Es ist schwer festzustellen, wann die Juden nach Krakau kamen. Auf Grundlage von Quellen aus dem Jahre 1028, die über zwei in die Rus reisende jüdische Kaufleute berichten, welche auf ihrem Weg ihre Waren der Krakauer jüdischen Gemeinde angeboten haben, lässt sich feststellen, dass Juden bereits Anfang des 11. Jahrhunderts in Krakau lebten. Am Ende des 11. Jahrhunderts kam es in Prag zu antijüdischen Ausschreitungen (ausgerufen durch die Kreuzritter). Wie der tschechische Chronist Cosmas berichtet, wurde ein Teil der Juden unter Zwang getauft, ein anderer Teil floh nach Ungarn und nach Polen. Obwohl Krakau nicht explizit genannt wird, liegt es nahe, dass die Mehrheit von ihnen sich gerade in dieser Stadt niederließ, da sie hier relativ sichere Lebensbedingungen hatten (hier residierte der Herrscher und die Stadt lag nicht auf dem Weg der Kreuzritter).


Die erste Überlieferung über Juden in Krakau stammt aus der Chronik von Wincenty Kadłubek. Er verzeichnete, dass unter der Herrschaft von Mieszko III. dem Alten, dem Krakauer Fürsten in den Jahren 1173-1177, es zu einem Überfall auf einen Juden kam, wofür die Angreifer als „Frevler“ verurteilt worden sind. Die Einschätzung dieser Tat resultierte aus dem Status der Juden, die als „Diener des Fiskus“ angesehen wurden. Infolgedessen glich ein Angriff auf sie einer Missachtung des fürstlichen Rechts (das in dem von Friedrich I. Barbarossa erlassenen Privileg von 1157 enthaltene Gesetz für Juden wurde auch in Polen angewandt).


Zum ersten Mal taucht der Name eines Krakauer Juden in den Dokumenten erst im Jahre 1287 auf. Es war ein gewisser Charnisz, der von einem bestimmten Jakub, wahrscheinlich einem Krakauer Bürger, ermordet worden ist, wofür dem Letzteren das Haus konfisziert wurde.


Ab dem Anfang des 14. Jahrhunderts mehrten sich die Informationen über die jüdische Gemeinde in Krakau. Sicher ist, dass es bereits eine ul. Żydowska (Jüdische-Straße) neben der ul. Św. Anny gab, was belegt, dass die Juden zu der Zeit im sog. vicus Judeorum  (Judenviertel) lebten. In diesem Viertel funktionierten bereits zwei Synagogen, eine Mikwe und ein Krankenhaus. Der jüdische Friedhof lag außerhalb der Stadtmauern am Fluss Rudawa in der Nähe der Mühlen. Das zweite jüdische Zentrum befand sich in der Nähe des heutigen pl. Szczepański, wo ebenfalls eine Synagoge stand.


Die jüdische Gemeinde verfügte über eine organisierte Struktur. An der Spitze der Gemeinde stand der Rabbiner, der in den Quellen als jüdischer Bischof Krakaus (episcopus Judeorum) bezeichnet wird, mitsamt den Ältesten der Gemeinde, deren Zahl zwischen 4 und 6 schwankte. Den Rabbiner unterstützte bei seinen priesterlichen und rechtsprechenden Pflichten der sog. Synagogendiener. Die Gerichtsbarkeit über die Juden war aufgeteilt: Rechtsstreitigkeiten zwischen Juden oblagen Gerichten der jüdischen Gemeinde, wenngleich Rechtsstreitigkeiten zwischen Juden und Christen von Gerichten des Woiwoden entschieden wurden. Bei jüdischen Anklägern mussten diese vor der für den Angeklagten zuständigen Gerichtsbarkeit klagen, also vor dem Stadt- oder Landgericht (adeliges Standesgericht). Die Gerichtsbücher liefern Informationen über zahlreiche Verfahren zwischen Juden und Christen.


Im mittelalterlichen Krakau kam es mehrere Male zu heftigen antijüdischen Ausschreitungen. Die frühesten von ihnen fanden ca. 1369 statt. Der Stadtrat Krakaus legte damals zu Händen des Königs ein ausführliches Dokument vor, in dem zahlreiche „Unrechtmäßigkeiten“ genannt wurden, die die Stadt aufgrund der „grassierenden Juden“ zu erleiden hatte (in der Klage haben sich die Ratsherren aber offensichtlich entschuldigt). Anfang 1370 stellte derselbe Rat auf Anweisung von Kasimir III. dem Großen ein Dokument aus, in dem er Fürsorge und Schutz für Lewko mitsamt Familie sowie für den Rabbiner Kasym zusicherte. Es kann davon ausgegangen werden, dass die antijüdischen Ausschreitungen im Jahre 1369 dazu führten, dass der König bei der Stadtverwaltung intervenierte, zumindest im Falle einiger einflussreicher Juden.


Die zweiten Tumulte fanden im Jahre 1407 statt. Der Grund hierfür waren laut den Chroniken von Jan Długosz, die er einige Jahrzehnte später verfasste, Gerüchte über den angeblichen rituellen Mord an einem christlichen Kind. Infolgedessen überfielen viele Menschen das jüdische Viertel, wo es zu Morden und Raubüberfällen kam. Als die Nachricht über die Ausschreitungen die Wawel-Burg erreichte, schritten die Wachtposten des Königs ein, sorgten für Ordnung im Viertel und gaben den Juden die geraubten Gegenstände zurück (maßgeblich verpfändete Gegenstände der Christen). Insgesamt wurden ca. 30 Personen angeklagt. Der Gerichtsprozess, dessen Urteil bis heute nicht bekannt ist, dauerte bis 1409 an. Kleinere antijüdische Ausschreitungen gab es auch im Jahre 1423. Für die rechtswidrige Verhaftung von Juden wurde damals der Judenrat angeklagt, wobei sich die Ratsherren nicht vor Gericht stellten.


Als im Jahre 1453 der Prediger Jan Kapistran nach Krakau kam, herrschte in der jüdischen Gemeinde Unruhe, da seine Predigten zuvor in Breslau einen großen Pogrom nach sich zogen (über 100 Opfer). Viele der Breslauer Juden wurden zudem unter Zwang getauft. In der Stadt kam es aber zu keinen Unruhen. Die Lage der Krakauer Juden verschlechterte sich jedoch zunehmend. Im Jahre 1462 kam es zu einem Konflikt zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Stadtrat. Die Einzelheiten sind nicht bekannt, wenngleich die Angelegenheit ernst sein musste, da der König eingriff und eine Schlichtung anordnete. Dabei wurde die Drohung geäußert für jene Seite, die sich nicht an diese Anordnung halten würde, eine beachtliche Summe (10 000 Griwna) zu entrichten. Zudem verfügte der König, dass alle Streitigkeiten vor Gericht geregelt werden mussten.


Im Jahre 1469 wurden Gebäude der jüdischen Gemeinde verlegt. Die Gebäude an der ul. Św. Anna wurden vom Krakauer Kapitel (vertreten von Jan Długosz) aufgekauft. Später wurden diese mit der Universität ausgetauscht. Die jüdische Gemeinde erhielt dafür Parzellen hinter der Stephanskirche. Im Jahre 1485 wurden auf den jüdischen Handel in Krakau und Umgebung erhebliche Einschränkungen auferlegt. Infolgedessen verzichteten die Juden in der Stadt auf ihr Recht zu handeln und Handwerksberufen nachzugehen (diese Verordnung wurde zwar bis zum Ende der Rzeczpospolita nicht befolgt, doch ihr Inhalt diente als Grundlage aller späteren Verträge zwischen den Vertretern der Regierung und den Juden).


In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 1494 entfachte ein Feuer, welches einen Teil der Stadt zwischen der ul. Mikołajska und ul. Szewska in Schutt und Asche legte, darunter auch einen Teil des jüdischen Viertels. Die Schuld an der Tragödie wurden den Juden zugeschoben. Während des Brandes kam es zu Plünderungen und Überfällen auf jüdische Häuser. Die Verwüstungen im jüdischen Viertel mussten verheerend sein, da kurz nach dem Brand König Johann I. Albrecht den Juden die nord-westlichen Gebiete Krakaus, zwischen den heutigen ul. Józefa und Bożego Ciała und den Stadtmauern überließ (er entfernte die jüdische Gemeinde dabei aber nicht aus der Stadt selber). Am Ende des 15. Jahrhunderts begann der Prozess der Umsiedlung der Juden nach Kazimierz. Dies geschah vorwiegend freiwillig, da sich die rasant entwickelnde Stadt Kazimierz den Juden ein größeres Gefühl der Sicherheit bot, als Krakau, wo sie sich immer seltener ansiedelten.


Die Quellen sagen nur wenig aus über die Juden aus dieser Zeit (die mittelalterlichen Dokumente der jüdischen Gemeinde blieben bis zum 20. Jahrhundert nicht erhalten, andere wurden während des Zweiten Weltkriegs zerstört). Bekannt ist nur, dass sie sich maßgeblich dem Geldverleih widmeten, oftmals in Form von Verpfändung. Bei Juden waren Bürger, Adlige und Geistliche verschuldet, aber auch Herrscher (u. a. Ludwig der Große, Hedwig von Anjou, Władysław II. Jagiełło, Kasimir IV. der Jagiellone). Für die Verpflichtungen bürgten oftmals Dritte oder der Schuldner stellte ein sog. Schuldschein aus. Dieses Prozedere löste zahlreiche Konflikte aus, die am häufigsten vor Gericht entschieden wurden. Neben der Finanzoperationen widmeten sich Juden dem Handel, sicherlich auch dem Handwerk, wobei diese Tätigkeiten nicht in den Gerichtsbüchern festgehalten worden sind. Bożena Wyrozumska


Im neuen jüdischen Viertel in Kazimierz lebten die Juden, die aus Krakau hierher gezogen sind, eine kleine Gruppe Juden, die sich bereits vorher hier angesiedelt haben, eine stetig steigende Zahl an Juden, die aus Tschechien und Mähren kamen (ab dem 16. Jahrhundert, maßgeblich in den Jahre 1517-1518) sowie eine Gruppe Auswanderer aus deutschen und schlesischen Städten. Auch eine Gruppe Sepharden siedelte sich in Kazimierz an. Trotz der Vielfältigkeit und zahlreicher Konflikte (u. a. im Jahre 1519 als die tschechischen und mährischen Juden eine eigenständige Gemeinde mit eigenem Rabbiner gründeten), geriet die Vorrangstellung der Gemeinde in Kazimierz nicht in Gefahr.


