Die Anfänge der jüdischen Ansiedlung in Stettin reichen bis ins Mittelalter zurück. Die ersten jüdischen Kaufleute könnten bereits im 10. Jahrhundert nach Pommern gekommen sein. Im Jahre 1261 verlieh Fürst Barnim I. den Juden ein Privileg, nach dem sie mit allen anderen Bewohnern des Fürstentums Pommern gleichgestellt waren. Zudem erhielten sie Zugang zu den Ämtern. Das Privileg stand in Verbindung mit der Verleihung des Magdeburger Rechts an die Stadt Stettin[1.1]. Das Privileg wurde von den Fürsten Otto I. (21. September 1308), Kasimir IV. des Jagiellonen sowie Swantibor III. (1371) bestätigt.

Im 13. und 14. Jahrhundert begannen Juden, vorwiegend reiche Kaufleute, sich allmählich in den pommerschen Städten auf Grundlage separater Bewilligungen niederzulassen. Im Jahre 1325 erhielt nach dem Eingreifen der Pommerschen Fürsten Barnim III. und Otto I. der wohlhabende jüdische Kaufmann Jordan, nach vorangegangener Zahlung einer Gebühr, das Privileg, sich mitsamt seiner Familie in Stettin niederzulassen. Er erhielt zudem die vollen Bürgerrechte. Höchstwahrscheinlich gingen die Fürsten davon aus, dass er zu einem Aufschwung im städtischen Handel beitragen würde. Dennoch wurde den Juden in späterer Zeit das Recht Immobilien zu erwerben sowie das Amt des Beamten zu bekleiden, verweigert. Es kam auch zu Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung. Darauf hatte vor allem die Verordnung von Bogislaw X. aus dem Jahre 1481 Einfluss, der entschieden gegen die Ansiedlung von Juden in den Städten Pommerns vorging.

Infolgedessen wurden die Juden in den Jahren 1492 bis 1493 aus dem gesamten Fürstentum Pommern vertrieben und kehrten erst im 17. Jahrhundert wieder zurück[1.2]. Es gibt aber Forscher, die der Ansicht sind, dass dies nicht alle Städte Pommerns betraf[1.3]. Wir wissen heutzutage nicht, wie die Lage der jüdischen Bevölkerung in Stettin Ende des 15. Jahrhunderts aussah. Doch anhand der Aufzeichnungen aus späteren Jahren lässt sich die Vermutung aufstellen, dass auch hier die Juden vertrieben worden sind.

Nach der Besatzung Stettins durch die Schweden im Jahre 1630 (was durch den Westfälischen Frieden, der 1648 in Osnabrück geschlossen wurde, bestätigt wurde), wurden weitere Einschränkungen gegen die jüdischen Bewohner der Stadt eingeführt. Zwar geben manche Historiker an, dass als Folge des Dreißigjährigen Krieges und der Entvölkerung der Städte, den Juden erlaubt wurde, sich in mehr Ortschaften niederzulassen als zuvor[1.4], jedoch wurde in Stettin ein absolutes Verbot für Juden verhängt. Sie durften in der Stadt nicht einmal kurz verweilen und wurden nur in Ausnahmesituationen in die Stadt gelassen. Genauso war es auch während der kurzen Zeit der brandenburgischen Herrschaft (1677-1679)[1.5], die Lage der Juden veränderte sich nicht. Die Bewilligung für den Aufenthalt in der Stadt wurde Juden nur in Ausnahmefällen erteilt und zwar nicht länger als zwei Tage, wie bspw. für Gerichtsverfahren oder wenn die hiesige jüdische Kommission es verlangte. Aus dieser Zeit stammt das Dokument vom 11. Januar 1678, in dem General Major Schwerin den Befehl erhielt, den Juden Moses Helmsted der Stadt, in der er sich illegal aufhielt, zu verweisen[1.6]. Laut der Verordnung aus dem Jahre 1683 hatte nur ein Jude das Recht, in Stettin zu leben. Dieser beaufsichtigte im Auftrag des Berliner Rabbinerrates den Handel mit koscherem Wein[1.7].

Während des Großen Nordischen Kriegs nahmen die Preußen Stettin im Jahr 1713 ein, was 1720 vom Friedensvertrag in Stockholm bestätigt wurde. Auch die preußische Herrschaft brachte der jüdischen Gemeinde keine Verbesserung ihrer Lebensumstände. Im Jahre 1721 erließ der preußische König Friedrich Wilhelm I. das Verbot für Juden, sich in Städten mit Festungscharakter niederzulaßen, darunter auch in Stettin[1.8].

1761 hingegen bestätigte Friedrich II. die alten Privilegien der Stadt, indem er den jüdischen Kaufleuten die Beteiligung am hiesigen Jahrmarkt untersagte. In der Stadt konnten nur diejenigen Juden verweilen, die Geld wechselten oder mit Edelmetallen handelten[1.9]. Ein Jahr später wurde die Verordnung über einen maximalen Aufenthalt in Stettin von ein bis zwei Tagen ein wenig gemildert. Jene Juden, die über einen Pass verfügten, der ihnen sowohl den Geldwechsel als auch den Handel mit Gold und Silber auf dem Gebiet Pommerns erlaubte, konnten sich seitdem um eine namentliche Bewilligung für einen längeren Aufenthalt in Stettin bemühen. Kurz darauf entschlossen sich die Behörden in Berlin, dass das in Stettin geltende Verbot für Juden auf den Jahrmärkten zu handeln, welches auf den alten Privilegien der Stadt basierte, weiterhin gelten sollte. Eine Ausnahme stellte der Jude Meyer Benjamin Levi dar, der eine einjährige Bewilligung erhielt, da er Waren für den Jahrmarkt in die Stadt transportierte. Ohne Einwilligung hätte er immense Verluste zu verzeichnen. Dabei wurde aber betont, dass er in Zukunft nicht mehr in Stettin handeln könne, da dies entgegen des Willens des Magistrats und der Bewohner der Stadt wäre.

Im 18. Jahrhundert wurden Juden vereinzelt in der städtischen Münze angestellt. Im Jahre 1753 arbeitete dort der Graveur Jakob Abraham Strelitz, der sich mit dem Prägen von Münzen und Medaillen beschäftigte. Zur gleichen Zeit versorgten die Brüder Moses Isaak und Daniel Itzig die Münze mit Silber[1.10].

In den Jahren 1772-1774 erwähnen die Stadtbücher drei Personen mosaischen Glaubens. Andere Juden konnten sich in der Stadt nur mit einem Passierschein und nur bis zum Abenddämmerung aufhalten[1.11]. Ein weiteres Dekret aus dem Jahre 1784 bestätigte erneut, dass in Städten wie Elbing, Magdeburg oder Stettin die jüdische Bevölkerung unerwünscht war.

