Die ersten Erwähnungen über jüdische Siedler in Częstochowa stammen vom Anfang des 18. Jahrhunderts, obwohl die Stadt in dieser Zeit über das Privileg de non tolerandis Judaeis,  verfügte, welches über die ganze Zeit vor den Teilungen gültig war und erst nach den Reformen des 4-jährigen Sejms (1778-1882) abgeschafft wurde. Eines der frühesten erhaltenen Dokumente, das ihre Anwesenheit auf diesem Gebiet belegt, spricht über einen Vertrag zwischen dem Juden Mosiek und dem Bürgermeister sowie dem Stadtrat. Der Vertrag betrifft ein Darlehen für die Entrichtung der Kontribution, welche von den Schweden im Jahre 1705 der Stadt auferlegt wurde. Im Gegenzug erlaubten die Stadtherren Mosiek im alten Teil der Stadt solange zu leben, bis sie ihm die Schulden abzahlen würden.  Im Jahre 1756 lebten 56 jüdische Familien in Częstochowa[1.1].

Betonenswert ist die Tatsache, dass Mitte des 18. Jahrhundert im hiesigen Gefängnis Jakub Frank (1726-1791), der berühmte Verfechter des Frankismus, festgehalten wurde. Er wurde 1760 vom Rabbinergericht der Gotteslästerung schuldig gesprochen und im Gefängnis in Częstochowa festgesetzt. Dort verbrachte er 13 Jahre bis zur Befreiung durch den russischen General Bibikow. Trotz seiner Gefängnisstrafe konnte Frank um sich zahlreiche Anhänger versammeln.

Wahrscheinlich unter der Herrschaft von König Stanislaus II. August Poniatowski (1764-1794) widmeten sich Juden dem Kleinhandel und der Weberei. Sie unterstanden dabei der Gemeinde in Janów, wo auch die Verstorbenen aus Częstochowa beigesetzt wurden. Das erste Gebetshaus wurde in einer privaten Wohnung von N. Berman am Stary Rynek 15 gegründet. Es wurde 1756 geschlossen, als die Alte Synagoge erbaut wurde (Ecke ul. Nadrzeczna 32 und ul. Mirowska).

Die Situation der Juden in Częstochowa begann sich nach 1793 zu verbessern, als die Stadt unter preußische Herrschaft gelangte. Im Jahre 1798 entstand eine eigenständige jüdische Gemeinde, ein Jahr später auch ein jüdischer Friedhof. Wiederum 1806 wurde eine jüdische Schule eröffnet. Ein Jahr später wurde Częstochowa Teil des Herzogtums Warschau. In dieser Zeit lebten 496 Juden in der Stadt (14,8% der Stadtbevölkerung). Im gesamten Landkreis hingegen lebten 1310 Juden, was 18,8 % der Gesamtbevölkerung ausmachte. Dies bedeutet, dass ein Drittel der hiesigen Juden in Częstochowa lebte. Die jüdische Gemeinschaft stellte in den umliegenden Dörfern ca. 2% der Bevölkerung dar.

Anfang des 19. Jahrhunderts kamen aus Schlesien nach Częstochowa viele deutsche Handwerker und Unternehmer. In dieser Gruppe befanden sich auch Juden. Der Unterschied zwischen den armen polnischen und den wohlhabenden deutschen Juden war zur damaligen Zeit sehr prägnant. Die reichsten unter ihnen stellten für ihre Kinder Privatlehrer ein, die oftmals aus dem Ausland kamen. Im Jahre 1818 arbeiteten in Częstochowa zwei ausländische Lehrer: Leon Gotenberg aus Glogau sowie Wilhelm Imier aus Praschkau. Auf diese Weise gewann die jüdische Gemeinde in der Stadt eine recht große Zahl an Juden, die sich für Assimilation und einen entsprechenden Lebensstil aussprachen. Im Jahre 1818 wandte sich eine Gruppe gebildeter Juden an die Stadtverwaltung mit dem Vorschlag, sie wären bereit, sich „europäisch“ zu kleiden und ihre Kinder in Privatschulen zu schicken. Die reichsten und am besten assimilierten Juden wohnten außerhalb des „jüdischen“ Teils der Stadt. In dieser Zeit existierten in der Stadt zwei jüdische Schule, eine Elementarschule und eine Talmud-Schule, die von 100 Kindern besucht wurden. Darüber hinaus gab es eine Handwerksschule mit 80 Schülern, eine Gärtnerschule mit 30 Schülern sowie ca. 50 Cheder-Schulen mit insgesamt 4000 Schülern. Allgemein lernten in Grund- und Mittelschulen 4945 jüdische Kinder[1.2] 

