Die Anfänge der Stadt Danzig reichen bis in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts zurück, als an der Weichselmündung eine Siedlung und ein Hafen entstanden. Dank der vorteilhaften Lage wurde die Siedlung bald zu einem wichtigen Handelszentrum. Kaufleute aus ganz Europa reisten hierhin, sicherlich waren unter ihnen auch jüdische Menschen. Es ist nicht bekannt, wann die ersten jüdischen SiedlerInnen Danzig erreichten, wenngleich bereits im 13. Jahrhundert jüdisches Handelswesen an der Weichsel existierte[1.1]. Die Entwicklung des Handels wurde aber durch die Besetzung der Stadt durch die Kreuzritter im Jahre 1308 gebremst. Im Jahre 1309 erließ der Großmeister des Ordens die Verordnung  de non tolerandis Judaeis, welche jüdischen Menschen den Aufenthalt und die Niederlassung in der Stadt untersagte. An der Wende zum 15. Jahrhundert wurde jüdischen Kaufleuten aus Litauen und Wolhynien aber gestattet, Handel zu treiben. Ferner existierte bereits im Jahre 1440 trotz des Siedlungsverbotes eine „jüdische Straße” in Danzig.

Im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts wurde Danzig zur bevölkerungsreichsten und wohlhabendsten Stadt in der Königlichen Republik Polen-Litauen (pol. Rzeczpospolita). Die überaus wohlhabende Stadt zog viele jüdische Kaufleute an. Zwar war im 16. Jahrhundert immer noch das Siedlungsverbot für jüdische Menschen gültig, doch einigen der wohlhabendsten von ihnen gelang es, königliche Privilegien für die Niederlassung in Danzig zu erhalten. Den übrigen gewährte man, am alljährlichen Dominikanermarkt teilzunehmen. Einige Kaufleute erlangten Privilegien für den Binnensee- und Seehandel: Im Jahre 1476 erhielten die Danziger Juden Zub und Michael die Servitute, in den Folgejahren waren es u. a. Chaim Samuelowicz aus Posen, Izaak Brodawka aus Brest oder der Schmuckhändler Juda Berlin aus Großpolen. Eine weitaus größere Gruppe stellten Faktoren dar – Mittler zwischen Adeligen und Kaufleuten, die Transaktionen im Holz- und Getreidehandel zwischen der Weichsel und der Ostsee durchführten. Für Sie entstand auf der Speicherinsel das koschere Gasthaus „Der Goldene Ring“. Im Jahre 1629 erhielten jüdische Menschen das Recht, sich auf der Insel niederzulassen.

Diejenigen jüdischen Personen, die dieses Recht nicht erhielten, siedelten sich wiederum in den Bezirken außerhalb der Stadt in den Häusern von Patriziern und Geistlichen an. Im 16. Jahrhundert begannen in den Ortschaften südlich von Danzig, in Alt-Schottland (poln. Stare Szkoty), Hopfenbruch (poln. Chmielniki), Weinberg (poln. Winnica) und Stolzenberg (poln. Chełm), jüdische Siedlungen zu entstehen. Jüdische Menschen waren damals vor allem im Handwerk und Handel tätig. Im 17. Jahrhundert kam es zur Verbindung der Gemeinden Alt-Schottland und Hopfenbruch (die Gemeinde hieß ab da Alt-Schottland) sowie der Gemeinden Weinberg und Stolzenberg (ab da Weinberg). Die Gemeinde Alt-Schottland verfügte im folgenden Jahrhundert über zwei Synagogen, eine Chewra-Kadischa-Bruderschaft (Beerdigungsgesellschaft), eine Glaubensschule, ein Krankenhaus, ein rituelles Tauchbad sowie eine Fleischerei. Die Gemeinde Weinberg baute ihre Synagoge im Jahre 1763. Beide Gemeinden teilten sich einen Friedhof (bis heute erhalten) in Stolzenberg, der wahrscheinlich zur Wende des 15. Jahrhunderts bzw. in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gegründet wurde. Die erste schriftliche Erwähnung des Friedhofs stammt aus dem Jahr 1694. Beide Gemeinden hatten auch einen gemeinsamen Rabbiner. Im Jahre 1752 wurde der aus Fordon bei Bromberg stammende Elchanan ben Samuel Sanwel Aschkenazi zum Rabbiner ernannt, sein Nachfolger Ende des 18. Jahrhunderts war Phoebus ben Meschullam, Lehrer und Rabbiner aus Prag. Im 16. und 17. Jahrhundert waren in der Stadt auch sephardische Kaufleute tätig, die auf dem baltischen Handelsweg durch die Hansestädte zogen. Einer von ihnen war Alvaro Diniz, dessen Geschäfte sich u. a. in Danzig und in Hamburg befanden. Von der Anwesenheit der sephardischen jüdischen Menschen zeugt das Bild des manieristischen niederländischen Malers Izaak van den Blocke Allegorie des Danziger Handels, welches jüdische Kaufleute in portugiesischer Tracht darstellt. Das Werk wurde 1608 im Gewölbe des Roten Saals im Rathaus der Stadt vollendet.