Eine Wende im Leben der preußischen Juden kam erst im 19. Jahrhundert. Nach den Kriegshandlungen zur Zeit der napoleonischen Kriege führten die preußischen Behörden zwei neue Gesetze ein: ein städtisches im Jahre 1808 sowie ein emanzipatorisches im Jahre 1812, die die Situation der jüdischen Bevölkerung im Königreich Preußen veränderten. Laut dem ersten Gesetz wurden Juden zu Bürgern der Stadt ernannt, wenngleich erst das Edikt aus dem Jahre 1812, welches vom Fürsten Carl August Hardenberg vorbereitet und von König Friedrich Wilhelm III. unterzeichnet wurde, aus Juden volle Staatsbürger machte, die über das Recht verfügten, sich anzusiedeln, Immobilien in Städten zu erwerben und sich dem Handwerk zu widmen. Juden wurden auch zum damals Wehrdienst zugelassen, durch den man unter bestimmten Umständen in den Adelsstand erhoben werden konnte. Diese liberalen Verordnungen bewirkten einen massiven Bevölkerungszustrom in die Stadt, in der bis 1813 nur ein Jude mit besonderer Erlaubnis gelebt hatte, nämlich Chaim Coeslin mit seiner Familie, der unter der Aufsicht des Berliner Rabbinerrates den Handel mit koscheren Weinen beaufsichtigte[1.12]. Im Jahre 1820 stieg die Zahl der jüdischen Einwohner auf 106 Personen[1.13]. In den folgenden Jahren kam es erneut zu einem Zustrom von jüdischer Bevölkerung, vor allem aus der Umgebung um Posen.

Die Juden kamen nicht nur wegen der Aufhebung diverser gesetzlicher Einschränkungen in die Stadt, sondern auch weil nach dem Ende der napoleonischen Kriege und der Europa abbremsenden Kontinentalblockade, Stettin von einem Tag auf den anderen zu einer blühenden Hafenstadt wurde, die nach der Verbindung der Weichsel und der Oder mit dem Bromberger Kanal in einer weitaus besseren Lage war, als selbst Danzig oder Königsberg[1.14]. Die Stadt war auch wegen der voranschreitenden Industrialisierung sowie des sich dynamisch entwickelnden Handels und Handwerks ein attraktiver Ort zum Leben[1.15]. Im Jahre 1834 stieg die Zahl der jüdischen Einwohner auf 315 Personen[1.1.8].

Am 1. Juli 1816 gründeten die Stettiner Juden die Jüdische Gesellschaft, die anfangs 18 Mitglieder zählte und nur kurz darauf in die jüdische Gemeinde umgewandelt wurde. Über Jahrzehnte hinweg hatte die Stettiner Gemeinde viele herausragende Rabbiner, u. a. Wolf Aloys, Abraham Treuenfels, Heinemann Vogelstein, Moses Worms, Max Weiner, Dagobert Nellhaus, Max Elk und Karl Richter[1.16]. Im Jahre 1829 wurde in der Gemeinde die Synagogenordnung eingeführt (sie besaß damals schon eine Thora und andere Gegenstände des religiösen Kults). Seit 1840 nannte sich die jüdische Gemeinde nach ihrem Statut Israelitische Gemeinde, 1856 hingegen änderte sie wiederum ihren Namen in Synagogen-Gemeinde um. Anfangs bestand sie aus 40 Familien.

Die Aktivität der jüdischen Gemeinde in Stettin wurde u. a. bei der Organisation zahlreicher kultureller Veranstaltungen sichtbar, wie auch von Wohltätigkeitsveranstaltungen und der Förderung des Schulwesens. Die Gemeinde stellte viele Beamte ein. Neben den Vorstandsmitgliedern waren das die Rabbiner, Kantoren, Lehrer, Schlachter sowie Chorleiter[1.17]. Eines der bekanntesten Mitglieder der Stettiner Gemeinde war Nathan Marx (1873-1929)[1.18], der gemeinsam mit seiner Frau Grete aus Mainz in die Stadt kam. Marx war der Gründer einer gedeihenden und innovativen Fabrik für buntes Futter für Kleidung, Mitglied des Gemeindevorstands sowie Kunstmäzen. Er unterstützte u. a. den Stettiner Maler und Grafiker Lesser Ury[1.19]. Marx selber wurde von einem der herausragendsten Vertreter des deutschen Impressionismus, dem Maler und Grafiker Max Liebermann, porträtiert[1.20]. Er war außerdem Mitglied einer Gruppe, die zionistische Ideen unterstützte, wobei diese damals zur Minderheit in der Gemeinde gehörten.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Verwaltung der Stettiner Gemeinde weiter. Im Jahre 1822 entstand die Bestattungsbruderschaft, 1854 hingegen ein Waisenhaus, 1889 ein Altenheim. 1816 wurde ein Grundstück für den Friedhof sowie ein Platz für die Synagoge erworben, die in den Jahren 1834-1835 erbaut wurde. Anfangs war sie noch aus Holz und stand in der Podgórna Straβe (manchmal wurde als Adresse auch die Dworcowa Straβe angegeben)[1.1.16].

Obwohl der Erlass des Edikts aus dem Jahre 1812 einen entscheidenden Umbruch für die jüdische Bevölkerung mit sich brachte, erfolgte die volle Emanzipation der Juden im Königreich Preußen erst einige Jahrzehnte später. Erst im November 1847 erließ Friedrich Wilhelm IV. ein Gesetz über die Verhältnisse der Juden, welches die jüdische Bevölkerung sowohl in ihren politischen als auch bürgerlichen Rechten mit der christlichen Bevölkerung gleichstellte. Das Gesetz regelte ebenfalls zahlreiche rechtliche Angelegenheiten, die die Organisation und Funktionsweise der jüdischen Gemeinden betrafen. Es verlieh den jüdischen Gemeinden den Status unabhängiger und öffentlicher juristischer Personen mit eigenen Statuten und ohne übergeordnete religiöse Hierarchie. Im Jahre 1850 verabschiedete das preußische Parlament eine neue Verfassung, welche endgültig die Bürgerrechte der Juden bestätigte. Alle obigen gesetzgebenden Prozesse hatten Einfluss auf den Zustrom jüdischer Bevölkerung nach Stettin. Im Jahre 1840 lebten in Stettin 381 Juden, 1841 bereits 726 und 1871 waren es 1 823. Im Jahr 1880 lebten bereits 2 338 Juden in Stettin (die Stadt insgesamt zählte rund 88 000 Einwohner)[1.21].