Im Jahre 1827 lebten in der Stadt 1141 Juden, womit sie 18,5 % der Stadtbevölkerung stellten. In dieser Zeit tauchen die ersten Informationen über jüdische Industriebetriebe in der Stadt auf. Diese waren besonders für die ärmeren Juden aus den umliegenden Dörfern interessant, da sie hier Arbeit finden konnten. Sie besaßen dafür aber kein Recht, legal in Częstochowa zu wohnen, weswegen sie in ständiger Angst vor der Ausweisung aus der Stadt leben mussten. Im Jahre 1829 waren es ca. 100 solcher Arbeiter vom Land. Eine kleine Gruppe von Juden widmete sich zudem dem Schmuggel über die nahegelegene Grenze. 1828 eröffnete Dawid Gutenberg die erste jüdische Manufaktur in Częstochowa.

Der Vorsitzende der Gemeinde in den 30er Jahren war Herc Kon (1789-1862), ein Befürworter der Assimilation. Im Jahre 1841 umfasste die Gemeinde in Częstochowa die Juden aus den Städten Częstochowa und Mstów sowie den Dörfern Rędziny, Łojki, Łochynia, Grabówka, Lubojenka, Wyczerpy, Radostków, Lubojnia, Kiedrzyn, Kościelec, Błeszno, Konin, Wikłów, Wierzchowisko, Kamienica Polska, Nowa Wieś i Kazimierz. Der Vorsitzende der Gemeinde Herc Kon unterstützte die Bestrebungen der Juden aus Częstochowa, eine private jüdische Schule zu eröffnen. Viele Juden besaßen eine Hochschulausbildung, die sie an westlichen Hochschulen erlangten. Sie beabsichtigten fortschrittliche Reformen in der Stadt durchzuführen. Ebenfalls die jüdischen Handwerker waren Befürworter der Assimilation. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entschied sich eine relativ große Zahl der Juden zur Bekehrung zum Katholizismus. 

Im Jahre 1840 lebten in der Stadt 2999 Juden, womit sie 59,9 % der Stadtbevölkerung stellten. Aufgrund der sich vertiefenden Armut und des Hungers begann die jüdische Gemeinde in den Jahren 1847-1848 Hilfsaktionen für Bedürftige zu organisieren. Doch die Gemeinde war für solch wohltätige Handlungen nicht vorbereitet. Allgemein gesagt bezeichneten sich wohlhabende Juden als „Einheimische“ oder „Einwohner“, im Gegenteil zu den Ärmeren, die als „Unbekannte“ galten. Diese Abneigung führte dazu, dass viele Juden sich nach Lodz begaben, um Arbeit zu suchen. Der hiesige Korrespondent der „Allgemeinen Zeitung Des Judentums“ Icchak Burszytnowski, appellierte an die Juden aus Częstochowa, um den Armen systematisch Hilfe zu leisten. Der Appell brachte aber keine größeren Effekte.

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte sich weiterhin die Wirtschaft der Stadt und mit ihr der Wohlstand der Juden, der es ermöglichte, während der Cholera-Epidemie 1852 weitaus besser organisierte Maßnahmen einzuführen. Nicht nur den Opfern der Epidemie wurde geholfen, denn auch Präventionsmaßnahmen, die die armen Juden vor der Erkrankung schützen sollten, wurden unternommen.