Relativ spät, erst zur Mitte des 18. Jahrhunderts, entstand eine Glaubensgemeinschaft in Langfuhr (heute Wrzeszcz). Die ersten jüdischen Menschen ließen sich Ende des 17. Jahrhunderts (ca. 1686) dort nieder, wenngleich der größte Zustrom in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu verzeichnen ist. Der wichtigste Siedlungspunkt war das heutige Zentrum von Langfuhr. Diese jüdische Gemeinschaft gründete einen eigenen Friedhof auf dem sog. Königshügel. Anfangs nutzte die Gemeinde in Langfuhr die Dienste der Chewra Kadischa aus Alt-Schottland, 1775 wurde jedoch eine eigene Beerdigungs-Bruderschaft ins Leben gerufen. Im Jahr 1749 existierte hier bereits eine organisierte jüdische Gemeinde, die sich nach der ersten Teilung Polens konstituierte. Um das Jahr 1775 erhielt die Gemeinde die Erlaubnis, eine hölzerne Synagoge sowie zwei Wohnungen an einem Ende des Grundstücks der Familie Wejher, unweit der östlichen Fassade des kleinen Marktplatzes, zu errichten. Ungefähr fünf Jahre später erwarb die Gemeinde ein Grundstück und errichtete auf ihm wahrscheinlich ein Tauchbad.

Ende des 18. Jahrhunderts, um das Jahr 1780, entstand das gemeinsame Rabbinat von drei vorstädtischen Gemeinden – Alt-Schottland, Weinberg sowie Langfuhr. An dessen Spitze stand der Rabbiner Meir ben Jehida Löb Posner Munk, sein Nachfolger war sein Sohn Chaim. Ein weiterer Oberrabbiner war der bis 1850 amtierende Israel ben Gedälja Lipschütz.

Im 18. Jahrhundert wurden zwei weitere jüdische Gemeinden gegründet. Die jüdischen Menschen, die sich im 17. Jahrhundert auf der Speicherinsel in Danzig niederließen, stellten eine Konkurrenz für die Danziger Bürger dar, die ihre Entfernung aus der Stadt forderten. Letztlich mussten die jüdischen EinwohnerInnen die Speicherinsel im Jahre 1723 verlassen. Sie kamen erst in den 1840er Jahren wieder zurück. Jüdische Menschen ließen sich in Mattenbuden (heute Szopy-Straße), in Langgarten (heute Elbląska-Straße) sowie in der Milchkannegasse (heute Stągiewna-Straße) nieder. Im Jahre 1745 verfügten sie bereits über eine organisierte Gemeinde und wahrscheinlich auch über ein Gebetshaus. Die Genehmigung für den Bau einer Synagoge erhielten sie erst Ende des 18. Jahrhunderts, im Jahre 1793. Diese Gemeinde wurde aufgrund der Herkunft ihrer Mitglieder als „polnische Gemeinde” bezeichnet. Es war eine orthodoxe Gemeinde, die über einen eigenen Rabbiner sowie eine Chewra Kadischa verfügte. Ihr erster Rabbiner war der im Jahre 1745 ernannte Mosche ben Chaim Chefez. Seine Nachfolger waren Izaak Itzig ben Elchanan Aschkenazi und Samuel Sanwel ben Jehuda Löb Rozenstein.