Im Jahre 1595 wurde ein Statut verabschiedet, in dessen 93 Artikeln das gesamte soziale, sittliche, private und alltägliche Leben der Krakauer Juden normiert wurde. Die Kontrolle über die unterschiedlichen Lebensbereiche wurde von folgenden Abteilungen ausgeübt: Wohltätigkeit, Handel und Ordnung, Fiskus sowie Moralaufsicht. Die Steuern wurden sowohl für den Staat (u. a. die sog. Krönungssteuer) als auch für die Stadt entrichtet (u. a. für das Handelsrecht oder für die territoriale Erweiterung der jüdischen Stadt). Die Mittel für die Entrichtung der Leistungen kamen u. a. aus der sog. Chazaka (aus der Konzession für Handel und Verpachtung).


Trotz der Einschränkungen im Handel seitens der Herrschenden in Krakau und Kazimierz, lebten die Juden bis zum Ende des 15. Jahrhunderts sehr wohlhabend. Sie mieteten viele Geschäfte in Krakau, unterhielten Handelskontakte mit tschechischen und deutschen (u. a. Frankfurt an der Oder, Frankfurt am Main, Leipzig), österreichischen (Wien) und holländischen Städten. Darüber hinaus gab es auch Kontakte zur Levante (über Lemberg). Sie handelten mitunter mit Leder, Pelzen, Textilien (vor allem Tücher) sowie militärischer Ausrüstung. Im großen Maße übernahmen sie die Kontrolle über den Vertrieb von Edelmetallen und -steinen sowie luxuriösen Erzeugnissen des Kunsthandwerks (u. a. Juweliers- und Uhrmachererzeugnisse). Die erfolgreiche Entwicklung des jüdischen Handels war ein Faktor, der die inneren Spannungen innerhalb der Gemeinde schwächte. Bis zur Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Oligarchie der Gemeinde so stark, dass sie ärmere Krämer, Handwerker oder Händler nicht zu Wort ließ, was ihr sichtlich die Handlungsfreiheit erleichterte.


Auf Grundlage des Vertrags zwischen dem Magistrat und der jüdischen Gemeinde in Kazimierz und Stradom wurde 1538 die Fläche der Jüdischen Stadt vergrößert (erneut im Jahre 1608). Zudem wurden zahlreiche Rechte verabschiedet, die die jüdischen Handelsrechte erweiterten (erneut in den Jahren 1608 und 1615). Juden erhielten das Recht auf freien Vertrieb aller Artikel, mit Ausnahme des Handels mit Hafer und Heu sowie der Schankwirtschaft. Die Bemühungen der jüdischen Gemeinde um die Erweiterung der Handelsrechte dauerten bis zum Fall der Rzeczpospolita im 18. Jahrhundert an. Laut Majer Bałaban lebten Mitte des 17. Jahrhunderts in Kazimierz ca. 4500 Juden (die Zahl scheint überhöht). Die Quellen sprechen auch von ca. 70 jüdischen Handwerkern, hauptsächlich Schneidern, Kürschnern, Mützenmachern, Gürtelmachern sowie Schuhmachern, Gerbern und Buchbindern. Es entstanden auch die ersten jüdischen Zünfte. Krakau war ein wichtiges Zentrum des hebräischen Druckwesens. Das jüdische Schulwesen war ebenfalls gut ausgebaut. Die Krakauer Jeschiwa genoss einen herausragenden Ruf in Wissenschafts- und Bildungskreisen im Ausland (vor allem in Tschechien, Mähren, Wien im Rheinland). Ein führender Vertreter der jüdischen intellektuellen Elite Krakaus war Mojżesz Isserles.


Das Ende der Entwicklung der Krakauer jüdischen Gemeinde begann mit dem großen Brand aus dem Jahre 1643, bei dem die meisten jüdischen Gebäude zerstört wurden, und der großen Epidemie (1651-1652), die in Krakau ca. 3500 Menschenleben forderte. Zudem erreichte Krakau 1648 eine große Zahl Flüchtlinge, die vor dem Aufstand von Bohdan Chmelnyzkyj flüchteten. Eine entscheidende Wandlung brachte den Krakauer Juden die Zeit der schwedischen Besatzung in Krakau, als die schwedischen Truppen im September 1655 die Jüdische Stadt plünderten (trotzdem zahlten die Juden aus Kazimierz zwei Monate später die von den Schweden verlangte Kontribution in Höhe von 40 000 Talern). Im Herbst 1656 herrschte im jüdischen Viertel, ähnlich wie in der ganzen Stadt, eine Hungersnot, da die geplanten Lebensmittelrationen sich als unzureichend erwiesen. Nach dem Rückzug der schwedischen Truppen (1657) wurden die Juden aus Kazimierz der Zusammenarbeit mit den Schweden bezichtigt. Ein Teil der Bevölkerung setzte ihr Verhalten mit dem der Polnischen Brüder gleich. Die Juden erleideten aber nicht das gleiche Schicksal, wenngleich die Stadtherren ihre wirtschaftliche Tätigkeit stark einschränken wollten. Als Johann II. Kasimir Wasa nach Krakau kam, empfing er eine Delegation Juden, die ihm 60 000, dem Befehlshaber der verbündeten österreichischen Streitkräfte hingegen 30 000 Zloty mit der Bitte um Vergebung für ihr Verhalten während der schwedischen Besatzung anbot. Der Krakauer Adelsstand nahm zu diesem Zeitpunkt keinen negativen Standpunkt gegenüber den Juden ein, sodass letztendlich sie nicht aus Kazimierz entfernt wurden. Die Juden begannen, ihre weitreichenden internationalen Handels- und Wissenschaftskontakte zu erneuern. Zudem nahmen sie wieder ihre Arbeit im städtischen Handwerkswesen auf.


Die Abneigung der Umgebung bewirkte, dass in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die antijüdischen Tumulte zunahmen (u. a. im Jahre 1660, 1663 und die intensivsten 1682, die im Zusammenhang mit dem Juden Szachna standen, dem der Ankauf von geklautem sakralen Silbererzeugnissen vorgeworfen wurde). Im Falle der meisten Anklagen folgte eine starke Reaktion seitens der adeligen Selbstverwaltung und der staatlichen Behörden. Im Januar 1661 bestätigte Johann II. Kasimir Wasa den Juden aus Kazimierz ihre bisherigen Privilegien.


In den 70er und 80er Jahren des 17. Jahrhunderts ging mit der sich verbessernden wirtschaftlichen Lage der Stadt sowie den Versuchen, die Stadt wiederaufzubauen, auch ein deutlicher Anstieg des jüdischen Handels einher, wenngleich die Finanzkrise damit nicht überwunden war, was Mitte des 17. Jahrhunderts und zu Zeiten der sächsischen Herrscher die Zahlungsunfähigkeit der jüdischen Kaufleute und Bankiers gegenüber ihren weltlichen und geistlichen Gläubigern bewirkte. Die schlechte Wirtschaftlage konnte auch ein Moratorium für die Zurückzahlung der jüdischen Verpflichtungen gegenüber ihren Gläubigern, welches im Juni 1698 von August II. dem Starken erlassen wurde, nicht verbessern. Vor allem, da es zeitgleich mit dem Konkurs der großen Firma von R. Forbes erlassen wurde, in der 187 Juden bedeutende Schulden hatten. Die Liquidationskommission der Firma vermittelte unmittelbar die Gläubiger mit ihren jüdischen Schuldnern, was zusätzlich die Krise in der Gemeinde von Kazimierz vertiefte, die letztendlich bis zum Ende der Adelsrepublik nicht behoben werden konnte.


Im Umbruch des 17. und 18. Jahrhunderts nahm der Prozess der Ansiedlung jüdischer Bevölkerung in Krakau, Kleparz, Stradom sowie auf den Gebieten der Jurydyka und den der königlichen Krone zu, wo sie zwar keine Immobilien erwerben konnten, dies aber wahrscheinlich nicht befolgt wurde. Mit Sicherheit wurde den Juden aber die Anmietung von Geschäften und Lagern nicht verwehrt. Die Tatsache, dass viele von ihnen auch in den gemieteten Lokalen übernachteten, wurde oftmals mit Nachsicht behandelt (viele der jüdischen Geschäfte befanden sich u. a. in dem sog. grauen Haus).


Unterschiedliche Quellen bestätigen eine Anstieg der jüdischen Ansiedlung in Krakau, wohingegen die sog. jüdische Stadt in Kazimierz nicht mehr von größeren Siedlergruppen als Ziel ihrer Reise ausgewählt wurde (die letzte Gruppe aus Wien kam in den Jahren 1670-1671). In den Jurydykas missachteten immer mehr jüdische Handwerker die Verbote und Reglamentierungen mit der Hoffnung auf ihre adeligen und geistigen Protektoren. Andere wiederum nutzten die Konjunktur und nahmen führende Positionen in einigen Produktionssparten ein, u. a. im Täschnerhandwerk und der Kürschnerei, dem Vertrieb von Leder (Firma von A. Rebes) und Salz (die Familie Pawłowicz) sowie Golderzeugnissen, Zinn und Blei. Auch die Handelskontakte jüdischer Kaufleute dehnten sich aus. Sie fuhren u. a. nach Leipzig (1675-1764 waren dort über 80 jüdische Kaufleute, die hauptsächlich mit Pelzen handelten), Breslau (wo der ehemaligen Krakauer Rabbiner J.J. Fränkel eine Gruppe Krakauer Juden vereinte, die ständigen Kontakt zu ihrer Heimatstadt pflegten) sowie Frankfurt an der Oder. Die Aktivität sowie die internationalen Beziehungen schufen der jüdischen Gemeinde zusätzliche Möglichkeiten des Wiederaufbaus und der Rückkehr zu ihrer einstigen Stellung. Auch die schwedischen Kontributionen, die die Gemeinde in den Jahren 1702 und 1705 und während des Nordischen Kriegs (1700-1721) erhielt, begünstigten die Lage.