Im Jahre 1858 lebten in der Stadt 2976 Juden, was 34,5 % der Stadtbevölkerung ausmachte. Die Juden aus Częstochowa waren gesellschaftlich sehr vielseitig, den Wohlstand einer Familie konnte man einfach an ihrem Wohnort erkennen. Eine konventionelle Grenze war die ul. Warszawska und die ul. Krakowska. Im Stadtzentrum (Aleja Najświętszej Maryi Panny, ul. Piłsudskiego, Garibaldiego, Wilsona) lebten die wohlhabenden Juden. In der Altstadt hingegen, in den Mietwohnungen in den engen Straßen (Targowa, Garncarska, Kozia, Gęsia, Ptasia, Nadrzeczna, Senatorska, Spadek und Mostowa) lebten Handwerker, Kaufleute und Arbeiter. Ihre Einnahmen konnten nicht immer die alltäglichen Bedürfnisse der kinderreichen Familien decken[1.3].

Am 8. September 1862 fand in Częstochowa eine patriotische Manifestation statt, an der Polen und Juden teilnahmen, die gemeinsam zur Ablehnung des russischen Jochs aufriefen. Als Vergeltung befahl der zaristische Leutnant Olejnicz seinen Soldaten die Altstadt zu plündern und niederzubrennen. Der Direktor des damaligen Gymnasiums Dawid Neufeld protestierte gegen diese Aktion, wofür sein Gymnasium von den Behörden geschlossen und er selbst aus der Stadt verwiesen wurde (er ließ sich in Warschau nieder). Der Kriegszustand wurde verhängt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Industrieentwicklung in Częstochowa. Es entstanden u. a. Druckereien, Zellulose-Fabriken und Glashütten, in denen einige tausend Arbeiter angestellt waren. Dies bewirkte, dass viele Juden aus den umliegenden Ortschaften in die Stadt zogen. Im Jahre 1900 lebten in der Stadt knapp 12 000 Juden, womit sie 29% der Stadtbevölkerung stellten. Die meisten trieben Handel oder arbeiteten in der Industrie bzw. im Finanzwesen. In der Stadt wurden jüdische Talmud-Schule gegründet. Im Jahre 1912 wurde in Częstochowa die erste Ausgabe der in Jiddisch verfassten Zeitung „Reklamenblatt“ veröffentlicht (bis 1913). Die erste lokale Tageszeitung, das „Czenstochower Tageblat“, wurde zwischen 1914 und 1919 herausgegeben.

In den Jahren 1899-1909 wurde die Neue Synagoge in der ul. Wilsona 16 erbaut.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hegten die Juden aus Częstochowa die Hoffnung in den neuen polnischen Staat, der die Gleichheit aller Bürger, ungeachtet des Glaubens versprach. Doch bereits am 27. Mai 1919 kam es zu antijüdischen Ausschreitungen, an denen auch die Soldaten von Gen. Haller teilnahmen. Bei den Unruhen kamen 7 Juden um, 32 weitere wurden verletzt.

Im Jahre 1921 lebten in der Stadt knapp 22 663 Juden, womit sie 28% der Stadtbevölkerung stellten. Zwei Jahre später gehörten rund 30 000 Juden der Gemeinde an, die außer in Częstochowa auch in folgenden Ortschaften lebten: Aniołów, Gnaszyn, Wyczerpy, Huta Stara, Brzeziny Wielkie, Raków, Dźbów, Blachownia, Ostrowy, Błeszno, Rędziny, Mirów, Nowa Wieś, Poczesna, Rększowice, Hutki, Kamienica Polska und Kiedrzyn. Der Sitz der Gemeinde befand sich damals in der Aleja Najświętszej Marii Panny 10. Die Kehillah verfügte über zwei Synagogen, ein Gebetshaus, eine Mikwe, einen Friedhof und einen Geflügelschlachter an der Ecke der ul. Mirowska und ul. Nadrzeczna. Darüber hinaus befand sich eine durch die Gemeinde verwaltete Handwerksschule in der ul. Garncarska 6/8. Eine Gärtnereifarm mit 17 Morgen Fläche war in der ul. Rolnicza gelegen. Neben den assimilierten Juden aus Częstochowa gab es zudem auch eine chassidische Gemeinschaft, an deren Spitze der Zaddik Icchak Majer Justman stand.