Eine zweite, sog. Danziger Gemeinde, wurde Ende des 18. Jahrhunderts von den 160 wohlhabendsten deutschen Menschen jüdischen Glaubens ins Leben gerufen. Diese durften auf Grundlage des 1773 von Friedrich II. erlassenen sog. Schutzprivilegs auf dem Gebiet der Stadt leben. Sie siedelten sich in der Breitgasse (heute Szeroka-Straße), neben dem seit Anfang des 18. Jahrhunderts existierenden Produktionsbetrieb für Liköre sowie dem Gasthaus „Unterm Lachs“, welches vom niederländischen Juden Izaak Wed-Ling erbaut wurde, an. Am alten Speicher am Stadttor wurde eine Synagoge eingerichtet, die im Jahr 1858 niederbrannte. Ein Jahr später wurde an der gleichen Stelle ein neues Gotteshaus erbaut, welches bis 1939 erhalten blieb. Die Synagoge verfügte über eigene Rabbiner, u. a. Markus Noach Perles (Mordechai ben Noach ha-Levi), Mosche Eliezer Thorner und seit 1853 Michael Levin Munk (Jechiel Arja ben Metijama ha-Kohen).

Zusammenfassend gab es Ende des 18. Jahrhunderts insgesamt fünf Glaubensgemeinden in Danzig. Drei in der Vorstadt – Alt-Schottland, Weinberg und Langfuhr, die einem Rabbinat unterlagen, sowie zwei eigenständige städtische Gemeinden – die „Danziger“ und die „polnische“ Gemeinde. In den Jahren 1772-1776 lebten in Alt-Schottland 584 jüdische Personen, in Weinberg 402, in Langfuhr 271 sowie in Danzig 650. Kraft eines Edikts von Joseph II. aus dem Jahre 1781 erhielt die Gemeinde den Status privater Vereinigungen, an dessen Spitze sich ein Ältester befand. Diese durften über eigene Orte des Kultes sowie Beerdigungsgesellschaften verfügen.

Die Kämpfe um Danzig während der napoleonischen Kriege führten zur Zerstörung der Vorstadt-Bezirke, weswegen die meisten der dort lebenden jüdischen Menschen nach Elbing oder Stolp auswanderten. Im Jahre 1807 wurde Weinberg niedergebrannt, der Friedhof in Stolzenberg hingegen wurde teilweise zerstört. Im Jahre 1813 wurden Viertel von Alt-Schottland und Langfuhr verwüstet. Nur die wohlhabendsten EinwohnerInnen konnten es sich leisten, in die Rechtstadt zu ziehen. Erst das preußische Emanzipationsedikt von 1812 ermöglichte dies auch den weniger wohlhabenden jüdischen Personen. Sie siedelten sich nördlich der Breitgasse (heute Szeroka-Straße) an. Die jüdischen Menschen aus Alt Schottland gründeten 1818 eine Synagoge in der Junkergasse 6 (heute Pańska-Straße). Bis 1845 wurde diese auch von der jüdischen Bevölkerung von Winnica genutzt, die später jedoch ein eigenes Gotteshaus in der Lavendelgasse 8 (heute Lawendowa-Straße) errichteten. Die Synagoge wurde von Rabbiner Israel ben Gedälja Lipschütz eingeweiht. Der Gemeinde in Langfuhr hingegen gelang es nach 1815 ihre hölzerne Synagoge wieder aufzubauen, wenngleich sie nach der erzwungenen Umsiedlung nach Danzig nur ein Haus in der Johanisgasse 67 (heute Świętojańska-Straße) mieten konnte. Dort befand sich neben der Synagoge auch der Sitz der Gemeindeverwaltung.

Vier der Gemeinden (außer der „polnischen“) schlossen sich 1884 zu einer Gemeinde zusammen. Es wurde damals der Bau einer gemeinsamen Synagoge, der so genannten Großen Synagoge, beschlossen. Diese wurde Ende 1887 An der Reitbahn (heute Bogusławski-Straße) eröffnet. Die Große Synagoge war ein imposanter Bau im Stil der niederländischen Neorenaissance, der an die Architektur Danzigs anknüpfte. Um Gelder für den Bau zu erlangen, wurden die Grundstücke, auf denen die Synagogen in Weinberg, Alt-Schottland und der „Danziger“ Gemeinde (in der Breitgasse) standen, verkauft. An der Spitze der neuen Gemeinde standen der Rabbiner Dr. Werner Kosman und der Vorsitzende der Gemeindeverwaltung Gustav Davidsohn, der Kaufmann war. Alle Rechte der bisherigen Gemeinden gingen an die neue Gemeinde über. Im Rahmen der Vereinigung der Gemeinden im Jahre 1881 wurde eine neue Schule gegründet, wenngleich die Gemeinden in Weinberg und Alt-Schottland weiterhin über eigene Cheder-Schulen verfügten. Die preußischen Behörden erlaubten den Unterricht des mosaischen Glaubens in den städtischen Schulen.