Die Entwicklung der Stettiner Gemeinde bewirkte, dass es notwendig war, eine neue und größere Synagoge zu bauen. Im Jahre 1873 wurde auf Bitte von 900 Männern und 750 Frauen mit dem Bau in der Dworcowa Straße begonnen. Die neue Synagoge, die nach dem Entwurf des städtischen Ratsmitglieds Krühl errichtet wurde, zählte 16 000 Sitzplätze und konnte zudem noch 100 stehende Personen beherbergen[1.22].

Mitte des 19. Jahrhunderts wohnte der wohlhabendste Teil der jüdischen Gemeinschaft im Stadtteil an der Oder, zwischen den heutigen Wyszyński-, Farna- und Wyszaka Straβen, sowie im südwestlichen Teil Stettins: um das Hafentor in der Neustadt und in Oberwiek. 1910 lebten bereits 2 757 Juden in der Stadt, wenngleich ihre Zahl in den nachfolgenden Jahren sank. 15 Jahre später waren es nur noch 2 615, im Jahre 1930 – 2 703 und 1932 wieder nur 2 630 Juden[1.23]. Im Vergleich zu anderen Gemeinden in Pommern war die Stettiner Gemeinde allerdings sehr groß, weshalb sich das jüdische kulturelle Leben weitaus intensiver entwickelte, als in anderen Gemeinden. Über die Jahre hinweg war in der Gemeinde ein Chor tätig, der zum größten Teil aus Frauen bestand. Ferner arbeiteten zahlreiche Stiftungen für Kranke und Sozialhilfe eng miteinander zusammen. Unter den  jüdischen Organisationen Stettins verdienen folgende Erwähnung: der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Bund Jüdischer Soldaten, der Verband Nationaldeutscher Juden, die Stettiner Zionistische Vereinigung, der Israelitische Frauenverein, der Ruderclub „Viadrina” sowie der Tennisclub „1924”. Auch das künstlerische Leben blühte auf, u. a. schuf der jüdische Maler Julo Levin eines der schönsten Landschaftsbilder des Stettiner Hafens[1.24]. Im Jahre 1928 wurde die Bibliothek eröffnet, die ihren Lesern eine Sammlung von 1 500 Büchern und Zeitschriften zur Verfügung stellte. Ab 1929 wurde in der jüdischen Gemeinde ebenfalls eine Zeitung herausgegeben, die 1935 eine Auflage von 1 200 Exemplaren erreichte. Vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs fanden in der Gemeinde auch zahlreiche Vorlesungen und Kurse statt, für die die unterschiedlichen Vereine verantwortlich waren. Im Jahre 1927 plante der damalige Rabbiner Dr. Elk diese Aufgaben dem Gemeindevorsitz zu übergeben. Da aber nach 1933 die Nachfragen nach solchen Veranstaltungen sichtlich stiegen, wurde der Kulturbund ins Leben gerufen, der bis zu 630 Mitglieder der Gemeinde vereinte. Fest steht, dass die Mitglieder dieses Bundes ca. 25% der Gemeinde ausmachten, weswegen Schätzungen zufolge die Stettiner Gemeinde um das Jahr 1934 ca. 2 500 Mitglieder zählte. Der Kulturbund organisierte Theateraufführungen, Vorlesungen, Konzerte sowie Filmvorstellungen und war bis Februar 1940 aktiv.

Nach der Machtübernahme der NSDAP im Jahre 1933 war eines der ersten Ziele der neuen Behörden die Eliminierung der Juden aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben. In den Jahren 1934-1935 wurden in Stettin antijüdische Demonstrationen veranstaltet, die sich gegen die Kaufleute, Händler, Ärzte und Rechtsanwälte mosaischen Glaubens richteten. Im Laufe des Jahres 1935 erschien eine Reihe an ministerialen Gesetzen und Verordnungen der lokalen Behörden, die sich gegen Juden richteten, u. a. das Verbot von politischen Versammlungen oder der Nutzung von Sportobjekten. Auch Kontakte zwischen jüdischen und deutschen Künstlern sowie Sportlern wurden verboten. Ferner durften deutsche Rechtsanwälte keine jüdischen Klienten mehr haben und jüdische Ärzte nicht mehr in den Gesundheitsämtern tätig sein. Am 26. August 1935 wurde die „jüdische Kartei“ eingeführt. Auch wurden in Stettin immer häufiger Kundgebungen vor jüdischen Geschäften veranstaltet. Nach kurzer Zeit begannen auch Verhaftungen im Rahmen der sog. Schutzhaft, während die Demonstrationen der Nazis immer radikaler wurden - Scheiben wurden eingeschlagen, Juden wurden erniedrigt und beleidigt. Im März 1935 wurde in Stettin ein Boykott der jüdischen Geschäfte ausgerufen. In den Jahren 1934-1935 übernahm die Gestapo die Aufsicht über die jüdischen Organisationen. Trotz all dieser Vorgänge war die jüdische Gemeinschaft nicht passiv, sondern organisierte Versammlungen zwecks Konsolidierung und Selbstverteidigung. Jüdische Unternehmer aus Stettin reichten sogar individuelle Beschwerden gegen die diskriminierenden Praktiken der Behörden ein. Der Kaufmann Michelson verlangte bspw., dass das Verbotsschild beim ihm einzukaufen zu entfernen. Ein anderer Kaufmann namens Blochert forderte hingegen, den Mannschaften der Hitlerjugend das Marschieren und Verteilen von antijüdischen Flugblättern vor seinem Geschäft zu untersagen. Während des Boykotts jüdischer Geschäfte vom 29. Juli bis 3. August 1935 sendeten die Geschäftsinhaber ein Telegramm an den Wirtschaftsminister, in dem sie über die Ereignisse in Stettin berichteten. Die Verfasser waren: die Brüder Karger, Neumann, Rosenbaum, Otto Lindner, Max Kurnik, Hermanns und Troitzheim[1.25]. Trotz der sich von Tag zu Tag verschlechternden Lage in Stettin waren in der Stadt immer noch viel Juden beruflich aktiv, darunter Handwerker sowie Geschäfts- und Fabrikbesitzer.

