Die jüdische Gemeinschaft erschien im 18. Jh. in Rożniatów (Roschnjatiw). Die Mehrheit der Juden wohnte in dem Ort selbst, nur einige Familien lebten in den Nachbardörfern Swaryczów (Swarytschiw) und Strutyń. Das Stadtzentrum von Rożniatów (Roschnjatiw) nannte man einfach “die Stadt”. Dort befand sich ein Marktplatz, bei dem eine hölzerne Synagoge (sie ist im Jahre 1923 niedergebrannt) und ein Bet- und Lernhaus (Bet Midrasch) standen. In der Nähe der Synagoge erhob sich auch ein chassidisches Altes Klojs (ein kleines Bethaus). Auf dem Marktplatz befand sich das beliebte Wirtshaus von Szabtaj Spiegel.
Im letzten Viertel des 18. Jhs. erfüllte der berühmte Gelehrte Arie Lejb Hakohen Heller (1745–1812) die Funktion des Rabbiners. Geboren in Kałusz (Kalusch) war er ein Schüler des Rabbiners Meszulam Igro aus Tyśmienica (Tysmenyzja). So wie sein Lehrer zählte er zu den Hauptgegnern des Chassidismus in Galizien. Er war der Autor von drei talmudischen Traktaten, von denen Kecot ha-Choszen (hebr. Reste des Brustpanzers) als der wichtigste galt. Im Jahre 1788 verließ Arie Lejb die Stadt, da er das Amt des Rabbiners in Stryj angenommen hatte[1.1].
Ein zahlenmäßiger Anstieg der jüdischen Bevölkerung erfolgte im 19. Jh., obwohl sie Ende des Jhs. durch intensive Emigration nach Amerika verkleinert wurde. Die einheimischen Juden waren vor allem Einzelkaufleute und Handwerker, aber einige beschäftigten sich ebenfalls mit Landwirtschaft und Tierzucht. Mitte des 19. Jhs. wurde eine neue gemauerte Synagoge eröffnet. An der Wende des 19. Jhs. bildete sich eine Schicht der jüdischen Intelligenz, die vor allem aus Beamten und Juristen bestand. Zwischen den Jahren 1900-1907 erfüllte Izrael Josef Glat die Funktion des Rabbiners.
Ende des 19. Jhs. begann sich in Rożniatów (Roschnjatiw) eine zionistische Bewegung zu entwickeln, angefangen von der Organisation Chowewej Zion (“Zionliebhaber”). Im Jahre 1909 eröffnete die Bewegung Safa Berura (hebr. Klare Sprache) eine hebräische Schule, die 106 Schüler in 4 Klassen erworben hat; die Einrichtung war auch im unabhängigen Polen tätig, wo sie ca. 200 Schüler hatte, darunter 138 Mädchen (1922). Im Jahre 1911 gründete der Rabbiner Abraham Zauerberg Misrachi - die Einheit der Religionsparteien von Zionisten. Nach dem ersten Weltkrieg sind die Einkünfte der sozialistischen Veranstaltung Poalei Zion bedeutend angewachsen. Ihre Anführer in Rożniatów (Roschnjatiw) waren Lejb Meisels und Mosze (Mosche) (Monio) Lusthaus. Auch die linksgerichteten Jugendorganisationen: Gordonia und Hashomer Hatzair hatten zahlreiche Mitglieder. Alle zionistischen Veranstaltungen brachten gemeinsam Mittel auf, um in Palästina Land zu kaufen. Damit beschäftigte sich der Jüdische Nationalfonds. Sein erfahrener Vorsitzender und gleichzeitig Anführer der Jugendveranstaltung „Akiba” war in Rożniatów (Roschnjatiw) Szimszon (Schimschon) Rechtschaffen.
In der Zwischenkriegszeit existierte im Städtchen eine jüdische Bibliothek mit über 2,5 Tsd. Büchern (Dir. Bencjon Horowitz), Sportklubs Makkabi und Ha-koach, sowie eine Theatergruppe, die Stücke von S. Alejchem, I.L. Perezc, S. Asch und A. Goldfaden aufführte. Die Aufführungseinkünfte waren für den Ausbau der Bibliothek bestimmt. Im Jahre 1939 wohnten in Rożniatów (Roschnjatiw) 1650 Juden (41,8% der Gesamtbevölkerung). Der letzte Rabbiner vor dem Holocaust war Józef Menachem Meczner aus Kraków[1.2].
Im Juli 1941 wurde die Stadt von den Deutschen besetzt. Die Juden aus Rożniatów (Roschnjatiw) wurden in Arbeitslager in den umliegenden Kreisen befördert, u.a. nach Skole. Am 27. August 1942 wurden alle ausgesiedelt, hauptsächlich ins Getto in Dolina, wo sie bald erschossen wurden. Eine kleine Gruppe geriet nach Bolechów[1.3]. Nach dem Einzug der Roten Armee im Jahre 1944 sind ins Städtchen nur etwa 10 Personen unter denen zurückgekommen, die im Jahre 1941 imstande waren, wegzufahren.
- [1.1] Aryeh Leib HaCohen Heller [in:] Wikipedia [online], http://en.wikipedia.org/wiki/Aryeh_Leib_HaCohen_Heller [Zugang: 18.12.2012].
- [1.2] B. Z. Horowitz, After the First World War [in:] Yizkor Book in Memory of Rozniatow [online], http://www.jewishgen.org/yizkor/rozniatow/roz103.html [Zugang: 22.12.2012]; Rozniatow [in:] Encyclopedia of Jewish Communities in Poland, Volume II [online], www.jewishgen.org/yizkor/pinkas_poland/pol2_00512.html [Zugang: 22.12.2012].
- [1.3] L. M. Sołowka, Rożniatow [in:] Hołokost na territorii SSSR, Red. I. A. Altman, Moskwa 2011, S. 862.