Die „polnische“ Gemeinde blieb bei ihrer Synagoge in der Mattenbuden (heute Szopy-Straße), wenngleich sie die Oberhoheit der vereinigten Gemeinde anerkannte. Im Jahre 1830 konstituierte sich eine neue Gemeindeverwaltung, an deren Spitze der wohlhabende Kaufmann Itzig ben Moshe Goldstein stand. Dank seiner Unterstützung wurde der Bau der Synagoge in der Mattenbuden 26 (heute Szopy-Straße) vollendet, allerdings brannte dieser schon ein Jahr später nieder. Der Wiederaufbau dauerte 5 Jahre und wurde 1844 dank einer hohen Spende von Salomon Friedlander beendet. Unweit der Synagoge befanden sich das Haus des Rabbiners, eine Cheder-Schule sowie eine Mikwe. Die „polnische“ Gemeinde verfügte über eine eigene Talmud-Thora-Vereinigung, die sich der Bildung der ärmsten Jugendlichen widmete.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die rechtliche Gleichstellung jüdischer BürgerInnen mit der christlichen Bevölkerung beschlossen wurde (1871), begann das jüdische wirtschaftliche und kulturelle Leben in Danzig aufzublühen. Sowohl Industrie als auch Handel gediehen. Es entstanden zahlreiche jüdische Betriebe, wie bspw. der Getreidebetrieb von Simon Anker, die Schokoladenfabrik von Moritz und Frank Cohn in Langfuhr, der Holzhandelbetrieb des Senators Julius Jevelovsky und der Gebrüder Lustig. Daneben gab es noch zahlreiche kleinere Geschäfte und Handwerksbetriebe.

Im 20. Jahrhundert entstanden in Danzig zahlreiche jüdische soziale und kulturelle Organisationen, u. a. die Gesellschaft für Jüdische Geschichte und Literatur, der Jüdische Sportverband sowie der Kulturbund, auf dessen Einladung u. a. Moses Schorr, Majer Balaban und Schalom Asch sowie Martin Buber zu Lesungen in die Stadt kamen. In der Zwischenkriegszeit agierten in der Stadt auch verschiedene politische Parteien, u. a. die Jüdische Volkspartei, die Zionistische Organisation, Poale Zion-Rechte, Poale Zion-Linke, Mizrachi sowie der Bund. In der Gemeinde hatten die prodeutschen jüdischen Mitglieder, die einen liberalen und assimilatorischen Standpunkt vertraten, den größten Einfluss. Dieser Kreis wurde u. a. vom Central-Verein Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens (kurz CV) vertreten. Es existierten auch Gewerkschaften, wie bspw. der Jüdische Akademikerverband. Auch polnische Menschen jüdischen Glaubens, die nach 1920 nach Danzig kamen, gründeten eigene Organisationen. In der Zwischenkriegszeit wurden in der Stadt darüber hinaus 15 jüdische Zeitschriften in Jiddisch und Deutsch herausgegeben. Im Jahre 1924 erschien die erste Ausgabe des „Jung-Jüdischen Bunds Danzig“ und im Zeitraum zwischen 1929 und 1939 wurde das „Jüdische Wochenblatt“ herausgegeben.

Zur Zeit der Pogromwelle nach 1881 im westlichen Teil des Russischen Reiches kamen rund 60 Tsd. Geflüchtete nach Danzig, die vom hiesigen Hafen aus Europa verlassen wollten[1.7]. Die meisten von ihnen versuchten in die USA oder nach Palästina zu gelangen. Dabei erhielten sie Unterstützung vom Danziger Rabbi, Dr. Robert Kaelter, sowie dem Gemeindevorsitzenden Feliks Fabian. All jene, die keine Erlaubnis für die Weiterreise erhielten, ließen sich in Danzig und den umliegenden Ortschaften nieder. Im Jahre 1920 erreichte Danzig eine weitere Welle jüdischer Geflüchteter, die aus Ostpolen vor der bolschewistischen Front flüchteten. Unter ihnen waren die meisten orthodoxe Gläubige, von denen ein Teil sich in Langfuhr niederließ, wo 1927 erneut eine Gemeinde gegründet und eine Synagoge erbaut wurden. In Langfuhr wurde auch eine Vereinigung konservativer jüdischer Menschen gegründet, an deren Spitze Dr. Herman Lewiński stand. Die restlichen Geflüchteten nahmen den Weg aus Danzig in die USA auf. Für Geflüchtete wurden zwei Lager eingerichtet – in Przeróbka und in den ehemaligen deutschen Kasernen in Nowy Port. Die Lager wurden 1924 geschlossen.

