Das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz wurde 1940 im Stadtviertel Zasole in der polnischen Stadt Oświęcim, die nach Kriegsbeginn zusammen mit weiteren Gebieten von Kleinpolen an das Reich angegliedert wurde, gegründet. Zu Anfang sollte es ein Quarantänelager für 10 Tsd. politische Gefangene sein (Dezember 1939), jedoch letztendlich fiel der Entschluss, ein Konzentrationslager aufzubauen (September 1940). Die Bauarbeiten, bei denen 20 Backsteingebäude einer ehemaligen polnischen Kaserne umgebaut wurden, begannen Mitte April 1940. Zum Kommandanten wurde der einstige Leitr des KZ Sachsenhausen Rudolf Höss ernannt (4.05.1940).
Der erste Transport mit 728 polnischen politischen Gefangenen (darunter mehrere Juden) kam am 14. Juni 1940 im Lager an. Dieses Datum gilt als Beginn des Konzentrationslagers. Unter den Gefangenen befanden sich Mitglieder der Widerstandsbewegung und patriotischer Gruppierungen (vor allem Schüler und Studenten), Vertreter der gesellschaftlichen und politischen Eliten, katholische Geistliche und ab September 1940 auch all jene, die zufällig auf der Straße bei Razzien verhaftet wurden.
Die Gefangenen arbeiteten bei der Errichtung des Stacheldrahtzauns und der Aufstockung der Blocks, in Werkstätten sowie beim Abriss der von Polen in Zasole zurückgelassenen Häuser. Laut den damaligen Plänen des Kommandanten Höss sollten die Gefangenen in Zukunft vorwiegend in landwirtschaftlichen Betrieben außerhalb des Lagers arbeiten. Zu diesem Ziel wurde das sog. Interessensgebiet des KZ Auschwitz erschaffen, die 40 km² zwischen den Flüssen Weichsel und Soła umfasste. Die hier lebenden 8 Tsd. Polen wurden umgesiedelt, ihr Eigentum konfisziert und ihre Häuser schrittweise abgerissen, um Ziegelsteine für den Ausbau des Lagers zu gewinnen. Infolge der schweren Arbeitsbedingungen sowie der katastrophalen sanitären Bedingungen starben in Auschwitz bis Ende des Jahres rund 2 Tsd. von den 7,9 Tsd. deportierten Häftlingen.
Im Januar 1941 beschloss der Vorstand des deutschen Konzerns IG Farbenindustrie A.G. unweit von Oświęcim eine große Fabrik zu bauen, in der synthetischer Kautschuk sowie flüssiger Treibstoff produziert werden sollte. Auf Grundlage eines Abkommens mit Heinrich Himmler sollten die Häftlinge des Lagers einen großen Teil der Belegschaft beim Bau des Betriebs darstellen, was für beide Partner große Ersparnisse einbrachte. Die Bedürfnisse von IG Farben waren aber sichtlich größer als die Möglichkeiten des Lagers, obwohl immer mehr Transporte mit polnischen Häftlingen im Lager ankamen. Deswegen beschloss Himmler Anfang September 1941 ein zweites, weitaus größeres Lager, welches bis zu 100 Tsd. sowjetische Kriegsgefangene fassen sollte, zu errichten. Das Lager entstand im Dorf Brzezinka (Birkenau), knapp 2 km vom Hauptlager Auschwitz. Für den Bau des Lagers wurden die Ziegelsteine aus den abgerissenen landwirtschaftlichen Betrieben verwendet, später wiederum wurden hölzernen Baracken aus vorgefertigten Pferdeställen errichtet.
Die ersten Transporte sowjetischer Kriegsgefangener kamen im Oktober 1941 an. Aufgrund von Hunger, schwerer Arbeit, physischer Bestrafung und Krankheiten starben bis Januar 1942 rund 8,5 Tsd. von ihnen. Da auch von den 25 Tsd. polnischen Häftlingen bereits die Hälfte ihr Leben gelassen hat, beschloss Himmler am 25. Januar 1942, dass statt Häftlingen nach Auschwitz (und auch Lublin) 100 Tsd. Juden und 50 Tsd. Jüdinnen deportiert werden sollten. Sie sollten aus den Todestransporten ausgeschlossen und als Arbeitskraft für die umliegende Industrie, Landwirtschaft und in den Werkstätten der SS ausgenutzt werden.
Kurz zuvor begannen Truppen der SS das Gas Zyklon B in Auschwitz anzuwenden, um Massenmorde durchzuführen. Die ersten ihrer Opfer waren sowjetische Kriegsgefangene sowie andere Häftlinge und Patienten des Lagerkrankenhauses, die Anfang September 1941 in den Kellerräumen des Blocks 11 umgebracht wurden. Drei Wochen später wurde die Leichenhalle im Krematorium zur Gaskammer umfunktioniert. Ende März 1942 wurden ferner zwei Gaskammern im Randgebiet von Birkenau im sog. Bunker ("rotes Haus"), also einem Wohnhaus, aus dem ein polnischer Landwirt zuvor vertrieben wurde. Mitte April wurde ein Sonderkommando aus Juden erschaffen. Diese Häftlinge mussten die Leichen aus den Gaskammern transportieren und sie im nahegelegenen Wald vergraben.