Ab 1727 verpachtete Jakub Abrahamowicz mit seiner Frau die Erträge der Krone für einen Zeitraum von 3 Jahren. Juden widmeten sich immer häufiger der Schankwirtschaft und pachteten Brauhäuser, u. a. pachteten Lejzor Mojżeszowicz, Jakub Lejzorowicz und sein Sohn Lejb Jakubowicz ab den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts das königliche Brauhaus an der Weichsel. Die beiden Letzteren wurden 1759 zu königlichen Zwischenhändlern, was sie komplett von der Jurisdiktion der Gemeinde sowie der Beiträge, die sie an sie entrichten müssten, befreite.


Der Konkurrenzkampf zwischen den jüdischen und christlichen Schankwirten in Kleparz dauerte bis in die 40er Jahre des 18. Jahrhunderts an. Immer häufiger wurden Juden bezichtigt, die Verträge mit den Stadtherren zu missachten. Zeitgleich verlor die Gemeinde an Bedeutung, die zu einer geschlossenen Institution in einem engen Kreis einiger Familien wurde, die ihre unumschränkte Herrschaft hüteten. Dies führte zu einer bedeutenden Abhängigkeit der jüdischen Gemeinde vom Adel und den Magnaten (den Gläubigern der Gemeinde), aber auch vom Woiwoden und seines Verwaltungsapparats. Diese Situation begünstigte die Verschärfung des Konflikts zwischen der jüdischen Oligarchie, die sich der Jurisdiktion sowie der Steuerpflicht der Gemeinde entzog, und der jüdischen Armenschicht. Auch die Spannungen zwischen den Juden und der Stadtverwaltung nahmen zu. Die Erhöhung der Steuern sowie der Gemeindebeiträge konnte das Gemeindebudget nicht ins Gleichgewicht bringen. Die Lage der Gemeinde im 18. Jahrhundert wurde immer komplizierter, vor allem durch die Haltung der Oligarchen, die die stetig wachsenden Lasten auf die armen Vertreter der Gemeinde übertrugen und zeitgleich neue Anleihen aufnahmen, um die älteren Verpflichtungen abzuzahlen. Nach der Sitzung des Sejms in Grodno im Jahre 1718 wurde auf Anfrage der Gemeinde in Kazimierz eine Kommission ins Leben gerufen, die die Finanzlage der Gemeinde analysieren und die Verschuldung, die auf 600 000 Zloty geschätzt wurde, verifizieren sollte.


Nach dem Tod von August II. dem Starken (1733) vertiefte sich die finanzielle Krise der Krakauer Gemeinde noch mehr. Zudem kam es zunehmend Streitigkeiten über die Kompetenzen zwischen den Landständen Krakaus und Sandomierzs und der jüdischen Gemeinde in Kazimierz. Die Juden aus kleineren urbanen Zentren Kleinpolens stritten immer heftiger mit der Gemeinde in Kazimierz, u. a. über die Stelle des Rabbiners des Landstands, da sie diese Aufgabe nicht dem Rabbiner aus Krakau anvertrauen wollten. In den 40er und 50er Jahren des 18. Jahrhunderts kam es erneut zu einer Verschlimmerung der Konflikte (u. a. der Streit um die Stelle des Rabbiners zwischen den Familien Landau und Fränkel). Im Jahre 1722 gerieten die Juden zudem in einen Konflikt um die Handelsrechte mit der Kaufmännischen Kongregation in Krakau. Infolgedessen ließ August III. am 4. März 1744 die jüdischen Geschäfte in Krakau schließen und verbot Juden mit Tüchern, Seide, Gewürzen, Eisenerzeugnissen sowie sog. Nürnberger Gütern zu handeln. Das Verbot umfasste zudem die Schankwirtschaft sowie den Besitz von Häusern in der Krakauer Vorstadt. Obwohl das Dekret 1745 ausgesetzt wurde, dauerte der Konflikt bis 1761 an. Am 17. Juni 1761 zerstörte die Stadtwache ca. 40 jüdische Geschäfte am Marktplatz und Umgebung. Die Aktion wurde von der Armee beendet, der Krakauer Woiwode Jan Klemens Branicki hingegen verteidigte die Juden und befahl u. a. die Rückgabe der konfiszierten Güter.


Zur Zeit der Konföderation von Bar nahmen die Juden eine neutrale, erwartende Position ein. Doch der jüdischen Gemeinde wurde sowohl vonseiten der Konföderation als auch von den russischen Soldaten, für die Kazimierz einen strategisch wichtigen Standpunkt beim Angriff auf Krakau im Jahre 1769 darstellte, viel Leid angetan. Im Endergebnis belegten beide Seiten die Juden mit Kontributionen.


In den Jahren 1772-1776 befand sich Kazimierz unter österreichischer Besatzung. Die Besatzer versuchten eine Volkszählung unter der jüdischen Bevölkerung durchzuführen (in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebten in Kazimierz 3500 Juden) sowie ihr Vermögen zu schätzen. Die Termine der Rückzahlungen jüdischer Schulden wurden aufgeschoben. Trotz der Mühen gelang es jedoch nicht, die Finanzen der Gemeinde wiederherzustellen. Im Jahre 1776 kam es zu einer weiteren Übereinkunft zwischen dem Magistrat der Städte Krakau und Kazimierz und den Juden, wenngleich die Krakauer Verwaltung weiterhin eine Einschränkung des jüdischen Handels forderte (u. a. in den Jahren 1787 und 1789). Die Forderungen wurden ebenfalls nach der Verabschiedung der Verfassung vom 3. Mai 1791 aufrechterhalten. Es gab auch Versuche Juden zu verbieten, außerhalb Kazimierz zu wohnen. Alle Versuche erwiesen sich aber als wirkungslos. Veränderungen kamen erst mit der Herrschaft der Teilungsmächte. Andrzej K. Link-Lenczowski


Nach dem Anschluss Krakaus zu Österreich (1796) wurden die Juden mit neuen Steuern belastet, u. a. mit der Kerzensteuer, der Koscher-Steuer sowie der Krönungs-Steuer, sog. szpilkowe). Zudem waren Juden ab da auch wehrpflichtig, was später in zusätzliche finanzielle Beiträge umgewandelt wurde, und mussten hohe Beiträge bei Hochzeiten entrichten. Auch die Gemeinde wurde umorganisiert - an ihrer Spitze standen ab da 5 Vorsteher, die alle drei Jahre unter den reichsten Mitgliedern der Gemeinde gewählt und vom Krakauer Magistrat bestätigt wurden. Im Gegenzug erhielten Juden das sog. Toleranzpatent aus dem Jahre 1789, welches der Gemeinde uneingeschränkte Glaubensfreiheit gewährleistete. Die Österreicher setzten die Juden einem starken Druck der Germanisierung aus, deren Ziel es war, aus ihnen eine Stütze bei ihrer Herrschaft in Krakau zu machen. Dies stellte eine ernsthafte Bedrohung bei der Bewahrung der jüdischen Tradition dar, vor allem im Schulwesen, wo bislang das System sich auf Chedarim und Jeschiwas stütze, die von nun an durch neue, auf der europäischen Idee der Aufklärung basierenden Schulen, die sog. Haskala ersetzt wurden, die in ganz Galizien von H. Homberg errichtet wurden.


Infolge der sog. rumatio (ein Begriff aus dem Lateinischen, der im polnischen Recht Zwangsräumung bedeutete) mussten alle Juden in den Jahren 1801-1802 die anderen Teile Krakaus (die nichtjüdischen Gebiete in Kazimierz, Stradom und Zwierzyniec) verlassen und in den jüdischen Teil von Kazimierz ziehen. Aus diesem Grund verschwanden in Krakau ca. 300 Schenken, Kramläden und Geschäfte. Im Jahre 1804 befanden sich im jüdischen Kazimierz 207 hölzerne Häuser, in denen ca. 4300 Menschen lebten (ca. 18% der Gesamtbevölkerung Krakaus). Die allgegenwärtige Beengtheit störte jedoch den leistungsfähigen Handel keineswegs. Die Geschäfte wurden vorwiegend in den Kramläden auf den Straßen oder in Geschäften (insgesamt 164) getätigt. Der Grundsatz „niedriger Profit - hoher Umsatz“ war bei der Attraktivität und Konkurrenzfähigkeit der verkauften Artikel entscheidend, was Proteste seitens der christlichen Kaufleute hervorrief. Im jüdischen Handwerkswesen arbeiteten 324 Meister mitsamt Handwerksgesellen und Lehrlingen. Am häufigsten waren es Schmiede und Gürtelmacher, aber ebenso Schneider, Bäcker, Fleischer und Goldschmiede. Die Zeit der napoleonischen Kriege und die damit verbundenen Veränderungen sowohl der Grenzen als auch Transportrouten ermöglichten den reichsten jüdischen Kaufleuten ihr Vermögen zu vermehren (u. a. dem Steuerpächter B. Luxenburg).


Bedeutende Veränderungen im jüdischen Kazimierz traten in den Jahren 1809 bis 1813 ein, als Krakau an das Herzogtum Warschau angeschlossen wurde, dessen Verfassung die Freiheit und Gleichberechtigung aller Menschen vorsah (die Gesetze für Juden wurden zwar nicht beachtet, doch sie prophezeiten die nahende Emanzipation). Für die jüdischen Kaufleute war die Erlangung des Status einer Freien Handelsstadt durch Krakau von großer Bedeutung. Am 10. Mai 1810 besuchte der Warschauer Fürst Friedrich August bei seinem Aufenthalt in Krakau das jüdische Kazimierz, wo er feierlich empfangen wurde. Das Dekret des Herrschers vom 19. März 1812 sah eine Vergrößerung des jüdischen Teils der Stadt in Richtung Weichsel vor. Darüber hinaus war es ab da den Vertretern der jüdischen Elite erlaubt, außerhalb der Stadtmauern zu wohnen (unter der Voraussetzung, europäische Trachten zu tragen und die Kinder in staatliche Schulen zu schicken). Auch die frühere Institution der jüdischen Gemeinde wurde wiederhergestellt, zudem wurde die Kerzensteuer abgeschafft.