Ein Großteil der EinwohnerInnen der Freien Stadt Danzig waren Deutsche. Polen und Polinnen stellten ca. 12 %, jüdische Menschen hingegen 3 %. Die deutsche Stadtverwaltung sabotierte die Ausübung politischer und wirtschaftlicher Rechte der polnischen und jüdischen Minderheit. Die Repressionen nahmen nach der Machtübernahme Hitlers im Jahr 1933 zu. Kurz nach den Wahlen zur Danziger Volkskammer im Mai 1933 (die NSDAP erlangte über 50 % der Stimmen) gab es die ersten antisemitischen Zwischenfälle – jüdische Rechtsanwältinnen und -anwälte, ärztliches Personal, TheaterschauspielerInnen, Studierende oder ArbeiterInnen wurden schikaniert oder entlassen. Der damalige Vorsitzende des Senats Hermann Rauschning, ein gemäßigtes Mitglied der NSDAP, schloss mit der polnischen Regierung einen Vertrag bzgl. der Nutzung des Hafens ab – der Artikel VII garantierte jüdischen Handelsbetrieben freien Handel.

Im Jahre 1934 floh Rauschning ins Ausland, sein Nachfolger Arthur Greiser hingegen war Anhänger Hitlers. Im Sommer 1935 kam es zu den ersten organisierten Überfällen auf jüdische Geschäfte und Lager. Ähnlich sah die Lage auch in Zoppot (heute Sopot) aus. Im Jahre 1937 wurden auf Marktplätzen in Danzig, Langfuhr und Zoppot gesonderte Plätze für jüdische Menschen festgelegt. Die antijüdischen Unruhen nahmen zu. Es kam zu Überfällen auf Geschäfte und Privatwohnungen. Jüdischen Menschen wurde der Zugang zu Tauchbädern erschwert. Auch jüdische Unternehmen wurden nach und nach übernommen. Im Jahre 1938 wurde es jüdischen Personen untersagt, Theater, Kinos oder Hotels zu besuchen. Auch der Zutritt zu städtischen Bädern wurde noch einmal verschärft. Der Senat verabschiedete ein Berufsverbot für jüdisches ärztliches Personal, Rechtsvertretungen und NotarInnen. Weitere Dekrete machten es jüdischen Menschen unmöglich, in den Danziger Ämtern zu arbeiten und Waffen zu besitzen.

Im August 1938 schritten Nationalsozialisten erstmalig in die Große Synagoge ein. Dabei zerstörten sie die Thorarollen. Während den Novemberpogromen der sog. „Reichskristallnacht“, die sich in Danzig vom 12. auf den 13. September 1938 ereigneten, wurden die Synagogen in Wrzeszcz sowie jene in der Mattenbuden (heute Szopy-Straße) verwüstet.

Ab dem 21. September 1938 traten die Gesetze „zum Schutz deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ in Kraft. Jüdische Menschen flohen massenweise aus Danzig hauptsächlich nach Großbritannien, in die USA, nach Südamerika oder Palästina. Die Auswanderungswelle seit 1933 wurde nach 1937 noch einmal intensiver. Aufgrund von finanziellen Problemen verkaufte die Gemeinde dem Senat Grundstücke, auf denen sich Synagogen und Friedhöfe befanden. Die Gemeinde erhielt auch die Genehmigung, ihr mobiles Vermögen zu verkaufen oder aus Danzig zu transportieren. Ferner wurde die Unantastbarkeit des Friedhofes in Stolzenberg bis 1948 garantiert. Die so verdienten finanziellen Mittel wurden für die Emigration verwendet. Das Archiv der Gemeinde in der Großen Synagoge wurde nach Jerusalem gebracht, die religiösen Gegenstände und Judaika hingegen (u. a. die Sammlung von Giełdziński) nach New York (heute befinden sie sich im Jewish Museum in New York). Die große Bibliothek der Synagoge, die nach Vilnius gebracht wurde, gehört zu den Beständen des Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts (YIVO). Am Sabbat des 15. Aprils 1939, fand der letzte Gottesdienst in der Großen Synagoge statt, der vom Gemeindevorsitzenden Dr. Curt Itzig gehalten wurde. Bereits Anfang Mai begannen die Nationalsozialisten, das Gebäude abzureißen. Zuvor geschah dies mit der orthodoxen Synagoge in der Mattenbuden (heute Szopy-Straße). Die einzige erhaltene Synagoge in Langfuhr wurde zu einem Möbellager umfunktioniert.

