Einrichtung des Ghettos und Lebensbedingungen
Das Ghetto von Lwów entstand im Herbst 1941. Den Quellen zufolge entschied man sich im September oder November jenes Jahres hier ein Ghetto einzurichten.
Für das Ghetto war das nord- westliche Stadtgebiet, in den Stadtteilen Zamartynow und Kleparow bestimmt. Nach einigen Monaten wurde das Ghetto im August 1942 eingezäunt. Seine Grenzen lagen: im Osten in der Zamarstynowska- Straße, im Süden auf dem Bahndamm, und im Norden bei einem Gebäude in der Zamartynowska-Straße 105. Es waren arme Bezirke mit ebenso ärmlichen Behausungen. 1941 wurde die nicht- jüdische Bevölkerung aus diesem Bezirk ausgesiedelt. Die Juden wurden zum Verlassen ihrer Häuser gezwungen und mussten in das Ghetto ziehen. Die Besatzer bewilligten den Juden ein Gepäck von 25 Kilogramm. Viele Umsiedler waren nicht imstande eine neue Unterkunft zu finden, sie lebten auf den Straßen und Hinterhöfen des Ghettos. Die offizielle Zuteilung von 3 Quadratmetern pro Person erwies sich als Illusion. Durchschnittlich befanden sich 10 Personen in einem Zimmer.
Ende 1941 brach im Ghetto aufgrund der sanitären Verhältnisse eine Epidemie aus. Daher wurde die vollständige Umsiedlung der Juden bis ins Frühjahr 1942 verschoben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschrieb Adam Landsberg die Verhältnisse im Ghetto so:
"In der zugeteilten Wohnung war es so eng und es wohnten dort so viele Menschen, dass es unmöglich war, sich zu Hause zu fühlen. (...) Wir schliefen auf einer Treppe oder auf Balkonen. Später brachte uns mein Onkel auf einen Dachboden, in dessen Haus er wohnte. Es war einfach schrecklich. Typhus war überall anzufinden, die Menschen starben wie Fliegen und ihre Leichen lagen auf den Straßen." [[Quelle: Landsberg, A: AŻIH „Erinnerungen“,301/199]]
Die Juden, die ins Getto gesteckt wurden, fanden sich in einer völlig neuen ökonomischen Situation wieder. Meist hatten sie keine Möglichkeit Geld zu verdienen. Ohne Geld, oder nur mit sehr kleinen Ersparnissen ausgestattet, sahen sie dem Elend direkt ins Gesicht. Hinzu kam, dass die Deutschen den Juden aus Lwów 1941 zwei große finanzielle Verpflichtungen auferlegten. Eine dritte Sondersteuer in Höhe von 10.000.000 Zloty wurde ihnen im Juli 1942 auferlegt.
Der Mangel an ausreichender Lebensmittelversorgung stellte ein großes Problem dar. Juden konnten nicht auf dem Markt einkaufen und die Lebensmittelpreise stiegen mehrfach an. Filip Friedman beschreibt in seinem Flugblatt "Die Vernichtung der Lemberger Juden" die Lebensmittelversorgung folgendermaßen: „Die Ernährungsrationen für Juden waren lächerlich klein, sie betrugen etwa 10% der deutschen und 50% der polnisch-ukrainischen Rationen. Juden bekamen täglich 10dkg Brot (später wurde diese Zahl auf 50 dkg pro Woche reduziert), 10 dkg Zucker monatlich (diese Menge wurde leider nur selten verteilt), und gelegentlich, im Schnitt alle drei Monate, 500 g schwarzen Salz und 20- 40 dkg Judenmehl, 20 dkg Marmelade, und 1/2 Liter Essig.
Im Herbst 1942 wurde das Ghetto eingezäunt. Die Grenzen des neuen jüdischen Bezirks wurden von der ukrainischen Polizei überwacht und ein Verlassen des Ghettos war streng verboten. Nur jüdische Arbeiter, die auf der „Arischen Seite“ für das Dritte Reich arbeiteten, konnten das Ghetto verlassen. Die Verwaltung des Ghettos wurde dem Judenrat übertragen. Sein erster Vorsitzender hieß Joseph Parnas. Seine Amtszeit dauerte nicht lange an, denn er wurde im Herbst 1941 ermordet.
Seine Pflichten wurden von seinem bisherigen Stellvertreter, Awram Rotfeld übernommen. G. Landsberg und Edward Eberson folgten ihm als Vorsitzende.