Der Niedergang des Fürstentums Warschau und die Besatzung Krakaus durch die russischen Truppen gingen einher mit großen Verlusten, die die jüdische Gemeinde während des Weichsel-Hochwasser im Jahre 1813 zu beklagen hatte.


Die infolge der Bestimmungen des Wiener Kongresses entstandene Republik Krakau bedeutete für die Krakauer Juden neue rechtliche Regulierungen. In dem im Jahre 1817 verabschiedeten Juden-Statut (poln. Statut urządzający starozakonnych) wurde u. a. beschlossen, dass anstelle der Gemeinde ein Jüdisches Komitee ins Leben gerufen werden sollte, welches alle verwaltungstechnischen Funktionen gegenüber der jüdischen Bevölkerung übernehmen würde. Zudem sollten dem Komitee die Kommissionen für Sozialfürsorge, Wohltätigkeit sowie das Krankenhaus, wie auch die 1810 gegründete Fakultätsschule mit polnischem Lehrplan (ab 1835 mit Sitz im Rathaus von Kazimierz) unterstellt sein. Die Absolventen der Schule bildeten den Anfang eines modernen Milieus von sich assimilierenden Juden (sog. Fortschrittler oder Maskilim). Mit dem Ziel der Beschleunigung des „Zivilisierungsprozesses der Israeliten“ beschlossen die Stadtherren die jüdischen Schulen zu schließen. Sechs Jahre nach der Veröffentlichung des Statuts mussten die jungen Menschen ihre Deutsch- und Polnischkenntnisse unter Beweis zu stellen. Juden verfügten bislang über keine öffentlichen Rechte (Bürger- und Stadtrechte sowie politische Rechte). Das Wahrecht hatten hingegen nur die reichsten unter ihnen (in den ersten Wahlen zum Komitee nahmen 291 Juden teil). Die Vorschriften schränkten die jüdische Bevölkerung u. a. bei der Freiheit Ehen einzugehen sowie beim Zugang zu vielen städtischen Institutionen (u. a. den Zünften, der Kaufmännischen Kongregation und dem Magistrat) ein. Zudem war es ihnen verwehrt, gewisse Berufe auszuüben und außerhalb der Ghettos zu leben[1.1] , die vom Rest der Stadt von einer Mauer getrennt waren. Das Recht sich um einige der öffentlichen Rechte zu bemühen (bspw. das Leben im christlichen Teil der Stadt) wurde durch eine sechsjährige Wohndauer, die Vermögenslage sowie das Tragen einer europäischen Tracht, das Abrasieren des Bartes und die Entsendung der Kinder zu einer öffentlichen Schule bedingt. Anfang der 1840er Jahre lebten in Krakau ca. 200 „zivilisierte“ Juden. Das Verlassen des Ghettos[1.1.1] wurde von Mitbekennern als Verbrechen verstanden, der Rabbiner hingegen belegte es mit einem Fluch, dem sog. cher. Die in Krakau lebende Gruppe fortschrittlicher jüdischer intellektueller Eliten (hauptsächlich Ärzte und Juristen, die häufiger über deutsche und nicht polnische Abschlüsse verfügten) schloss sich in der 1840 gegründeten Vereinigung für Religion und Zivilisation zusammen, an deren Spitze A. Gumplowicz stand (ein Teil ihrer Mitglieder nahm am Novemberaufstand teil). Einer der ersten Einwohner von Kazimierz, der in polnischer Sprache veröffentlichte, war der Gemeindesekretär S. Baum.


Die rechtlichen Widrigkeiten konnten jedoch die Entwicklung der jüdischen Gemeinde, die im Augenblick der Eingliederung Krakaus in Galizien (1846) ca. 13 000 Menschen zählte (1/3 der Stadtbevölkerung) nicht hemmen. Die sehr große Bevölkerungsdichte im Ghetto vergrößerte das Risiko von Erkrankungen (über 40% der Opfer der Choleraepidemie aus dem Jahre 1813 waren Einwohner des jüdischen Teils von Kazimierz). Die Juden aus Kazimierz widmeten sich hauptsächlich dem Handel und trieben Wucher. Ein beliebter Beruf war auch der des Zwischenhändlers (im Jahre 1850 - 225 Personen). Viele der Juden arbeiteten im Handwerk, Industrielle waren dagegen in der Minderheit. Zu den lukrativsten Beschäftigungen gehörten der Geldwechsel, den 1843 über 40 Personen betrieben, sowie der Getreidehandel. Zur finanziellen Elite in Krakau gehörten die Familien Bornstein, Halberstam, Horowitz, Meisels und Samelsohn. Die Lage der Stadt an der Grenze der drei Teilungsmächte sowie ihr Status als Freie Handelsstadt begünstigten die Vermehrung der jüdischen Vermögen, deren Ursprung manchmal auch im Schmuggel lag. Zeitgleich verzeichnete man im jüdischen Viertel eine hohe Zahl an Bettlern und Obdachlosen (im Jahre 1832 - ca. 400 Personen).


Im 19. Jahrhundert stieg der Anteil der Juden in der Krakauer Wirtschaft etappenweise. Es gab Wirtschafts- und Handelszweige, in denen sie ein Monopol inne hatten, u. a. im Stoffhandel, Vertrieb von Zinn, der Produktion von Schäften oder in der Buchbinderei. Sie führten auch zahlreiche Antiquariate (vor allem in der Umgebung der ul. Szpitalna). Das religiöse Leben konzentrierte sich auf die Synagogen der Gemeinde sowie privaten Gebetshäuser. Neben der dominierenden orthodoxen Haltung waren die Einflüsse des Chassidismus immer prägnanter. Über einige Jahrzehnte hinweg dauerte eine verbissene Rivalität zwischen den Anhängern beider Richtungen an. Anfang der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts gelangte das Reformjudentum nach Kazimierz. Die Reformatoren(Maskilim) eröffneten ihr eigenes Gebetshaus gemäß des Rituals, welches 1844 während der Rabbinerkonferenz in Braunschweig beschlossen wurde, weswegen sie sofort zur Zielscheibe der beiden rivalisierenden Gruppen wurden. Im Jahre 1862 wurde in Kazimierz die reformierte Tempel-Synagoge errichtet. Sie wurde prompt zum Zentrum der Anhänger der Assimilation.


Während des Krakauer Aufstandes im Jahre 1846 unterstützten die Juden die polnische Nationalregierung, die am 22. Februar 1946 im Krakauer Manifest die Prinzipien der Gleichheit vor dem Gesetz aller Bürger des entstehenden Polens proklamierte, um sich darauf hin an die Juden mit dem Appell An unsere Brüder, die Israeliten  zu richten. Neben der Reformer (u. a. J. Warszauer, J. Oettinger, H. Markusfeld, M. Krzepicki, H. Rosenzweig) gehörte auch der orthodoxe Rabbiner Dow Ber Meisels zu den aktivsten Unterstützern des Aufstands. Eine Gruppe Juden nahm an dem Gefecht mit den sich aus Kazimierz zurückziehenden österreichischen Truppen teil. Konsequenzen für die Unterstützung des Aufstandes waren Repressionen, u. a. Verhaftungen und Kontributionen, die der Gemeinde auferlegt wurden.


Die Krakauer Juden unterstützten die polnischen Freiheitsbestrebungen ebenfalls während des sog. Völkerfrühlings. Sie gehörten dem Bürgerkomitee an und traten der Nationalgarde bei. Der Rabbiner Meisels hingegen war Mitglied der polnischen Delegation in Wien. Juden wurden auch Opfer der Bombardierung Krakaus durch die Österreicher (26.04.1848). Bei dem demonstrativen Begräbnis der Opfer, darunter 2 Juden, festigte sich das Gefühl der Solidarität mit den Polen. Im Appell An die Mitbekenner im Großfürstentum Posen (3.05.1848) prangerten die Krakauer Juden die Unterstützung der Deutschen durch ihre Mitbekenner in Posen an. Hingegen im Appell an das Wiener Parlament, in dem sie Gleichberechtigung forderten, erwähnten sie auch die polnischen nationalen Bestrebungen. Im Sommer 1848 gründete eine Gruppe der aktivsten Juden den Klub zur Förderung der geistigen und materiellen Interessen der Israeliten sowie den Klub der Wissenschaftlichen Unterstützung. Ein Anzeichen für die Bestrebungen der Juden für Gleichberechtigung war die Demonstration in Kazimierz gegen die weitere Zahlung der Koscher- und Kerzen-Steuern (Mai 1848). In den ergänzenden Wahlen zum Wiener Parlament (Dezember 1848) erlangte der Rabbiner Meisels ein Abgeordnetenmandat. Ein anderes Mitglied des Nationalkomitees, Sz. Samelsohn nahm an der Delegation von A. Młocki in Frankreich teil. Der Kreis der reformierten und polonisierten Juden unterstützte die Polen im Angesicht des Januaraufstandes. Treffpunkt für die zum Kampf schreitenden Krakauer Juden (u. a. A. Aleksandrowicz, J. Bienefeld, J. Drobner, H. Markusfeld, S. Loewenhardt) war die Wohnung von A. Gumplowicz, dessen beiden Söhne ebenfalls am Aufstand teilnahmen.


Unter den Krakauer Juden stellten jedoch die in Jiddisch sprechenden orthodoxen und konservativen Juden, die schlecht mit der polnischen Gesellschaft integriert waren, die Mehrheit. Sie lebten hauptsächlich vom Handel mit den Christen. Treu den Vorschriften des Talmuds, richteten sie sich in allen Lebensbereichen nach den Urteilen des örtlichen Rabbiners. Im Zeitraum zwischen 1856 und 1883 hatte Sz. Schreiber, Anführer des konservativen Flügels der Juden aus Galizien, die Ehre, dieses Amt zu bekleiden. Seine Nachfolger waren parallel Ch. L. Horowitz (konservativ) und A.O. Thon (Reformator).


