Senior wählte. All diese Nominierungen wurden vom König bestätigt, Konflikte zwischen den Vertretungen wurden hingegen vor dem Schiedsgericht entschieden. Die Legislative, die die Selbstbestimmung der jüdischen Gemeinden sowie ihre Autonomie bestätigte, trug zu einer Steigerung des Wohlstands der jüdischen Gemeinschaft, der Entwicklung des Schulwesens sowie der jüdischen Lehre bei.
In den Jahren 1555 und 1556 vergrößerte sich die jüdische Gemeinschaft in Kutno infolge der von Sigismund II. August erlassenen Privilegien, die zur Entwicklung der ganzen Stadt beitrugen.
Laut den Informationen aus dem Jahre 1579 über die Kopfsteuer lebten in Kutno damals 63 Juden. Wahrscheinlich existierte damals bereits die Kehillah, die jüdische Bevölkerung in den umliegenden Dörfern hingegen vereinten sich in kleineren Gemeinden, die der Kehillah in Kutno unterstellt waren. Ab Ende des 17. Jahrhunderts beschäftigten sich Juden hauptsächlich mit Handwerk und Handel. Einige von ihnen verzeichneten sogar internationale Transaktionen. Weitaus früher, im Jahre 1585, wurde in Amsterdam über den Kaufmann Aszer ben Aszela, der Kutner hieß, berichtet. Der Nachname könnte auf seine Abstammung hindeuten[1.1].
Obwohl sich bei Kutno während der schwedischen Invasion keine unmittelbaren Kriegshandlungen abspielten, wurde die Stadt Opfer der Plünderungen und Vernichtungen der schwedischen Armee. Kurz darauf wurde die jüdische Gemeinschaft von einer Pogromwelle heimgesucht. Nach der schwedischen Invasion waren viele der jüdischen Zentren in einem armseligen Zustand, wenngleich es ihnen nach einiger Zeit gelang, ihre einstige Position wiederzuerlangen. So war es auch in Kutno. Die Invasion führte zum wirtschaftlichen Niedergang der Stadt, welche sichtlich an Bedeutung verlor. Zwar versuchten die Stadtherren die Wirtschaft zu beleben, u. a. durch die bestätigten königlichen Privilegien oder die Gründung von vier Zünften, doch konnte das angestrebte Resultat nicht erreicht werden. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts (1662) lebten in Kutno lediglich einige hundert Menschen, davon 250 Christen und eine unbekannte Zahl Juden.
Nach dem verheerenden Brand im Jahre 1753, bei dem die meisten Dokumente der Stadtverwaltung vernichtet wurden, darunter auch die Dokumente der Kehillah, wurde das Privileg der Lokalisation für die Stadt Kutno von König Stanislaus August Poniatowski erneut bestätigt. Es ist schwer festzustellen, wie viele Juden zu der Zeit in der Stadt lebten. Es wird davon ausgegangen, dass Ende des 18. Jahrhunderts in Kutno und umliegenden Ortschaften ca. 1800 Juden lebten. Das 18. Jahrhundert bedeute auch eine neue Etappe für die jüdische Gemeinschaft in Kutno. Dies betraf vor allem ihre Organisation. Die jüdische Autonomie auf polnischem Gebiet wurde bereits 1764 abgeschafft, als der Sejm der Vier Länder aufgelöst wurde. Die Situation der jüdischen Gemeinden, die in den königlichen und privaten Städten entstanden, unterschied sich diametral.
Die Juden in privaten Städten verfügten zwar nur über eine eingeschränkte Freiheit, ihren Wohnort zu wechseln sowie Immobilien zu erwerben, doch bei Konflikten, vor allem mit den christlichen Bürgern, konnten sie auf den Schutz der Stadtherren zählen. Das oft angewandte rechtliche Mittel, welches die Pflichten, Rechte und Privilegien der jüdischen Gemeinschaft gegenüber der Stadtverwaltung definierte, war ein Vertrag zwischen beiden Seiten. Solche Verträge entstanden auch in Kutno, wie bspw. der Vertrag aus dem Jahre 1766, der zwischen dem damaligen Stadtherren, dem Kanzler Andrzej Zamoyski, und der Kehillah abgeschlossen wurde. Der angesprochene Vertrag bestimmte die Rechte und Pflichten, aber vor allem die zusätzlichen Steuern, die für Juden in der Stadt galten. Sie setzten sich zusammen aus privaten Steuern (außer den staatlichen) - für die Pacht, für das Recht auf Ansiedlung, für das Ausüben einer handwerklichen Tätigkeit, für den Bau eines Hauses etc. In Kutno war der Grad an Eigenständigkeit der hiesigen Gemeinde von der Höhe der entrichteten Beträge abhängig.