Die Ordnung im Ghetto wurde vom jüdischen Ordnungsdienst aufrecht erhalten, der Ende 1941 etwa 500 Mitglieder zählte. Die jüdischen Polizisten bekamen Uniformen der polnischen Polizei mit einem Davidstern zugeteilt, sowie Mützen mit der Aufschrift JOD.
Die Abkürzung JOD stand für „Jüdischer Ordnungsdienst Lemberg“. Im Rahmen ihres Dienstes gab es Ordnungs-, Kriminal-, Militär- und Sonderabteilungen, sowie 4 Dienststellen.
Zwangsarbeit.
Die Ghettobewohner wurden in 2 Gruppen aufgeteilt: Eine erste- die sich zur Arbeit für das Dritte Reich eignete, und eine zweite- der Rest. Zur ersten Gruppe gehörten Ingenieure, Spezialisten verschiedener Branchen, Arbeiter in deutschen Fabriken, Apotheker, Ärzte, Mitglieder des Judenrats und Beamte des Jüdischen Ordnungsdienst. Spezielle Dokumente bestimmten die Nützlichkeit eines Ghettobewohners.
Die Juden wurden zur Arbeit für die Besatzer gezwungen. Sie arbeiteten in Betrieben außerhalb und innerhalb des Ghettos, u. a. bei Schwartz und Kremin. Der Tagelohn von 5 Zloty pro Mann und 4 Zloty pro Frau wurde auf das Konto der SS und der Distriktpolizei überwiesen.
Im Ghetto gab es 5 Zwangsarbeitslager. Das Größte befand sich in der früheren Maschinenfabrik „von Steinhaus“ in der Janowska- Straße 134, die von den Deutschen Ausrüstungswerken (DAW) übernommen wurde.
Im Juli 1942 wurde die Filiale von der SS übernommen und im Herbst wurde das Lager in ein Konzentrationslager umgewandelt.
Wegen der hohen Sterblichkeitsrate der Häftlinge wird das Lager in der Janowska-Straße in der Nachkriegsliteratur oft als Todeslager bezeichnet. Anfangs nahmen die Lemberger Juden die Arbeit in DAW- Betrieben teilweise freiwillig auf, denn eine Beschäftigung in der deutschen Industrie war mit einem Schutz vor Übergriffen verbunden. Mit der Zeit brachten die Deutschen Arbeiter in das Lager, die vom Judenrat ausgewählt oder bei Straßenrazzien festgenommen wurden. Ab 1942 wurden auch Juden aus anderen Städten ins Lager Janowska hingebracht, u.a. aus Przemysl [Premissel] und Drohobycz. Nach der Auslese wurden nur gesunde und arbeitsfähige Männer von Deutschen zur Arbeit bestimmt. Im März 1943 entstand im Lager eine Frauenabteilung. Die Häftlingszahl schwankte. Historische Quellen geben uns lediglich Auskunft über die Zahl der Häftlinge vom 1. März 1943. Damals lebten 15.000 Juden in der Janowska-Straße. Im September 1941 wurde ein Barackenkomplex errichtet und das Lager wurde mit Stacheldraht umzäunt und von Wachtürmen umgeben. SS-Männer wurden mit der Überwachung des Lagers betraut, dabei wurden sie auch von ukrainischen Wachmännern unterstützt. Die Häftlinge waren in Holzbaracken ohne sanitäre Einrichtungen und ohne Heizungen einquartiert. Langen Pritschen ohne Wolldecken und Bettzeug, die gemeinsam genutzt werden mussten, dienten als Schlafplatz. Ein großes Problem war der Mangel an sanitären Einrichtungen. Für einige tausend Häftlinge waren nur ein paar Latrinen und Waschräume vorhanden. Der überall herrschende Schmutz, Läuse und die Erschöpfung der Häftlinge bildeten die Ursachen für viele Erkrankungen, u.a. für eine Typhusepidemie. Dank der Bemühungen des Judenrats wurden die Kranken einige Zeit lang ins Krankenhaus in der Stadt verlegt. Später wurde im Lager ein Krankenhausblock geschaffen, der aber in Wirklichkeit ein Ort war, wo die Menschen einfach starben ohne Medikamente und eine angemessene medizinische Versorgung zu erhalten. Schwerkranke wurden erschossen. 150g Brot, Malzkaffee und eine wässerige Suppe, zu deren Zubereitung man Kohl, Graupen und Kartoffeln benutzte, bildeten die tägliche Ernährungsration.