Die Dezemberverfassung aus dem Jahre 1867 brachte den Juden eine beinahe komplette Gleichstellung und eröffnete ihnen so den Weg zur Modernisierung. Eine neue Struktur erhielt auch die jüdische Gemeinde, die anfangs als Israelitische Kongregation bezeichnet wurde. Ab 1912 befand sich ihr Sitz in einem eigens für sie errichteten Gebäude an der ul. Skawińska 2. Das Statut der Gemeinde wurde 1869 vom Statthalteramt angenommen und später dreimal geändert (letztmalig im Jahre 1914). An der Spitze der Kongregation (Gemeinde) befand sich der 24-köpfige (später 30) Glaubensrat, der aus vier Abteilungen bestand (Religion, Bildung, Fiskus und Wohltätigkeit). Dieser Rat wurde in drei Wahlkreisen laut der Wahlordnung des Zensusrechts (ähnlich wie in der Gemeinde) gewählt. Die Exekutivorgane waren das Aufsichtsorgan, der Präsident sowie die einzelnen Abteilungen. Eine gesonderte öffentlich-rechtliche Institution war das jüdische Registrierungsamt, welches als Standesamt fungierte. Die entsprechenden Bücher führte als Beamter der Rabbiner. Das Statut bestimmte die Pflichten der einzelnen Gemeindefunktionäre (darunter auch des Rabbiners). Die Finanzen der Gemeinde wurden (neben des eigenen Vermögens in Form von Kapital und Immobilien) u. a. durch die Konfessionssteuer sowie unterschiedliche Beiträge (u. a. für die koschere Schlachtung von Vieh und Geflügel sowie für Mehl für Matzen), aber auch durch Vermächtnisse und Stiftungen gesichert.


Die größten Ausgaben waren mit der Instandhaltung des Krankenhauses an der ul. Skawińska verbunden (gebaut in den Jahren 1861-1866), den Löhnen für die Beamten sowie für wohltätige Zwecke. Bei wohltätigen und sozialen Tätigkeiten, der Verwaltung von Friedhöfen, dem Krankenhaus sowie Alten- und Waisenhäusern wurde die Gemeinde von sozialen Organisationen unterstützt (Bruderschaften, Vereinigungen, Stiftungen). Im Jahre 1872 funktionierten acht solcher Institutionen. 1899 hingegen waren offiziell 7 Bruderschaften und 13 Vereinigungen registriert. Zu den ältesten und bekanntesten Bruderschaften gehörte u. a. die Chewra Kadischa (Verwaltung von Friedhöfen), Bikur Cholim und Machsike Cholim (Fürsorge für kranke und gebrechliche Menschen) sowie Talmud Tora (Betreuung des Schulwesens). Zu den Institutionen des neuen Typs gehörten u. a. die Stiftung von A. Rappaport, die Loge B‘nai B`rith (ab 1895) sowie die Schlaraffia (ab 1909). Die Berufsbildung wurde von der Filiale der Stiftung von Baron Hirsch unterstützt. Es entstanden Lesesäle und Bibliotheken, Vereinigungen zur Autodidaktik und Bildung.


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs die Zahl der Krakauer Juden von 13 500 (1850) auf 32 000. (1910). Zeitgleich verringerte sich aber aufgrund der städtischen Entwicklung ihr Anteil, von 34 auf 22%. Ab ca. 1848-1849, trotz der Einwände des Krakauer Magistrats, dauerte der ununterbrochene Prozess der Umsiedlung der Juden aus dem Ghetto[1.1.1] in die innerstädtischen Viertel an. Sein Höhepunkt war die Übernahme von zwei Mietshäusern am Marktplatz durch Juden (1912). Am Ende der Epoche der Autonomie wohnten Juden in allen Vierteln Krakaus, die meisten (nach Kazimierz und Stradom) in der Innenstadt und in Wesoła. Sie besaßen immer öfter Immobilien im Stadtzentrum (die Straßen Grodzka, Floriańska, Sławkowska, Szpitalna, Sienna). Im Jahre 1910 befanden sich insgesamt 763 Häuser (38%) in ihrem Besitz.


Die starke wirtschaftliche Stellung der Krakauer Juden erlaubte ihnen, zu investieren, was sie vorwiegend in der Umgebung der ul. Dietla und ul. Starowiślna taten. Sie kauften auch bedeutende Anteile der Kommunalen Sparkasse der Stadt Krakau auf. In der Berufsstruktur dominierten immer noch Handelsberufe, der Bereich des Handwerks und der Industrie war in geringerem Maße vertreten. Die Entwicklung kapitalistischer Strukturen führte hingegen zu einer Modernisierung der Gesellschaft. Es entstanden neue Gesellschaftsschichten, u. a. die intellektuelle Elite, die sich aus jungen Juden und Jüdinnen zusammensetzte, die erst Gymnasien und dann später die Jagiellonen-Universität besuchten. In den Jahren 1866-1918 studierten 1462 jüdische Studierende an der Jagiellonen-Universität, hauptsächlich an den Fakultäten für Jura und Medizin. Auf der anderen Seite entstand das Proletariat.


Die größten jüdischen Kapitalisten (Industrielle, Bankiers, Händler sowie Großgrundbesitzer) kontrollierten in vollem Maße die Krakauer Industrie- und Handelskammer (ihr langjähriger Vizevorsitzender, ab 1897 Vorsitzender war A. Mandelsburg, auf den M. Dattner folgte). Bei den Wahlen zur jüdischen Gemeinde rivalisierten die intellektuellen Eliten (mitsamt der ihr nahestehenden Bourgeoisie) zusammen mit dem restlichen Teil der Gemeinde mit dem orthodoxen und chassidischen Kleinbürgertum. Die undemokratische Wahlordnung schloss die Teilnahme der Armenschicht aus. Die Präsidenten der Gemeinde in den Jahren 1869-1914 waren: Sz. Samelsohn, A. Mandelsburg, L. Horowitz und S. Tilles.


Am Anfang des 20. Jahrhunderts engagierten sich die Juden auch in das sich damals bildende neue politische Leben. Die Bewegung der „Liebhaber Zions“ (1893), die in Form von der zur Rückkehr zur hebräischen Tradition fordernden Vereinigungen agierte (Libanon, Akiba, Sfas Emes), wandelte sich 1906 in die Abteilung der Zionistischen Organisation für Westgalizien um. Im Jahre 1910 fand der Landeskongress der neuen Bewegung statt, deren Anführer über 30 Jahre der Rabbiner und Prediger der Tempel-Synagoge A. O. Thon war. Im Jahre 1904 gründeten die am Krakauer Kongress teilnehmenden Mitglieder der Vereinigung Achdut die Partei Poale Zion, die eine neue, linksgerichtete Gruppierung innerhalb der nationalen Bewegung darstellte. Die Rolle einer liberal-demokratischen Partei strebte auch die Partei der Unabhängigen Juden von A. Gross an. Die jüdischen Sozialisten, die bislang in den Vereinigungen Postęp und Brüderlichkeit vereint waren und deren Anführer u. a. H. Grossman, E. Haecker und M. Horowitz waren, begannen in der Polnischen Sozialdemokratischen Partei (PPSD) und der eigenständigen Jüdischen Sozialdemokratischen Partie aktiv zu wirken. Die neuen jüdischen politischen und ideologischen Organisationen verfügten über eigene Presseorgane und propagandistische Verlage.


Die kulturellen und sprachlichen Spaltungen, die in der jüdischen Gemeinschaft im Umbruch des 19. und 20. Jahrhunderts intensiver wurden, bewirkten die Bildung dreier Bildungssystem: des hebräischen (Zionisten), des jiddischen (traditionelle Orthodoxe) sowie des polnischen (Assimilatoren) Systems. Die Krakauer Juden nahmen an den Wahlen zum Stadtrat, Sejm sowie dem Parlament in Wien teil. Ab den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts verfügten sie über größere oder kleinere Vertretungen im Krakauer Magistrat (in der Zeit 1905-1927 war Józef Sare Vizepräsident der Stadt), hatten Abgeordnetenmandate in Wien (Rappaport, Mandelsburg, Schreiber, Gross) sowie auch die Mandate für den Sejm (Samelsohn, Rappaport, Sare). Zudem hatte die jüdische Gemeinschaft einen Vertreter im Bezirksschulrat. In der Akademie der Gelehrsamkeit nahmen sie die Funktionen der Korrespondenten ein (die Bemühungen der Juden, eine Professur zu erlangen, waren sehr mühsam).


Die alltäglichen Kontakte mit der christlichen Bevölkerung beschränkten sich meistens auf die Kontakte im Handels- und Dienstleistungsgewerbe. Antijüdische Ausschreitungen waren zu jener Zeit rar (bspw. die Ausschreitungen in Stradom im Jahre 1894).


Am 11. August 1914 gründete die Gemeinde das Israelische Komitee, welches den Appell der polnischen Juden verfasste, woraufhin die komplette jüdische Elite in Panik vor der russischen Offensive aus Krakau flüchtete und so ihre Mitbekenner ihrem Schicksal überließ. Der Zerfall der Strukturen des Fürsorgesystems der Gemeinde vertiefte umso mehr die Schwierigkeiten bei der Verpflegung. Ein Teil der jungen Vertreter der intellektuellen Eliten trat den Polnischen Legionen bei. Ihr Engagement wurden finanziell von älteren Vertretern unterstützt, wenngleich von den versprochenen 10 000 Kronen nur 2000 eingezahlt wurden.


Der Niedergang der bisherigen Gemeindeverwaltung führte ca. 1917 zur Machtübernahme durch die Zionisten. Ab Juli 1918 erschien ihr Presseorgan „Nowy Dziennik“. Die Hungerproteste im Januar, Februar und April 1918 waren ein Anzeichen für die Radikalisierung der öffentlichen Meinung. Im November 1918 begann die sog. jüdische Revolution, die letztendlich die zur Assimilation bereiten propolnischen Eliten jeglicher Einflüsse beraubte. Unter dem Druck der 20 Tausend Aufständischen übernahm der Jüdische Nationalrat in Westgalizien mit A. O. Thon an der Spitze die Macht in der Gemeinde. Es wurden Einheiten der Selbstverteidigung geschaffen, die darauf hin in die Jüdische Miliz umgewandelt wurden, deren Sitz sich am Platz Wolnica befand. Am 6. Juni 1919 verteidigte die jüdische Miliz ihre Mitbekenner während der antijüdischen Ausschreitungen, die durch die sog. hallerczycy hervorgerufen worden sind[1.2].