Große Bedeutung hatten für Kutno damals die Jahr- und Wochenmärkte. Sie brachten recht große Einnahmen und ermöglichten so einen Wirtschaftsaufschwung. Deswegen kamen die Juden trotz der Zerstörung und der Pogrome zurück nach Kutno, um dort ihre bisherige Arbeit als Kaufleute, Händler oder Schankwirte wieder aufzunehmen.
Im Jahre 1765 zählte die Kehillah 928 Personen. Um das Jahr 1790 stellten Juden in vielen Städten Mittelpolens die Mehrheit.
Im 18. Jahrhundert entstand in der Kehilla eine Reihe an Institutionen, darunter ein Krankenhaus sowie eine Chewra Kadischa (Beerdigungsbruderschaft). Die Bruderschaft kaufte Grundstücke von Gutsbesitzern auf, um darauf einen Friedhof zu errichten. 1793 fand die erste verzeichnete Bestattung auf dem jüdischen Friedhof statt. Der Friedhof wurde im nördlichen Teil der Stadt angelegt. Die letzte Bestattung auf dem Friedhof in Kutno, nach knapp sechs Jahren Pause (ohne die Bestattung der sterblichen Überreste der Ermordeten in Chełm nad Nerem am 28. April 1946), fand im Jahre 1948 statt.
Nach der zweiten Teilung befand sich Kutno unter preußischer Herrschaft und war Teil von Ostpreußen. Mitsamt der Änderung der Gesetzgebung seitens der preußischen Regierung, veränderte sich auch die Situation der Juden in Kutno. An erster Stelle wurde das private Eigentum von Städten abgeschafft. Seit dieser Zeit verfügte die Regierung über das Schicksal der Juden in Kutno. Trotz dessen waren die Finanzen der Gemeinde in einem fatalen Zustand. Die Gemeinde hatte hohe Schulden gegenüber dem Inhaber der Stadt. Dies hatte Einfluss auf den Zustand der öffentlichen Gebäude, vor allem der Synagoge. Die erste hölzerne Synagoge, über die im Vertrag aus dem Jahre 1715 zwischen Marcin Leopold und Konstancja Zamoyska sowie Jan Sołłohub die Rede ist, brannte wahrscheinlich nieder. Der Bau einer neuen gemauerten Synagoge begann. Die Synagoge wurde mehr als 30 Jahre später fertig gestellt, also im Zeitraum zwischen 1766[1.2] und 1799. Die Synagoge wurde von der ul. Synagoska umgeben. Das Gebäude konnte laut den Quellen nicht auf der heutigen ul. Barlickiego gelegen haben, doch gemäß der Himmelsrichtungen, schnitt es die Achse der Straße an. Die deutschen Besatzer haben die Synagoge kurz nach ihrem Einmarsch im September 1939 niedergebrannt und letztendlich im Jahre 1940 zerstört. Im Jahre 1993 enthüllte der Kulturattaché der israelischen Botschaft in Polen einen Obelisken zum Gedenken an die Synagoge, der unweit der Stelle aufgestellt wurde, an der sie sich einst befand.
Bis zum 18. Jahrhundert spielte der Handel eine weitaus kleinere Rolle im Leben der Juden aus Kutno. Lediglich 25% der Juden waren im Handel hauptberuflich tätig. Dies war durch die Einschränkungen des Stadtherren und zugleich des Gutsherren bedingt. Sie gingen einher mit dem Monopol für die einzelnen Handelszweige und der Verpachtung jener (bspw. der Handel mit Alkohol). Die Lage sowohl der Handwerker als auch Händler veränderte sich sehr oft, da immer wieder neue Verordnungen erlassen wurden, die oftmals mit zusätzlichen Beiträgen verbunden waren (bspw. Konzessionsabgaben für den Verkauf von ausländischen Alkoholika, die von den preußischen Behörden erlassen wurden).
Die religiöse Aufsicht über die Kehillah in Kutno übernahm der hiesige Rabbiner. In den Jahren 1789-1819 hatte Reb Towia dieses Amt inne. Nach seinem Tod wurde Lajzer Jakub Brysz aus Leszno zum Rabbiner gewählt. Dieser erlangte große Sympathien und Dankbarkeit der hiesigen Gemeinschaft, die sich für ihn einsetzte, nachdem er aus Leszno aufgrund von nicht entrichteter Steuern für ausländische Juden verwiesen wurde. Weder die Interventionen der Einwohner von Kutno, mitsamt Gutsherren von Gadom, noch die Fürsprache des Komitees der Juden in Warschau konnten die Entschlüsse der Behörden des Königreichs Polen ändern.