Die kalorienarmen Mahlzeiten machten eine Erholung unmöglich. Die Häftlinge wurden in den Werkstätten des Lagers zur Reparatur von Kriegsgerät ausgenutzt. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit betrug 10- 12 Stunden. Nach Beendigung des offiziellen Arbeitstages wurden die Juden oft von den Deutschen zu sinnlosen und erschöpfenden Beschäftigungen gezwungen, bei denen oft Baumaterialien- Ziegel, Balken und Bretter- von Ort zu Ort getragen werden mussten. Diese Arbeiten mussten ohne Unterbrechungen ausgeführt werden. Im Lager herrschte Terror. Das Schlagen der Häftlinge, sowie Exekutionen und Folter waren an der Tagesordnung. SS- Männer quälten und ermordeten die Häftlinge auf verschiedene Art und Weise. Bei Kälte hängten sie sie ein paar Stunden auf den Kopf, ließen sie nackt im Freien stehen oder tauchten sie in Fässer mit eiskaltem Wasser. Sie wurden oft erschossen oder erstickt. Zeitweise führten die Nazis Selektionen durch, bei denen sie Kranke und Schwache aussonderten. Diese wurden dann in der Nähe des Lagers erschossen, im sogenannten „Tal des Todes“. Filip Friedman schrieb in seinem Buch "Die Vernichtung der Lemberger Juden" über die Selektionen im Lager Janowska: „Ab und zu brachte man einige Tausende Häftlinge nach Piaski, um sie zu töten. Dabei sah die Selektion ganz einfach aus: Man organisierte einen so genannten Todeslauf. Die laufende Häftlingsmasse wurde von zwei Seiten von SS- Männern umstellt, die den Läufern Beine stellten oder sie durch Gewehre beim Laufen hinderten, auf den Kopf schlugen oder auf sie schossen. Wer stolperte und auf den Boden fiel, wurde zur Seite gezogen, zur vorher vorbereiteten Gruppe der „Endgültigen Toten“, d. h: der Kranken, Behinderten und Schwachen.
Terror
Seit der deutschen Besetzung von Lwów lebten die Juden stets in großer Gefahr. Exekutionen waren an der Tagesordnung. Schon bei der Zwangsumsiedlung ins Ghetto wurden viele Menschen ermordet. Die Bahnbrücke, die über die Paltewna- Straße führte, erfreute sich aufgrund der Tatsache, dass hier Wachmänner oft auf Juden schossen, eines schlechten Rufes und wurde umgangssprachlich oft als Todesbrücke bezeichnet. Hunderte von Menschen wurden in Piaski erschossen, nicht weit vom Lager in der Janowska-Straße entfernt. Um die Disziplin im Ghetto aufrecht zu erhalten, führten die Nazis öffentliche Exekutionen durch. U.a. wurden im Herbst 1942 einige Mitglieder des Judenrats mitsamt dessen Vorsitzenden Henryk Landsberg erhängt. Die Leichen wurden für ein paar Tage zur Schau gestellt. Die Deutschen plünderten das Ghetto oft und zwangen dessen Bewohner zur Abgabe von Pelz- und Wintermänteln. Man führte auch Straßenrazzien durch und schickte die aufgegriffenen Menschen in Zwangsarbeitslager. Mehrmals wurde die Stadt von Bettlern und alten Menschen „gesäubert“.
Widerstandsbewegung.
1942 bildete sich im Lemberger Ghetto eine Widerstandsgruppe, die u.a. von den sozialistischen Aktivisten, M. Breit, J. Rappapart, A. Erlich, J. Beis, A. Gorwicz und J. Blumental gegründet wurde. Die Mitglieder der Bewegung wollten Waffen erwerben, in die nahe gelegenen Wälder fliehen und dort den Partisanenkampf aufnehmen. Ein Teil von ihnen verwirklichte dieses Ziel. Das Organ der Widerstandsbewegung war die Zeitschrift „Tygodnik Lwowski“ [Lemberger Wochenschau], die von M. Breit und M. Kantor herausgegeben wurde. Nach einer Aussiedlungsaktion im März 1942 verteilte man Flugblätter, in denen man die Menschen zum Bau von Bunkern und zum Sammeln von Waffen aufforderte.
Auflösung des Ghettos
Eine der größten Deportationsaktionen im Lemberger Ghetto fand im März 1942 statt. Gruppen von jüdischen Arbeitern drangen zusammen mit jüdischen Polizisten und deutschen Soldaten über 2 Wochen lang in Wohnungen ein, um alte, kranke, arbeitslose und bedürftige Personen zu finden. Die Deutschen logen die Juden an und versicherten ihnen, dass sie in Arbeitslager transportiert werden und ließen sie ein Gepäck von bis zu 20 Kilogramm, 200 Zloty, sowie Nahrungsmittel mitnehmen. Die Opfer wurden an einem Sammelpunkt in der Sobieski- Schule in der Zamastynowska- Straße gesammelt, von dort brachte man sie mit Zügen in das Vernichtungslager Bełżec.