Die Proteste der Stettiner Juden blieben im Gegensatz zum wirtschaftlichen Boykott der Nationalsozialisten ergebnislos. Der Boykott hingegen bewirkte, dass viele Familien ihre Einkommensquellen verloren. Kaufleute begannen ihre Waren mithilfe von Autos aufs Land zu transportieren, beim Versuch ihre Existenz zu wahren. Doch kurze Zeit später wurde verordnet, allen Juden die Fahrerlaubnis zu entziehen. Ende 1935 begann die Regierung das jüdische Handwerk abzuschaffen. Immer mehr Mitglieder der Stettiner Gemeinde entschlossen sich, die Stadt zu verlassen. Die Auswanderer machten sich auf den Weg in Richtung Palästina und Westeuropa, wobei sie ihr Hab und Gut, das Erbe einiger Generationen, in der Stadt zurücklassen mussten, da die Zollvorschriften keine Ausfuhr von wertvollen Gegenständen sowie Geld erlaubten. Zu dieser Zeit begann der Zustrom von Juden aus anderen, kleineren Ortschaften in Deutschland. Im Jahre 1937 kam es immer noch zu willkürlichen Verhaftungen von Juden. Am 9. Juni 1937 wurden in Stettin zwei Kaufleute für illegalen Handel festgenommen: Adolf Martin und Adolf Drucker. Die Verhaftungen und Schikanen wurden im Jahre 1938 zu einem Massenphänomen[1.26].

Während der sog. Kristallnacht (vom 9. auf den 10. November 1938) entfesselten sich die antijüdischen Ausschreitungen so stark wie noch nie zuvor. Die Synagoge wurde in Brand gesetzt, 42 jüdische Werkstätten sowie andere Gebäude, die sich in jüdischem Besitz befanden, wurden zerstört. Scheiben wurden in den Kaufhäusern von Blumenreich in der Großen Wollweberstraße (heute Tkacka Straβe), bei den Gebrüdern Karger in der Schulzenstraße (heute Sołtysia Straβe), bei Rosenbaum in der Breiten Straße (heute Wyszyński-Straβe), in der Gesellschaft Labbow in der Langebrückstraße (heute Nabrzeże Wieleckie) sowie bei Dannemann in der Wolfstraße (heute Dębogórska Straβe) eingeschlagen[1.27]. Auch das Begräbnishaus am jüdischen Friedhof wurde in Brand gesteckt. Die damals verhafteten Juden, u. a. Mitglieder der Stettiner Gemeinde, wurden in das deutsche Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Viele von ihnen wurden erst dann freigelassen, als sie Dokumente vorweisen konnten, die sie zur Ausreise ermächtigten bzw. die Behörden überzeugen konnten, dass sie bei der Arbeit der Gemeinde benötigt wurden, die nach dem Pogrom zwar noch tätig war, bereits aber keine größere Rolle mehr spielte. Nach den Ereignissen der Kristallnacht blieb noch eine gewisse Zahl an Juden in Stettin, die in ständiger Angst lebte[1.1.26].

An dieser Stelle sollten auch die Stettiner Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit erwähnt werde, die noch vor dem Ersten Weltkrieg oder kurz danach in die Stadt kamen. Nach polnischem Gesetz, welches die Erneuerung der polnischen Staatsangehörigkeit binnen 2 Jahren verlangte, verloren diese Juden ihre polnische Staatsangehörigkeit, wobei 1934 das Dritte Reich wiederum allen Juden, die in Polen bzw. nach 1933 in Deutschland geboren wurden, die deutsche Staatsangehörigkeit entzog. Die nationalsozialistischen Behörden bezeichneten die polnischen Juden als Staatenlose, was zu zahlreichen Schikanen führte. Die Juden suchten Hilfe im Konsulat der Republik Polen in Stettin, wo sie den Ratschlag erhielten, eine polnische jüdische Gemeinde in der Stadt zu gründen. Laut den Schätzungen des polnischen Konsulats zählte diese Gruppe im Jahre 1932 ca. 70 Familien (200 Personen). In den folgenden Jahren waren polnische Juden dank der Anwesenheit der polnischen diplomatischen Vertretung in der Stadt etwas weniger von Schikanen und antijüdischen Ausschreitungen betroffen. Kurze Zeit später erreichte die antijüdische Politik alle Juden, ohne Ausnahme der polnischen Bürger jüdischen Glaubens. Am 28. und 29. Oktober 1938 wurde eine sog. polnische Aktion organisiert, während der viele Juden in Polizeihaft kamen. All jene, die sich gegen diese Aktion widersetzten, wurden über den Grenzpunkt in Piła nach Polen abgeschoben. Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurden die polnischen Juden in Stettin erst von der Polizei verhaftet und später in das Internierungslager in Nürnberg-Langewasser gebracht[1.28].

Nach der Kristallnacht wurde die Auswanderungswelle der Stettiner Juden, die ab 1933 andauerte, zu einem Massenphänomen. In Stettin wurden drei spezielle Organisation für die Auswanderer geschaffen. Hirschfeld organisierte die Flucht für die ärmeren Bürger, wobei er die wohltätige Hilfe der Mitglieder der Gemeinde in Anspruch nahm. Der Hilfsverein der deutschen Juden in Stettin unter der Leitung von Else Meyring war für die Ausreise auf die beiden amerikanischen Kontinente verantwortlich. Zudem gab es das Palästina-Amt, welches die Aufgabe hatte, die Flucht nach Palästina zu ermöglichen (sein Sekretär war Fritz Gabriel). Die Stettiner Juden flüchteten vor allem nach Palästina, aber einige auch nach Shanghai. Im Falle der jüdischen Beamten ist sicher, dass im Dezember 1937 Jacob Peiser nach Tel-Aviv auswanderte, der Kaufmann Max Eisenstein sich 1938 nach Südafrika begab und der Rabbiner Karl Richter im Mai desselben Jahres in die USA flüchtete. Ein Jahr später wanderten noch Dr. Ismar Rosenberg (nach Leeds) sowie Heinz Levysohn (Palästina) aus. Trotz des Pogroms und der Massenmigration, begann sich in der Gemeinde ein neuer Vorsitz zu bilden[1.29].

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die jüdische Bevölkerung stärkeren Repressionen unterzogen, die auf brutale Art und Weise vor allem ältere Menschen und Kinder betrafen. Die vereinzelten Berichte der Stettiner Gestapo aus dieser Zeit berichten über die Verhaftungen in der Stadt, u. a. wurde am Hauptbahnhof am 13. Februar 1940 der Berliner Jude Leon Steinberg verhaftet. Bis heute sind Polizeikarteien erhalten, die Vermerke über die Deportation Stettiner Juden nach Lublin enthalten. In der Geschichtsschreibung wird als Deportationsdatum am häufigsten der 12. bzw. 13. Februar 1940 genannt. Über das Schicksal der Stettiner Juden erfahren wir aus den Akten des Judenrats in Lublin, der verzeichnete, dass im Februar 1940 ein Transport aus Stettin mit ca. 1 100 Juden nach Lublin kam. Zudem sollen auch Transporte aus anderen Ortschaften Pommerns in der Stadt angekommen sein. Die Reise, während der einige Dutzend Menschen starben, fand in unbeheizten Waggons und ohne Trinkwasser statt. Nach ihrer Ankunft wurden die Juden in das SS und Selbstschutz Durchgangslager in der Lipowa Straβe transportiert. Die kranken und ausgekühlten Menschen wurden in einem jüdischen Krankenhaus untergebracht. Die Umgesiedelten wurden ins Lubliner Ghetto sowie in die Transitghettos in Bełżyce, Piaski und Głusk deportiert. Der Judenrat in Piaski veröffentlichte am 8. September 1940 eine Liste all jener Personen, die damals im Ghetto waren. Auf dieser Liste befanden sich viele deportierte Stettiner Juden.