Dies war verbunden mit dem 1822 eingeführten Verbot für freie Ansiedlung, welche gegen Juden gerichtet war und dazu führte, dass an den Stellen, wo sie lebten, spezielle Reviere eingerichtet wurden. Auf Grundlage der Karte von Kutno aus dem Jahre 1826 sieht man deutlich, in welchem Bereich die jüdische Bevölkerung lebte. Juden lebten im Stadtzentrum. Es war eine Fläche, die von der ul. Senatorska und Podrzeczna eingegrenzt wurde. Sie lebten überwiegend in primitiven hölzernen Hütten, die gemauerten Mietshäuser standen hingegen in der ul. Królewska sowie am Alten und Neuen Markt.
In den Jahren 1815-1822, als die Gemeinden endgültig abgeschafft wurden, entstand nach dem Muster anderer Städte im Königreich Polen die Synagogenaufsicht in Kutno. Ihr Sitz befand sich in der heutigen ul. Barlickiego, der damaligen ul. Senatorska. Das Wirken der Aufsicht ließ viele Wünsche offen, u. a. aufgrund der zahlreichen Veränderungen in ihrer Zusammensetzung. In ihrer ersten Besetzung befanden sich u. a. Abram Braunsilberg, Lajzer Zylberberg, Haskiel Herszkowicz und Szymon Bruno – als Schriftsteller.
Im 19. Jahrhundert erlebte die jüdische Gemeinschaft in Kutno eine stürmische Entwicklung. Diese war u. a. durch den Bau der Eisenbahnlinie bedingt, dank der Waren aus den Fabriken nach Lodz transportiert wurden. Innerhalb des Jahrhunderts vervielfachte sich die Zahl der Juden in Kutno. Im Jahre 1800 lebten 1376 Juden, was 70,2% der Stadtbevölkerung ausmachte. 1908 waren es bereits 8978 Personen jüdischen Glaubens.
Im Jahre 1802 eröffnete Jan Zygmunt Ringsleben die erste Apotheke in der Stadt. Die folgenden Apotheken in Kutno gehörten: Karol Hagemeister (1819), Abram Brunsilberg, gegen Ende des 19. Jahrhunderts hingegen hatte Lajzor Lewin ein Lager mit Arzneien. Auch jüdische Ärzte hatten ihre Praxen hier: Jakub Taube, Chaim Laube, Władysław Epsztain, Windyszawer.
Das Jahr 1808 war für Kutno ein Jahr tragischer Brände, die auch die hölzernen Gebäude der jüdischen Gemeinde zerstörten. Damals brannte das Krankenhaus sowie das Restaurant von Boruch Lipski nieder. Die häufigen Brände sowie der vereinfachte Zugang zu Krediten für den Bau von gemauerten Gebäuden bewirkte am Anfang des 19. Jahrhunderts, dass die Zahl gemauerter Gebäude stieg. Diese waren aber nicht nur für Wohnungen, sondern auch für Geschäfte, Werkstätte, Lager und Magazine gedacht.
Juden beschäftigten sich hauptsächlich mit Handel und Handwerk, welche oftmals verbunden wurden. Die Handwerker verkauften nämlich oft ihre Erzeugnisse selber auf Märkten und Jahrmärkten. Ungefähr 55% der Berufstätigen in der jüdischen Gemeinschaft waren zu jener Zeit im Handwerk tätig. Besonders beliebt waren die Schneidereien und Schlachtereien. Die jüdischen Schneider in Kutno hatten bereits 1783 eine eigene Zunft. Solch eine Zunft hatten auch die Schlachter, die 1787 entstand. Unter der jüdischen Bevölkerung in Kutno befanden sich auch Vertreter anderer freier Berufe, wie bspw. Barbiere, Arzthelfer, Ärzte, Klezmermusiker. In der Stadt waren drei jüdische Gold- und Kupferschmiede tätig. Ein bekannter Kaufmann war zu dieser Zeit Moszek Salomonowicz, Zulieferer der österreichischen Behörden.