Aufgrund von Platzmangel, Schwäche, Wassermangel und dem Fehlen von Lebensmitteln starben viele Menschen noch in den Zügen. Die Aktion endete am 1. April 1942. Infolge der Deportationen im März kamen ca. 15.000 Menschen in Gaskammern ums Leben, die in insgesamt zehn Transporten dorthin gebracht worden waren. Die nächste Aktion, die als „Blitzaktion“ bezeichnet wurde, fand am 24. Juni 1942 statt. An diesem Tag drangen SS-Sturmeinheiten, die von der ukrainischen Polizei, dem SD und der Schupo unterstützt wurden, in das Ghetto ein. Man warf viele Menschen kurzerhand aus ihren Häusern, insbesondere Frauen, Kinder und alte Menschen. Sie wurden gruppenweise in das Lager in der Janowska- Straße geführt und dort erschossen. Einen Teil brachte man nach Bełżec. Während dieser Aktion kamen 5.000- 8.000 Menschen ums Leben.
Vom 10.- 29. August 1942 fand die sogenannte „Großaktion“, die im Zeichen des „Kampfes gegen Regimegegner“ stand, statt. Über 2 Wochen lang entfernten die Nazis und ihre Verbündeten die Ghettobewohner mit größter Brutalität aus ihren Häusern. Sie führten außerdem eine Straßenrazzia durch. Die Schule in der Zamartynowska- Straße und der Theodor-Platz wurden erneut zum Sammelpunkt der jüdischen Bevölkerung auserkoren. Von dort aus brachten die Deutschen die Juden in Zügen zur Bahnstation Kleparow. Die Menschen wurden förmlich in die engen Waggons gestopft. Während der viele Stunden dauernden Verladung der Gefangenen wurden viele Menschen ohnmächtig und starben aufgrund von Schwäche und einem Mangel an Wasser und Lebensmitteln. Bei der Aktion wurden viele Menschen erschossen und ihre Leichen markierten das Ghettogebiet und die Bahnstation. Die Leichen warf man in die gleichen Waggons wie die Überlebenden. Anschließend fuhren die Züge nach Bełżec ab.
Alexander Kruglow zitiert in seinem Werk „Die Deportation der jüdischen Bürger in das Vernichtungslager von Bełżec“ einen Auszug von SS- Oberstürmführer Kurt Gerstein, der im August 1942 Zeuge der Ankunft der Lemberger Juden in Belzec war, aufgrund von Aussagen, die dieser im Mai 1945 tätigte. „Der Zug aus Lwów beinhaltete: 45 Waggons mit 6700 Juden, von denen 1450 bereits tot waren. Der Zug stoppte. 12 Ukrainer schoben die Türen zur Seite und trieben die Juden unter Schlägen mit Lederknüppeln hinaus. Folgende Befehle wurden mittels eines Megaphons übermittelt: Zieht euch komplett aus, mitsamt der Prothesen und Brillen, usw. Gebt alle Wertsachen ab! Bindet euch die Schuhe genauestens zu! Die Frauen und Mädchen schickte man zum Friseur, der mit zwei oder drei Schnitten die Haare abschnitt und sie in einen Kartoffelsack warf. Dann begann der Trupp ins Lager einzuziehen. Voran schritt ein junges, bildhübsches Mädchen. Alle waren nackt; Männer, Frauen, Kinder. Mütter mit ihren Kindern im Arm traten langsam in die Gaskammern ein. Am Ende war es in den Gaskammern sehr eng. Die Menschen standen nebeneinander: 700-800 Menschen auf 25 Quadratmetern. SS- Männer drängten so viele von ihnen zusammen, bis überhaupt kein Platz mehr war. Die Türen wurden geschlossen, andere nackte Menschen mussten draußen Schlange stehen. Die Abgase eines Dieselmotors sollten die Menschen töten. Der Dieselmotor funktionierte jedoch nicht. Erst nach 2 Stunden und 49 Minuten begann er zu arbeiten. Weitere 29 Minuten vergingen. Nun waren die meisten vermutlich tot, was man auch durch ein kleines Fenster sehen konnte, wenn das Licht auf die Leichen fiel. Nach 28 Minuten atmeten nur noch wenige Menschen. Schließlich, nach 32 Minuten, lebte niemand mehr. Die Menschen aus dem Arbeitstrupp öffneten die gegenüberliegende Holztür. Die weichen, vor Schweiß und Urin stinkende Leichen, deren Beine von Gedärmen und Blut besudelt waren, zog man nach draußen. Die Leichen der Kinder wurden weggeworfen. Die Knuten der Ukrainer pfiffen unter unserem Kommando. Die Zahnärzte brachen mit Zangen oder Hämmern goldene Zähne und Zahnkronen aus den Kiefern. In der Nähe ging der Lagerkommandant Wirth spazieren. Er war ganz in seinem Element. Einige Arbeiter suchten in den Geschlechtsorganen und Därmen nach Gold, Brillanten und Wertgegenständen. Die nackten Leichen wurden auf Tragbahren in ein Loch mit einer Größe von 100x20x12 Metern geworfen.“
Die Großaktion forderte etwa 50.000 Menschenopfer.