Am 1. September 1939 wurde die Freie Stadt Danzig in das Deutsche Reich eingegliedert. Für die geringe Zahl jüdischer Menschen, die bis dahin in der Stadt geblieben waren, errichteten die deutschen Besatzer Ghettos, die sich in einzelnen Gebäuden befanden. Anfangs wurden 130 Personen im Gebäude in der Milchkannengasse (heute Stągiewna-Straße) untergebracht. Eine weitere Gruppe jüdischer Menschen musste im Mädchengymnasium Victoria Schule unterkommen, wobei alle mit roter Farbe auf der Stirn gekennzeichnet wurden. Es entstanden auch Lager in Orunia und Westerplatte. Im Jahr 1940 entstand im alten Speicher in der Mausegasse 7 (heute Owsiana-Straße) eine Ghetto für knapp 600 Menschen aus der ganzen Stadt. Die restlichen jüdischen EinwohnerInnen wurden in das Lager Stutthoff deportiert. Das Ghetto in der Mysia wurde 1943 liquidiert; die BewohnerInnen deportierte man in die Lager in Theresienstadt und Auschwitz. Den Holocaust überlebten nur rund 20 jüdische Menschen aus Danzig (aber auch über 300 Personen, die zum Christentum konvertierten). Die Deutschen hingegen verließen alle Danzig in den Jahren 1945-1946.

Nach dem Jahr 1945 wurde die neue jüdische Gemeinschaft in Danzig, nach dem Krieg – Gdańsk, von polnischen Menschen jüdischen Glaubens gegründet. Bereits am 1. Oktober 1945 wurde die Jüdische Religionsvereinigung in der Woiwodschaft gegründet, die 1946 in die Jüdische Glaubenskongregation umbenannt wurde. Nach einem Jahr zählte die Gemeinde bereits 1000 Menschen und übernahm die Synagoge in Wrzeszcz. Doch aufgrund der Emigration bis 1951 fiel die Zahl ihrer Mitglieder auf 400-500 Personen. Auch die Aktivitäten der Kongregation schwanden, der Sitz hingegen wurde 1950 den Behörden übergeben. Die Reaktivierung der Kongregation fand im April 1958 statt. Ein Jahr später entstand die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden in Polen (SKGJP). Die Danziger Abteilung der SKGJP, mit Sitz in der Aldony-Straße 6, existierte bis 1971. Fünf Jahre zuvor wurde die Tätigkeit der Kongregation aber wieder ausgesetzt. Grund hierfür waren wieder die hohen Auswanderungszahlen (167 Personen in den Jahren 1956-1967). Eine weitere Auswanderungswelle fand bis 1971 nach der antisemitischen Kampagne vom März 1968 statt. Zu dieser Zeit verließen weitere 116 Personen die Stadt. Seit 1971 existierte in Gdańsk keine jüdische Institution mehr.

Eine Renaissance erlebte die jüdische Gemeinschaft erst nach 1989. Wie Prof. Grzegorz Berendt schreibt, „kam es zur Kontaktaufnahme mit jüdischen Institutionen seitens von Personen, die sich bislang nicht darum bemühten, wie bspw. von jungen Leuten, oftmals aus christlich-jüdischen Familien”. Am 21. März 1994 fand die Gründungsversammlung der neuen Jüdischen Glaubensgemeinschaft in Gdańsk statt. Seit 1999 befindet sich ihr Büro im hinteren Teil der Synagoge, die in den Musikschulkomplex in Wrzeszcz umfunktioniert wurde. Im Jahre 1999 wurde die Jüdische Glaubensgemeinde in Gdańsk zu einer Filiale des Verbandes der Jüdischen Glaubensgemeinden in der Republik Polen. Ein Jahr später wurde eine weitere Gemeinde gegründet – die Unabhängige Jüdische Glaubensgemeinde in Gdańsk.

Siehe auch

Art. „Żydzi“, in: Encyklopedia Gdańska (online) <http://gedanopedia.pl/index.php?title=%C5%BBYDZI> [10.03.2020].

 

Print