 Die jüdischen Einwohner der Stadt spürten recht stark die Konsequenzen der Wirtschaftskrise aus dem Jahre 1929. Dies resultierte u. a. aus der Tatsache, dass die meisten Juden ihr Geld mit Kleinhandel und Handwerk verdienten. Die Kraft des wirtschaftlichen Einbruchs schlug mit großer Wucht gegen die kleinen Unternehmer und Werkstätten ein, die nacheinander Bankrott gingen, was einen Anstieg der Arbeitslosenquote mit sich brachte[1.4]. In einer schwierigen Lage befanden sich vor allem die jüdischen Jugendlichen, die ihre Ausbildung nicht fortsetzen konnten und sich eine Arbeit für das niedrigste Gehalt suchen mussten. Der Prozess der Verarmung der jüdischen Gemeinschaft ist vor allem anhand der Zahlen bzgl. der eingetriebenen Steuern sichtbar. Die Daten aus Częstochowa, Będzin und Sosnowiec deuten darauf hin, dass 1933 insgesamt 58,6% der Mitglieder Gemeinde von der Steuerpflicht befreit waren, 20% hingegen zahlten unterschiedliche Beiträge in Höhe von 5 bis 10 000 Zloty. Dies bedeutet, dass ca. 78% der jüdischen Bevölkerung sich in einer überaus schwierigen materiellen Lage befand[1.5].

In der Zwischenkriegszeit wurden folgende Titel in Częstochowa herausgegeben: die Tageszeitungen „Czenstochower Cajtung” (bis 1939), „Unzer Wort” (do 1919), „Dos Naje Wort” (do 1925), „Arbeter Cajtung” (1923–1928); sowie die Wochenzeitschriften: „Dos Lebn” (1926–1927), „Di Cajt” (1927–1938), „Unzer Weg” (1930–1939) und andere.

Die Juden aus Częstochowa waren auch im gesellschaftlichen und kulturellen Leben sehr aktiv. Unter den 20 registrierten Gesellschaften sollten folgende an dieser Stelle erwähnt werden: die Gesellschaft für Wohltätigkeit für Juden, die Gesellschaft für Gesundheitsschutz, die Gesellschaft für die Förderung der Hygiene, die Gesellschaft für Unterstützung „Bejs Lechem“ (Kampf gegen das Elend), die Gesellschaft für die Unterstützung armer Juden, die Gesellschaft der Freunde des Jüdischen Kindes, die Gesellschaft der Inhaber von Konfessionsschulen, die Gesellschaft für die Hilfe für arme jüdische Mädchen, der Verein für die Hilfe für arme jüdische Mütter, die Gesellschaft für die Versorgung mit Kleidung „Linas ha-Cedek“, der Kreis der Frauen „Ezra“, die Gesellschaft für die Hilfe für jüdische Studenten, der Jüdische Verband der Kriegsinvaliden, die Gesellschaft der jüdischen Kriegsveteranen, Malbusz Keter Tora, die Gesellschaft „Szomrej Szabas“, die Gesellschaft „Jesziwa Keter Tora“, die Gesellschaft „Jesziwa Bnej Tora“, die Chewra Kadischa und andere[1.6].

Am 19. Juni 1937 kam es in Częstochowa, als Folge der vom Lager der nationalen Einigung geäußerten antijüdischen Deklarationen, zu einem Pogrom. Über drei Tage demolierten polnische Kampftruppen jüdische Geschäfte, Werkstätten und Wohnungen. Dabei plünderten und zerstörten sie privates Eigentum. Die Polizei blieb dabei passiv. Im Endeffekt wurden 20 Juden verletzt, 206 jüdische Familien hingegen beklagten materielle Schäden. Es wurden insgesamt 46 jüdische Geschäfte und 21 Wohnungen zerstört. Die Synagoge wiederum wurde in Brand gesetzt. Laut Polizeiangaben nahmen ca. 15 000 Polen an den Unruhen teil[1.7]. In den nächsten Wochen breitete sich die Pogromwelle auf die Ortschaften in der nahen Umgebung von Częstochowa aus: Kamińsk, Mstów, Żarki, Cykarzew, Radomsko, Koniecpol, Kleszczew, Przedbórz, Działoszyn und andere.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs besetzten die Deutschen am 3. September 1939 Częstochowa. Am Folgetag kam es zum sog. Blutigen Montag. Nach einer falschen Beschuldigung, dass ein Jude deutsche Soldaten beschossen hätte, begann ein über drei Tage andauerndes Massaker. Insgesamt wurde 990 Polen und 150 Juden erschossen. Das erste Opfer war Naftali Tanenboum, Inhaber einer Knopf-Fabrik in der ul. Piłsudskiego 7. Die Massenexekutionen waren mit Akten der Körperverletzung, Vergewaltigungen und Plünderung jüdischen Eigentums verbunden[1.8].