Eine zusätzliche Tätigkeit der Juden war die Viehzucht (vor allem Pferde, die für Pferdewagen gebraucht wurden, sowie Kühe und Ziegen). 29% der Zuchttiere zur damaligen Zeit waren im jüdischen Besitz. Sie nutzten mit allen anderen Bewohnern die städtischen Weiden, wenngleich sie eine Steuer hierfür entrichten mussten (sog. spaśne), die von anderen Bewohnern nicht erhoben wurde.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Kutno allmählich zu einem Handelszentrum. In der Stadt fanden jeden Sonntag Wochenmärkte statt. Die Stadt verfügte zudem über das Recht, vier mal im Jahr einen Jahrmarkt zu veranstalten. Deswegen war es auch ein attraktiver Ort für jüdische Kaufleute, Händler und Handwerker. Die Bewilligung für die Besiedlung erhielten die Juden einzig und allein vom Stadtherren. Doch schon die Erlangung der Bürgerschaft der Stadt war mit Gebühren und einem speziellen Eid verbunden, den die Vertreter der Kehillah im Namen des Stadtherren ablegten. Die Organisation der jüdischen Gemeinde erinnerte an sich an die Struktur einer feudalen Gesellschaft. Alle Berechtigungen der Behörden der Gemeinde wurden vom König bestätigt. An der Spitze der Kehillah stand der Ältestenrat, der von den jüdischen Einwohnern der Stadt gewählt wurde und die Gemeinde regierte. Er setzte sich aus den sog. parnasim, den Vertretern der Gemeinde, sowie ihren Stellvertretern, den sog. towim zusammen. Die Zahl der Mitglieder eines solchen Rates war unterschiedlich, da sie wahrscheinlich mit der Zahl und Größe der Gemeinde zusammenhing.
Ein erster Versuch, die Wirtschaft in der Stadt anzukurbeln, war die Förderung des Handwerks, darunter auch der jüdischen Schneider und Schuster. Dies ermöglichten die liberalen Gesetze für die neuen Handwerker, die sie bspw. über einen Zeitraum von sechs Jahren von der Steuerpflicht befreiten und ihnen eine Erbpacht von Grundstücken garantierten. Die Entwicklung der Textilindustrie in der Region erreichte auch Kutno, wenngleich sie in der Stadt keine primäre Rolle spielte und die Produktion lediglich die Bedürfnisse der Einwohner stillte. Im Umbruch des 18. und 19. Jahrhunderts gab es in der Stadt fünf jüdische Gerbereien. Die beiden größten in der ul. Podrzeczna gehörten den Brüdern Bontapel. Es gab zudem auch ein Lager für Papier, Schreib- und Kolonialwaren, dessen Inhaber Jakub Steinfeld war, ein Lager für Textilien von Szymon Kaliszer sowie zwei große Handelsunternehmen von Jakub Fuks, Emanuel Hirszberg und Sz. Gajbler. Darüber hinaus beschäftigten sich M. Rosenthal und Szymon Rozenblum mit dem Vertrieb von Bodenfrüchten. In der Umgebung von Kutno befanden sich landwirtschaftliche Gebiete, in denen sich eine Landwirtschafts- und Lebensmittelindustrie entwickeln konnte, hauptsächlich Zuckerwerke und Mühlen.
Die Krise in den 1930er Jahren bewirkte, dass viele der unrentablen und vor allem veralteten Betriebe, die noch mit Maschinen aus dem 19. Jahrhundert arbeiteten, geschlossen wurden. Die Versuche, die Betriebe zu modernisieren, waren nicht immer von Erfolg gekrönt. In den Zwischenkriegsjahren waren nur noch zwei von acht Zuckerfabriken in der Stadt in Betrieb. 1927 wurde letztendlich die Zuckerfabrik „Konstancja“, die 1867 gegründet wurde, geschlossen. Ein ähnliches Schicksal teilten kurze Zeit später die alten Mühlen. Dafür waren aber immer noch kleinere Betriebe tätig, wie bspw. die Fabrik von Chicorée von Abram Kibel (nach dem Krieg wurden diese in die Pharmabetriebe „Polfa“ in der ul. Sienkiewicza umgewandelt) oder die Fabrik von Fiszer Gidalewicz in der heutigen ul. Kochanowskiego. Zudem gab es die Ölmühlen von Jarecki und Moszkowicz sowie die Brauerei von Natan Weinstain und Turbowicz in der ul. Mickiewicza. Der Eiskeller von Weinstein befand sich auf dem Gebiet des heutigen Romuald Traugutt-Parks.
Langsam entwickelte sich auch die moderne Industrie. Zu den größeren Betrieben gehörten u. a. die „Rektyfikacja“ von Maurycy und Władysław Rotsztajn, welche nach dem Ausbau in den 1930er Jahren ebenfalls Chemieprodukte unter dem Namen „Zakłady Chemiczne Kutno“ herstellte. Zu den bekannten Industriellen aus Kutno gehörten in der Zwischenkriegszeit u. a. Jakub Goldstein (Inhaber eines Holzlagers), Chan Erdberg (Inhaber von Immobilien in der Stadt), Szymon Geist (Inhaber einer Druckerei und eines Geschäfts), Symcha Żelechowski (Betreiber eine Mühle), Natan Weinstein und I. Turbowicz (Inhaber einer Brauerei), Icek Dolman (Inhaber eines Produktionsbetriebs für fertige Holzelemente), W. Hirszberg (Bankier) sowie Windheim Blumenson (Inhaber eines Hotels).