Die Massendeportationen von Juden nach Auschwitz begannen mit den Transporten aus der Slowakei (aus Žilina am 26.03.1942) sowie aus Frankreich (aus Compiègne am 30.03.1942). Anfangs bestanden diese Transporte nur aus jungen Menschen, die fähig waren, zu arbeiten. Der erste „Familientransport“, bei dem die Häftlinge einer Selektion unterzogen worden sind (Mütter mit Kleinkindern wurden dabei in Gaskammern umgebracht), Kam am 19. April aus Žilina ins Lager. Im Mai 1942 begannen die Deutschen Transporte von Juden, die nicht mehr arbeiten konnten, aus den Ghettos im Dombrowaer Kohlenbecken (Sosnowiec, Będzin, Dąbrowa Górnicza, Czeladź und andere Städte) nach Auschwitz zu schicken. Allgemein wurden bis Ende August in Auschwitz ca. 30 Tsd. Menschen umgebracht. Ab Juli kamen die Transporte mit Juden bereits regelmäßig im Lager an, hauptsächlich aus Frankreich, den Niederlanden und der Slowakei. Die Häftlinge wurden nach ihrer Ankunft einer Selektion an der Eisenbahnrampe im nördlichen Teil des Güterbahnhofs von Oświęcim unterzogen. Kinder, ältere Menschen und Kranke wurden mit Lkws direkt in die Gaskammern befördert, die übrigen mussten zu Fuß zum Stammlager oder nach Birkenau. Aufgrund der häufigen Selektionen wurden der Bunker II, in dem sich vier weitere Gaskammern befanden, in Betrieb genommen („weißes Haus”).
Am 17. Juli 1942 besuchte Heinrich Himmler Auschwitz. Bei der Inspektion sah er sich die Blocks, die Werkstätten sowie die landwirtschaftlichen Betriebe der SS an. Himmler war auch Zeuge einer durchgeführten Selektion sowie der Vergasung im Bunker II von Juden aus den Niederlanden. Himmler billigte die Verwaltung von Kommandant Höss und informierte ihn, dass er weitere Transporte ins Lager schicken würde. Zum Schluss befohl Himmler die Leichen der Opfer zu verbrennen.
Um die ihm auferlegten Aufgaben zu erfüllen beschloss Höss Mitte August am Waldrand in Birkenau große Gräben auszubuddeln, in denen sowohl die vom Sonderkommando aus den Massengräbern ausgegrabenen Leichen als auch die Opfer aus den Gaskammern verbrannt wurden. Höss erteilte ferner der Firma Topf u. Söhne aus Erfurt den Auftrag, drei neue große Krematorien zu errichten, von denen bereits eins gebaut wurde. Die neuen Krematorien sollten täglich ca. 4,4 Tsd. Leichen einäschern und über große (ca. 210 m²) Gaskammern verfügen. Die Bauarbeiten endeten zwischen März und Juni 1943. Die bisherigen Gaskammern sowie das Krematorium im Stammlager wurden daraufhin schrittweise stillgelegt.
Im Juli 1942 brach im Lager eine große Typhus-Epidemie aus, weswegen die Transporte zur Arbeit bei IG unterbrochen wurden. Die Ärzte der SS begannen daraufhin mit Massenselektionen sowohl in den Krankenbaracken als auch im Lager selbst (bei sog. Generalappellen). Infolgedessen befanden sich am 31. Dezember 1942 im KZ Auschwitz nur noch 24 409 Männer und 5398 Frauen. Im Jahre 1943 fiel die Zahl sogar um 71 150 Häftlinge. Wenn man davon ausgehen kann, dass ca. 4 Tsd. in andere Konzentrationslager deportiert bzw. entlassen wurden oder geflohen sind, starben in diesem Zeitraum letztendlich 67-68 Tsd. Menschen, davon über 30% in Gaskammern.
Aufgrund der Gefahr einer Epidemie in der Stadt beschloss die Verwaltung von IG Farben eine ihrer Baracken zur Einquartierung der Häftlinge zur Verfügung zu stellen (26.10.1942), womit das erste große Außenlager des KZ Auschwitz entstand (KZ Auschwitz III Monowitz). Ähnliche Schritte leiteten kurze Zeit später auch die Direktionen der Bergwerke in Jawiszowice sowie des Zementwerks und Steinbruchs in Goleszów. Letztendlich wurden 50 solcher Außenlager errichtet (die größten waren Blechhammer bei Kędzierzyn sowie Neu-Dachs in Jaworzno). Die Zahl der Häftlinge dieser Außenlager war Ende 1944 größer als die Summer aller Häftlinge in Auschwitz und Birkenau.