Die übrigen Stettiner Juden wurden nach Belzec geschickt und dort am 28. Oktober 1942 ermordet. Es überlebten nur die wenigsten, u. a. die Damen Baden und Hoffman, Frau Reitzs mit Tochter, Gertruda Joachimstal mitsamt ihren Kindern Eva und Lutz, Dr. Mosbach mitsamt Familie sowie seine Mitarbeiterin Eva Susskind. Im Ghetto in Głusk wurden 65 Juden aus Stettin inhaftiert. Insgesamt wurden ca. 700 Personen im Ghetto festgesetzt. Bei der ersten Deportation am 16. Oktober 1942 in das Ghetto in Piaski wurden aus Głusk die meisten Häftlinge deportiert. Aus Piaski wurden sie dann, mitsamt den anderen Häftlingen, in das deutsche Vernichtungslager Sobibor gebracht.

Über die Häftlinge in den Ghettos wachte die Emigrationsabteilung des Judenrates in Lublin, die mit der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland in Berlin sowie ausländischen wohltätigen Organisationen zusammenarbeitete. Trotz ihrer Bemühungen konnte die Ausreise in neutrale Staaten für Stettiner Juden nur in seltenen Fällen realisiert werden. Wegen der schweren Bedingungen starb ein großer Teil von ihnen nach kurzer Zeit[1.30].

In Stettin blieben noch einige Dutzend Juden, vor allem Kinder und ältere Menschen, die aber kurze Zeit später nach Berlin und Hamburg transportiert wurden. Bis Mitte 1940 führten die Aussiedler ein überaus hartes Leben, wenngleich es für die damaligen Verhältnisse relativ normal war. Gebete wurden regelmäßig abgehalten, es wurde Unterricht für die Kinder organisiert, es fanden kulturelle Treffen statt und es wurden handgeschriebene Zeitschriften herausgegeben. Sie erhielten Post und Pakete vom American Jewish Joint Distribution Commitee aus Amerika. Zudem konnten sie auch mit ihren christlichen Freunden in Briefkontakt sein, von denen sie auch Pakete erhielten. Bis heute hat sich die Korrespondenz u. a. von Margarete Lachmund [1.31], A. Grüneberg, dem Ehepaar Dr. Max und Martha Bauchwitz sowie Claire Silbermann erhalten. Auf Grundlage dieser Briefe und der Memoiren wurde schlussendlich ein Buch herausgegeben[1.32], in dem der evangelische Schriftsteller Alfred Goes das Nachwort verfasste.

Die Stettiner Juden wurden durch die o. g. Ghettos in die deutschen Vernichtungslager u. a. in Sobibor, Belzec und Majdanek deportiert. Nur den wenigsten gelang es, zu überleben. Zu dieser Gruppe gehörte u. a. Dr. Erich Mosbach, ein Zahnarzt, der in einer Flugzeugfabrik arbeitete und sich mitsamt seiner Familie retten konnte. Nachdem er die Freiheit wiedererlangte, zog er in die USA um. Dr. Mosbach lieferte zahlreiche wertvolle Informationen über das Schicksal der letzten Juden aus Stettin sowie über das Schicksal der sich einst großartig entwickelnden Gemeinschaft[1.33].

Das Schicksal der 1939 internierten und in das Lager in Nürnberg deportierten Juden sowie der 340 Personen, die im provisorischen Lager in Piła festgehalten wurden, ist bis heute nicht geklärt. Wahrscheinlich gelangten sie in eines der deutschen Konzentrationslager[1.34].

Die jüdische Gemeinde in Stettin wurde offiziell aufgelöst. Dr. Max Plaut, der Konkursverwalter der Hamburger Gemeinde, überwachte alle mit diesem Prozess verbundenen Handlungen. Die Grundstücke der Gemeinde wurden für recht günstige Preise verkauft. Das Geld wurde mitsamt dem kompletten restlichen Vermögen der Gemeinde der Reichsvertretung der Juden in Deutschland übergeben. Das private Vermögen der Stettiner Juden hingegen wurde beschlagnahmt. Dank der Freundlichkeit des Rechtsanwalts Lenz konnte Dr. Plaut für 90 000 Mark aus dem Stettiner Vermögen Kleidung kaufen, die er später in einem Zug nach Lublin schickte. Dort wurden sie unter den Deportierten verteilt. Die Vorstandsmitglieder der Gemeinde fanden im Haus des Friedhofsgärtners Karl Retzlaff Zuflucht. Dieser lehrte bereits vor dem Krieg über Jahre jüdische Kinder Landwirtschaft und Gartenbau[1.35].

Nach dem Krieg wurden Westpommern und vor allem Stettin zu einem der Hauptsiedlungsgebiete der Juden. Dafür gab es zwei Gründe. Erstens war Stettin nach dem Krieg dank seiner Lage ein wichtiger Knotenpunkt, eine Haltestelle auf dem Weg in den Westen und nach Palästina[1.36]. Zweitens begann in dieser Zeit in Stettin eine der drei Agenturen der Bricha ihre Tätigkeit, die ab 1944 die Auswanderung der Juden nach Palästina über die sog. grüne Grenze bewerkstelligte. Neben der illegalen Migration gab es auch die legale Migration, wenn auch in kleinerem Maße. Diese wurde durch die Abteilung für Migration am Woiwodschaftskomitee der Polnischen Juden in Stettin organisiert, u. a. fand im November 1948 der feierliche Abschied einer Gruppe von 615 Juden, die sich auf dem Schiff „Beniowski“ nach Israel begaben, statt.