Im September 1939 verwüsteten die Deutschen die Alte Synagoge, am 25. Dezember hingegen legten sie die Neue Synagoge in Brand. Zeitgleich wurde der Judenrat in Częstochowa ins Leben gerufen. An dessen Spitze stand Leon Kapiński. Siehe: Auflistung der Mitglieder des Judenrats in Częstochowa.

In Oberschlesien sollten nach den ersten Plänen alle Juden in das Generalgouvernement ausgesiedelt werden, doch nach der Absage der dortigen Behörden entschied man sich, ein Ghetto zu errichten, in dem die jüdische Bevölkerung erst konzentriert und später im Zuge der Suche nach billiger Arbeitskraft selektiert werden sollte[1.9]. Noch vor der Gründung eines jüdischen Viertels musste der Judenrat seine Aktivitäten erweitern, um den Anforderungen und immer neueren Dekreten der deutschen Behörden gerecht zu werden. Im Dezember 1940 unterlagen dem Judenrat 21 Departements (darunter auch die jüdische Polizei), in denen 676 höhere und niedere Beamte der Verwaltung arbeiteten. Das Ghetto wurde im April 1941 auf Grundlage der Verordnung des Stadthauptmanns von Częstochowa Wendler vom 9. April 1941 (mit dem Datum des 7. April) über die Errichtung eines geschlossenen jüdischen Viertels in der Stadt, welches am 23. April 1941 geschlossen wurde, errichtet[1.10]. Im Ghetto wurden insgesamt 40 000 Juden eingeschlossen (vor der Liquidation befanden sich 48 000 Personen im Ghetto). Nach der Errichtung des Ghettos begannen die Deportationen der jüdischen Bevölkerung aus Częstochowa, u. a. zum Bau der Verteidigungsanlagen an der Grenze des Generalgouvernements mit der UdSSR oder in die Munitionsfabriken in Skarżysko Kamienna und Bliżyn. Insgesamt wurden 1941 aus Częstochowa ca. 3000 Juden deportiert. Die Liquidation des Ghettos begannen die Deutschen am 22. September 1942, beendet wurde sie hingegen am 8. Oktober 1942. In dieser Zeit wurden 38 250 Juden in das Vernichtungslager Treblinka II deportiert. Rund 2000 Personen wurden dahingegen an Ort und Stelle erschossen und in Massengräbern in der ul. Kawowa beigesetzt. Die Überlebenden (ca. 5000-6000 Personen) wurden im November 1942 in dem sog. kleinen Ghetto inhaftiert. Diese Häftlinge mussten in den Waffenwerken Hasag (Hugo Schneider AG) arbeiten. In den Jahren 1942-1943 erschossen die Deutschen 850 zufällig ausgewählte Juden. Anfang 1943 begann die Selektion der jüdischen Bevölkerung. Ein Teil von ihnen wurde u. a. in das Ghetto in Radomsko, andere wiederum in das Zwangsarbeitslager in Bliżyn deportiert. All jene, die als arbeitsunfähig eingestuft wurden (vor allem Kinder und Alte) wurden erschossen. Diese Aktion war eine Ankündigung der Liquidation des „kleinen Ghettos“, die die Deutschen am 26. Juni 1943 begannen. Das Unterfangen war mit dem Widerstand der Jüdischen Kampforganisation verbunden. Die Kämpfe endeten am 30. Juni 1943 mit einer Niederlage der Juden. Dabei wurden ca. 500 Personen bei lebendigem Leibe im Ghetto verbrannt. 