Eine große Bedeutung hatten auch die Genossenschaften, die jüdische Einwohner der Stadt vereinten. Bereits 1872 existierte in der Stadt die Kutnowskie Towarzystwo Zaliczkowo-Wkładowe (dt. Gesellschaft für Auslagen und Einlagen in Kutno), doch erst in den Zwischenkriegsjahren erlangte diese an Bedeutung. Auf Initiative der Handwerker und Kleinhändler entstand zu dieser Zeit auch die erste jüdische Kredit-Genossenschaft. Sie erhielt den Namen Spółdzielcza Kasa Pożyczkowo-Oszczędnościowa (dt. Genossenschaftliche Darlehens- und Sparkasse). In der Stadt waren auch Hermann Geist, Buchhändler, und Alfred Rotapfel, Fotograf, tätig. Zweifellos war Izaak Holcman ein industrieller Potentat, dessen Holzlager und Villa sich im westlichen Teil der Stadt befanden. Auf der südlichen Fassade des Alten Marktes wohnte die Familie Nosal, die als rituelle Mohalim bekannt waren (die Information stammt von den Nachkommen der Familie, die in den 90er Jahren Kutno besucht haben und aktuell in den USA leben).
Im Umbruch des 19. und 20. Jahrhunderts existierten in der Stadt einige kleinere Betriebe. Es waren Manufakturen, die hauptsächlich mithilfe von Handelskapital gegründet wurden. Die Größe dieser kleinen Betriebe erlaubte es den Inhabern, auf die Veränderung der Konjunktur zu reagieren und die Produktion auf die Bedürfnisse des Marktes einzustellen. Auf diese Weise entstand die Fabrik für Tabakwaren, die Salomon Leyzer Brull und Dawid Prin gehörte. Kurz darauf errichteten E. Szyszler, A. Moszkowicz und A. Rubinszlicht Wasser- und Dampfmühlen in der Stadt. Im Umbruch des 19. und 20. Jahrhunderts gab es in Kutno auch eine Seifenfabrik von Izrael Przedecki, Banken von Jakow Bromberg und Władysław Hirszberg, ein Kaufhaus von Jakób Opatowski, eine Manufaktur von Josef Raabe, eine Buchhandlung und Druckerei von Herman Geist, ein Mühle von Dawid Kalman sowie viele weitere Betriebe.
Um die Jahrhundertwende war Kutno auch ein wichtiges Zentrum für das Studium der Thora. In dieser Zeit erreichten die Ideen der jüdischen Aufklärung, der Haskala, die Stadt. Sie zweifelten die rabbinische Interpretation des Pentateuch sowie die Integration mit nichtjüdischen Gemeinschaften an. In den Jeschiwas in Kutno studierten herausragende Persönlichkeiten, wie bspw. Nachum Sokołów (1859-1936) oder Szalom Asz (1880-1957). Asz war gebürtigen Kutnoer, der seine Heimatstadt in zahlreichen literarischen Texten verewigte[1.1.2].
Der berühmteste Rabbiner in Kutno war Jehoszua Trunk, der ebenfalls unter dem Namen Szyja Trunk bekannt war. Im Jahre 1861 verließ er Pułtusk, wo er der Unwirtschaftlichkeit und der Vernachlässigung seiner religiösen Pflichten bezichtigt wurde. Die nächsten 30 Jahre verbrachte er in Kutno. Er war Autor zahlreicher Responsen und kannte die Bibel und den Talmud auswendig. Aus der Familie Trunk entstammte der bekannte amerikanische Historiker und Schriftsteller Jeszaja Trunk.
Im 19. Jahrhundert spielte für den jüdischen Handel in der Stadt die sog. Propinations-Pflicht eine wichtige Rolle. Die meisten der Schankwirte waren Juden, die die Propination von den Grundbesitzern pachteten. Diese Regelung wurde somit zu einer Antriebskraft für den steigenden Wohlstand der Pächter, sogar im Falle von importierten Alkoholika. Zu den wohlhabendsten Schankwirten von polnischen und importierten Tränken gehörte Layzer Zylberberg.