Nach Stettin kamen auch jene, die die Stadt nicht als Übergangspunkt, sondern als Ort zum Leben betrachteten. Zu dieser Gruppe gehörten vor allem die Umsiedler aus der UdSSR (wie man damals sagte: Repatriierte), unter denen sich auch viele Juden befanden. Im Umbruch April/Mai 1946 kamen insgesamt 39 Transporte aus der UdSSR in Westpommern an, mit auch denen 25 321 Personen mosaischen Glaubens anreisten. Im Juni 1946 lebte die größte Zahl Juden in Stettin (das Woiwodschaftskomitee registrierte 3 951 Personen). Ab Juli 1946 begann diese Zahl allerdings rapide zu sinken - im Herbst waren es nur noch 1 500 Juden. Diese Tendenz war über die ganzen 1940er Jahre bemerkbar.

In dieser Zeit war die jüdische Gemeinschaft in Stettin in zwei Institutionen vereint, die häufig miteinander um die „Herrschaft über die Seelen“ konkurrierten. Dies waren das vorher erwähnte Woiwodschaftskomitee sowie die Glaubenskongregation, aus der im Juni 1946 die jüdischen Religionsgesellschaft entstand (die Behörden lehnten die Registrierung einer jüdischen Gemeinde ab). Das Woiwodschaftskomitee sollte politisch unabhängig sein und die ganze jüdische Gemeinschaft vertreten. Seine Zusammensetzung wurde jedoch nach einem parteiabhängigen Schlüssel ausgesucht. Das Komitee setzte sich somit aus Vertretern der Polnischen Arbeiterpartei, des Bundes, des linken Flügels der Poale Zion und des rechten Flügels der Poale Zion sowie des Ichud zusammen. Mit der Zeit folgten die Parteien Hashomer Hatzair, Hitachdut und Misrachi. In den nächsten Jahren wurde das Komitee von den Kommunisten dominiert[1.37].

Das Leben der jüdischen Gemeinschaft in den Jahren 1945-1950 bringen die Erinnerungen der beiden Stettiner Juden Izrael Ciring und Aleksander Biełous näher. Von Ciring wissen wir, dass das Jüdische Komitee in Stettin sich in der Słowacki-Straβe befand. Dank den Handlungen von Adam Asnes, dem Vorsitzenden der Kulturabteilung, wurde einige Male im Monat im Stettiner Radio eine an die jüdische Gemeinschaft gerichtete Sendung ausgestrahlt. Ein häufiger Gast war die Frau von Ciring, Irena Dołgow, die Violinistin war. Sie trat im Radio zusammen mit der Sängerin Roza Rajska oder dem Duett Freszko im künstlerischen Teil der Sendung auf. In der Gemeinde waren zwei Theater in Betrieb - das Kleine Theater von Sylwester Czosnowski sowie die Amateurtruppe unter der Leitung von Austryjski. Einige der Vorstellungen wurden in Jiddisch aufgeführt. Die jüdische Gemeinschaft verfügte über zwei Synagogen - eine aschkenasische sowie eine sephardische. Vor allem die Samstagspredigten des Rabbiners blieben in der Erinnerung von Ciring erhalten, die ihm zufolge „sehr niveauvoll waren“. Ciring erinnerte sich weiter, dass das rituelle Schlachten in einer kleinen Kammer hinter der Synagoge stattfand. Angeblich soll die Gemeinschaft zu der Zeit auch über ein koscheres Geschäft verfügt haben[1.38]. Tatsächlich existierten in der Stadt drei Gotteshäuser in der Słowacki-Straβe 14, Bogusław-Straβe 51/13 und Niemcewicz-Straβe. In den Jahren 1946-1947 übernahm Lew Rubinstein das Amt des Rabbiners, 1950 hingegen Dawid Izrael Tszarf. Die Gemeinschaft besaß zudem eine Mikwe und nahm die Leistungen des Mohels sowie einer koscheren Küche in Anspruch[1.39]. Ciring zufolge befand sich im Gebäude in der Niemcewicz-Straβe 2, wo sich heute der Sitz der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Juden befindet, der Religionsverband des mosaischen Bekenntnisses.

„Dort amtierte der Vorsitzende (an den Namen kann ich mich nicht erinnern) und der Sekretär Herr Malowańczyk (daran erinnere ich mich dank des außergewöhnlichen Namens). Wenn jemand zu ihnen mit einer Angelegenheit kam und sie nicht wollten, dass er sie versteht, sprachen sie miteinander Hebräisch. Dies ist mir auch widerfahren, doch sie wussten nicht, dass ich diese Sprache beherrsche und so war ihr Geheimnis nicht mehr ein Geheimnis für mich“[1.40].

Laut der Erzählung von Aleksander Biełous, der in Stettin zwischen 1948 und Juni 1950 lebte, lebte die jüdische Gemeinschaft in Niebuszew sowie in der Żelechowa Straβe und der Umgebung der Hakenterrassen. Die Juden führten ein sehr aktives kulturelles und politisches Leben. Der Autor kannte Izrael Ciring und spielte sogar oftmals Geige mit seiner Frau während gemeinsamer Auftritte. Zudem erinnerte er sich an den Pianisten Freszko (in seinen Erinnerungen taucht dieser als Ferszko oder Fereszko auf). Angeblich soll die Gemeinschaft zu der Zeit auch über ein koscheres Geschäft verfügt haben[1.41]. Sowohl Ciring als auch Biełous erinnerten sich an die I. L. Perec-Schule, die bis 1969 geöffnet war. Später wurde sie verstaatlicht, wenngleich dort immer noch Jiddisch unterrichtet wurde[1.42].

In den 40er Jahren gab es in Stettin viele jüdische Organisationen, Filialen und Institutionen, die aber in den oben erwähnten Memoiren nicht genannt wurden. Erwähnenswert sind vor allem: Die Gesellschaft für Gesundheitsschutz, zwei Krippen, fünf Kindergärten, zwei Schulen die dem Woiwodschaftskomitee sowie jene, die den zionistischen Parteien unterlagen, wie bspw. die Schule in der Podgórna Straβe 2 (die 1949 von den Behörden liquidiert wurde), der Jüdische Sportclub (ab 1947 die Jüdische Sportgesellschaft). In den Jahren 1946-1947 wurde die jüdische Zeitung „Tygodnik Informacyjny“ herausgegeben. Der Verein zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden in Polen hingegen organisierte Berufskurse. In dieser Zeit spielten die jüdischen Genossenschaften eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau der Wirtschaft in Westpommern. Sie stellten 81% aller Genossenschaften in der Region dar[1.43].

