Die jüdische Gemeinde in Wałbrzych entstand erst nach dem von König Friedrich Wilhelm III. am 11. März 1812 erlassenen sog. Emanzipationsedikt. Diese Verordnung machte aus Juden vollberechtigte Bürger des Königreichs Preußen. Der erste bekannte Name eines Juden in der Stadt war Moses Lax.

Seit 1859 gab es in der Stadt eine Zweigniederlassung der jüdischen Gemeinde in Świdnica, zu der sowohl die Juden aus Wałbrzych als auch 11 Familien aus den umliegenden Ortschaften gehörten. Im Jahre 1861 stieg die Zahl der jüdischen Einwohner im Landkreis auf 189. Im Jahre 1834 erwarb die jüdische Gemeinschaft ein Grundstück für die Errichtung eines Friedhofs, wenngleich dies nie umgesetzt wurde und die Verstorbenen in Świebodzice, Kamienna Góra oder Świdnica bestattet wurden. Erst in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts entstand in Wałbrzych ein jüdischer Friedhof an der Hermsdorfer Chaussee (heute Umgebung der 1 Maja Straße). Rund 40 Jahre später musste die Gemeinde den Friedhof aufgeben, da das umliegende Gebiet sich immer mehr industriell entwickelte (Bergwerke). Im Jahr 1902 begann man die Verstorbenen auf dem neuen Friedhof in der Friedländer Chaussee (heute Moniuszki Straße) zu bestatten. Zu Anfang versammelten sich die Juden aus der Stadt in Räumlichkeiten unweit des Hauptmarktes, um zu beten. Im Jahre 1882 wurde dann in der Wasserstraße (heute św. Jadwigi Straße) eine Synagoge errichtet, deren feierliche Eröffnung am 20. September 1883 stattfand.

Mit der zunehmenden Zahl an Mitgliedern fing die Gemeinde an, sich selbstständig zu machen. Nach Streitigkeiten mit der Gemeinde in Świdnica in den Jahren 1875-1878 bewilligte  die Königliche Regierung 1878 die Gründung einer eigenständigen Gemeinde in Wałbrzych. Das erste Statut der Gemeinde stammt vom 27. Mai 1879. Die Gemeindeverwaltung aus dieser Zeit bestand aus A. Raschkow, Salomon Böhm und Benno Lax. Es war die Blütezeit der Gemeinde in der Stadt, die im Jahre 1880 bereits 328 Mitglieder zählte. Rund 10 Jahre später fiel diese Zahl auf 253.

Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts lebten in Wałbrzych ca. 220 Einwohner jüdischer Abstammung. Im Jahre 1933 waren es nur noch 195, in den restlichen Ortschaften des Landkreises wiederum 127. Zu dieser Zeit bestand der Vorstand der Synagogen-Gemeinde aus Adolf Meyer, Dr. Leo Cohn sowie Hermann Wieser. Noch vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten kam es zu Angriffen auf jüdische Geschäfte und Händler. Mit der Zeit wurden diese stärker, weswegen viele der hiesigen Juden sich gezwungen sahen, auszuwandern.

Während der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es in der Stadt zu Unruhen bei denen jüdische Geschäfte verwüstet wurden und die Synagoge in Brand gesteckt wurde. Mitte 1939 lebten in Wałbrzych nur noch 28 Juden, im ganzen Landkreis – 38. Sie alle wurden zur Jahreswende 1940/1941 in Lager und Ghettos deportiert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen bereits Mitte Mai 1945 die ersten Juden, eine Gruppe von Häftlingen des Konzentrationslagers Gross-Rosen und seiner Nebenlager, die sich in der Nähe der Stadt befanden, wieder zurück. Im Juni lebten in der Stadt bereits 100 Personen jüdischer Abstammung. Kurze Zeit später war Wałbrzych das drittgrößte jüdische Zentrum in Niederschlesien (nach Dzierżoniów und Wrocław). In die Stadt wurden insgesamt 7 466 Juden umgesiedelt, wenngleich viele von ihnen sich nicht niederlassen wollten. Oftmals waren es Bürger anderer europäischer Länder, die planten in ihre Heimat zurückzukehren. Zusätzlich wurden die Bewohner der Ostgebiete der Zweiten Republik nach Niederschlesien umgesiedelt, darunter auch viele jüdische Repatriierte.

Im Dezember 1946 lebten in Wałbrzych 10 200 Juden, also 17,9% der Stadtbevölkerung. Im April 1947 waren es nur noch 4 891 Juden, darunter 2 607 Frauen und 2 284 Männer. Im Jahre 1948 stieg die Zahl wieder – laut den Schätzungen des Woiwodschaftskomitees der Juden in Breslau auf 6 744 Einwohner.

In der Stadt wurden drei jüdische Schulen, zwei Halbinternate, ein Internat für Jugendliche, einen Schulhort, eine Bibliothek, Gemeindeküchen und Kantinen eröffnet. Auch jüdische Parteien sowie das lokale Jüdische Komitee und die Kongregation des Mosaischen Glaubens waren in der Stadt aktiv. Laut Daten von Yad Vashem gab es in Wałbrzych drei Rabbiner – Chaskiel Grubner (Oberrabbiner von Wałbrzych), Elkune Zoberman und Mojżesz Halbersberg. Im Jahre 1922 waren 22 Personen bei der Kongregation angestellt, die den Friedhof, die Synagoge, das rituelle Tauchbad sowie die koschere Kantine verwaltete. Ferner war die Kongregation für Religionskurse für Schüler zuständig.

In Wałbrzych entstand darüber hinaus das jüdische Theater Renesans, in dem das kulturelle Leben gedieh – es wurden Künstler eingeladen, Lesungen Konzerte und Literaturtreffen organisiert.

Die Entwicklung des jüdischen Lebens in Wałbrzych wurde Ende 1949 gestoppt als die Auflösung von jüdischen Organisationen und Institutionen begann. Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhundert lebten in Wałbrzych noch rund 9 000 Juden, von denen die Mehrheit nicht vorhatte, die Stadt zu verlassen. Das Ende des jüdischen Lebens in der Stadt wird auf das Jahr 1968 datiert, wenngleich in der Stadt weiterhin die Kongregation des Mosaischen Glaubens bestehen blieb (heute eine Zweigniederlassung des Verbandes der jüdischen Glaubensgemeinden in Polen). Bis heute existiert in der Stadt auch die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden in Polen in Wałbrzych, die 2012 50 Mitglieder zählte. Die Zweigniederlassung der Kongregation sowie die Abteilung der SKGJ haben ihren Sitz in der Moniuszki Straße 13/15. In Wałbrzych befindet sich heute einer von drei jüdischen Friedhöfen in Niederschlesien, die weiterhin genutzt werden.

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