Die verbliebenen 3900 Juden wurden in drei Zwangsarbeitslagern inhaftiert: Apparatebau (Fabrik „Peltzer“), Warthewerk (Fabrik „Warta“) und Eisenhütte (Hüte in Częstochowa). Am 20. Juli 1943 wurde erneut eine Selektion der Häftlinge durchgeführt. Dabei wurden 300 Personen aus der Fabrik „Peltzer“ und weitere 100 Personen in der ul. Garibaldiego erschossen. Im Dezember wurden 1200 Juden in das Deutsche Reich deportiert. Die Männer wurden in das deutsche Konzentrationslager Buchenwald, die Frauen in das Konzentrationslager Dachau deportiert (alle wurden ermordet).

In der zweiten Hälfte des Jahres 1944 wurden zur Zwangsarbeit in Częstochowa Juden aus den liquidierten Ghettos in Lodz sowie den liquidierten Arbeitslagern in der Woiwodschaft Kielce und Radom (hauptsächlich Skarżysko-Kamienna) deportiert. Auf diese Weise stieg die Zahl der Häftlinge auf 10 000 Personen. In den Tagen 15. und 16. Januar 1945 wurde eine beschleunigte Evakuation von ca. 3000 Juden mithilfe von Zügen in die Konzentrationslager im Deutschen Reich durchgeführt (alle wurden ermordet).
In Częstochowa wurden 5200 Juden befreit. In den Konzentrationslagern Bergen-Belsen (15. April), Buchenwald (1. Mai) und Ravensbrück (5. Mai) wurden insgesamt 3000 Juden aus Częstochowa befreit[1.11].

Nach Kriegsende lebten in Częstochowa 5000 Juden. Die meisten von ihnen waren Häftlinge der deutschen Lager in Częstochowa und Umgebung. In der Stadt begann sich die jüdische Gemeinschaft schnell zu entwickeln. Es wurden Abteilungen unterschiedlicher Organisationen gegründet, darunter das Jüdische Komitee, welches dem Zentralkomitee der Polnischen Juden unterlag. Ferner wurden eine jüdische Schule und ein Waisenhaus sowie eine Abteilung der Kongregation des Mosaischen Glaubens in der ul. Garibaldiego 18 eröffnet. Ihre Aktivitäten nahmen auch die jüdischen Parteien in der Stadt auf, darunter der Bund und die zionistischen Organisationen, die neben der Realisierung ihres Programms sich für ihre Genossen und ihre Familien einsetzten. In den 1940er Jahren lebten viele Menschen dank der materiellen Hilfe des Joint Distribution Commitees sowie des Zentralkomitees der Polnischen Juden. Mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu schaffen, erschuf die Abteilung des Jüdischen Komitees in Częstochowa u. a. die Genossenschaft der Schneider und Schuster. Es entstanden zudem private Schneidereien, Schustereien und Tischlereien. Im Juni 1946 gab es ca. 2000 Juden in der Stadt, wenngleich das Pogrom in Kielce (4. Juli 1946) viele dazu bewegte, auszuwandern. Nach diesem Ereignis entstand am Jüdischen Komitee (wie im Falle anderer Ortschaften, in denen Juden lebten) eine Abteilung der Spezialkommission.

Im Umbruch 1949/1950 wurden die meisten jüdischen Institutionen und Betriebe in Częstochowa, wie auch in allen anderen Teilen Polens, liquidiert oder verstaatlicht. Am 29. Oktober 1950 wurde aus dem Zentralkomitee der Polnischen Juden und der Jüdischen Kulturgesellschaft die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden in Polen (TSKŻ). In Częstochowa entstand auch eine Abteilung dieser Gesellschaft, die in den 50er und 60er Jahren ihre Aktivitäten maßgeblich an Kinder und Jugendliche richtete. Im Rahmen ihrer Arbeit wurden u. a. Englischkurse sowie ein Theaterzirkel organisiert. Mitsamt dem 1957 in Polen gegründeten Verein zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft wurde in Częstochowa eine Regionalkommission errichtet, die u. a. einen Täschnerkurs angeboten[1.12].