Zum Jahreswechsel 1949-1950 kam es zu einem politischen Kurswechsel der Behörden gegenüber der jüdischen Gemeinschaft. Die meisten jüdischen Institutionen und Organisationen wurden damals geschlossen und die Behörden informierten die Aktivisten und Unterstützer der zionistischen Bewegung über die Möglichkeit, nach Israel auszuwandern. Hierfür war eine vorherige Registrierung und eine Qualifikation notwendig. Im Oktober 1950 registrierten sich in Stettin 2 500 Personen, wenngleich nicht alle die Erlaubnis zur Auswanderung erhielten. Schätzungen zufolge verblieben in Stettin nach der Migrationswelle rund 4 000 Juden. Während der zweiten Welle von 1955 bis Januar 1956 wurden in der Woiwodschaft Stettin insgesamt 1 438 Anträge zur Ausreise gestellt. Der Höhepunkt war die Zeit von August 1956 bis Oktober 1957 als sich insgesamt 1 764 Personen um die Ausreise bemühten. Zu dieser Zeit existierten in Stettin immer noch zwei jüdische Organisationen: Der Religionsverband des mosaischen Bekenntnisses[1.44] sowie die am 26. November gegründete Abteilung der Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden (aus der Verbindung des Woiwodschaftskomitees und der Jüdischen Kulturgesellschaft)[1.45].

An dieser Stelle sollte auch das Schicksal des jüdischen Friedhofs erwähnt werden. Im Jahre 1946 wurde er unter die Verwaltung der Glaubenskongregation gestellt, jedoch wurden jegliche Bestattungen untersagt. Die Entscheidung, den Friedhof zu schließen, rechtfertigte man mit der Notwendigkeit, nur einen Friedhof für alle Stettiner zu verwalten. Die Verstorbenen wurden aber immer noch illegal in der jüdischen Ruhestätte bestattet. Obwohl die Kongregation um den Friedhof kämpfte, wurde er 1962 offiziell geschlossen. Den Juden wurde ein Quartier auf dem Zentralfriedhof zur Verfügung gestellt (sie konnten ihren Friedhof weder einzäunen noch ein Begräbnishaus errichten). Letztendlich wurde der Friedhof 1982 komplett liquidiert und an seiner Stelle wurde ein Park errichtet. Im Jahre 1988 wurde hier ein Denkmal aus Mazewot zum Gedenken an die jüdische Ruhestätte errichtet[1.46].

Das Jahr 1968 stellte einen Umbruch für die jüdische Gemeinschaft in ganz Polen dar. Die von den Behörden eingeleiteten und vom polnischen Volk unterstützten heftigen antisemitischen Angriffe hatten enormen Einfluss auf die Entscheidung vieler Juden, das Land zu verlassen. Vom Anfang 1968 bis August 1969 stellten in der Woiwodschaft Stettin 699 Personen einen Antrag zur Ausreise und es blieben nur noch 1 500 Juden zurück. In der Stadt selber wurden jüdische Schule und Organisationen geschlossen. Die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden nahm ihre Tätigkeit erst 1971 wieder auf. In den Folgejahren verließen weiterhin viele junge Juden das Land, da sie für sich keine Perspektiven im damaligen Polen sahen. Seit 2003 werden in Stettin alle drei Jahre Treffen all jener organisiert, die nach den Märzereignissen auswanderten. In dieser Zeit finden Treffen der ehemaligen Schüler der I.L. Perec-Schule statt, aber auch Ausstellungen, Konzerte, Ausflüge und andere Kulturevents, die an das jüdische Erbe anknüpfen, werden organisiert.

Heute sind Juden vor allem in drei Organisationen aktiv: der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Juden, der Vereinigung der jüdischen Kriegsveteranen und Opfer des Zweiten Weltkriegs sowie in der jüdischen Glaubensgemeinde (bis 1993 die Glaubenskongregation). Im Jahre 2002 war die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Juden die größte von allen, der insgesamt 74 Personen angehörten[1.47]. Heute besteht das Engagement der Mitglieder der Gesellschaft in der Entrichtung der Mitgliedsbeiträge und sporadischer Teilnahme an den Veranstaltungen der Gemeinde. Aus diesem Grund versucht die Gesellschaft Maßnahmen durchzuführen, die ihre Mitglieder aktivieren würden. Im Fokus stehen vor allem junge Menschen, die oftmals die jüdische Tradition oder Kultur nicht mehr kennen. Hierfür werden die jüdischen Feste gefeiert, die Jahrestage, die dem Leben des jüdischen Volkes gedenken, werden feierlich begangen und es werden Hebräischkurse angeboten. Darüber hinaus fördert die Gesellschaft die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Pommern und in Polen.

Bibliographie:

  • Brilling B., Stettin (Szczecin), [in:] Encyclopaedia Judaica, Bd. 19, Red. M. Berenbaum, F. Skolnik, New York 2007.
  • Frankiewicz B., Losy ludności żydowskiej na Pomorzu Zachodnim w latach 19331940, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1987, Nr. 3–4.
  • Mieczkowski J., Szczecińscy Żydzi. The Jews of Szczecin, Szczecin 1993.
  • Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historia Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4.
  • Peiser J., Die Geschichte der Synagogengemeinde zu Stettin, Würzburg 1965.
  • Salinger G., Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns, Bd. 1, New York 2006.
  • Stankowski A., Emigracja Żydów z Pomorza Zachodniego w latach 1945–1960, [in:] Studia z historii i kultury Żydów w Polsce po 1945 roku, Warszawa 1997, S. 83–141.
  • Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. K. Kozłowski, J. Mieczkowski, Szczecin 2004.

 