In der Zwischenkriegszeit stieg die Zahl der Krakauer Juden (bis 1937 in zwei Gemeinden vereint: Krakau und Podgórze) von 45 000 (1921) auf 56 600 (1931). Ihr Anteil hingegen stieg von 24,5% auf 25,8% an. Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts war die 60 000 Einwohner zählende Krakauer Gemeinde die viertgrößte in ganz Polen.


Die neuen Gesetze, die das Leben der jüdischen Gemeinschaft in der Zweiten Republik regulierten, traten in Krakau erst 1928 in Kraft. Sie bestimmten die neue Struktur der Gemeinde und verpflichteten sie, dem Religionsverband des mosaischen Bekenntnisses beizutreten. Eine Neuheit war zudem die Einführung einer demokratischen für die Allgemeinheit zugänglichen Wahlordnung, die das direkte und gleichberechtigte Wahlrecht, eine geheime Abstimmung und eine proportionale Wahl vorsah. Die Gemeinde behielt ihren religiösen Charakter bei (und nicht den nationalen, wie es die Zionisten wollten). Dabei verlor sie aber nicht ihre weitreichenden Kompetenzen und die im großen Maße vorhandene Autonomie. Die religiösen, wohltätigen sowie kulturellen Belange der Mitglieder wurden mithilfe eines ausgebauten Systems von Filialen, Institutionen, Stiftungen und Vereinigungen, deren effektive Tätigkeit durch das gedeihende Budget der Gemeinde gesichert war, befriedigt.


Rund 45% der Krakauer Juden arbeiteten im Handel. Im Handwerkswesen und der Industrie waren ca. 35% beschäftigt (in einigen Bereichen stellten sie die Mehrheit dar, u. a. in der Textilindustrie, der Uhrmacherei, im Juwelierhandwerk, in der Bau- und Lebensmittelindustrie). Auch die jüdischen Ärzte und Juristen erlangten zunehmend an Bedeutung. In der jüdischen Bevölkerung stellte das Proletariat ca. 30% dar, die intellektuellen Eliten und die Geistesarbeiter ca. 20%. Der Rest war vorwiegend Kleinbürgertum und die recht kleine Bourgeoisie.


Der in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts begonnene Prozess der Akkulturation wurde vom öffentlichen Bildungssystem begünstigt. Die jüdischen Jugendlichen, die in der schulischen Laufbahn ihre Aufstiegschancen sahen, begannen massenweise polnische Schulen zu besuchen. Im akademischen Jahre 1923/24 waren 32% der Studenten der Jagiellonen-Universität Juden. In den folgenden Jahren verringerte sich diese Zahl unter dem Druck des numerus clausus auf 12% (akademisches Jahr 1937/38). Das durch die Zionisten Ende des 19. Jahrhunderts geweckte Nationalbewusstsein bewirkte, dass viele der gebildeten Juden Palästina als ihre Heimat ansahen. Im Jahre 1921 erklärten ca. 60% der Krakauer Juden zum jüdischen Volk zuzugehören, 1931 hingegen erachteten ca. 20% von ihnen Polnisch als ihre Muttersprache. Die Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen zwischen beiden Völkern versuchten die Kreise der jüdischen Polen zu verbessern, die u. a. in der akademischen Vereinigung Zjednoczenie, dem Verband der Polen jüdischen Glaubens sowie dem Verband der jüdischen Teilnehmer der Kämpfe um die Unabhängigkeit Polens vereinigt waren. Diese Handlungen waren aber trotz der Protektion der Verwaltung wenig effektiv.


Obwohl sich unter den jüdische Eliten die Tendenz zur Säkularisierung verbreitete, blieb die Mehrheit der Krakauer Juden dem Judentum treu. Über ihrem religiösen Leben wachte die Abteilung für religiöse Angelegenheiten des Religiösen Rates sowie das Rabbinat, das sich neben dem Rabbiner, der auch den Titel des Großrabbiners von Krakau verwendete, auch aus acht (später neun) Assessoren, den sog. Unterrabbinern zusammensetzte. In Krakau funktionierten sechs Gemeindesynagogen und 66 private Gebetshäuser, die u. a. durch religiöse Bruderschaften, Handwerks- und Wohltätigkeitsverbände sowie chassidische Gemeinschaften unterhalten wurden. In einer besonderen Situation befand sich die der Vereinigung der Israeliten angehörige private Tempel-Synagoge, die über einen eigenen Rabbiner verfügte und der Gemeinde untergeordnet war. Die Synagogen und Gebetshäuser waren auf dem ganzen Gebiet der Stadt verteilt, doch das Zentrum des religiösen Lebens der Stadt war immer noch die ul. Szeroka, an der sich vier Synagogen, vier Gebetshäuser sowie der Friedhof mit dem Grab von M. Isserles befanden. Ferner entstanden zwei neue jüdische Friedhöfe sowie zwei rituelle Tauchbäder (Mikwen). Über die Koscherheit wachten einige Schlachtereien und Gänsefarmen. In Krakau waren darüber hinaus jüdische Bibliotheken und Lesesäle in Betrieb. Ein Teil von ihnen konzentrierte sich auf der talmudischen Literatur, andere wiederum auf säkularer Literatur (u. a. die erste judaistische Bibliothek auf polnischem Boden Ezra, die im Jahre 1899 gegründet worden ist).


Die ideologische und kulturelle Vielfalt der jüdischen Gemeinschaft wurde besonders bei den beiden Wahlen zur Gemeindeverwaltung sichtbar (im Jahre 1924 laut der Wahlordnung der Gemeinde und 1929 nach demokratischen Prinzipien). Bei der ersten Wahl rivalisierten die Zionisten (Bund der National-Jüdischen Vereinigungen) mit Vertretern der übrigen Fraktionen in der Gemeinde (Reformatoren, Orthodoxe und Chassiden), die im Jüdischen Bürgerkomitee vereint waren, welches ca. 75% der Stimmer erhielt (von 3800 Wahlberechtigten). Bei der zweiten Wahl erlangte der Block der zionistischen Vereinigungen (Liste Nr. 3) das besser Ergebnis und erhielt infolgedessen 9 Mandate in dem 25 Abgeordnete zählenden Religiösen Rat. Die Eliten, die seit einigen Jahrzehnten über die Gemeinde herrschten, verloren ihre absolute Mehrheit im Rat und in der Verwaltung. Die nächsten Wahlen wurden aufgrund des sich hinziehenden Prozesses der Verbindung der Gemeinden von Krakau und Podgórze (die Einheit kam erst am 1. Januar 1937 zustande) vorgeschoben. Bis zum Zweiten Weltkrieg leitete ein kommissarische Verwaltung unter der Leitung von R. Landau die Gemeinde.


Die Parlamentswahlen in den Jahren 1919-1930 wurden von Zionisten dominiert, deren Listen über 90% der jüdischen Stimmen erhalten haben. Der bis 1935 das Amt des Abgeordneten im Sejm der Zweiten Republik bekleidende A. O. Thon war Anführer der Fraktion Et Liwnot („Zeit, zu bauen“), die sich für eine Zusammenarbeit mit den Polen aussprach (sein Nachfolger ab 1938 war der Krakauer Zionist I. Schwarzbart). Neben den sog. grundsätzlichen Zionisten agierten in Krakau noch zwei andere jüdische nationale Gruppierungen: die religiöse Misrachi und die radikalen Zionisten-Revisionisten. Ihre Rivalen waren die Mitglieder und Anhänger des Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes, dem sog. Bund (mitsamt der Jugendfraktion Cukunft), die J. Bross und L. Feiner anführten. Andere Gruppierungen versuchten die sozialistische und nationalistische Ideologie zu vereinen, u. a. Poale Zion und Hitachdut, welche durch die Jugendorganisationen Przedświt und Gordon unterstützt wurden. Keine der linksgerichteten Strömungen konnte trotz großflächiger Gewerkschaftsstrukturen einen größeren Anteil der Stimmen unter den ärmeren, doch religiösen Krakauer Juden gewinnen. Die gemäßigten Wähler wurden von der Aguda vertreten, unter deren Schirmherrschaft 1927 in Krakau der Kongress der Rabbiner aus Kleinpolen stattfand. Auf eine andere Art und Weise liefen die Wahlen zum Stadtrat ab, vor allem in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, als unter dem Einfluss der Sanacja gleich zwei Mal Fraktionen entstanden, die die Regierung unterstützten und Orthodoxe und Zionisten vereinten: der Jüdische Parteilose Block der Wirtschaftlichen Zusammenarbeit (1933) und die Repräsentation des Vereinigten Judentums der Stadt Krakau (1938).