Die Situation der jüdischen Einwohner in Częstochowa verschlechterte sich, wie auch in allen anderen polnischen Städten, mit dem Ausbruch der antizionistischen Kampagne in Polen im Sommer 1967. Der Höhepunkt der Kampagne waren aber die Ereignisse im März 1968. Die Konsequenz dieser Ereignisse war eine Migrationswelle, deren Folgen am Anfang der 70er Jahre sichtbar wurden, als die jüdische Gemeinschaft in Częstochowa aufhörte zu existieren.

Eine Wiedergeburt der jüdischen Gemeinde in Częstochowa ging mit dem Fall der kommunistischen Diktatur in Polen 1989 einher[1.13]. Damals nahm bspw. die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden in Polen wieder ihre Arbeit in Częstochowa auf. 

 

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Fußnoten

  • [1.1] Brenner L., The Rise of the Jewish Settlement in Czestochowa 1700–1939, [in:] Czenstochov; A new Supplement to the Book Czenstochover Yidn” [online] http://www.jewishgen.org/yizkor/Czestochowa/cze005.html [Zugriff: 15.04.2014]; Mizgalski J., Żydzi Częstochowianie, Częstochowa 2004.
  • [1.2] Szacki J., Jews in Czenstochowa Up to the First World War, [in:] The Jews of Czestochowa (Częstochowa, Poland), Translation of  Tshenstokhover Yidn”, Red. R. Mahler, New York 1947 [online]  http://www.jewishgen.org/yizkor/Czestochowa1/cze003.html [Zugriff: 15.04.2014].
  • [1.3] Mizgalski J., Żydzi Częstochowianie, Częstochowa 2004, passim.
  • [1.4] Borenstein J., Zagadnienia pauperyzacji ludności żydowskiej w Polsce, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1955, S. 9.
  • [1.5] Berenstein T., Walka KPP przeciwko pogromom, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1955, S. 12.
  • [1.6] Mizgalski J., Żydzi Częstochowianie, Częstochowa 2004.
  • [1.7] Berenstein T., Walka KPP przeciwko pogromom, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1955, S. 25.
  • [1.8] Orenstayn B., Czestochowa Jews in the Nazi Era, [w:] Czenstochov; A new Supplement to the Book Czenstochover Yidn (Częstochowa, Poland), Red. E.C. Singer, New York 1958 [online] http://www.jewishgen.org/yizkor/Czestochowa/cze039.html [Zugriff: 15.04.2014].
  • [1.9] Świerkosz K., Żydzi w obozach hitlerowskich na Śląsku Opolskim podczas II wojny światowej, [in:] 45. rocznica powstania w getcie warszawskim (19431988), materiały z sesji popularnonaukowej, Opole 1988.
  • [1.10] Rutkowski A., Zagłada Żydów w dystrykcie radomskim, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1955, S. 83.
  • [1.11] The Destruction of Czenstokov (Częstochowa, Poland), Red. S. Waga, Buenos Aires 1949 [online] http://www.jewishgen.org/Yizkor/Czestochowa2/Czestochowa2.html [Zugriff: 15.04.2014].
  • [1.12] Borkowski M., Kirmiel A., Włodarczyk T., Śladami Żydów: Dolny Śląsk, Opolszczyzna, Ziemia Lubuska, Warszawa 2008, s. 8; Brener L., Der jidiszer jiszuw in Czenstochow noch der cwejter welt-milchome (1945–1956), [in:] Czenstochov. A New Supplement to The Book „Czenstochover Yidn”, Red. S.D. Singer, New York 1958, S. 81–84; Namysło A., Utracone nadzieje. Ludność żydowska w województwie śląskim/katowickim w latach 1945–1970 / Lost Hopes. Jews in Silesian/Katowickie Voivodeship in Years 1945–1970, Katowice 2012, S. 40, 124, 141, 160, 168, 172.
  • [1.13] Borkowski M., Kirmiel A., Włodarczyk T., Śladami Żydów: Dolny Śląsk, Opolszczyzna, Ziemia Lubuska, Warszawa 2008, S. 8–10.