Eine große Bedeutung hatten in Kutno, ähnlich wie in anderen jüdischen Gemeinden in Polen, die wohltätigen Organisationen. Ihr offizielles Wirken wurde selbstverständlich von entsprechenden Gesetzen sanktioniert, darunter der staatlichen Verordnung aus dem Jahre 1822, die alle karitativen Bruderschaften auflöste, darunter maßgeblich die Chewra Kadischa, die neben der Bestattung von Verstorbenen sich auch um Heimpflege von Kranken kümmerte, die Stiftung von Krankenhäusern initiierte und die armen Mitglieder der Gemeinde oder Frauen im heiratsfähigen Alter unterstützte. Das Verbot dieser Bruderschaften bedeutete, dass sie auf einem weniger offiziellen Wege agieren mussten. Dies führte keineswegs zum Abbruch ihrer bisherigen Tätigkeiten. Erst die von den zaristischen Behörden Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführte Liberalisierung der Gesetzgebung bzgl. der Organisation von Verbänden und Vereinigungen bewirkte, dass die Zahl der Bruderschaften stieg. Diese Organisationen übernahmen u. a. Pflichten der Synagogenaufsicht, wie bspw. die Verwaltung des säkularen Schulwesens, der Krankenpflege sowie kultureller Unterfangen. Die Hilfe der karitativen Vereinigungen umfasste die Unterstützung armer Kaufleute und Handwerker, finanzielle Unterstützung für Bedürftige, Hilfe bei der Versorgung mit Feuerholz im Winter sowie finanzielle Unterstützung von mittellosen Frauen vor ihrer Heirat.
Im Jahre 1908 wurde die Gesellschaft für Unterstützung von Armen Juden in Kutno gegründet, an deren Spitze die hiesigen Kaufleute, Industrielle und Bankiers standen. Dies waren u. a. der Rabbiner Moszek Pinkus Trunk, Herman Geist und Jakub Juda Brodt. Diese Gesellschaft koordinierte die Tätigkeiten der Gemeinde und privater Personen auf dem Gebiet der karitativen Unterstützung von armen Familien. Dies betraf sowohl sofortige Hilfe (Kleidung, Heizkohle im Winter, Lebensmittel, temporäre finanzielle Unterstützung) als auch den Bau der ganzen Infrastruktur - Kinderheime, Armenhäuser, Elementar- und Handwerksschulen, Suppenküchen, Waisenhäuser. Zudem wurden zyklische Veranstaltungen organisiert, wie bspw. Freizeiten für Kinder, Hilfe für Arbeitslose, Ankauf von Materialien und Werkzeug für arme Handwerker. Für die letzteren beabsichtigte die Gesellschaft eine Bank zu gründen, die ihnen nicht verzinste kleinere Kredite geben würde, um ihre Gewerbe zu fördern.
Im 20. Jahrhundert begann sich die jüdische Gemeinschaft aufgrund der rechtlichen Änderungen bzgl. der Gründung von politischen Parteien zunehmend für die Politik zu interessieren. Eine wichtige Rolle spielte der Bund, der in Kutno bereits im Jahre 1905 gegründet worden ist, wenngleich sich die eigentlichen Strukturen dieser Partei in der Region erst nach dem Ersten Weltkrieg bildeten. Der Anführer des Bundes in Kutno war in den Zwischenkriegsjahren Hersz Kirszbaum. Das Wirken der Mitglieder des Bundes in Kutno betraf im weitesten Sinne Maßnahmen für das jüdische Proletariat - angefangen bei Lesungen über aufklärende Aktionen bis hin zu Auftritten in Amateur-Theatern (meistens bei organisierten Abendveranstaltungen, deren Teilnahmegebühren für weitere Veranstaltungen der Partei verwendet wurden). Ferner unterstützte die Partei auch Bedürftige. Der Bund in Kutno konnte dank seiner starken Position auch an den Wahlen zur Selbstverwaltung und zum Sejm teilnehmen. Die Partei hatte einige Male ihre Vertreter im Stadtrat, in dem 1917 Władysław Hirszberg (Bankier), Jakub Bromberg (Kaufmann) und Maurycy Liebermann (Kaufmann) saßen[1.3]. Eine wichtige Aufgabe des Bundes war es, die jüdischen Arbeiter zu überreden, sich in Gewerkschaften zu vereinen. In Kutno und Umgebung waren die Gewerkschaft der Textilindustrie, die Gewerkschaft der Schaftmacher, die Gewerkschaft der Arbeiter der Nadelfabrik und andere tätig. Der Bund engagierte sich in Kutno in die Gründung kultureller Institutionen bei den Gewerkschaften, die in der dürftigen kulturellen Landschaft der Stadt eine entscheidende Rolle spielten. Die Partei gründete bspw. die Perec-Bibliothek, die für alle Bewohner der Stadt gedacht war und in der sich auch Bücher in polnischer Sprache befanden.