Zur Zeit der Zweiten Republik vergrößerten die Juden ihr wissenschaftliches und kulturelles Erbe. Neben der Professoren an den Universitäten (u. a. R. Taubenschlag, L. Sternbach, J. Rosenblatt, A. Rosner) arbeiteten in der jüdischen Gemeinde drei Lehrer der Mittelschulen mit unterschiedlichen Profilen sowie sechs Grundschullehrer. Zudem waren sie auch an Berufs- und Kunstschulen sowie Lehrerkollegien angestellt. Diese Schulen gehörten einer Vielzahl an Bildungsstrukturen an, die die ideologisch-kulturelle Vielfalt der jüdischen Gemeinschaft widerspiegelten (Jawne, Tarbut, Centos, Beit Jakow, Chorew). Einige der jüdischen Lehrer arbeiteten in polnischen Schulen. Das kulturelle Leben wurde u. a. von Malern (A. Nacht-Samborski), Architekten, Dichtern (M. Gebirtig), Publizisten und Journalisten gestaltet (es erschienen ca. 70 jüdische Pressetitel). Es gab jüdische Verleger, Buchhändler, Drucker und Antiquare. Ferner war ein jüdisches Theater in Betrieb, welches 1897 als Amateurbühne gegründet worden ist und Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts in das Krakawer Jidysz Teater umgewandelt wurde. Das Theater hatte seinen Sitz an der ul. Bocheńska. Zudem funktionierten jüdische Kinos und 18 Sportclubs (u. a. Makkabi, Jutrzenka, Siła). Tomasz Gąsowski


Das endgültige Ende der „jüdischen Stadt“ in Krakau brachte der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sowie der Holocaust, die eine Konsequenz der deutschen Judenpolitik waren. Diese setzte eine etappenweise Eingrenzung ihrer Rechte, die Enteignung der materiellen Existenzgrundlagen sowie ihrer Vermögen, die Isolierung in Ghettos und Konzentrationslagern, die Versklavung als billige Arbeitskraft sowie schlussendlich die völlige Ausrottung voraus. Bei antijüdischen Aktionen war die zivile Verwaltung (das Amt des Gouverneurs des Distrikts und des städtischen Landrats) sowie die Polizei beteiligt. Die Aufsicht über all jene Unterfangen übernahm der Polizeichef für das Krakauer Distrikt, in dessen 4. Abteilung (Gestapo) das Referat für alle jüdischen Angelegenheiten in Krakau tätig war (seine Nachfolger waren: P. Siebert, O. Brandt, W. Kunde und H. H. Heinrich). Besonderen Eifer bei der Verfolgung der Juden legten die städtischen Landräte (Deutsche) an den Tag: Karl Schmid und Rudolf Pavlu.


Die administrativen Bestimmungen hatten primär die Diskriminierung zum Ziel, so bspw. das Tragen des Davidssterns (23.11.1939), die Strafen für die Nichteinhaltung dieser Verordnung (19.02.1940), die Markierung jüdischer Geschäfte und Betriebe (08.09.1939) sowie Arztpraxen (18.09.1940), das Verbot private Autos zu besitzen (05.04.1940), die Einschränkung, die Straßenbahn (01.03.1940) und die Eisenbahn (26.01.1940, 20.02.1940) zu nutzen sowie die Einschränkung die Planty und das Verbot den Marktplatz zu betreten (29.04.1940). Die Ausgrenzung der Juden aus dem wirtschaftlichen Leben und ihre Enteignung wurde mitunter durch die Verordnung über die Anmeldung von Juden (24.01.1940, 15.02.1940) sowie die Sperrung der Bankkonten (20.11.1939), die durchgeführten Beschlagnahmungen der Betriebe und Werkstätten sowie die Auflösung jüdischer Wirtschaftsorganisationen bewerkstelligt. 


Am 15. November 1939 wurde die Treuhandstelle ins Leben berufen, die von da an die beschlagnahmten jüdischen Firmen verwaltete. Es wurden zudem die sozialen und kulturellen jüdischen Organisationen aufgelöst, ferner wurden Juden aus dem Justizapparat entfernt, das öffentliche Schulwesen wurde aufgelöst (es blieben nur drei Schulen der jüdischen Gemeinde erhalten). Die Denkmäler der jüdischen Kultur wurden zerstört oder geschändet, u. a. die Alte Synagoge und die jüdischen Friedhöfe. Die Innenausstattung der Synagogen und Gebetshäuser wurde entwendet, die Schatzkammern der Synagogen, die Archive und Bibliotheken geplündert. Die Synagogen wurden zu Lagern und Magazinen umgewandelt. Die Deutschen besetzten Wohnungen und Geschäfte der Wohlhabenden und erpressten von ihnen Kontributionen und Schmiergelder. Jede Handlung der Deutschen im Ghetto endete in Massenplünderungen und der Ausfuhr von Kostbarkeiten aus den leergeräumten Wohnungen (Möbel, Kunstwerke, Teppiche, Kleidung, Alltagsgegenstände). In den Häusern an der ul. Limanowskiego 2 und 4 wurden Lagerräume für das jüdische Vermögen eingerichtet, welches später ins Reich transportiert wurde. Private Plünderungen waren auf der Tagesordnung von hunderten deutscher Funktionäre, u. a. des Gouverneurs des Distrikts R. Wendler.


Die Zahl der Juden in Krakau, die unmittelbar vor dem Krieg auf 60 000 geschätzt wurde, stieg als Konsequenz des Flüchtlingsstroms auf ca. 70 000 an, was die vom 8. bis 21.11.1939 durch die jüdische Gemeinde durchgeführte Registrierung belegt. Die deutsche Verwaltung war der Ansicht, dass solch eine große Ansammlung von Juden in der Hauptstadt des Generalgouvernements undenkbar sei, weswegen sie am 18. Mai 1940 die Judenaussiedlung aus Krakau verordnete. Anfangs verlief die Aktion recht langsam. Sie beschleunigte und radikalisierte sich erst, als die nächsten Verordnungen ins Leben gerufen wurden (25.11.1940, 30.11.1940). Diese erlaubten u. a. die Durchführung von Razzien und beschränkten das Gewicht des Gepäcks, welches die Ausgesiedelten mitnehmen durften, auf 25 kg. Die Route der ausgesiedelten Juden führte über das Übergangslager im Fort an der ul. Mogilska bis zum Distrikt von Lublin (hauptsächlich die Landkreise Lublin, Biała Podlaska und Radzyń), wo in den Jahren 1942-1943 sie das Schicksal ihrer Mitbekenner teilten und in den Vernichtungslagern in Belzec, Sobibor und Treblinka umgebracht worden sind. Im Rahmen der Aktion siedelten die Deutschen ab der Hälfte des Jahres 1940 bis zum 28.02.1941 ca. 60 000 aus Krakau aus.


Kurz vor der Errichtung des Ghettos zählte die jüdische Gemeinde in Krakau ca. 11 000 Juden. Nach der Erweiterung der Stadtgrenzen Ende 1941 erhöhte sich dieses Zahl auf ca. 20 000. Ab dem 20. März 1941 konnten Juden nur auf dem Gebiet des Ghettos verweilen, ab dem 15. Oktober 1941 drohte das Verlassen des Ghettos hingegen mit der Todesstrafe. Seit dem Anfang der Besatzungszeit funktionierte in Krakau eine Vertretung der jüdischen Bevölkerung, der sog. Judenrat. An seiner Spitze stand M. Bieberstein, danach A. Rosenzweig (beide hingerichtet). Ihr Nachfolger war wiederum D. Gutter, der mithilfe des jüdischen Ordnungsdiensts und Informanten eifrig mit den Deutschen zusammenarbeitete, was ihn vor einer Hinrichtung in Płaszów nicht bewahrt hat. Auf Grundlage einer Verordnung des Gouverneurs vom 5. Juli 1940 wurde der Jüdische Ordnungsdienst ins Leben gerufen. Er diente der Aufrechterhaltung der Ordnung im Ghetto und half bei Verhaftungen, Deportationen der Opfer in die Vernichtungslager sowie bei der Aufdeckung von Informanten und Juden, die sich mithilfe von arischen Papieren zu verstecken versuchten. Die meisten Mitglieder des Ordnungsdienstes wurden 1943 in Płaszów erschossen.


Der Anfang der Versklavung der Juden als billige Arbeitskraft begann mit der Verordnung von H. Frank über die Einführung des Arbeitszwangs für die jüdische Bevölkerung des Generalgouvernement (26.10.1939). Es wurde eine Aufstellung all jener, die von dieser Verordnung betroffen waren, zusammengestellt (04.03.1940). Anfangs wählte die Gemeinde 250 Personen aus, die zur alltäglichen Zwangsarbeit u. a. in Kasernen, bei der Beseitigung von Bauschutt oder der Räumung von Schnee geschickt wurden. Später wurde diese Pflicht Tausenden zuteil, die in Werkstätten in Ghettos, Arbeits- und Konzentrationslagern, der Industrie (hauptsächlich in der Waffenproduktion) sowie bei anderen öffentlichen Arbeiten eingesetzt wurden.


Zeitgleich arbeiteten die Deutschen an der physischen Ausrottung des jüdischen Volkes. Die meisten Hinrichtungen fanden im Lager Płaszów statt. Hinrichtungen wurden ebenfalls in Gefängnissen (an der ul. Motelupich und ul. Św. Michała sowie in Krzesławice und dem sog. Glinnik in Przegorzały), in sog. julagi, in den Gebäuden der Sicherheitspolizei sowie auch am Sitz der Ordnungs- und Kriminalpolizei durchgeführt. Einzelne Personen und ganze Menschengruppen wurden auch in den umliegenden Ortschaften, u. a. in Kostrze, Tyniec, Bieżanów, Bieńczyce, Branice, Mogiła, Prokocim, Ruszcz und Bonarka hingerichtet. Es kam auch zu Morden auf den Krakauer Straßen (u. a. am 13. Juni 1943 wurde eine Gruppe Jüdinnen bei ihrer Flucht während des Übergangs vom Frauentrakt des Gefängnisses an der ul. Helclów zum Gefängnis an der ul. Montelupich erschossen). Während zweier großer „Aktionen“ (vom 1-8. Juni 1942 und am 28. Oktober 1942) wurden aus dem Ghetto nach Belzec insgesamt ca. 13 000 Juden deportiert, wovon Hunderte auf der Stelle erschossen wurden. Die Verordnung von W. Krüger (10.11.1942) erlaubte jüdische Wohnsiedlungen im Distrikt Krakau nur in Krakau, Bochnia, Tarnów, Rzeszów und Przemyśl. Allen Juden, die sich außerhalb der Ghettos oder Lagers befanden, drohte auf der Stelle der Tod.


Am 14. März 1943 wurden bei der Liquidation des Krakauer Ghettos ca. 2000 Juden nach Auschwitz deportiert (ca. 1500 wurden sofort vergast). Auf den Straßen des Ghettos wurden einige hundert Personen erschossen, der Rest wurde in das Lager Płaszów gejagt. Die Krakauer Juden wurden fast alle in deutsche Arbeits- und Konzentrationslager in Südpolen (u. a. in Wiśnicz Nowy, Pustków, Szczebno, Skarżysko, Częstochowa, Lemberg) und ebenso in Vernichtungslager im besetzten Polen und in Europa (hauptsächlich Auschwitz, Flossenbürg, Gross-Rosen, Mauthausen) gebracht.