Da im Frühjahr und Sommer 1943 die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg, wurden die Selektionen von kranken Häftlingen zeitweilig gestoppt. Zeitgleich wurde das Lager Birkenau weiter ausgebaut - neben dem Lager für Frauen (gekennzeichnet mit Bla, später auch Blb) und dem Lager für Männer (Blb, später Blld) entstanden auch weitere Sektoren: die Quarantäne (Blla), für Kranke (Bllf), für Juden aus dem Ghetto Theresienstadt in Tschechien (Bllb) sowie für Roma (Blle). Im November wurde auch die Verwaltungsstruktur von Auschwitz geändert – statt einem Kommandanten (Höss) gab es drei: Arthur Liebhenschel (Stammlager Auschwitz I), Friedrich Hartjenstein (Auschwitz II – Birkenau) sowie Heinrich Schwarz (Auschwitz III – Monowitz und Außenlager). In der Praxis behielt jedoch der Kommandant des Stammlagers (Liebehenschel, ab Mai 1944 Richard Baer) als Befehlshaber der SS-Garnison den Oberbefehl über die übrigen Kommandanten und ihre Wachbataillone.
Ende 1943 fiel die Zahl der Transporte und somit auch der Häftlinge im Lager. Dies war dadurch begründet, dass zu dieser Zeit bereits die größeren jüdischen Zentren in Europa liquidiert wurden. Somit fiel die Zahl von 88 Tsd. im Dezember 1943 auf 68 Tsd. im März 1944, wobei jährlich ca. 80 Tsd. Menschen im Lager ihr Leben ließen. Erst die Deportationen von Juden aus Ungarn änderten diesen Trend - im Mai 1944 stieg die Zahl wieder auf über 90 Tsd. Häftlinge. Zeitgleich wurden Juden in sog. Übergangslagern inhaftiert (maßgeblich in den Sektoren Bllc und Blll). Diese Häftlinge erhielten keine Lagernummer und wurden in gesonderten Statistiken aufgeführt. Seinen Höhepunkt erlebte das Lager Auschwitz im August 1944 als 135 Tsd. Häftlinge innerhalb der Lagermauern inhaftiert war. Zu dieser Zeit begannen aber bereits die Vorbereitungen der Evakuierung – die SS-Truppen deportierten arbeitstaugliche Häftlinge nach Mittel- und Westdeutschland. Im Januar 1945 fiel die Zahl der Häftlinge auf 67 Tsd., von denen die meisten am 17. Januar in Todesmärschen nach Wodzisław Śląski und Gliwice gehetzt wurden, von wo sie mit Zügen in andere deutsche Lager deportiert wurden. Die verbliebenen 7 Tsd. wurden am 27. Januar von den sowjetischen Truppen befreit.
Insgesamt wurden in den 5 Jahren, in denen das Lager in Betrieb war, ca. 400 Tsd. Häftlinge registriert. Es waren hauptsächlich Juden (über 200 Tsd.), Polen (ca. 140 Tsd.), Roma (21 Tsd.) und sowjetische Kriegsgefangene (12 Tsd.). Die Hälfte von ihnen starb aufgrund von Hunger, Krankheiten, Exekutionen (durch Erschiessungskommandos oder Erhängung) sowie der Selektion in den Krankenhäusern, wo sie entweder Phenol-Spritzen erhielten oder vergast wurden. Einige der Häftlinge starben auch bei verbrecherischen Experimenten, die von den Ärzten der SS durchgeführt worden sind.
Die meisten der Opfer von Auschwitz (900 Tsd.) wurden jedoch unmittelbar nach ihrer Ankunft an der Eisenbahnrampe in Gaskammern umgebracht, darunter vor allem Juden aus Ungarn (330 Tsd.), Polen (255 Tsd.), Frankreich (40 Tsd.) sowie den Niederlanden, Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Österreich, Italien, Norwegen und anderen europäischen Ländern.
Von den 8,5 Tsd. im Lager tätigen SS-Männern wurden nach dem Krieg lediglich 700 vor Gericht gestellt. Die meisten Prozesse fanden in Polen Ende der 40er Jahre statt. Zum Tode wurden u. a. die Kommandanten Höss und Liebehenschel verurteilt. Weitaus weniger Urteile wurden in Deutschland in den 70er Jahren gesprochen (in Frankfurt am Main).
Auf Grundlage des vom Sejm 1947 verabschiedeten Gesetzes wurde das Gelände des Lagers zum Denkmal des Märtyrertums des polnischen Volkes und anderer Völker ernannt. Seit 1979 gehört das Lager zum UNESCO-Welterbe.
Auf dem Gelände des Lagers befindet sich heute das staatliche Museum Auschwitz-Birkenau. Im April 1967 wurde wiederum auf dem Gelände von Birkenau ein Denkmal zum Gedenken des Märtyrertums enthüllt.
dr Piotr Setkiewicz
Bibliografie:
- Auschwitz 1940–1945. Węzłowe zagadnienia z dziejów obozu, Red. W. Długoborski, F. Piper, Bd. 1–5, Oświęcim-Brzezinka 1995.
- Autobiografia Rudolfa Hössa, komendanta obozu oświęcimskiego, Warszawa 2003.
- Garliński J., Oświęcim walczący, Londyn 1974.
- Gradowski Z., Znajduję się w sercu piekła, Oświęcim 2017
- Cywiński P., Lachendro J., Setkiewicz P, Auschwitz od A do Z, Oświęcim 2013.