Der Anfang des 20. Jahrhunderts brachte viele weitreichende Veränderungen für die jüdische Bevölkerung mit sich. Sie betrafen maßgeblich den Status von Glaubensgemeinden. Die Synagogenaufsicht wurde abgeschafft, die Legislative der Gemeinden wurde vereinheitlicht und an die Rechtsbestimmungen der jeweiligen Teilungsmacht sowie die Größe der einzelnen Gemeinden angepasst. Zu dieser Zeit befand sich der Sitz der jüdischen Glaubensgemeinde in Kutno in der ul. Barlickiego.
Zionistische Organisationen machten sich in Kutno bereits ab 1898 bemerkbar[1.1.2], wenngleich ihre Blütezeit erst in den Zwischenkriegsjahren kam. Im Jahre 1924 erlangten sie 50% der Stimmen bei der Wahl zum Gemeindevorstand[1.1.2]. In Kutno wirkten zudem der rechte und linke Flügel der Poale Zion, die sich ebenfalls für die Gewerkschaften einsetzten. Sie leiteten auch eine eigene, zionistische Bibliothek in der Stadt. Eine große Rolle spielte auf der politischen Bühne in Kutno die mit den Zionisten verbundene Gewerkschaft der unprofessionellen Arbeit. Zu den Aktivisten der Filiale der Poale Zion in Kutno gehörten: Beniamin Piotrkowski, Uren Mróz und Hinda Braun. In den 30er Jahren stieg die Aktivität der zionistischen Organisationen um ein Zweifaches[1.1.2].
In dieser Region (Kutno und umliegende Ortschaften) agierte auch die orthodoxe Aguda. Die Hauptaufgaben dieser Parteien waren die Förderung der religiösen Aspekte in allen Lebensbereichen. Der Aguda in Kutno gehörten vor allem wohlhabende Kaufleute, Unternehmer und Immobilienbesitzer an. Bedeutende Aktivisten der Partei in der Region waren: Joel Sztajnfeld, Abraham Zandberg sowie der in Lodz lebende Senator Uszer Mendelsohn. Die Aktivität der Aguda in Kutno konzentrierte sich auf dem Aufbau eines Netzwerks von Konfessionsschulen - allgemeinbildenden Cheder- und Jeschiwa-Schulen. Große Bedeutung für die lokale Abteilung der Aguda hatte die Partizipation im Vorstand der Gemeinde und der damit einhergehende Einfluss auf das Leben der ganzen Gemeinschaft.
Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit durch Polen wurden sowohl die Kompetenzen als auch die Verwaltungsorgane der jüdischen Gemeinden reformiert. Es wurden ein Vorstand sowie ein Beauftragtenrat ins Leben gerufen. Der erste Vorsitzende der Gemeinde in Kutno im wiedergeborenen Polen war der Zionist Aron Mendlowicz. In der Zwischenkriegszeit in Kutno waren zudem aktiv: die Jüdische Gesellschaft der Arbeiterfrauen, der Jüdische Verband der Kämpfer um die Unabhängigkeit (Vorsitzender Zdzisław Fruchter), die Volkspartei, die Kleinunternehmer vereinte und an deren Spitze Zyndel Comber und Lewin standen, die Gesellschaft der Kaufleute in Kutno sowie die von Uszer Mendelsohn gegründete Gesellschaft des Gegenseitigen Kredits.
Eine große Bedeutung hatten auch die Genossenschaften, die jüdische Einwohner der Stadt vereinten. Bereits 1872 existierte in der Stadt die Kutnowskie Towarzystwo Zaliczkowo-Wkładowe (dt. Gesellschaft für Auslagen und Einlagen in Kutno), doch erst in den Zwischenkriegsjahren erlangte diese an Bedeutung. Auf Initiative der Handwerker und Kleinhändler entstand zu dieser Zeit auch die erste jüdische Kredit-Genossenschaft. Sie erhielt den Namen Spółdzielcza Kasa Pożyczkowo-Oszczędnościowa (dt. Genossenschaftliche Darlehens- und Sparkasse). Im Jahre 1920 entstand die Genossenschaft der Verbraucher „Misrachi“. Allgemein wurden in den Zwischenkriegsjahren fünf Genossenschaften gegründet, bis 1939 blieb aber nur eine erhalten.
Die jüdische Schule, die 1916 gegründet wurde[1.1.2], befand sich im Gebäude in der ul. Kościuszki 10. Offiziell war es die allgemeinbildende Schule Nr. 3 für jüdische Schüler. Zuvor befand sich dort wahrscheinlich eine Pension für Mädchen aus reichen Familien, die von Helena Iberalowa geleitet wurde. Ein Gymnasium für Jungen befand sich hingegen in der ul. 3-go Maja 34. Im Jahre 1926 wurde eine weitere jüdische Schule gegründet, in der ab 1928 auf Jiddisch unterrichtet wurde. Ab 1925 gab es in Kutno auch eine Volkshochschule und eine Zweigniederlassung des YIVO aus Vilnius[1.1.2].