Die Jüdische Soziale Selbsthilfe (JSS, ab 1942 JUS) die Teil des Obersten Vormundschaftsrats war, versuchte den Juden bei ihrem tragischen Schicksal zu helfen. Ihre Zentrale befand sich in Krakau und wurde von M. Weichert geleitet. Die Selbsthilfe versorgte die Juden mit Lebensmitteln, Arzneimitteln und Spenden aus dem Ausland. Zu dem leitete sie die Hilfskomitees. Trotz der Beschuldigung der Kollaboration seitens der jüdischen Untergrundorganisationen, agierte der Selbstschutz effektiv bis zum Jahre 1944.


Seit März 1943 funktionierte in Krakau der polnische Rat für die Unterstützung der Juden „Żegota” - eine Untergrundorganisation die Juden maßgeblich mithilfe von gefälschten Dokumenten, Schmuggel ins Ausland, finanzieller Hilfe aus den Mitteln des Polnischen Untergrundstaates oder durch einfaches Verstecken rettete. Hunderte Juden wurden dank der Hilfe von polnischen Familien gerettet (jegliche Hilfe für die jüdische Bevölkerung wurde mit dem Tod bestraft). Ein Teil der Juden konnte in den Vernichtungslagern überleben und wurde von den Alliierten befreit. Einige von ihnen kamen im Krieg in die UdSSR, wo es ihnen trotz Repressionen und Aufenthalten in Lagern zu überleben gelang. Ca. 1000 Juden, ehemalige Häftlinge des Lagers Płaszów, überlebten dank der Anstellung in der Fabrik des Deutschen O. Schindler. Schätzungen zufolge haben lediglich rund 3000 (5%) der Krakauer Juden den Krieg überlebt. Ryszard Kotarba


Bereits im Januar 1945 begann der langwierige Prozess der Rückkehr der überlebenden Krakauer Juden in die Stadt. Die ersten, die zurückkehrten, waren jene, die sich während des Krieges in einer nahegelegenen Ortschaft versteckt haben. Ferner kamen die ehemaligen Häftlinge der deutschen Lager und als letztes jene, die in die UdSSR deportiert wurden. Alle waren sie völlig erschöpft und ohne Mittel zum Leben. Die amtlichen Listen aus den Jahren 1945-1949 dokumentieren bedeutende Schwankungen in der Population der Krakauer Juden. Im April 1945 waren es 500 Personen, im Juni 1947 - 20 000, im April 1950 - 4000. Das Krakau der Nachkriegszeit war oftmals nur eine Etappe auf dem Weg der großen Migration nach Palästina oder die USA. Die Auswanderung (oftmals illegal) wurden von der in Krakau tätigen Zionistischen Organisation „Bricha“ geleitet.


Die Juden, die in Krakau blieben, wurden maßgeblich in der genossenschaftlichen Produktion (im Jahre 1947 arbeiteten in 9 Genossenschaften ca. 150 Juden) sowie in privaten Handwerksbetrieben (1947 - 420 Juden) angestellt. Mit großen Schwierigkeiten war hingegen der Versuch verbunden, den jüdischen Handel wiederaufzubauen. Eine Zeit lang erlebten die sog. Kibbuze eine dynamische Entwicklung, von denen 1947 in Krakau 10 tätig waren. Ein Teil der jüdischen Bevölkerung unterhielt sich dank der bescheidenen Zuwendungen des American Jewish Joint Distribution Committee. Das politische Leben begann sich neu zu formen. In den Jahren 1945-1949 entstanden in Krakau viele jüdische politische Parteien, u. a. die zionistischen Gruppierungen Ichud, Poale Zion und Hitachdut, der sozialistische Bund sowie die religiösen Misrachi und Aguda. Die meisten von ihnen verfügten über Jugendfraktionen. Zudem existierte die jüdische Fraktion der kommunistischen Polnischen Arbeiterpartei (PPR). Das Jüdische Woiwodschaftskomitee in Krakau unter der Leitung von L. Kupfenberg (später E. Stulbach von der PPR), mit Sitz in der ul. Długa 38, koordinierte die Bestrebungen des wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Aufbaus der jüdischen Gemeinschaft in Krakau. Die Handlungen des Komitees wurden aber durch die steigende Rivalität zwischen den Zionisten und Kommunisten erschwert. In Krakau funktionierte auch eine Filiale der Jüdischen Geschichtskommission, die von M. Borowicz geleitet wurde.


Im April 1945 entstand die Jüdische Religiöse Vereinigung, an deren Spitze der Rabbiner M. Steinberg stand, die später in die Jüdische Religiöse Kongregation umbenannt wurde (mit Sitz in der ul. Skawińska 2). In ihren Strukturen kam es recht schnell zu Konflikten zwischen den Anhängern ihres säkularen Charakters (hauptsächlich der mit der Polnischen Arbeiterpartei verbundene Großrabbiner der Polnischen Volksarmee Oberstleutnant D. Kahane) und den Verteidigern der Unabhängigkeit und des religiösen, traditionellen Charakters. Die Kongregation erzwang von der Stadtverwaltung Krakaus die Rückgabe von fünf Synagogen und Gebetshäusern, um daraufhin zwei von ihnen (Remu und Tempel) aus eigenen Mitteln zu renovieren. Ferner gab es in der Stadt auch ein Krankenhaus (mit 25 Ärzten) sowie vier Pflegehäuser.


Das Bildungssystem basierte bis 1949 auf acht Klassen der allgemeinbildenden Schule und dem Gymnasium (beide polnischsprachig). Hebräisch wurde in der mit der zionistischen Organisation He-Chaluc in Kontakt stehenden Schule in der ul. Przemyska unterrichtet. Es gab zudem religiöse Schulen: Grundschulen (die der Vereinigung Talmud Tora unterlagen) sowie die Jeschiwa-Mittelschulen.


Die polnisch-jüdischen Beziehungen in Krakau wurden durch antisemitische Ausschreitungen im Sommer 1945 und 1946 auf die Probe gestellt. Die ersteren vom 11. August 1945 waren gar der Versuch eines Pogroms. Die Entstehung des Staates Israel (1948) führte zu einem Exodus der Juden aus Polen. Die Staatsgewalt unterstützte dieses Phänomen. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung begann zu schrumpfen. Die weiteren Migrationswellen (1956-1957 und 1968-1969) führten dazu, dass in Krakau nur eine kleine, auf alle Stadtteile verteilte Gruppe Juden blieb (vor allem ältere, kranke oder einsame Menschen). Die Alte Synagoge wurde nach einer Sanierung in das Judaistische Museum (Filiale des Historischen Museums der Stadt Krakau) umgewandelt. Der alte Friedhof in der ul. Szeroka wurde hingegen aufgeräumt.


Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts verschwanden aus dem Krakauer Stadtbild die jüdischen Geschäfte, Werkstätten und Antiquariate. Auch die Unterstützung des American Jewish Joint Distribution Committee‘s wurde eingestellt. 20 Jahre später zählte die Krakauer Religiöse Kongregation, die drei Woiwodschaften umfasste, ca. 200 Mitglieder. Mitte der 1980er Jahre trafen ca. 100 Personen zum gemeinsamen Sederabend des jüdischen Pessahfestes ein. Die Krise zeichnete sich auch im religiösen Leben ab. Dank der Bemühungen der Vorsitzenden der Krakauer Kongregation M. Jakubowicz und seines Sohnes Czesław funktionierten in Krakau zwei Synagogen. Es wurde nunmehr ohne Rabbiner gebetet, nur in Anwesenheit von zwei Kantoren. Ab den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Gottesdienste, aufgrund der geringen Zahl an Gläubigen, nur noch in der Remu-Synagoge abgehalten und dass in sehr vereinfachter Form, da nur wenige des Hebräischen mächtig waren. Von den alten Traditionen blieb nur das Begräbnisritual auf dem Friedhof in der ul. Miodowa erhalten. Ein Teil des Gebäudes an der ul. Skawińska, welches bis zum Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts der Sitz der Tarbud-Grundschule war, wurde von einer Genossenschaft übernommen. Neben der Kongregation, die die festliche Matze und täglich ca. 30-40 koschere Mahlzeiten ausgab, funktionierte bis 1969 auch die Krakauer Abteilung der weltlichen Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Juden (ul. Sławkowska 30).


Im Jahre 1990 zählte die Jüdische Kongregation 229 Mitglieder (Männer und Frauen) und war die größte in Polen. Um das Jahr 1995 herum verringerte sich diese Zahl auf 164 (auch die einstige Bezeichnung der Gemeinde wurde wiederhergestellt). 1985 fand in Krakau die seit 35 Jahren erste Bar Mitzwa statt, im Jahre 1994 hingegen die erste Hochzeit nach 38 Jahren, wobei die Ehegatten nicht aus der Krakauer Gemeinde stammten. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden mit Sitz in der ul. Sławkowska 14 reaktiviert. Neue Bildungs- und Kulturinitiativen sowie jene, die sich mit dem Schutz des kulturellen Erbes befassten, wurden von der Stiftung von R. Lauder und der Familie Nissenbaum unterstützt. Die Wiedergeburt der jüdischen Kultur in Krakau wird von der Tätigkeit des Zentrums für Jüdische Kultur sowie dem Festival der Jüdischen Kultur in Kazimierz gefördert. Ab 1997 ist die Stadt erneut Sitz des Rabbiners. Tomasz Gąsowski


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Fußnoten
  • [1.1] Hierbei handelt es sich nicht um jene „Ghettos“, die von den Deutschen als „jüdische Wohnviertel“ zur Zeit des Holocaust errichtet worden sind.
  • [1.1.1] [a] [b] Hierbei handelt es sich nicht um jene „Ghettos“, die von den Deutschen als „jüdische Wohnviertel“ zur Zeit des Holocaust errichtet worden sind.
  • [1.2] Die bereits in Polen stationierten Soldaten der 1918 unter Gen. Józef Haller erschaffenen Polnischen Streitkräfte in Frankreich.