Im November kam es zur nächsten Deportationswelle. Unter dem Vorwand, Dokumente zu kontrollieren, hielten die Deutschen ca. 10.000 Menschen fest. Diese fielen ebenfalls den Gaskammern von Bełżec auf so grausame Weise zum Opfer.
Im Januar 1943 wurde das Ghetto von den Deutschen offiziell in ein so genanntes „Judenlager“ umgewandelt. Das jüdische Lager wurde kurz als „Julag“ bezeichnet. Zu dieser Zeit kam es zur nächsten Deportationswelle. Das Julag wurde im Juni 1943 aufgelöst. Am 1. Juni marschierten Polizeieinheiten, die von mit Flammenwerfern ausgestatteten Truppen unterstützt wurden ins jüdische Stadtviertel ein. Diesmal aber entschieden sich die Mitglieder des Jüdischen Untergrunds für den bewaffneten Kampf. Zur Verwunderung der Deutschen wehrten sich die Juden einige Tage lang erfolgreich, indem sie Feindpositionen beschossen und mit Granaten bewarfen obwohl sie nicht ausreichend militärisch geschult waren und keine angemessene Ausrüstung zur Verfügung hatten. Aber der Feind gewann letztlich die Oberhand. Die Deutschen zerstörten mithilfe von Flammenwerfern die in den Gebäuden verborgenen Bunker. Ein Teil der Mitglieder der jüdischen Kampfgruppe kam ums Leben, als sie versuchten aus dem Julag zu fliehen. Die Niederschlagung des Widerstands dauerte fast einen Monat.
Am 18. November wurden die jüdischen Häftlinge im Lager in der Janowska-Straße von den Nazis getötet. Polizeieinheiten umstellten das Lager und errichteten eine Absperrung. Die Häftlinge wurden auf dem Appellplatz gesammelt, gruppenweise nach Piaski geführt und dort erschossen. Dann brachte man jüdische Arbeiter aus anderen Zwangsarbeitslagern in Lwów in dieses Lager. Auch sie wurden in Piaski erschossen.
Ab der zweiten Hälfte des Jahres 1943 versuchten die Deutschen erfolgreich die Spuren ihres Verbrechens zu verwischen. Die so genannte Todesgruppe, die aus jüdischen Häftlingen gebildet wurde, grub unter der Kontrolle von Beamten des Sonderdienstes Nr. 1005 die Leichen aus und verbrannte sie. Am 20. November 1943 leisteten einige Mitglieder der Todesgruppe Widerstand. Die Mehrheit von ihnen kam ums Leben, nur wenigen gelang es zu fliehen. Das Lager in der Janowska-Straße war bis Mitte 1944 in Betrieb. Einige Hundert Polen, Ukrainer und Juden, die in der Stadt aufgegriffen wurden, lebten hier.
Das Ghetto von Lwów zählte zu den größten Ghettos in den besetzten Gebieten. Man schätzt, dass die Nazis auf diesem Gebiet, mitsamt dem Lager Janowska, etwa 40. 000 Menschen ermordeten. Ungefähr 65.000 Menschen starben in den Gaskammern der Vernichtungslager. Die übrigen 15.000 Menschen starben vor Hunger und Krankheit oder gerieten in Zwangsarbeitslager. Nur wenigen gelang es zu entkommen und das Ende des Krieges zu erleben.
1992 wurde das J. Schmukler- und J. Sternstein- Denkmal zum Gedenken an die Opfer des Ghettos von Lwów enthüllt.