Print
Fußnoten
  • [1.1] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historia Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 75.
  • [1.2] Brilling B., Stettin (Szczecin), [in:] Encylopaedia Judaica, Bd. 19, Red. M. Berenbaum, F. Skolnik, New York 2007, S. 223.
  • [1.3] Kozłowski K., Informacja o losach Żydów na Pomorzu Zachodnim od XIII w. Kilka słów o celach i uczestnikach sesji, [in:] Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. K. Kozłowski, J. Mieczkowski, Szczecin 2004, S. 20.
  • [1.4] Kozłowski K., Informacja o losach Żydów na Pomorzu Zachodnim od XIII w. Kilka słów o celach i uczestnikach sesji, [in:] Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. K. Kozłowski, J. Mieczkowski, Szczecin 2004, S. 21.
  • [1.5] Während des sog. Kriegs Frankreichs gegen die Koalition, nahmen die Truppen Brandenburgs die Stadt am 22. Dezember 1677 ein. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Brandenburg und Schweden, der im Juni 1679 in Saint Germain unterzeichnet wurde, verzichtete der brandenburgische Kurfürst auf seine Errungenschaften, darunter auch Stettin.
  • [1.6] Salinger G., Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns, Bd. 1, New York 2006, S. 223.
  • [1.7] Mieczkowski J., Z dziejów Żydów na Pomorzu Zachodnim, [in:] Transodra online [online], http://www.transodra-online.net/pl/node/1419 [Zugriff: 16.07.2014].
  • [1.8] Turek-Kwiatkowska L., Przyczynek do dziejów społeczności żydowskiej w Szczecinie w XIX w i na początku XX w., [in:] Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. K. Kozłowski, J. Mieczkowski, Szczecin 2004, S. 21.
  • [1.9] Kryciński S., Olej-Kobus A., Kobus K., Przewodnik. Zabytki kultury żydowskiej w Polsce, Kraków 2011, S. 36.
  • [1.10] Brilling B., Stettin (Szczecin), [in:] Encyclopaedia Judaica, Bd. 19, Red. M. Berenbaum, F. Skolnik, New York 2007, S. 223.
  • [1.11] Mieczkowski J., Z dziejów Żydów na Pomorzu Zachodnim, [in:] Transodra online [online], https://www.transodra-online.net/pl/node/1419 [Zugriff: 16.07.2014].
  • [1.12] Peiser J., Die Geschichte der Synagogengemeinde zu Stettin, Würzburg 1965.
  • [1.13] Turek-Kwiatkowska L., Przyczynek do dziejów społeczności żydowskiej w Szczecinie w XIX w i na początku XX w., [in:] Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. K. Kozłowski, J. Mieczkowski, Szczecin 2004, S. 21.
  • [1.14] Szczecin, [in:] Słownik geograficzny Królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich, Bd. 11, Red. B. Chlebowski, F. Sulimierski, W. Walewski, Warszawa 1890, S. 831.
  • [1.15] Salinger G., Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns, Bd. 1, New York 2006, S. 224–227.
  • [1.1.8] Turek-Kwiatkowska L., Przyczynek do dziejów społeczności żydowskiej w Szczecinie w XIX w i na początku XX w., [in:] Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. K. Kozłowski, J. Mieczkowski, Szczecin 2004, S. 21.
  • [1.16] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historii Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 76.
  • [1.17] Salinger G., Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns, Bd. 1, New York 2006, S. 226, 280.
  • [1.18] Gidal N. T., Die Juden in Deutschland, Köln 1997, S. 334–335.
  • [1.19] Donath A., Lesser Ury, Berlin 1921.
  • [1.20] Elias J., Max Liebermann. Eine Biographie, Berlin 1917.
  • [1.1.16] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historii Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 76.
  • [1.21] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historii Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 76; Turek-Kwiatkowska L., Przyczynek do dziejów społeczności żydowskiej w Szczecinie w XIX w i na początku XX w., [in:] Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. K. Kozłowski, J. Mieczkowski, Szczecin 2004, S. 21.
  • [1.22] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historii Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 76.
  • [1.23] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historii Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 77.
  • [1.24] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historii Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 78.
  • [1.25] Frankiewicz B., Losy ludności żydowskiej na Pomorzu Zachodnim w latach 1933-1940, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1987, Nr. 3-4, S. 72–73.
  • [1.26] Frankiewicz B., Losy ludności żydowskiej na Pomorzu Zachodnim w latach 19331940, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1987, Nr. 3–4, S. 76.
  • [1.27] Barran F. R., Städte-Atlas Pommern, Leer 1993, S. 114.
  • [1.1.26] Frankiewicz B., Losy ludności żydowskiej na Pomorzu Zachodnim w latach 19331940, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1987, Nr. 3–4, S. 76.
  • [1.28] Frankiewicz B., Losy ludności żydowskiej na Pomorzu Zachodnim w latach 1933-1940, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1987, Nr. 3-4, S. 80–81.
  • [1.29] Salinger G., Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns, Bd. 1, New York 2006, S. 288.
  • [1.30] Frankiewicz B., Losy ludności żydowskiej na Pomorzu Zachodnim w latach 19331940, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1987, Nr. 3–4, S. 83.
  • [1.31] Margarete Lachmund wohnte in Greifswald. Sie unterhielt einen regen Briefverkehr mit den Bewohnern der Ghettos bei Lublin. Die von ihr gesammelten Briefe wurden erst im städtischen Archiv aufbewahrt.
  • [1.32] Goes A., Luckner G., Rosenfeld E., Lebenszeichen aus Piaski. Briefe Deportierter aus dem Distrikt Lublin, 1940-1943, München 1970.
  • [1.33] Salinger G., Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns, Bd. 1, New York 2006, S. 293.
  • [1.34] Frankiewicz B., Losy ludności żydowskiej na Pomorzu Zachodnim w latach 1933-1940, „Biuletyn Żydowskiego Instytutu Historycznego” 1987, Nr. 3–4, S. 83.
  • [1.35] Salinger G., Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns, Bd. 1, New York 2006, S. 284–285.
  • [1.36] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historii Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 79.
  • [1.37] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historia Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 79.
  • [1.38] Król R., Współczesne problemy środowiska Żydów szczecińskich, [in:] Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. K. Kozłowski, J. Mieczkowski, Szczecin 2004, S. 158.
  • [1.39] Mieczkowski J., Z dziejów Żydów na Pomorzu Zachodnim, [in:] Transodra online [online], http://www.transodra-online.net/pl/node/1419 [Zugang: 16.07.2014].
  • [1.40] Król K., Współczesne problemy środowiska Żydów szczecińskich, [in:] Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. Kozłowski K., Mieczkowski J., Szczecin 2004, S. 159.
  • [1.41] Król R., Współczesne problemy środowiska Żydów szczecińskich, [in:] Żydzi szczecińscy tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, Red. Kozłowski K., Mieczkowski J., Szczecin 2004, S. 159.
  • [1.42] Mieczkowski J., Z dziejów Żydów na Pomorzu Zachodnim, [in:] Transodra online [online], http://www.transodra-online.net/pl/node/1419 [Zugriff: 16.07.2014].
  • [1.43] Mieczkowski J., Szczecińscy Żydzi. The Jews of Szczecin, Szczecin 1993, S. 9; Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historia Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 79.
  • [1.44] Im Jahre 1946 wurden die jüdischen Religionsgesellschaften in die Glaubenskongregationen umgewandelt, aus denen im August 1949 der Religionsverband des mosaischen Bekenntnisses hervorging.
  • [1.45] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historia Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 82.
  • [1.46] Mieczkowski J., W poszukiwaniu miejsca – historii Żydów w Szczecinie, „Pogranicze” 2003, Nr. 4, S. 83.
  • [1.47] Król R., Współczesne problemy środowiska Żydów szczecińskich, [in:] Żydzi szczecińscy. Tradycja i współczesność. Materiały z sesji naukowej 27.06.2003, red. K. Kozłowski, J. Mieczkowski, Szczecin 2004, s. 155.