Die Situation der jüdischen Gemeinschaft war nach dem Einmarsch der nationalsozialistischen Besatzer strikt mit ihrer vernichtenden Politik verbunden. Bereits am 19. September 1939 fand die erste Razzia auf die jüdische Bevölkerung in Kutno statt. Ab November 1939 musste Juden Zwangsarbeiten verrichten. Am 3. November wurde auf Anordnung der Deutschen der Judenrat gegründet, der den Besatzern unterstand. Ab dem 8. Dezember 1939 wurde Juden verboten, auf Bürgersteigen zu gehen. Ferner wurden sie dazu verpflichtet, einen gelben Davidsstern zu tragen.
Am 14. April 1940 begannen die Deutschen ein Ghetto in Kutno zu errichten, was mit der Umzäunung der ehemaligen Zuckerfabrik „Konstancja“ mit Stacheldraht sichtbar wurde. Das Ghetto, in dem 8000 Juden aus Kutno und Umgebung festgesetzt wurden, wurde vier Tage später fertig gestellt. Von Januar 1941 bis Juni 1942 führte die andauernde Typhus-Epidemie zum Tod von über 500 Personen. Die Deutschen führten das Verbot ein, das Ghetto mit Waren zu beliefern, was eine höhere Sterblichkeitsrate aufgrund von Auskühlung und Hunger mit sich brachte. Ein weiteres Element der Vernichtungspolitik waren Massenexekutionen sowie das Schießen auf Juden aus „reiner Freude und Spaß an der Sache“. Am 23. März 1942 begannen die Besatzer mit der Liquidation des Ghettos, dessen Einwohner in Gruppen von je einigen hundert Menschen zur Station der Schmalspurbahn in Koło transportiert und von da aus in das Vernichtungslager Kulmhof deportiert wurden. Im Lager wurden die Opfer sofort umgebracht. Anfangs wurden ihre Leichen in Gruben vergraben, später verbrannt. Erst ab 1943 waren improvisierte primitive Krematorienöfen in Betrieb. Ungefähr 200 000 Juden, hauptsächlich aus Mittelpolen, darunter 11 500 aus Kutno, kamen auf diese Weise um.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb eine gewisse Gruppe Juden in Kutno, die ca. 50 Personen zählte[1.1.2], u. a. der Kinderarzt Kleinermann. In der Mehrheit verließen sie die Stadt nach 1968. Der letzte Jude, Aaron Ejzyk, Rosenbauer, starb in den 90er Jahren. Er wurde auf dem alten katholischen Friedhof in Kutno bestattet[1.4]
In Kutno wird alle zwei Jahre das Festival [[bios:54|Szalom Asza.]] veranstaltetMehr>>
Der vorliegende Text wurde dank der Freundlichkeit von Frau Sylwia Stasiak aus dem Regionalmuseum in Kutno veröffentlicht.
Bibliographie:
- Kutno, [in:] The Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Red. Sh. Spector, G. Wigoder, Bd. 2, New York 2001, S. 693–694.
- Kutno, [in:] The Yad Vashem Encyclopedia of the Ghettos during the Holocaust, Red. G. Miron, Sh. Shulani, Bd. 1, Jerusalem 2009, S. 382–383.
- Kutno, [in:] Pinkas Hakehillot Polin, red. D. Dąbrowska, A. Wein, Bd. 1, Jerusalem 1976, S. 223–229 [online] https://www.jewishgen.org/yizkor/pinkas_poland/pol1_00223.html [Zugriff: 21.10.2014].
- Kutno. Dzieje miasta, Red. R. Rosin, Warszawa 1984.
- Kutno we-ha-sewiwa, red. D. Shtokfish, Tel Awiw 1968 [online] https://www.jewishgen.org/yizkor/kutno/kutno.html [Zugriff: 21.10.2014].
- [1.1] Fijałkowski P., Działalność gospodarcza Żydów XV–XVIII w., „Biuletyn Żydowskiego Instytut Historycznego” 1991, Nr. 3.
- [1.2] Kutno, [in:] The Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Red. Sh. Spector, G. Wigoder, Bd. 2, New York 2001, S. 693–694.
- [1.1.2] [a] [b] [c] [d] [e] [f] [g] Kutno, [in:] The Encyclopedia of Jewish Life Before and During the Holocaust, Red. Sh. Spector, G. Wigoder, Bd. 2, New York 2001, S. 693–694.
- [1.3] „Godzina Polski” vom 9.03.1916
- [1.4] Kutno. Dzieje miasta, Red. R. Rosin, Warszawa 1984.
