Tora

[hebräisch: Recht, Lehre]

Die fünf Bücher Mose [gr. Pentateuch], die den wichtigsten Teil des hebräischen Kanons der Heiligen Schrift bildet. Zu ihr gehören die Bücher: 1. Genesis, 2. Exodus, 3. Levitikus, 4. Numeri, 5. Deuteronomium. Umgangssprachlich nennt man sie auch „Chumasch“. Auf Hebräisch tragen diese Bücher folgende Namen (sie stammen von den ersten im Text stehenden Wörtern): „Bereschit“ [hebr. Am Anfang], „Schemot“ [hebr. Die Namen], „Wajikra“ [hebr. Und es rief], „Bemidbar“ [hebr. In der Wüste], „Devarim“ [hebr. Die Worte]. Gemäß der Überlieferung ist Moses der Autor dieser Bücher. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts unternommene Forschungen, die später von den heutigen Bibelforschern fortgesetzt wurden, bewiesen, dass die Thora eine Zusammensetzung vielfältiger Religionsliteratur unterschiedlichster Quellen ist. Die zwei ältesten Quellen sind: die südliche Quelle (der Name Gottes wurde mit Hilfe des Tetragrammes JHWH - Jahwe - geschrieben) und eine ein wenig jüngere nördliche Quelle (Gott wird dort als Elohim bezeichnet), die aus Zeiten Samuels (ungefähr 1050-1005 v. Ch.) stammt. Einige Passagen der Thora können dennoch aus Moses Lebzeiten stammen. Ein Teil des 5. Buch Mose wird auf die Reformenzeiten von Joschija (640-609 v. Ch.) datiert. Die endgültige Version des Pentateuch wurde ungefähr 622 v. Ch. fertiggestellt. Später folgten einige Modifikationen, damals entstanden die Bücher der Propheten und der Schrift, die zum hebräischen Bibelkanon hinzugefügt wurden (Tanach), der sich von der katholischen Bibel unterscheidet (die katholische Bibel enthält sieben Bücher mehr). Die Thora ist das heiligste Objekt der Juden. Die Pentateuchrollen, also die Thorarollen, die auf Pergamentpapier geschrieben sind und auf Holzwalzen aufgewickelt werden, wurden im Thoraschrein in der Synagoge aufbewahrt und von bestimmten Männern, die während der Andachten aufgerufen wurden, feierlich vorgelesen. Jüdische Mystiker glaubten, dass die Thora einen verborgenen Sinn hat und alle Geheimnisse des Universums sowie eine große magische Kraft in sich trägt. Die hebräischen Buchstaben, die den Text der Thora bilden, waren für sie ebenfalls von mystischer Bedeutung. Das Studium der Thora und des Talmuds ist für jeden religiösen Juden Pflicht. Die Frauen durften die Thora nicht lesen, ihr Wissen resultierte aus den Übersetzungen der wichtigsten Pentateuchspassagen ins Jiddische. Das Wort „Thora“ bedeutet für gläubige Juden im weiteren Sinne auch aus der Bibel abgeleitete Religionsprinzipien, Recht, jüdisches Wissen oder auch Lehre.

Alina Cała

Der Text stammt vom Portal Diapozytyw, früher Eigentum des Adam-Mickiewicz-Instituts.
Der nebenstehende Text stammt aus dem Buch „Historia i kultura Żydów polskich. Słownik“ („Die Geschichte und Kultur der Polnischen Juden. Glossar.“), dessen Autoren Alina Cała, Hanna Węgrzynek und Gabriela Zalewska sind. Das Buch wurde beim Verlag WSiP herausgegeben.

Die Übersetzung dieses Textes wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der:

Konrad Adenauer Stiftung Polska

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